GRP A8 – analoger Studio-Synthesizer

„Wir beginnen ganz groß“ müssen wohl die Worte von Groppioni Paolo (GrP) gewesen sein, als er mir im Frühjahr 2008 den Entwurf zum A8 präsentierte – dem ersten Seriengerät der noblen Instrumentenschmiede GRP aus Rom, Italien.

Der riesige Papierstreifen in Originalgröße hatte am Wohnzimmertisch kaum Platz und musste – ob seines Willens, sich wieder zusammen zu rollen – heftig gebändigt werden. Mit einer Breite von 127 Zentimeter und einer Höhe von 67 Zentimeter zählt der A8 zu den mächtigsten je hergestellten Synthesizern der Geschichte. Erst Ende 2026 wird mit dem GRP A10 wieder ein Modell in dieser Größenordnung erscheinen.

GRP A8 Synthesizer

Gebaut wurde der A8 22* Mal und ist seit 2010 in Studios in Deutschland, Österreich, in der Schweiz, in Frankreich, Italien, Belgien, England und in den USA (natürlich bei Hans Zimmer) zu finden. Ein Exemplar ging nach Australien, nicht zu vergessen.

[* Nach Produktionsende hat Paolo Groppioni noch einen A8 für sich selbst gebaut. Es existieren also in Summe 23 Instrumente.]

GRP A8 Synthesizer

Neben seiner beeindruckenden Größe ist es jedoch in erster Linie das Konzept, welches den GRP A8 zu einem Meilenstein der Synthesizer-Welt macht – ein Konzept, dass spätestens seit dem GRP A4 auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist.

Während sich viele moderne Analogsynthesizer nach wie vor an klassischen Vorbildern orientieren, was grundsätzlich auch keineswegs verkehrt ist, geht GRP seit Ende der 00er-Jahre seine eigenen Wege. Ausgezeichnete „Vintage“ Klangeigenschaften, umfassende Sound-Design-Möglichkeiten, flexible Performance mit Velocity / Aftertouch sowie die Verknüpfung mit MIDI und CV/Gate werden in GRP Synthesizern auf einmalige Weise verbunden.

GRP A8 Synthesizer

Einmalig dahingehend, als die klangliche Basis (6 VCOs, 6 Sub-Osc, 4 VCFs, 7 Hüllkurven …) besonders umfassend ist, gleichzeitig mittels Drehschalter die kreativen Möglichkeiten eines Modularsystems zu 85% erreicht werden (ohne der Notwendigkeit eines einzigen Patch-Kabels), und die Performances dank der Vorverdrahtung, des integrierten Step-Sequenzers sowie der vielfältigen Synchronisationsmöglichkeiten weit über die Spielmöglichkeiten der meisten Analogsynthesizer hinausgehen, vintage wie modern. Und das alles ist eingebettet in edler Hardware: Schönes Holz, wie es sich für ein (Quasi) Modularsystem gehört.

Aufbau des GRP A8

Das Instrument ist ein mono- bzw. duophoner (und bi-timbraler) Studio-Synthesizer, der aus zwei identischen Klangeinheiten – UPPER und LOWER – besteht.

GRP A8 Synthesizer

Das Instrument verfügt über:

  • 6x VCOs
  • 6x Sub-Oszillatoren
  • 1x Noise (Audio und Modulation)
  • 2x Ring-Modulator
  • 2x 24dB LowPass Filter
  • 2x 12dB Multimode Filter
  • 2x Fixed Filter Bank
  • 4x DAHDSR Hüllkurven
  • 3x ADSR Hüllkurven
  • 8x VCAs

GRP A8 Synthesizer

  • 2x VC LFOs (+ MIDI Sync), Frequ. bis weit in den Audio-Bereich
  • 1x globaler LFO, Frequ. bis weit in den Audio-Bereich
  • 2x Audio-Mixer (mit VCOs, Sub-Osc, RingMod …)
  • 1x Haupt-Mixer mit PAN für Upper / Lower sowie Auto-Pan
  • 1×16 (2×8) Step CV & Trigger Sequencer (+ MIDI Sync)
  • Sample & Hold (+ MIDI Sync)
  • Referenzton (A=440 Hz)
  • 2x Portamento
    x
  • 9x Audio Out hinten (Section Upper R/L, Lower R/L, Main Low R/L, High R/L, Mono)
  • 6x Audio Out vorne (Main Low R/L, High R/L, Mono, Phones)
  • CV – Gate – Trigger Paneel, inklusive Sequencer-Aus/Eingänge
  • MIDI (In / Thru), RS-232 Host Schnittstelle

Besonderheiten

Es sind verschiedene Aspekte, die den GRP A8 „besonders“ machen. Zunächst ist es das schon angedeutete

GRP Konzept

selbst. Anstelle beliebig zusammenfügbarer Module sind Auswahl und Anzahl der Elemente von Werk aus (in großem Umfang) vorgegeben. Statt Patchkabel kommen die schon erwähnten 11-fach-Schalter zum Einsatz, die das schnelle Zuweisen der umfangreichen Modulationsquellen erlauben.

