Studiologic Sledge BLACK Edition
– ein Panther zum Verwöhnen

Studiologic Sledge Test.
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Dramatische Geschichten sind spannend. Eben die nicht aalglatten, langweiligen Stories, nein – Geschichten mit bedrohlichen Tiefen und überraschenden Höhen. Meine Begegnung mit dem Studiologic Sledge gehört in diese Kategorie.

Vor Jahren spielte ich den GELBEN Sledge (Version 1.0) zum ersten Mal. Und wandte mich mit Grausen ab. Welch fulminante Plastik-Kiste, welche wabbelige Tastatur! Doch die Dinge können sich ändern. Heute gibt es Sledge 2.0 bzw. Sledge BLACK Edition mit erweiterten Features, anständigem Fatar TP/9S Keyboard sowie – in der schwarzen Version – mit neuer Optik.

Und schon sieht die Welt viel besser aus …

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Dabei findet die neuerliche – entscheidende – Begegnung mit Sledge erst vor wenigen Wochen in einer sehr bewegten Zeit statt. Den 8-stimmigen Hybrid-Synthesizer einer hoch geschätzten Firma vor mir auf dem Tisch liegend, stelle ich beim Testen des schönen Pult-Instruments ein gewisses Unbehagen fest. Etwas, das sich nicht so leicht erklären lässt. Man spielt und schraubt und schraubt und spielt … und kommt – trotz vieler guter Klänge, trotz ausgezeichneter Möglichkeiten und hervorragender Features – nicht ans Ziel. Das “nun habe ich den Klang” Erlebnis bleibt aus, verschiebt sich stets um eine Wellenlänge nach hinten. Kein Ankommen, kein Verweilen und Innehalten. Weiter Schrauben, weiter Suchen.

Da drückt man beiläufig, Ablenkung tut gut, die Taste eines anderen Synthesizers und weiß sofort: Das ist er. Der Klang, der Charakter, der zum Innehalten und Verweilen einlädt. Inspirierend und die musikalische Intuition fördernd. Ein solcher Charakter lässt sich über technische Merkmale nur erahnen und erhoffen. Die Realität ist dann zuweilen jedoch ganz anders. Manche Instrumente haben den Charakter. Und manche eben nicht.

Nachdem die Beurteilung von Klang (in all seinen Dimensionen) höchst subjektiv ist, werden Heerscharen von Musikern ohne Zweifel anders empfinden und mit dem inzwischen sehr bekannten Desktop-Hybrid-Synthesizer (Namen nennen wir hier nicht) musikalische Höhenflüge erleben bzw. erstklassige Ergebnisse erzielen. Mir wird das – vorläufig – nicht passieren.

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Just im Augenblick dieser Erkenntnis sticht das Inserat eines Sledge BLACK ins Auge. Sehr ungewöhnlich, da meine Wahl-Heimat – was Synthesizer und andere elektronische Klangerzeuger betrifft – eher der Atakama Wüste, denn einem Silikon Valley entspricht. Jedenfalls einer so ausgedörrten Gegend, dass schon das Wort “Synthesizer” wie eine Luftspiegelung erscheint, wie ein Druckfehler am Papier. Doch das Instrument existiert: Sledge BLACK befindet sich keine 10 Autominuten von meiner Wohnung entfernt. Noch am selben Abend findet die Übergabe statt.

Der sympathische Studio-Inhaber und Noch-Sledge-Besitzer – Didi – klärt mich auf: Die vermeintliche Atakama-Heimat ist gar nicht so dürr. Ganz im Gegenteil: Es gibt zwei, drei Recording-Studios in diesen Breitengraden, in denen Musiker von Weltformat ein- und ausgehen. Wie etwa die Little Big Beat Studios, samt eigenem Youtube-Kanal und namhafter Events wie “Studio Live Sessions” oder “Steinway Sessions”. Keine Spezialisten für Musik-Elektronik, aber dennoch: Wer hätte das gedacht …

Sobald der Sledge BLACK an Land gezogen ist, beginnen ausgiebige Nächte der Klangforschung – Stunden (über Stunden) mit viel Musik und wenig Schlaf. Schnell steht fest: Der Sledge hat das Gesuchte, jene Magie, die ein intuitives Instrument ausstrahlt. Zugegeben, dieser Synthesizer ist noch immer eine fulminante Plastik-Kiste (und wird es auch bleiben). Doch nun in schönem Design und mit ausreichend guter Tastatur.

