Korg Trident – der 8-stimmige String-Synthesizer

Jahrelang schien mir der Korg Trident ein eher „uninteressanter“ Kandidat zu sein. Wozu ein solches Instrument mit klobiger Hardware, nervig-wabernden Streichern und stark limitierten Synthesizer-Möglichkeiten? Etwas fürs Museum? Für Nerds mit seltsamen Neigungen? Nun, manche grundlegenden Erkenntnisse bedürfen offenbar eines ausgiebigen Reife-Prozesses …

Korg Trident Synthesizer

Inzwischen ist die Einschätzung des Korg Trident nämlich eine völlig andere. Voilà: Ein Vintage-Veteran par excellence, eine Luxus-String-Machine, ein Synthesizer mit starkem Charakter und charmanten Limitierungen.

Aus ganz persönlicher Sicht kommt noch ein spezielles Detail hinzu: Betreffend Optik / Layout ist der Trident der letzte große Synthesizer im klassischen Korg-Design der späten 70er-Jahre (PS-Serie / MS-Serie). Mit großzügiger und äußerst ausgewogener Oberfläche, mit den traditionellen schwarzen Drehpotis, mit kleinem Schaltkreis-Symbol der „ganz alten Schule“ am Panel und mit riesigem Logo auf der Rückseite. Wer den Korg Trident eingehend betrachtet, wird das zeitlose Design dieses Vintage-Sauriers zu schätzen lernen.

So beendet der Trident eine bestimmte Design-Ära der Korg-Geschichte, die 1977 mit Einführung der PS-Serie – PS-3100 und PS-3300 – begann, die 1978 mit PS-3200, MS-10 / MS-20 / (später noch MS-50), sowie VC-10, SQ-10 und vielen anderen Instrumenten ihre Fortsetzung fand, und die schließlich ab 1981/1982 von der neu designten Synthesizer-Generation à la Polysix / Mono/Poly / Trident MKII und Poly 61 abgelöst wurde. Notiz am Rande: Korg PS-3200 und einzelne MS-Synthesizer der „alten Garde“ blieben noch erstaunlich lange – bis 1984 – in Produktion.

Korg Trident Synthesizer

[Aktuell verfügt allenfalls der Studiologic Sledge über ein ähnlich klassisches Design: Große Schrift (hier zudem mit etwas Roland-Flair – der Schrift-Typ angelehnt an frühe SH-Synthesizer), eine klare Unterteilung der einzelnen Funktionsgruppen, große schwarze Potis mit viel Platz zum Drehen. Dennoch ist – klassisches Design hin oder her – die moderne italienische Plastik-Hardware des Sledge qualitativ einige Stufen unter der Liga eines robusten Korg Synthesizers anno 1980. Dafür gibt es den Sledge zu einem sehr günstigen Preis – und das bei exzellenten klanglichen Möglichkeiten. Die Verhältnismäßigkeit ist also gegeben.]

Zurück zum Test-Kandidaten, dem Trident. Schon dessen Nachfolger – der Trident MKII – weist ein deutlich anderes Design als das „Original“ auf. Die neuen Knöpfe sind jene klobigen und farblich nicht ganz so eleganten Potis der Polysix-Generation. Das nun zur linken Seite aufgedruckte „Trident MKII“ beeinträchtigt die optische Balance am Panel und auch die subtile Ausgewogenheit von orangen Schaltern und orangem Trident-Logo ist bei der MKII-Version abhanden gekommen (nun überwiegen die grauen Schalter). Auf die sehr wohl vorhandenen positiven „technischen Vorteile“ der MKII-Version kommen wir noch gesondert zu sprechen.

Korg Trident MKII Synthesizer

[Vielen Dank an soundgas.com für das Foto des Trident MKII.]