Dadurch bleibt der GRP A8 (und A4) sehr übersichtlich, bietet aber dennoch – ähnlich einem „richtigen“ Modularsystem – enorme klangliche Möglichkeiten. Der A8 lässt sich als monophones Instrument mit 6 VCOs oder als duophoner (bzw. bi-timbraler) Synthesizer mit je 3 VCOs einsetzen. „Upper“ und „Lower“ können beliebig und unabhängig über MIDI (separater MIDI Kanal für beide Seiten anwählbar), CV/Gate und/oder dem integrierten Sequenzer gesteuert werden. Weiters ist die

Synchronisation

der „rhythmischen“ Komponenten sehr schnell (und effektiv) umsetzbar. So lassen sich z.B. die LFOs zum Sequenzer clocken, derselbige wiederum über MIDI synchronisiert werden kann (oder ein analoges Triggersignal). Auch Sample/Hold und Auto-Pan lassen sich an das Timing anpassen, nur der dritte (globale) LFO ist nicht synchronisierbar.

GRP A8 Synthesizer

Filterabteilungen

Die Filter-Sektionen sind in der vorliegenden Art einmalig. Es stehen zunächst – für beide Synthesizer-Einheiten – jeweils ein 24dB LowPass Filter und ein 12dB MultiMode Filter (HP, BP, LP und Notch) zur Verfügung.

Dem nicht genug: Jedes Filter verfügt natürlich über eigenständige Modulationsmöglichkeiten und kann nur für sich oder aber in Kombination zum anderen Filter (seriell bzw. parallel) genützt werden. Das steigert die klanglichen Möglichkeiten um ein Vielfaches. Schließlich gibt es pro Sektion noch eine Festfilterbank, die den doppelten Filtern nachgeschaltet ist und auf Wunsch für weitere Feinheiten im Klangbild sorgt. Wie gesagt zwei Mal und damit – wie immer – in Stereo.

GRP A8 Synthesizer

Ebenso ungewöhnlich wie die umfangreichen Filter-Abteilungen sind die

VC LFOs

Die beiden voltage controlled LFOs (1/2) bieten einen weiten Frequenzumfang und gehen bis über 2 kHz! Das ist für eine flexible Klanggestaltung unerlässlich wichtig. Zudem lassen sie sich in ihrer Geschwindigkeit wie in der Intensität modulieren. Zu letzterem Zweck haben sie jeweils eine eigene Hüllkurve, mit der sich das „Shaping“ (die Intensität der Modulation) zeitlich steuern lässt. Statische Modulationen gehören somit der Vergangenheit an.

Die LFOs können zum Sequenzer, zu Sample & Hold oder via MIDI getaktet werden, oder aber umgekehrt als Clock für Sequenzer oder Sample & Hold dienen. Dabei lässt sich das Clock-Verhältnis in einem weiten Bereich festlegen (z.B. kann pro LFO-Schwingung der Sequenzer exakt einmal 8 Steps abspielen, etc.). Natürlich lassen sich die LFOs für OSC-FM und Filter-FM bestens einsetzen, wobei der große Frequenzbereich ein breites Feld an Effekten ermöglicht, vom „gewöhnlichen“ Vibrato/WahWah bis hin zu stark experimentellen Sounds.

GRP A8 Synthesizer

Oszillatoren und Sub-Oszillatoren

Als Klangbasis stehen satte 6 VCOs und zugehörig 6 Sub-Oszillatoren (!) zur Verfügung (3 VCOs und 3 Sub-Oszillatoren pro Synthesizer-Einheit). Das sollte „genügen“! Der Tonumfang jedes Oszillators reicht von 64’ bis 2’, punkto Wellenformen sind neben den Klassikern Sinus, Dreieck, Sägezahn, Puls auch die Misch-Wellenformen Dreieck-Sägezahn und Sägezahn-Puls geboten.

PWM kann durch 11 (!) Modulationsquellen erfolgen, ebenso wie FM-Bus 1. Hier lässt sich jeder VCO (unter anderem) durch die jeweils anderen 5 VCOs frequenzmodulieren (= Cross-Modulation). Der FM-Bus 2 begnügt sich mit der Wahlmöglichkeit zwischen LFO 1 bzw. LFO 2. Die VCOs lassen sich natürlich zueinander synchronisieren und werden – zusammen mit Ring-Modulation und Noise – in zwei Audio-Mixern individuell gemischt.