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Sledge Chassis: UR-ALT Controller à la Fatar

Beim Durchforsten der Sledge-Informationen im Netz findet sich noch ein etwas verwirrendes Detail: Das Bild des Fatar CMS 61* anno 1994. Ein ur-alt Controller-Keyboard aus jenen Zeiten, in denen Computer-Monitore dickbäuchigen Fernsehern glichen und der Begriff “MIDI” noch für Gänsehaut-Stimmung sorgte. Zur Eingabe von Musikdaten in den Computer wurde CMS 61 ins Leben gerufen (dessen Erfolg eher bescheiden gewesen sein dürfte).

Amusement am Rande: Das Titelfoto des “Instructions Manual” zeigt einen Musiker beim Spielen des — nicht angeschlossenen — Keyboards …

[* Fatar ist im Industrieviertel von Recanati, einer Kleinstadt südlich von Ancona, beheimatet. Im selben Areal befinden sich noch Studiologic – zu Fatar gehörig – sowie EKO, FBT Elettronica und das ehemalige GeneralMusic (nun in finnischem Besitz). Eine Übersicht der Unternehmen gibt es hier.]

Wie dem auch sei. Fatar CMS 61 wurde im Jahre 2012 – durch große Knöpfe und schöne Klänge ergänzt – als 16-stimmiger Synthesizer namens “Studiologic Sledge” aus der Taufe gehoben. Mit im Boot der etwas abenteuerlichen Geschichte sind noch Axel Hartmann (Design) und die Firma Waldorf (Sound-Engine).

Das alles nun als Sledge Version 2.0 / Sledge BLACK Edition mit satten 24 Stimmen und neuen Details. Klingt doch viel versprechend …

Hardware

Beginnen wir ganz klassisch. Sledge BLACK besticht durch geschmackvolles Design. Schwarze Potis, zwei orange (!) Augen, rot leuchtende Schalter … alles klar und extrem übersichtlich aufgebaut. Rückseitig befinden sich nur der Stromanschluss und Power-Schalter, alle weiteren Anschlüsse sind seitlich.

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Das mag nun eventuell Stirnrunzeln hervorrufen (schließlich braucht der Sledge mit herausragenden Kabeln mehr Platz in der Breite), doch der direkte Zugriff hat auch Vorteile. Seitliches Verkabeln geht mühelos und erfordert kein Anheben oder Verschieben des Instruments.

Was andererseits – zugegeben – kein sehr anstrengendes Unterfangen wäre. Mit nur knapp über 8 kg (!) Gewicht ist der Synthesizer erstaunlich leicht. Natürlich besteht das Chassis zur Gänze aus Plastik, dennoch kann von Robustheit und solider Bauweise gesprochen werden. Die Potis sind groß (zuweilen riesig) dimensioniert und schalten bzw. drehen sich ordentlich und absolut zuverlässig. Natürlich fühlen sie sich ihrem Material entsprechend “leicht” an und nein: Maskuline Potis im Sinne eines Moog Synthesizers finden sich hier nicht.

Als Pluspunkt lässt sich hingegen das luxuriöse Platzangebot anführen. So viel Raum zum Drehen und Schalten von Elementen bieten nur wenige Synthesizer. Im Klartext: Der Bedienkomfort ist – sobald man das Thema “Plastik” innerlich verarbeitet und akzeptiert hat – definitiv gut.

Die invertierte Tastatur “hätte” ich mir persönlich in der gewöhnlichen Weiß-Schwarzen Variante gewünscht – es würde der Bezeichnung Sledge Black Edition ja keinen Abbruch tun. Der Grund des Wunsches ist einfach: Streifen (leicht unsaubere, verschmierte Stellen) sieht man auf einer invertierten (schwarzen) Tastatur sofort. Da heißt es entweder “gut Händewaschen vor jedem Spielen” und/oder die Tastatur regelmäßig mit einem Tuch reinigen. Schwarze, glatte Oberflächen sind nun mal bei Berührung sehr heikel, was spätestens mit dem Roland JD-XA zur unwiderlegbaren Gewissheit wurde.