Das große Geheimnis

Der Trident wurde Ende 1980 – nach über einem Jahr der „geheimen Entwicklung“ – der Öffentlichkeit vorgestellt. Was daran nun besonders geheimnisvoll gewesen sein soll, ist nicht so ganz offensichtlich, zumal das Prinzip eines Multi-Keyboards mit mehreren Klang-Sektionen keineswegs neu war. Immerhin durften dann die Götter in der PR-Abteilung etwas mitmischen, denn schließlich ist der „Trident“ / der „Dreizack“ in der griechischen Mythologie sowohl Zepter als auch Waffe des Meeresgottes Poseidon. Na bitte.

Doch lassen wir PR-Konzepte vergangener Tage beiseite und wenden uns einer interessanten Parallel-Entwicklung zu. 1980 baute Korg einen polyphonen Synthesizer mit Sample-Technologie. Leider wurden dem Instrument geringere Produktions- und Verkaufs-Chancen eingeräumt als jenem neuen Synthesizer auf Multi-Keyboard Basis mit dem Namen „Trident“.

Korg Trident Synthesizer

„Almost at the same time as the development of the Trident, we were researching sampling technology. We made a four-voice polyphonic sampling synthesizer, but at that time we thought that this [… the Trident] would be easier to manufacture.“

(Mr. Mori in Mark Vails „Vintage Synthesizers“, zweite Auflage, Seite 196)

Wie die Geschichte zeigt, hätten die Einschätzungen des Korg-Teams besser ausfallen können. Mit einem polyphonen Sampler anno 1980 wäre das Unternehmen am Zenit der damaligen technologischen Entwicklungen gewesen. Der statt dessen vorgestellte Trident verkörperte hingegen – mehr als 2 Jahre nach Erscheinen des Sequential Prophet-5 und zeitgleich mit der Veröffentlichung des Roland Jupiter-8 – vom ersten Tag an ein „altes Konzept“ bei „alter Technologie“.

Dennoch wurde der Trident von einigen namhaften Musikern sehr geschätzt – als Ergänzung bzw. als Ersatz für so manche Keyboard-Burg, die in den frühen 80er-Jahren auf den Bühnen der Welt zu finden war. Einer der ganz prominenten Korg-Endorser und langjährigen Trident-User war bzw. ist Rick Wakeman. Das folgende Video zeigt u.a. den effektvollen Einsatz des Trident Flangers in Wakemans Solo-Spiel:

Aufbau des Trident

Synthesizer-Freunde dürften die Details zum Trident schon längst kennen. So übersichtlich das Instrument aufgebaut ist, so schnell sind seine einzelnen Klang-Sektionen auch erklärt. Doch beginnen wir zunächst ganz links des Panels und entdecken dort zwei wichtige Performance-Hilfen:

Key Assign und Flanger

Die Zuweisung der einzelnen Sektionen zu Upper / Lower Keyboard-Bereichen entspricht voll und ganz dem Gedanken des Multi-Instruments. „Synthe“, „Brass“ und „Strings“ können wahlweise links, rechts oder über die gesamte Tastatur-Länge zugeordnet werden. Geschmackvolle Streicher im Bass-Bereich mit einem feurigen Brass-Sound in der oberen Region … daraus lässt sich schon etwas machen. Key Assign als wertvolles Performance-Tool. Im Assign Mode 2 werden zudem – auf Wunsch – alle Release-Zeiten auf den zuletzt gespielten Ton beschränkt. Für monophone bzw. zeitgleiche (homophone) Spielweise eine nützliche Beigabe.

Der Flanger wiederum verhilft dem Trident zu exorbitant gelungenen Vintage-Sounds. Mit eigenem LFO versehen und gut dosierbar, ist er „das“ Highlight des Instruments.

Korg Trident Synthesizer

Damit zu den drei Klang-Sektionen:

Synthesizer

8 Stimmen bei 2 VCOs pro Stimme. Sehr klassisch und auch sehr limitiert im Aufbau, macht die Synthesizer-Sektion genau das, was man in dieser Größenordnung von ihr erwartet: Polyphone Standard-Synthesizer-Klänge à la Sägezahn, Puls bzw. Pulsweiten-Modulation. Das VCF klingt ausgesprochen gut und hohe Resonanz erlaubt die charakteristischen silbrigen Vintage-Filtersweeps (manuell, via Hüllkurve oder externer CV-Modulation). Übrigens kommt der SSM2044 Baustein zum Einsatz (8 Stück davon), was den guten und kräftigen Klang der Synthesizer-Sektion wohl auch erklärt.