MIDI und (externe) Sequenzer

Mit dem digitalen Teil des A8 eröffnen sich der rein analogen Klangerzeugung völlig neue Welten. Das Instrument empfängt Note, Pitchbend, Wheel, Velocity, Aftertouch und Clock Informationen. Anschlagdynamik und Aftertouch lassen sich z.B. auf die 4 Filter völlig frei (mit individuell einstellbarem Wert) zuweisen.

Eine spezielle (und definitiv elegante) Trigger-Möglichkeit von LFO 1/2 sowie S/H und dem Sequenzer ist GATE. Mit GATE werden alle via MIDI eintreffenden Noten als „Clock“ gewertet. Ob man nun live am Keyboard spielt, einen externen Software-Sequenzer als Haupt-Taktgeber verwendet oder z.B. den alten Hardware-Sequenzer des Elka Synthex (der definitiv „nicht“ MIDI Clock senden kann) abgreift: Der GRP A8 übernimmt einfach jegliche eintreffende Note bzw. GATE Information und lässt diese als Clock gelten. Dies hat nun den Vorteil, dass man auf keine „echte“ MIDI Clock angewiesen ist, was jene Musiker freuen dürfte, die im Studio zuweilen gerne den Computer ausgeschaltet lassen und lieber spontan Musik machen (mit synchronisierten Klangerzeugern, wohlgemerkt).

GRP A8 Synthesizer

Interner Step-Sequencer

Er ist ein Juwel: Der interne Sequenzer bietet 2×8 oder 1×16 Schritte und dient als CV- und Trigger-Sequenzer. Pausen bzw. rhythmische Strukturen lassen sich ebenso programmieren (und dem UPPER bzw. LOWER Synthesizer individuell zuweisen) wie sich jede Sequenzer-Spur (bei Bedarf) in 12 Halbtonschritte quantisieren lässt (was schnelle, harmonisch „korrekte“ Ergebnisse erlaubt). Laufrichtungen gibt es  verschiedenste – u. a. ist Random und das alternierende Ansteuern von UPPER / LOWER möglich – und auch mathematische Formeln sind anwählbar, um Rhythmen mit bestimmten Wiederholungsmustern abzuspielen. MIDI Clock, MIDI GATE, eine externe analoge CLOCK oder LFO 1/2 können zur Triggerung des Sequenzers dienen, ja sogar die beiden Spuren lassen sich analog abgreifen (CV/Gate) und zur Ansteuerung weiterer Synthesizer verwenden. 

Aktuell, im Jahr 2025, sei der Nachtrag erlaubt, dass der 2016 erschienene GRP R24 Sequencer – Stand-Alone bzw. als Einheit für ein Modularsystem im Moog-Format – inzwischen völlig andere Dimensionen geschaffen hat. Besagter R24 wird im neuen GRP A10 zu finden sein und somit nochmals eine (deutliche) Aufwertung des Gesamtpakets darstellen.

GRP A8 Synthesizer

Klang und Performance des GRP A8

Das Klangrepertoire des Instruments lässt praktisch keine Wünsche offen. Ob weiche Lead-/Bläserriffs à la Sequential oder Oberheim, bauchig-voluminöse Bässe à la Moog, Experimentelles à la ARP 2600 … es müssten schon ein oder zwei Jahrzehnte intensiver Klangforschung verstreichen, ehe man an die Grenzen des GRP A8 stößt.

Das wirklich Besondere ist allerdings der schon mehrfach erwähnte Umstand, dass man ZWEI Synthesizer und damit zwei völlig unabhängige Systeme zur Verfügung hat. Dieses Konzept erweitert die klanglichen Möglichkeiten, die sich „live“ – sozusagen aus der spontanen, musikalischen Entwicklung heraus – ergeben, um ein Vielfaches. Beispiel: Während der LOWER Synthesizer vom Sequenzer getriggert wird, spielt man das Solo am UPPER Synthesizer via Keyboard dazu. Natürlich wird das Pattern des Sequenzers mit jedem Tastendruck automatisch transponiert, sodass Sequenzer- und Solo-Spiel immer exakt zusammenpassen. Das ist „eine“ der unzähligen Möglichkeiten eines bi-timbralen Systems.