Pitchbend- und Modulation-Wheel des Sledge bestehen aus Gummi, lassen sich angenehm bedienen und flexibel einsetzen (mehr dazu später).

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Kleiner Hinweis: Jene freie Fläche links zwischen den Buchsen und dem eigentlichen Synthesizer-Panel, dort, wo die Beschriftungen der Ein-/Ausgänge sind, eignet sich ausgezeichnet zur Ablage des Kopfhörers. Ob dies nun designtechnisch beabsichtigt (und zu diesem Zwecke gedacht) war oder nicht, spielt keine Rolle. Es ist enorm praktisch, den Kopfhörer “nicht” über die Knöpfe und Schalter des Instruments legen zu müssen, sondern – direkt neben dem Headphones-Ausgang! – eine entsprechende freie Fläche zur Ablage vorzufinden. Das mag sehr unspektakulär erscheinen, doch ist es eines von vielen Details, die – in Summe – dem Sledge eine bemerkenswert positive Aura verleihen.

Fazit: Die Hardware ist – man beachte das Preisniveau des Instruments von unter 1000 Euro – gut bis sehr gut. Viel Platz, große Potis, leichtgängige, aber ausreichend solide Bedienelemente und die luxuriösen Beschriftungen (nein, hier braucht man keine Lesebrille …) bedeuten ein übersichtliches und äußerst benutzerfreundliches Umfeld.

Als einziger Wunsch – es ist natürlich nur ein Tagtraum – wäre die Möglichkeit der Anhebung und Neigung des Panels zu nennen. Wie beim Arturia MatrixBrute oder Hartmann ’20. Doch in Anbetracht des Plastik-Chassis ist jeder Gedanke an ein “mechanisch bewegliches Panel” eine Illusion erster Güte. Und so bleibt es beim überarbeiteten CMS 61-Design, eben jenem “tischebenen Brett mit Knöpfen” namens Sledge, das den Musiker mit einem großen (flachen) Panel verwöhnt.

[TC aka Turgay Cevikogullari hat sich den Traum eine Sledge mit schwenkbarem Panel – in diesem Fall sogar motorisiert – erfüllt. Ein wahres Luxus-Instrument.]

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Anschlüsse

Zur Ergänzung der Hardware: Der Sledge ist betreffend Anschlüssen mit dem Nötigsten ausgestattet. Nicht mehr, nicht weniger:

  • USB (Data)
  • MIDI IN / OUT
  • PEDAL 1 – HOLD
  • PEDAL 2 – EXPRESSION (zuweisbar)
  • AUDIO OUT (left / right)
  • HEADPHONES

Aufbau der Klangerzeugung

Nun wird es spannend. Sledge 2.0 / Sledge BLACK ist ein 24-stimmiger virtuell-analoger Synthesizer mit integriertem PPG-Wavetable-Oszillator samt Sample-Pool. Das spannende daran ist – so viel sei vorweg verraten – die gleichzeitige Verwendung von traditionellen Wellenformen und besagten PPG-Wavetables (oder den verfügbaren Samples), was wiederum zu ganz neuen Wellenformen führt – und das bei direktem Zugriff auf alle Parameter der Klangsteuerung.

Die Oszillatoren

Oszillator 1 ist der König. Leicht zu erkennen an der orangen Krone, die nur ihm vorenthalten ist. Der König lässt sich als klassischer “analoger” Oszillator einsetzen, aber auch – es wurde schon angedeutet – als Wavetable-Oszillator oder zum Abspielen von Samples.

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– Klassische Wellenformen: Sägezahn, Puls (mit PWM), Dreieck, Sinus
– Wavetables: 66 PPG-Wavetables, Klang-Position über “Wave” Regler definierbar
– Samples: 60 MB, teils ab Werk belegt (Piano, Drums, …), eigene Samples einlesbar

[Der Sample-Pool wird durch Anwahl der Wellenformen “Wavetable” und “PWM” aktiviert – wodurch beide LEDs leuchten, wie im Foto zu sehen.]