Brass

Noch bescheidener: Die Bläser-Ecke. Hier darf ein 8 Fuß und 16 Fuß Brass-Sound mit eigenem Filter und eigener Hüllkurve den „Solo“ Part im Trident-Arrangement übernehmen.

Korg Trident Synthesizer

Leider verfügt die gesamte Brass-Abteilung nur über „ein“ Filter, was bei polyphonem Spiel das Abschneiden bzw. permanente Neu-Triggern der Töne zur Folge hat. Zwar ist Multi-Trigger einstellbar, doch bleibt das Grundproblem des singulären Filters bestehen.

Brass erzeugt die klassischen, schneidenden Sägezahn-Lead-Lines, die man von Synthesizern aus jenen Tagen kennt … wobei der Klang-Charakter – wie überhaupt der Charakter des Trident – japanisch ist und keineswegs amerikanisch. Sprich: Oberheim, Sequential, ARP und Moog mit ihrem organischen und massiven Klang einerseits. Yamaha, Roland und Korg mit dem etwas nasalen, stimmstabileren und eher zurückhaltenden Klang-Charakter auf der anderen Seite. (Wobei es natürlich ein paar Ausnahmen zur Regel gibt.)

Strings

Auch hier: Strings bietet das, was man sich erwartet. Klassische, wabernde Streicher-Sounds, in 4 Fuß, 8 Fuß und 16 Fuß. Der Bowing-Effekt (das Streichen des Bogens auf der Seite?) überzeugt weniger, doch insgesamt ist der Klang dieser Sektion herausragend und genau so, wie man ihn sich von einer „alten String-Machine“ erhofft.

Korg Trident Synthesizer

Nützliche Extras

Schon genannt: Key Assign (Split oder Layer) sowie der wunderbare Flanger. Beides von großer musikalischer Nützlichkeit. Weiters verfügt jede Klang-Abteilung über einen ON/OFF Schalter (hier OUTPUT genannt) samt eigener Lautstärke-Regelung. Praktisch und zuweilen unerlässlich wichtig, denn manchmal sind es Nuancen, die über den perfekten Zusammenklang von Synthe / Brass / Strings entscheiden.

„Solo Release“ ist eine Besonderheit der 8-stimmigen Synthesizer-Sektion, die – wenn aktiviert – dafür Sorge trägt, dass immer nur der zuletzt gespielte Ton zur Gänze ausklingt. Für Soli, die „nicht“ verwässern, für Klarheit im musikalischen Geschehen. Eventuell auch zwecks Solidarität mit der Brass-Sektion, wo wegen bereits genannter technischer Einschränkung (ein VCF) die monophone / homophone Spieltechnik – also eine solo-bezogene Spielweise – ohnehin die Norm ist.

Ein globaler Delayed-Vibrato-LFO kann dem Gesamtklang beigefügt werden. Entweder automatisch oder per Joystick – derselbige übrigens ein exquisites Performance-Tool darstellt, das die Lebendigkeit des Trident-Klanges nochmals erheblich steigern kann.

Korg Trident Synthesizer

Als ein weiteres Highlight seien schließlich die unzähligen Anschlüssen erwähnt. Nicht viele Synthesizer – der Moog Memorymoog und ARP Quadra ausgenommen – verfügen über eine solch beeindruckende Rückseite wie der Korg Trident.

Die hohe Kunst der Verkabelung beginnt mit den Audio-Wegen. Synthe / Brass / Strings können separat abgegriffen werden, zudem gibt es zwei MIX OUT Signale (High / Low Level) und den Phones-Ausgang am Panel. Mit diesem Konzept lassen sich einzelne Synthesizer-Teile durch abgestimmte (externe) Effektgeräte schleifen, Synthe / Brass / Strings können schön im Panorama verteilt und individuell am Mischpult eingepegelt werden.