GRP A8 Synthesizer

Mit zwei separaten Synthesizern im Paket, deren Ansteuerung und Synchronisation individuell über Sample/Hold, Sequenzer, MIDI (live oder via Computer/Controller) bzw. CV/Gate möglich ist, ist die musikalische Performance so vielseitig bzw. ausgereift, wie man es sich im Studio (und nur dort hat der A8 Platz) eben wünscht.

Viel Licht, etwas Schatten

Der GRP A8 ist in vielerlei Hinsicht sehr beeindruckend, doch vier Punkte gibt es zur Kritik.

Erstens kann Velocity / Aftertouch nicht als Modulationsquelle für die VCOs genützt werden. Stattdessen sind ganze 5 der 11 verfügbaren FM-Modulationsquellen den jeweils anderen VCOs zugeteilt, was ich – aller Crossmodulation in Ehren – doch etwas „zu“ luxuriös finde. Eine Auswahl von 3 VCOs als quasi „hochfrequente LFOs“ bzw. zwecks Crossmodulation hätte genügt, dafür wäre der Zusatz von Velocity und Aftertouch musikalisch wichtiger gewesen.

GRP A8 Synthesizer

Zweitens sind die (meisten) Regler für Modulationsquellen nicht bi-polar. Zwar erlaubt der vorhandene, weite Regelbereich von 0-10 sehr nuancierte Einstellungen (so das Argument von GRP), doch mit -5 bis +5 könnte man z.B. mit nur einem einzigen LFO elegante gegengleiche (Stereo-) Modulationen für „Upper“ und „Lower“ erzielen (… es gibt hierfür zwar kleine Tricks zur Umgehung des Problems, aber dennoch).

Drittens lassen sich die Eingangslautstärken der jeweiligen 24dB- bzw. 12dB-Filter nicht regeln. Das kann nun speziell im parallelen VCF-Betrieb heikel werden, da die Filter naturgemäß sehr unterschiedlichen Charakter haben und die Eingangslautstärken – vom Mixer kommend – nicht selten individuell geregelt werden müssten. Das wurde beim A4 und auch beim neuen A10 natürlich behoben.

GRP A8 Synthesizer

Viertens gibt der Sequenzer zwar seine Spuren nach außen ab (CV/Gate Output für beide Reihen), doch ignoriert er bei der Weitergabe die eingehenden MIDI-Tonhöhen. Im Klartext: Eine Transponierung der Sequenzen (via MIDI) wird nicht an externe Synthesizer weitergeleitet, der A8 gibt stattdessen „nur“ die CV-Werte des Sequenzers aus. Intern funktioniert das Transponieren – die Mischung von MIDI-Noten und Sequenzer-Daten – natürlich schon, denn sie „passiert“ ja genau genommen gar nicht im Sequenzer, sondern bei den Oszillatoren.

Darin liegt auch die Ursache, warum Transpose-Daten via Sequenzer-CV-Out unberücksichtigt bleiben: Sie gründet in der konzeptionellen Trennung von Sequenzer-Einheit und MIDI-Interface (das direkt die VCOs steuert). Eine „Mischung“ der Daten ist – für den Sequenzer alleine – nicht möglich, er kommt – außer bei Synchronisation zur MIDI-Clock – mit MIDI gar nicht in Berührung. Im GRP A4 wurde diese nicht ganz ideale Situation der „Sequ CV-Ausgabe ohne Transpose“ durch Zugabe von Transpose-Buchsen für den Sequenzer gelöst (samt CV-Out vom MIDI-Interface kommend). Mit ein bis zwei kurzen Patchkabeln ist beim A4 also die Ausgabe von transponierten Sequenzen an externe Synthesizer möglich, beim A8 geht das nun mal nicht.

GRP A8 Synthesizer

Der Einzig Wahre? Betrachtungen zum GRP A8 …

Man kann über analoge Synthesizer viel reden, über ihre VCOs, über das Verhalten der Filter, wie die Hüllkurven so sind … doch ich bevorzuge statt dessen eine kleine Geschichte. Sie ist persönlicher Natur, beinhaltet den A8 als Protagonisten und sie ist wahr.

August 2011. Ein Wohnungswechsel ist im Gange, ich ziehe um. Im Zimmer des künftigen Studios wird der GRP A8 – inmitten aller noch herumstehenden Kisten und Cases – als erster (und vorerst einziger) analoger Synthesizer angeschlossen, provisorisch sozusagen. Musikalische Unterstützung erhält das Instrument vom Roland JD-800, der polyphone Klangfülle beisteuern darf und nebenbei als Masterkeyboard dient. Damit ist das kleine Studio – bestehend aus zwei Instrumenten – vorerst komplett.