Oszillator 2 und 3 sind “nur” klassisch ausgerichtet – Sägezahn, Puls (mit PWM), Dreieck, Sinus, verfügen jedoch auch über die (wunderschöne) Möglichkeit der Frequenzmodulation. Oszillator 2 kann durch OSC 1 moduliert werden, Oszillator 3 durch OSC 2. Schließlich gibt es noch Osc-Synchronisation von Oszillator 2 und 3.

Diese Frequenzmodulation bedarf nochmaliger Hervorhebung. Eingedenk dessen, dass Oszillator 1 mit klassischen Wellenformen, Wavetables und Sample-Pool enorm umfangreich ausgestattet ist, lässt sich das Klangspektrum der daraus resultierenden Möglichkeiten von FM (auf Oszillator 2) nur in kühnen Träumen erahnen. Besagte FM kann stufenlos von 0 bis 100% justiert werden … von “feinen” Oberton-Verschiebungen hin zu wilden FM-Effekten.

Neben der insgesamt enormen “Auswahl an Grundmaterialien aller Oszillatoren” fallen die OCTAVE Schalter besonders ins Auge. Sie sind 7-stufig (von 64′ bis 1′), was schlichtweg sensationell ist. Im Kontext bedeutet dies: Es stehen 6 Oktaven via OCTAVE Schalter zur Verfügung und weitere 2 Oktaven via (+/-) 12 SEMITONES. Gesamt also 8 (!) Oktaven pro Oszillator.

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Und das macht auch Sinn. Tiefes Grummeln eines zur Unkenntlichkeit verformten “Glassy” Wellenformsatzes (Wavetable No. 33, 64 Fuß, Oszillator 1), gepaart mit dem Fiepen einer an den Rand gedrängten Sägezahnwelle (1 Fuß, Oszillator 2) und dem Hauch anrüchiger Unstetigkeit seitens der FM-modulierten Dreieckwelle (16 Fuß, Oszillator 3): Genau solche Mischungen sind es, die neue, detailreiche Klangfarben erzeugen.

Der Mixer

… womit das Stichwort schon gegeben ist. Sledge erlaubt die nuancierte Mischung aller 3 Oszillatoren, plus NOISE (wählbar Pink oder White). Noise ist übrigens “nicht” ganz so edel, wie man es von einem echten Analogsynthesizer gewohnt ist. Es rauscht digital, mit – bei genauerem Hinhören – etwas eigenartigen, unerklärlichen Artefakten im akustischen Gebälk.

Zurück zum Mixer. Das seit dem Minimoog* bei nahezu jedem Synthesizer selbstverständliche Mischer-Tool macht sich hier besonders positiv bemerkbar. Die feinen Nuancen von Klang-Schichtungen in unterschiedlichsten Fußlagen und bei unterschiedlichsten Lautstärkeverhältnissen ermöglichen es dem Musiker, abertausende Klangfarben / Sounds einzustellen.

[* Wie beim Minimoog, so kann man auch hier die einzelnen Oszillatoren einfach an- und ausschalten. Sehr nützlich in der Live-Performance des Sledge. Je nach musikalischer Situation lassen sich Klangfarben punktgenau hinzufügen oder wegnehmen. Schließlich aber können Oszillatoren bequem deaktiviert werden, falls sie “nur” als Modulationsquelle zum Einsatz kommen sollen – Stichwort OSC FM.]

Fazit: So simpel das Prinzip der Wellenform-Mischung ist, so effektiv kann es sein … eine potente und vielseitige Oszillator-Struktur vorausgesetzt, wie eben beim Sledge.

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Das Filter

Das Instrument bietet ein umfassendes Multimode Filter. Zur Auswahl stehen:

  • LowPass (12dB / 24dB)
  • HighPass (12dB / 24dB)
  • BandPass (12dB / 24dB)

Via MIDI CC stehen jedoch noch weitere Filter Typen zur Auswahl! Konkret: NOTCH, COMB und PPG VCF … siehe Sledge Hidden MIDI functions (PDF, Informationen von VintageSynth).