Die Steuerung der einzelnen Lautstärken via Controller (Fußpedal / externe CV-Quelle) sowie diverse Filter-CV-Eingänge und die Trigger-Möglichkeit der Brass-Abteilung tun ein übriges, um den Trident klar als Performance-orientierten Synthesizer zu definieren.

Korg Trident Synthesizer

Seltsame Besonderheiten

Manche Aspekte des Trident verleiten zum Schmunzeln. So verfügt die Synthe-Abteilung über 3 Factory-Presets (Piano 1 / Piano 2 / Clavi(nett?) und sagenhafte 16 User-Speicherplätze. Öhm, Hand aufs Herz … wozu 16 Speicherplätze? Die Synthe-Abteilung ist so minimal gehalten, dass es selbst phantasievollen Musikern kaum gelingen dürfte, dem Trident mehr als 8 „entschieden anders tönende“ Sounds zu entlocken.

Allerdings – nun heißt es etwas zurückrudern und das Schmunzeln einzustellen – lassen sich abgespeicherte Klänge nachträglich nicht (genauer gesagt: nur im kleinsten Rahmen) verändern. So bekommt man also mit etwas Weitsicht doch 16 Klänge in den Speicher, die sich – wenn musikalisch notwendig – zuweilen nur um Nuancen unterschieden … gezwungenermaßen sozusagen, da eine spätere Anpassung eben nicht möglich ist.

Noch einmal zum Thema Flanger. So genial dieser Effekt klingt, so verwunderlich ist die Tatsache, dass er nur jeweils „einer“ Sektion zugeordnet werden kann. Synthe oder Brass oder Strings mit Flanger, das schon. Ein Narr, wer sich jedoch Synthe UND Strings mit Flanger wünscht. Hah – sooo nicht! (Nun gut … über die separaten Ausgänge und externe Effektgeräte ließe es sich dann doch noch lösen.)

Korg Trident Synthesizer

Weiters: Brass verfügt über eine Trigger-Select-Funktion, die die Hüllkurve nur dann auslöst, wenn (bis zu) 2, 4, 6 oder 8 Tasten gegriffen werden. Ein alter Hut, vielen Lesern sicher durch den General Envelope Generator (GEG) der Korg PS-Serie bekannt. Musikalisch ist dies natürlich durchaus sinnvoll, da man die eigene Spielweise mit der gezielten Beigabe von Brass-Tönen koppeln kann. Hier am Beispiel der Einstellung „6“ (bei aktivierter Trigger Select Funktion): 5 Töne gespielt – nur Synthe und Strings, wieder 5 Töne – nochmals Synthe und Strings, 6 Töne – hoppla, Brass ist plötzlich mit dabei.

Sollte diese Funktion aktiviert sein und sollte man – ganz zufällig – ob besagter Einstellung minimale Gedächtnislücken haben, und ja, sollte dann beim Spielen des Trident die Brass-Abteilung immer leiser und leiser werden (bis zum unerklärlichen Verschwinden), so liegt kein Defekt vor, einzig ist die Spielweise nicht den Erwartungen des Trident entsprechend angepasst. Lösung: Trigger-Select wieder deaktivieren und alles ist gut – Brass is back.

Letzter Gedanke: Während OUTPUT (On/Off) und separater Volume-Regler pro Klang-Abteilung hervorragende Features zur Klanggestaltung sind, hätte dem Trident noch separates Tuning „pro“ Einheit extrem gut zu Gesicht gestanden. Natürlich gibt es TOTAL TUNE – doch eben nur für das gesamte Instrument. Ein Verstimmen der einzelnen Abteilungen gegen einander wäre tatsächlich das i-Tüpfelchen im Reich des Poseidon gewesen.