GRP A8 Synthesizer

Nach einigen Stunden Klangforschung und kreativer Glückseligkeit am GRP halte ich inne, betrachte zunächst den A8 und dann die anderen, mich umgebenden (noch verpackten und am Boden stehenden) monophonen Synthesizer. Minimoog, ARP 2600, Odyssey und Axxe, Sequential Pro-One, Synton Syrinx, Roland System-100, SH-5, SH-7 und SH-101, Korg MS-10, MS-20 und 800DV, Yamaha CS-30 und CS-40M, PPG 1002, Oberheim OB-1 und einiges mehr: Alles hervorragende Synthesizer, jedes Instrument auf seine besondere Weise einzigartig.

Doch „brauche“ ich sie? An sich genügt der GRP A8, ich spüre es. Musikalisch bietet er mit Präzision alles, was ich mir wünsche, der Klang ist satt, schön, aggressiv wie romantisch, bombastisch wie experimentell, übermächtig wie zurückhaltend – je nach Wunsch. Hier Moog-Bässe, dort Oberheim-Leadsounds und nach einigen weiteren Handgriffen extrem-modulierte ARP-Klänge, Bläserriffs à la Sequential, dann sogar FM-Sounds (6 Operatoren/Oszillatoren) – ich vermisse, was die kreativen Möglichkeiten eines monophonen Analog-Synthesizers betrifft, nichts.

GRP A8 Synthesizer

Natürlich bleiben „alle“ Instrumente Unikate mit ihren Besonderheiten. Nur ein Minimoog ist ein Minimoog, nur ein Yamaha CS-Filter ist ein Yamaha CS-Filter, nur ein Korg MS-20 klingt so, wie er klingt. Keiner der individuellen Charaktere kann durch einen Nachbau irgend einer Art ersetzt werden, das sehen wir anno 2025 mehr denn je. Allerdings geht es nicht bloß um den – mit welcher speziellen Färbung auch immer – herausragenden Grundklang eines Synthesizers, sondern um das „Gesamtpaket“ des Instruments …

Gesamtpaket bedeutet im Falle des A8: Der Synthesizer bietet eine Fülle an Oszillatoren, Filtern und Hüllkurven, weiters Sample & Hold, mehrere LFOs, Auto-Pan, Sequencer. Jahre an Klangforschung werden kaum ausreichen, die Möglichkeiten und Funktionsvielfalt des A8 wirklich „auszuschöpfen“. Wenige Instrumente haben diese flexible Architektur, kaum ein monophoner Synthesizer mit Vintage-Klang (!) vermittelt diese ganzheitliche Aura, gekennzeichnet durch eine Vielzahl an Performance-Optionen und eine Vielzahl an musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten.

GRP A8 Synthesizer

Dass gute Hardware ein Teil des Gesamtpaketes sein sollte, müsste wie ganz selbstverständlich erscheinen, tut es aber nicht. Heute, anno 2025, darf man die Betrachtungen ergänzen: Während der A8 auch nach 15 Jahren keinerlei Probleme macht, die Hardware unverändert zuverlässig ist und sich die Potis wie am ersten Tag drehen, verzweifelt man – der Vergleich sei gestattet – an den klebrigen Knöpfen eines Arturia MatrixBrute. Oder am MicroBrute, denn der hört einfach auf zu klingen. Aus die Maus. Warum?

Sinnierend über Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer großen Synthesizer-Sammlung sowie über unterschiedliche Wertigkeiten und Qualitätskriterien im Instrumentenbau, formuliere ich ein Lob an Paolo Groppioni, der den A8 ins Leben gerufen hat. Das Instrument ist hochwertig gebaut, kann viele (wenn nicht alle) monophonen Synthesizer ersetzen und steckt – als Gesamtpaket – einen Großteil der modernen Analogen ebenso in die Tasche. Ich will es zwar noch nicht wahrhaben (Leugnung ist der erste Schritt zur Realität), aber Musik und Performance haben das „Urteil“ zugunsten des A8 gefällt: Er alleine genügt.

Noch einmal kurzes Reflektieren, wie es dazu kommt. Heute ist der Anspruch an ein Top-Instrument ein anderer als vor 50 Jahren. Er sollte zumindest ein anderer sein. Schade, dass das Filter eines originalen Minimoog (anno 1970) nicht über die Anschlagstärke der Tastatur dynamisch gesteuert werden kann, wie viel „Ausdrucksstärke“ bleibt hier ungenützt! (Mit der Reissue-Version ist dieses Problem – wenn auch mit Patchkabel – natürlich gelöst.) Schade, dass die LFOs des wunderbaren Roland System-100 (anno 1975) einen geringen Frequenzumfang haben und nicht synchronisierbar sind, sowie Sample/Hold keinen Clock-Eingang bietet (warum, bitte?), welch experimentelles Potenzial bleibt hier verschlossen!