Neben dem “klassischen” LowPass Modus ist vor allem BandPass hervorzuheben. Die Filter-Sweeps sind hier – wie in den Demos zu hören – besonders geschmeidig und ansprechend. Sehr anspruchsvolle Musiker, denen der Klang hochwertiger (echter) Analog-Synthesizer das Maß aller Dinge ist, werden feststellen, dass das Filter des Sledge insgesamt eher “verhalten” arbeitet. Den kantigen, scharfen, zuweilen im unteren Audio-Bereich auch “bauchigen” Biss eines analogen Filters darf man sich beim Sledge nicht erwarten. Dennoch klingt es sehr gut und lässt sich – dank der 3 (genau genommen: 6) Filter-Modes – flexibel und nuancenreich einsetzen.

RESONANCE, KEYTRACK und DRIVE (Übersteuerung) runden die direkt regelbaren Möglichkeiten des Filters ab. Zur Resonanz, die eine Eigenschwingung der Filters erlaubt, ihres dominanten (aggressiven) Wirkungsgrades zuweilen jedoch auch problematisch sein kann, kommen wir später noch zu sprechen.

Drive/Übersteuerung ist bei Sledge ein besonders wichtiges Feature, da gerade bei HighPass und BandPass – wo die “unteren” Audiobereiche wegfallen und die Luft im Sound oft dünn wird – dem Klang noch etwas Substanz und “Kante” hinzugefügt werden kann.

Die Hüllkurven

Filter- und Verstärker-Sektion haben je eine eigene ADSR-Hüllkurve, Sie lässt sich positiv oder negativ einstellen (Filter) bzw. verfügt über eine eigene Velocity-Funktion (Verstärker).

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LFO 1 / LFO 2 / WHEEL (AFTERTOUCH)

Hier wird es kribbelig. Wir sprechen von 3 (!) LFOs. 2 identische, aber unabhängige, LFOs per se, sowie ein über das WHEEL bzw. – am Panel nicht zu erkennen – über AFTERTOUCH aktivierbarer LFO.

Wie dem Foto zu entnehmen ist, sind die Möglichkeiten rasant:

  • Wellenformen
    (LFO 1 / LFO 2 / LFO 3 = Wheel / AT)
    x
    – Sägezahn (positiv/negativ)
    – Rechteck
    – Dreieck
    – Sinus
    – Sample / Hold
    – Ramp
    x
  • Modulationsziele
    (LFO 1 / LFO 2 / LFO 3 = Wheel / AT)
    x
    – OSC 1 / 2 / 3
    … einzeln bzw. in fast allen Kombinationen
    – PWM / Wave / FM
    … was für sich schon eine klangliche Schatztruhe (!) ist
    – VOLUME
    – CUTOFF

Die wichtige Frage der LFO-SPEED lässt sich nicht genau festlegen. Im an sich gut geschriebenen User-Manual (Englisch, als PDF geliefert, Anm.) steht davon gar nichts. Wie so oft scheint es keine für den Hersteller (oder Verbraucher) relevante Information zu sein. Ich sehe das völlig anders. “Gerade” solche Detail-Informationen entscheiden schon vorweg, ob ein Instrument für mich in Frage kommt (oder nicht).

Natürlich ist es gut möglich (und in diesem Fall auch wahrscheinlich), dass Studiologic schlichtweg keine genauen Informationen hat, da es sie (im oberen Frequenzbereich) nicht gibt. Zur Erklärung: Die LFO-Geschwindigkeit reicht von “unglaublich langsam” (sehr schön) bis hinauf in den Audio-Bereich … theoretisch zumindest.

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Wie bei vielen Digital-Synthesizern kippt das Klangergebnis bei hochfrequenten Modulationen … der zu errechnende Effekt wird einfach liquidiert und durch eine eigenartige Mischung aus Aliasing-Geräuschen, akustischen Erdbeben und kleinen Explosionen dargestellt.

Sprich: Alle Modulationen über – geschätzt – 50 Hz werden zum unkontrollierbaren Effekt. Das ist natürlich eine gewisse Schwachstelle. Doch somit wird auch klar, warum es virtuell-analoge Synthesizer der 3890-Euro-Preisklasse gibt (John Bowen Solaris) und virtuell-analoge Synthesizer der 890-Euro-Preisklasse (Studiologic Sledge 2.0). Die einen haben genug Rechen-Power für das echte Simulieren von Modulationen im hochfrequenten (Audio) Bereich, die anderen eben nicht.