Korg Trident Synthesizer

Musikalisches

Orchestrale Klänge sind wohl das, wofür der Trident steht. Speziell im Stereo-Panorama erzeugen Synthe und Strings Gänsehaut-Stimmung und Vintage-Flair vom Feinsten. Doch auch die Solo-Sounds des Dreizacks können (mit einer Prise Flanger-Effekt, nur als Beispiel) von nahezu perfekter musikalischer Natur sein. Gekonnte Spielweise vorausgesetzt – Rick Wakeman lässt grüßen*.

[* Eine MIDI-Nachrüstung des Trident würde natürlich etwas Abhilfe verschaffen und den Zugang zur wunderbaren Welt der Software-/Hardware-Sequencer ermöglichen. CHD Elektroservis bietet ein solches MIDI-Kit an.]

Nun, das war es dann im klanglichen Universum. Der experimentelle Bereich des Trident hat wenig Potenzial – woher auch? Alle dafür notwendigen Features – Ring-Modulation, Cross-Modulation, ein oder zwei hochfrequente LFOs, etc. – fehlen dem Instrument. Dennoch ist das Thema ausbaufähig, denn mit Hilfe der externen CV-Eingänge auf diverse VCFs und VCAs lässt sich mit etwas Phantasie (und einem kleinen Modularsystem) schon so einiges umsetzen.

Korg Trident Synthesizer

Die Entdeckung der Einfachheit

Kleine Anspielung an den Roman von Sten Nadolny, wo es nun durchaus eine gewisse Parallelität zur „Entdeckung der Langsamkeit“ gibt. Was den Korg Trident auszeichnet – und genau diese Erkenntnis benötigte meinerseits einige Jahre des Durchsickerns – ist die Simplizität des Instruments.

Konkret: Der überaus klare Aufbau des Trident, die großen Beschriftungen, die wenigen – aber effektiven – klanglichen Möglichkeiten. Dieses verrückt große Panel, das damit verbundene luxuriöse Angebot an „Platz“ zum Drehen der Potis. Jenes seltene Gefühl der Wertigkeit beim Berühren des – für japanische Synthesizer-Verhältnisse – edlen Vollholz-Gehäuses …

Jeder Aspekt des Trident besitzt eine Aura von Vintage, von Nostalgie, von den guten, alten Zeiten. Nicht, dass die aktuellen Zeiten (und deren Instrumente) schlecht wären, keineswegs. Doch das Musizieren am Trident bedeutet Entspannung, lässiges Bedienen der Elemente, ein lockerer Umgang mit der Technik. Anders als heute, wo tausend-und-ein Feature den Kopf benebeln. Wo Synthesizer mit eher kleinen Beschriftungen (und zuweilen sehr kleinen Bedienelementen) äußerste Konzentration oder das Verwenden einer Lupe erfordern.

Einfachheit bedeutet im Fall des Korg Trident aber auch, dass das wenige Gebotene zur Gänze ausgeschöpft werden kann. Wie zum Beispiel der satte Klang von 70er/80er-Jahre Strings auf ganzen fünf Oktaven. Die meisten String-Machines haben derer nur vier*. Sogar der bemerkenswerte ARP Quadra bietet – trotz größerem Keyboard – genau genommen nur den 4-Oktaven String-Sound à la OMNI II (wobei der Quadra natürlich wieder ganz eigene Vorzüge und ein sehr spezielles Gesamtkonzept aufzuweisen hat).

[* Einer der wenigen besonders luxuriösen Piano-String-Synthesizer mit 6 (!) Oktaven und Anschlagdynamik ist übrigens der 1983 erschienene Korg EPS-1.]

Die Klangteppiche des Trident sind jedenfalls spektakulär und gerade im Bass-Bereich – dort, wo viele String-Machines häufig k.o. gehen bzw. im nasalen Mittelton-Bereich verharren (müssen) – absolut beeindruckend. Umso beeindruckender natürlich, sobald der Flanger hinzu geschaltet wird, was – nebenbei gesagt – mit guter Dosierung passieren sollte, denn der Flanger verfügt über eine enorme Dynamik-Bandbreite. Sachte beginnende Aufnahmen übersteuern in Folge sofort, sobald der Flanger richtig ans Werk geht und der Bass zu „knallen“ beginnt.