Schade, dass der MacBeth M5 (anno 2004) kein MIDI hat, zur Einbindung ins Studio benötigt man eben doch wieder ein kleines „Zusatzgerät“, ich nehme das sehr ungern zur Kenntnis. Schade, dass die beiden LFOs des großartigen Moog Voyager XL (anno 2010) bei 50 Hz bzw. 20 Hz „enden“, bevor es im Audio-Frequenzbereich zwecks Erstellung experimenteller Sounds erst spannend werden würde. Schade, dass ein Korg/ARP 2600 FS (2020) oder Korg MS-20 FS (2021) zwar die Bauweise und Funktionsvielfalt des Originals bietet, sogar mit MIDI, im Klang aber entscheidende Merkmale des Vintage-Sounds verloren hat. Sind Klang und Performance nicht gleichermaßen wichtig?

GRP A8 Synthesizer

Doch vielleicht ist das Vorhandensein von VCOs und des Begriffs Analog für die Bedürfnisse mancher Musiker schon „ausreichend“. Wem der Klang analoger Oszillatoren und Filter alleine genügt, dem stehen seit vielen Jahrzehnten exzellente Synthesizer zur Auswahl, keine Frage. In diesem Fall haben wir allerdings die in technischer Hinsicht eingeschränkten 70er-Jahre nie wirklich verlassen – wir verharren in der Urgeschichte des Synthesizers. Und dafür braucht es den A8 nicht.

Ein im Sinne des Musikers professionelles Instrument sollte heute weiter konzipiert sein und den hervorragenden Analog-Klang mit modernen Performance-Möglichkeiten kombinieren (wobei der hervorragende Klang schwieriger zu erreichen ist). Die dynamische Kontrolle möglichst vieler Soundparameter über MIDI sollte so einfach wie selbstverständlich sein, die Synchronisation von Sequenzer zu Sample & Hold mit „einem“ Handgriff und die Modulation der LFO-Geschwindigkeit durch Velocity mit „einem weiteren“ Handgriff vonstatten gehen. Das ist aus unserer Sicht der Idealfall: direkte und schnelle Bedienung, One-Knob-Per-Function, keine Menüs, keine digitalen Umwege – nichts, das die Musikpraxis behindert.

GRP A8 Synthesizer

Zusammengefasst: Die Balance von Klangqualität, Funktionsvielfalt und möglichst flexibler (aber stressfreier) Performance – das alles eingebettet in solider Hardware – ist eine heikle Sache. Dieses „Gesamtpaket“ darf beim GRP A8 sehr positiv beurteilt werden, es macht den Synthesizer zu einem ausgewogenen, musikerfreundlichen und letztlich auch zeitlosen Instrument.

Was der A8 – und jeder andere Synthesizer von GRP – in der Tat „nicht“ kann, ist das Senden von Controller-Informationen. Kein MIDI OUT, das Dilemma ist sofort ersichtlich. Eine Komplett-Steuerung des A8 samt Total-Recall von Klängen bzw. Klangverläufen lässt sich nicht machen und dürfte – nun aus Sicht eines auf MIDI ausgerichteten Studios – ein klares No-Go darstellen. Meiner Meinung nach ist es hingegen ein Segen, dass sich die Komplexität der digitalen A8-Schnittstelle in Grenzen hält. MIDI-Daten von Note, Bend, ModWheel, VEL, AT und Clock sind ja nicht so wenig und genügen im Wesentlichen, mehr noch, ich empfinde es gar als essentiell, dass der Spieler selbst Hand anlegen muss, somit die Musik nicht unter Total-Recall fällt. Doch gibt es im Studio-Business natürlich unterschiedlichste Anforderungen, auch jene, denen das GRP Konzept – in diesem Punkt der eingeschränkten MIDI-Kontrolle – zu wenig gerecht werden dürfte.

Meinerseits jedenfalls haben sich Musik und Performance in ihrer Gesamtheit für den GRP A8 als „Lebenspartner“ entschieden, ich spiele weiter. Ende der kleinen Geschichte.

GRP A10 Synthesizer

Nachfolger GRP A10

Da die erste Auflage des A8 bereits vor Produktionsbeginn ausverkauft war, blieb es 2010 bei den 22 bzw. 23 Exemplaren, die gebaut wurden. 2012 folgte der GRP A4, der sich – neben dem 2016 erschienenen GRP A2 – dank seiner A8-DNA, seines ebenso exzellenten wie „muskulösen“ Klanges (wilder als beim A8), dank seiner Handlichkeit (nur 82 cm breit), aber auch dank Jean-Michel Jarres Bühneneinsatz zum erfolgreichsten Produkt von GRP entwickelte.