Nichts desto trotz sind die 3 LFOs des Sledge eine Wundertüte. Sie lassen sich völlig unterschiedlichen Zielen zuordnen (siehe oben), wobei WHEEL / AFT TOUCH in der Einstellung RAMP auch als “direkte” Steuerquelle zur Verfügung steht. Im Klartext: Per Modulationsrad (und/oder Aftertouch) die Filter-Frequenz steuern, oder die Lautstärke, die Tonhöhe nur “eines” Oszillators (wenn man will – Schwebungen per Tastendruck!), die langsame Verschiebung der Pulsweite, die Veränderung der Klangposition in der Wavetable, die Änderung der Frequenzmodulation-Intensität zwischen den Oszillatoren … und vieles mehr. Das klingt doch verlockend, oder?

Schnell noch zum Bereich der …

Effekte

Gute Sache. Nicht Welt-Standard. Kein Lexicon-Hall hier, kein Ping-Pong-Triple-Delay. Und dennoch 2 sehr brauchbare Effekt-Sektionen:

  • EFFECT 1: Chorus / Phaser / Flanger … mit schönem Stereo-Klangbild
  • EFFECT 2: Reverb / Delay (unabhängig oder gleichzeitig nutzbar)

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In Verbindung mit Flächensounds ist beispielsweise der Chorus herrlich. Besonders bei langsamem Tempo. Da wandert das Klangbild stetig und wabernd von links nach rechts.

Im Zusammenspiel mit dem Arpeggiator ist Delay wiederum ein Genuss. Das (akustisch) “korrekte” oder “beinahe korrekt” Synchronisieren der Delay-Wiederholungszeit zur Arpeggio-Geschwindigkeit gelingt meist auf Anhieb. Und gerade die Nuancen der leicht vorgezogenen oder nachgesetzten Verzögerung bringen einen 70er-Jahre Charme mit sich, der allenfalls – in Ansätzen – an Frühwerke von Jean-Michel Jarre und dessen Verwendung von Tape-Delays erinnert.

Delay und Reverb lassen sich seit Version 2.0 nun auch gemeinsam einsetzen, wobei dann (notwendigerweise) “nur” die Echtzeit-Kontrolle von Delay aktiv ist.

Arpeggiator, Trigger Mode und MONO

Diesen Teil halten wir kurz. Der Arpeggiator ist gut und sehr praktisch, wenn auch nicht wirklich außergewöhnlich. An Spielrichtungen finden sich UP / DOWN / ALT UP / ALT DOWN, bei einem Umfang von 1 bis 5 Oktaven. Die abgespielten Noten können zudem einer der gewählten Logiken folgen: AS PLAYED, REVERSED, KEY LO-HI, KEY HI-LO.

Trigger Mode lässt die Wahl zwischen MULTIPLE und SINGLE Trigger. Wie bei so manchem Analogsynthesizer bietet sich also die Möglichkeit zu entscheiden, ob die Hüllkurven, LFOs automatisch mit jeder hinzukommenden Note neuerlich ausgelöst werden, oder nur bei abgesetztem Spiel. Im Klartext bedeutet das beispielsweise (> Einstellung MULTIPLE) den “free run” aller LFO-Modulationen (sehr schön). Bei Aktivierung von GLIDE bedeutet dies (> Einstellung SINGLE), dass nur übergebundene Noten (legato) den Glide-Effekt auslösen.

Durch Anwahl von MONO wird Sledge schließlich in einen “quasi” monophonen Synthesizer verwandelt. Von allen gespielten Noten erklingt stets nur die letzte (time priority) – die Hüllkurvenzeiten vorangegangener Töne werden entsprechend abgeschnitten.

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Nicht alles was glänzt ist …

… Gold. Sledge 2.0 / Sledge BLACK sind definitiv wunderbare Instrumente. Doch ein wenig Vorsicht ist geboten. In so einigen Bereichen …

– Bei vielen Reglerbewegungen – Beispiel Filter-Frequenz – sind feine, klangliche Sprünge auszumachen. Sprich: Keine gleitenden Übergänge, sondern minimale Abstufungen der Werte. Digital-Technik eben. Und während man im Display brav die Änderung der Werte mitliest, “hört” man – ungeachtet der immerhin 127 Schritte – mitunter tatsächlich jeden einzelnen Wertesprung. Das trifft leider auch bei Verwendung des Modulationsrades zu. Im musikalischen Gesamt-Kontext wird es in vielen Fällen zwar “nicht” auffallen, doch bei solistischen und – darum geht es – sich “langsam verändernden” Klangabschnitten sei Vorsicht geboten.