Trident MKII und das Thema „Battery Leakage“

Über die optischen Unterschiede des MKII wurde schon eingangs berichtet. Ich persönlich finde die spätere Version nicht „halb so schön“ wie den originalen Trident. Doch das ist natürlich Geschmacksache. Aus musikalischer Sicht spricht hingegen so einiges für den Trident MKII: Die Synthesizer-Sektion wurde um eine zweite Hüllkurve (für den VCA) ergänzt, das VCF Keyboard Tracking verbessert, die  Speicherplätze wurden auf 32 erweitert, gespeicherte Klänge können nun nachträglich verändert werden. Ein weiteres Plus: Das Kassetten-Interfaces (wer auch immer damit heute noch arbeitet, das sei dahin gestellt).

Technisch gesehen gibt es noch wesentlich größere Unterschiede zwischen Trident und Trident MKII. Hier hat ein komplettes Re-Design stattgefunden, möglicherweise zum Nachteil des Trident MKII. Thema ist – wie so oft – die Batterie [Dank an Ben für den Hinweis]. Wie beim Polysix oder Poly-61, ist diese eine besondere Gefahrenquelle. Während sie beim originalen Trident am großen Synthesizer Board installiert wurde (an der zum Panel gerichteten Seite der Platine – daher beim Öffnen des Instruments nicht sichtbar), ist sie beim Trident MKII an der Frontseite des CPU Boards zu finden (im kleinen Foto Rot markiert), noch dazu vis-a-vis der Voice-Boards, die auf der Bodenplatte montiert sind. Läuft hier etwas aus, trifft die Säure mit einem Schlag mehrere zentrale Lebensbereiche des Trident MKII.

Korg Trident Battery Location

Ein regelmäßiges Überprüfen der Batterie (und ein eventueller Austausch) dürfte daher beim Trident MKII im Speziellen ratsam sein. Nähere Informationen zum Thema gibt es in diesem Blog.

Einige Gedanken zum Gebrauchtmarkt

Am Gebrauchtmarkt sind Trident und Trident MKII eher rare Instrumente. Sehr selten angeboten wird der Trident MKII – und wenn, dann zu Preisen, die relativ hoch sind. Mit 4000 bis 6000+ Euro dürfte für ein solches Instrument zu rechnen sein. Der originale Trident hingegen ist etwas häufiger anzutreffen. Und auch die für ihn geforderten Preise sind im Bereich von 2000 bis 3500+ Euro etwas humaner angesiedelt.

Nicht zu vergessen, im genannten Preis des Trident inbegriffen ist ein hoher Spaß-Faktor (nun gut, das Wort möge etwas unpassend gewählt sein) bei relativ geringem Stress-Faktor. Schließlich ist der Trident ein Plug&Play Instrument wie aus dem Bilderbuch. Oder Sit-Down&Play, müsste man sagen. Jedenfalls ein klassischer Player-Synthesizer mit starkem Vintage-Flair. Dass der im Moment so gehypte Gebrauchtmarkt noch nicht empfindlicher reagiert hat und ein Korg Trident für – sagen wir mal – 7900 Euro gehandelt wird, ist schon fast etwas verwunderlich. (Doch auch diese Zeiten werden noch kommen.)

Fazit

Klarheit, Einfachheit und ein sehr geringer Stress-Faktor bei hohem (wenn auch etwas einseitigem) musikalischen Output sind die Säulen, die den Korg Trident bei genauerer Betrachtung anziehend machen. Dass das Instrument zudem am Gebrauchtmarkt nach wie vor relativ günstig gehandelt wird, zeichnet die positive Situation rund um den 8-stimmigen Synthesizer nochmals aus.

Der Trident ist eine Empfehlung nicht nur an Nostalgiker, sondern vor allem an jene Puristen, für die ein solches Sit-Down&Play Instrument ein musikalisches Bedürfnis, mehr noch, einen unabdingbaren Ausgleich (!) im – von Technik, Features und Problemen häufig überladenen -Heimstudio darstellt. Ein Hort der Entschleunigung, wenn man so will.