Doch die Magie des „ganz Großen“ hat aus unserer Sicht keiner der beiden folgenden Synthesizer erreicht, wobei es nicht um die imposanten Dimensionen des Instruments geht, sondern um das Dual-Synthesizer-Konzept des A8 und das Vorhandensein der echten Stereophonie. Stereophonie „plus“ umfangreiche Audio-Ausgänge, um genau zu sein.

GRP A10 Synthesizer

2026 kommt nun der Nachfolger des A8 auf den Markt, der GRP A10. Er entspricht in der Größe ca. dem A8, bietet wieder zur Gänze stereophone Signalwege, ein beachtliches Arsenal an Aus- bzw. Eingängen – siehe Grafik unten – und als Steigerung der quasi-modularen Möglichkeiten meist 21 (statt bisher 11) Modulationsquellen pro Mehrfach-Schalter.

Darüber hinaus beinhaltet der A10 einen kompletten GRP R24 Sequencer, einen leistungsfähigen Arpeggiator (separate Clock!), analoge Effekte wie Delay / Reverb / Phaser (alles in Stereo, CV-steuerbar, auch für externe Audio-Signale nützbar), zwei Triple-Resonators, zwei Wavefolders, spannungssteuerbare Hüllkurven, einen 8-fach Mixer (Signale stufenlos zu VCF1/VCF2 regelbar) und vieles mehr.

GRP A10 Synthesizer

Wenngleich der Überblick des so schönen und „klaren“ A8 Layouts etwas abhanden kommt (Dank an den Kommentar eines A8-Besitzers), stellt der A10 aus musikalisch-kreativer Sicht den absoluten Höhepunkt der GRP Entwicklungen dar. Vom schon bekannten, kräftigen Klang und der nun noch vielseitigeren Stimmenarchitektur ausgehend, faszinieren neben den analogen Effekten vor allem die Sync/Clock/Divider Möglichkeiten rund um LFOs, S/H, Sequ, Arpeggiator, Auto-Pan und Phaser, Delay … da muss man die Begriffe Flexibilität, Experimentelle Elektronik und Poly-Rhythmik gar nicht mehr erwähnen, sie ergeben sich ganz von selbst. Und damit zurück zum A8 …

Fazit

Nun, was soll man sagen? Müsste ich auf einen Großteil meiner Synthesizer-Sammlung verzichten, der GRP A8 würde blieben. Er gehört zu einer (geheimen) Top-10 Liste, die seit Jahren in meinem Kopf schwirrt und das Szenario „Kleines, überschaubares Tonstudio“ gedanklich fixiert. Letztlich würde die Liste (ganz sicher) doch wieder zu einem Bulk an Top-20 oder Top-30 Instrumenten anschwellen, doch sei es, wie es sei: Der GRP A8 wäre an vorderster Stelle platziert. Ab 2026 käme der GRP A10 nochmals hinzu (mit festem Vorsatz, dass dies nun endgültig der letzte Synthesizer der Sammlung sei).

GRP A8 Workshop Munich

Aus musikalischer Sicht erfüllt der good old A8 nach wie vor fast alle meiner Sehnsüchte und Erwartungen. Er ist ein Sound- und Performance-Künstler mit jener seltenen Kombination aus kräftigem Vintage-Klangcharakter, praxisnahem Konzept (viele Modulationsmöglichkeiten per Drehschalter) und CV/MIDI/Dynamik-Flexibilität, die ich mir jahrelang von einem modernen Studio-Analogsynthesizer gewünscht habe.

Heute, anno 2025 und damit 15 Jahre nach Erscheinen des GRP A8, darf ich Résumé ziehen: Echte Stereophonie (Dual-Synthesizer-Design), die gesamt 14 + 1 Audio-Ausgänge (man muss ja nicht alle verwenden), der starke, warme Grundklang, die zahlreichen Performancemöglichkeiten und die exzellente Hardware machen das Arbeiten mit diesem Instrument noch immer zum haptischen, auditiven wie auch kreativen Genuss.

GRP A8 Synthesizer

Am Gebrauchtmarkt ist der GRP A8 selten zu finden, was bei einer Auflage von 23 Stück nicht weiter verwundert. Preislich bewegt sich „der Große“ hierbei in einem Rahmen zwischen 8.000 und 12.000 Euro.