Letztlich ist es eben doch ein digitales Gehirn, das unter dem verführerischen Bedienpanel des charmanten Sledge schlummert. Ganz leugnen lässt es sich nicht.

– Die Filter-Resonanz entwickelt bei hohem Wert ein unkontrollierbares (Korg MS-20 ähnliches) Verhalten. Sehr aggressiv und räudig. Jedoch so stark, dass sie sich musikalisch nur eingeschränkt einsetzen lässt. Dabei tritt der Aggressionsbereich schlagartig ins Klanggeschehen. Keine Übergangsphase von wegen “zunächst nur eine Prise der Aggressivität”, sondern “sehr starke Resonanz: ja oder nein”. Das ist die Realität.

– Das Filter ist flexibel und gut, jedoch – wie schon vorher angedeutet – “kein” echtes Analog-Filter mit Biss. Das ist absolut keine Kritik, denn es liegt nun mal im virtuell-analogen Synthesizer-Konzept, schon klar. Zu hohe Erwartungen sollte man jedenfalls unterlassen …

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Zudem zeigt das Filter in einigen Fällen keine (oder sehr wenig) Wirkung. Auch das ist keineswegs die Schuld des Sledge, denn es hat ja seine Gründe. Wenig Wirkung zum Beispiel dann, wenn Oszillator 1 auf diese oder jene (sinusähnliche) Wavetable eingestellt ist. Dann gibt es schlichtweg – dank nicht oder kaum vorhandener Obertöne – auch nichts zum Filtern, der Klang bleibt statisch. Oder wenn im WHEEL-Bereich via RAMP die Filter-Frequenz so weit ins negative Nirvana gedreht wurde (unbeabsichtigt natürlich), dass auch kräftigstes Kurbeln am orangen Filter Frequency Poti keine Rückführung der Filterfrequenz in den hörbaren Änderungsbereich hervorruft.

Die Programmierung des Sledge Filters erfordert jedenfalls zuweilen etwas Fingerspitzen-Gefühl …

– Das Audio-Signal “klippt” ab und an, es erzeugt ungewollte Spitzen, die die Qualität des – an sich sehr guten – Audio-Signals beeinträchtigen können. Durch feinfühliges Regeln der Oszillator-Signale (Mixer), der Filter-Einstellungen und des Haupt-Lautstärke-Reglers lassen sich besagte Spitzen meist umgehen.

– Ob die beiden Haupt-LFOs zu einander synchronisiert werden können, ist nicht so ganz klar. Auf der Website des Herstellers steht “LFO1, LFO2 (phase synchronized)” zu lesen. Doch wie die Koppelung der Schwingungsphasen zu bewerkstelligen sei, entzieht sich unserer Kenntnis. Die LFOs schwingen so unabhängig von/zu einander, dass selbst identisch eingestellte Speed-Werte (z.B. beide Haupt-LFOs bei Geschwindigkeit “63”) keine Phasengleichheit mit sich bringen. Hier hätten wir die Segnung des digitalen Zeitalters (“Synchronisation”, natürlich auch via MIDI-Sync) mit Kusshand akzeptiert.

Aufgrund der nicht-synchronisierbaren LFOs und aufgrund des schon weiter oben genannten eigenwilligen Verhaltens bei hochfrequenten Digital-Modulationen ist der Modulations/LFO-Bereich des Sledge – ab und an – mit besonderer Geduld zu bedienen.

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Dennoch muss gesagt werden: Dies ist Klagen auf sehr hohem Niveau. Durch die insgesamt 3 LFOs, die unzähligen Modulationsziele samt zugehöriger sensibler Steuer-Möglichkeiten (Wheel / Aftertouch) hat man am Sledge enorme Möglichkeiten der Klanggestaltung*. Andere – eben angesprochene Aspekte – lassen sich hingegen nicht (oder nur eingeschränkt) umsetzen. So ist es nun mal.