Schließlich aber lassen wir noch einmal die Korg PR-Abteilung samt Poseidons Götterwelt zu Wort kommen: „In unserer modernen Welt ist es der erstaunliche dreiteilige polyphone Synthesizer von Korg, der dem Musiker absolute Gewalt über die Klangwogen gibt. Der Trident. Erzeugt Eure eigenen Klangstürme!“

Auch so kann man es sagen …

Korg Trident Synthesizer

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PS: Wer den originalen Plastik-Joystick gegen einen Holz-Joystick tauschen möchte (es sieht sehr schön aus): Link eBay Auktion.


30+ Minuten Audio-Files sind angefügt. Drei Aufnahmen stammen von (c) LesIndes (vielen Dank). Im Beispiel „Mix 1“ kommt neben dem Trident noch das Yamaha CP70 (Klavier) vor. Und „Mix 2“ lässt das Technosaurus Selector System (VCF Sequenz) und den Novation Summit (Lead-Line) erklingen. Schließlich gibt es – ab und zu – noch etwas Korg MiniPops 3 als Zugabe.

Korg Trident

Polyphones Analoges Multi-Keyboard
mit Synthesizer / Brass / Strings
8 Stimmen

Links:
Vintage Synth Explorer
Amazona.de (Thomas Bechholds)
Synthesizer.at (Robert Wittek) – mit Audio-Workshop

Youtube:
„Farewell Trident“ by William Salmela

„Trident MKI“ by Bruno Fabrizio Sorba

„Trident Demo“ by Don Solaris

Weitere Info:
Korg Trident MKII Reparatur („Battery Leakage“ Problem)

Vergleich:
Testbericht Elka Synthex
Testbericht Oberheim OB-8
Testbericht Roland Jupiter-8
Testbericht Sequential Prophet-5

Download:
Korg Trident Foto XL (4200×2400 px)

Kategorie 2019, Featured, Testberichte

“Es genügt, einen Ton schön zu spielen” sagte der Komponist Arvo Pärt im Jahre 2005. Diese Aussage ist ebenso einfach wie ich auch exzellent: Es braucht kein Meer an Tönen, denn entscheidend ist der Klang. Dass so mancher Vintage-Synthesizer der 70er und 80er Jahre teils unerreicht hochwertige Klänge liefert, steht außer Frage. Doch tatsächlich leben wir “heute” in einer nahezu perfekten Zeit. Einerseits hat man – mehr oder weniger – noch Zugriff auf die Vintage Analogen, andererseits wird auch bei Neugeräten die wichtige Komponente des hochwertigen Klanges wieder zunehmend berücksichtigt. Doepfer, Cwejman, Synthesizers.com, MacBeth, Moog, GRP, Studio Electronics, COTK, John Bowen und andere Hersteller bauen hervorragende Synthesizer, die den “Klassikern” in nichts nachstehen. All diesen (alten wie neuen) “großartigen” Instrumenten ist Great Synthesizers gewidmet. _________________________________________________________ In 2005 composer Arvo Pärt said: “Playing one tone really well is enough”. In other words, it is sufficient to play one tone 'beautifully'. I agree with that. All musical efforts are focused on the sound itself. Although I studied classical music (piano and drums), it’s the electronic sound that inspires me. Synthesizers are the epitome of new sounds and exciting tonal spheres. Today, many companies produce high-quality - excellent! - synthesizers: Doepfer, Cwejman, MacBeth, Moog, GRP, Synthesizers.com, COTK, Studio Electronics, John Bowen and others. It's their products I'm really interested in ... apart from Vintage Synthesizers, which I have been collecting for 20 years. Subsequent to our former websites Bluesynths and Blogasys, Peter Mahr and I have now created GreatSynthesizers. We hope you like it.

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  1. Pingback: Roland Jupiter-8 – der Meister des Synthie-Pops – GreatSynthesizers

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