GRP A8 Studio-Synthesizer

2009/2010

Mono/duophoner (bi-timbraler) Analogsynthesizer
mit 6 VCOs, 6 Sub-Osc, 4 VCFs, 7 ENVs, 3 LFOs, 2 Fixed Filter Banks, S/H,
Dual RingMod, Dual Auto-Pan, einem flexiblen Step-Sequenzer, MIDI und CV/Gate

Preis(e):
GRP A8: ca. 7.900 Euro (2009/2010, 23 Stück, ausverkauft)
GRP A4: ca. 6.000 Euro (seit 2012)
GRP A2: ca. 2.000 Euro (seit 2016)
GRP A1: ca. 600 Euro (seit 2023)

GRP A10: Kommt Ende 2026

Website Hersteller:
www.grpsynthesizers.it

Links:
Testbericht GRP A4
Testbericht GRP A2
Testbericht GRP A1

Interview mit Paolo Groppioni
Blog-Beitrag mit Details zum GRP A10

Youtube Video (by MESS):
GRP A8 – MESS INGREDIENTS

Kategorie 2025, Featured, Testberichte

“Es genügt, einen Ton schön zu spielen” sagte der Komponist Arvo Pärt im Jahre 2005. Diese Aussage ist ebenso einfach wie ich auch exzellent: Es braucht kein Meer an Tönen, denn entscheidend ist der Klang. Dass so mancher Vintage-Synthesizer der 70er und 80er Jahre teils unerreicht hochwertige Klänge liefert, steht außer Frage. Doch tatsächlich leben wir “heute” in einer nahezu perfekten Zeit. Einerseits hat man – mehr oder weniger – noch Zugriff auf die Vintage Analogen, andererseits wird auch bei Neugeräten die wichtige Komponente des hochwertigen Klanges wieder zunehmend berücksichtigt. Doepfer, Cwejman, Synthesizers.com, MacBeth, Moog, GRP, Studio Electronics, COTK, John Bowen und andere Hersteller bauen hervorragende Synthesizer, die den “Klassikern” in nichts nachstehen. All diesen (alten wie neuen) “großartigen” Instrumenten ist Great Synthesizers gewidmet. _________________________________________________________ In 2005 composer Arvo Pärt said: “Playing one tone really well is enough”. In other words, it is sufficient to play one tone 'beautifully'. I agree with that. All musical efforts are focused on the sound itself. Although I studied classical music (piano and drums), it’s the electronic sound that inspires me. Synthesizers are the epitome of new sounds and exciting tonal spheres. Today, many companies produce high-quality - excellent! - synthesizers: Doepfer, Cwejman, MacBeth, Moog, GRP, Synthesizers.com, COTK, Studio Electronics, John Bowen and others. It's their products I'm really interested in ... apart from Vintage Synthesizers, which I have been collecting for 20 years. Subsequent to our former websites Bluesynths and Blogasys, Peter Mahr and I have now created GreatSynthesizers. We hope you like it.

9 Kommentare

  1. Sally F.

    Theo,
    klasse Bericht und tolle Soundbeispiele.

    Der GRP A8 ist sowohl optisch als auch akustisch eine einmalige Erscheinung.

    „Hut ab“ und Respekt für den Entwickler Paolo Groppioni!!!

  2. Theo Bloderer

    … vielen Dank für das Feedback. „Einmalige Erscheinung“ finde ich eine erstklassige Beschreibung, es trifft den A8 sehr gut.

  3. lowcast

    hallo theo

    wie gewohnt schöne audiobeispiele. bisschen unhandlich von der größe her, aber ein tolles instrument der a8. schade das es deine bluesynthstreffen in kufstein nicht mehr gibt.

    ps: gib es workshops bei oder von dir bzgl. synthesizer/programmierung, ich denke von dir kann man einiges lernen.

  4. Theo Bloderer

    … das stimmt, der GRP A8 ist sehr unhandlich. Und er ist eindeutig ein Studio-Instrument mit festem Platz, einmal hinstellen und nie wieder weg bewegen! Zum A8 habe ich zwei Workshops in München (Musikhaus Hieber Lindberg) gemacht. Der nächste ist zum GRP A4 geplant, im Frühjahr 2012. Da lohnt es sich übrigens auch, die Synthesizer Ausstellung bei Hieber zu besuchen, die bis Herbst 2012 läuft.

    Viele Grüße …

  5. Hutmann

    Wow! Da stehen einem die Tränen vor musikalischer Schönheit und Möglichkeiten in den Augen! Chapeau! Tolle Maschine! ********

  6. Theo Bloderer

    … ja, eine sehr tolle Maschine. Vielleicht gibt es eines Tages einen GRP A8 MKII (Paolo Groppioni denkt darüber nach) – es wäre wirklich eine große Bereicherung für den (professionellen) Synthesizer-Markt …

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