[* DEMO 3 zeigt, wozu die Modulations- und FM-Abteilung fähig ist. So lassen sich mühelos feinste Klangwelten mit ansprechenden Effekt-Performances erstellen.]

Zusammenfassend sind die wenigen Kritikpunkte meist keine echten Kritikpunkte, denn eher Hinweise auf eventuelle Schwachstellen bzw. auf Bereiche, in denen Vorsicht (oder Geduld) beim Programmieren bzw. Performen / Spielen von Nöten ist.

Und damit zurück zu besonders herausragenden Details des Sledge …

Release- und Glide-Zeiten mit Rekordwerten

Genuss pur. Sledge bietet unglaubliche (!!!) Zeitdimensionen an. Mit klanglichen Resultaten, die sich nicht leicht in Worte fassen lassen.

Das Szenario “maximales Ausklingverhalten” sieht etwa wie folgt aus: Filter- und Amplifier-Release-Zeit auf Maximum stellen, einen Ton (oder Akkord) spielen und so lange auf der Tastatur bleiben, bis – je nach Attack-Zeit – der Sound seine volle Stärke entfaltet hat, dann die Tasten loslassen.

Nun ein wenig auf- und abwandern, dem schönen (im Raum “stehenden”) Klangbild des Studiologic Sledge lauschen, die Kaffee-Maschine aktivieren, schnell im Laden um die Ecke noch etwas Milch kaufen, ein paar Sandwiches herrichten … und erstaunt feststellen, dass die Release noch gar nicht “hörbar” eingesetzt hat. Viele Minuten sind inzwischen vergangen. Fast wähnt man sich eines Defekts am Instrument, oder einer versteckten Funktion (maximale Release könnte ja HOLD bedeuten?), doch  i r g e n d a w a n n  setzt sie dann ein, die Erlösung … langsam, sehr langsam, baut der Klang ab, die Lautstärke reduziert sich minimalst, kaum messbar in der inzwischen unendlich verstrichenen Zeit.

Gebannt harrt man natürlich der Dinge, die da noch kommen. Wie “gut” meistert Sledge das finale Fade-Out? Nun – herrlichst! Der Klang verebbt völlig stufenlos (ohne den Hauch einer Schwachstelle) im akustischen Nichts. Man sitzt versunken da (Stehen wurde irgendwann zu mühsam) und ist den Tränen nahe, so imposant ist das Gefühl des Überganges vom Klang zur Stille.

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In diesem Punkt leistet die Digitaltechnik schier Unglaubliches. DEMO 2 versucht der Magie (mittel)langer Release-Zeiten etwas Rechnung zu tragen.

Auch die Attack-Zeiten sind, nebenbei gesagt, imposant. Nicht ganz so üppig wie das zuvor beschriebene Auskling-Verhalten, doch um Welten besser als die Standard-Attack-Zeiten vieler Synthesizer am Markt.

Und doch hat die sagenhafte (lange) Release einen echten Seelenverwandten: GLIDE. Hier bewegt sich der Zeitrahmen wieder im Minutenbereich (!) … Nachdem sich seit den 70er-Jahren das Gleiten mit einem Maximalrahmen von wenigen Sekunden (5 bis 8 Sekunden, manchmal sogar deutlich weniger) als Norm festgelegt hat, überrascht die schier unendlich verfügbare Glide-Zeit des Sledge. Ob dies nun musikalisch verlockend ist (oder nicht), hängt vom persönlichen Geschmack ab.

Tatsache ist: Bei solch riesigen Zeitdimensionen wird man ganz kribbelig, da sich bei maximalem Glide – ach! – so wenig tut. Nach vielen, vielen Sekunden des Gleitens ist gerade mal ein Ganzton geschafft. Meine Güte! Aber das ist ja auch der Trick an der Sache. Immerhin sprechen wir von polyphonem (!) GLIDE. Und wenn sich die Akkorde wie in Zeitlupe auseinander (oder zueinander) bewegen, so hat das entweder etwas Verstörendes, oder aber etwas Magisches.

Und schließlich genügt ein kurzer Links-Dreh an der RATE, um wieder in den klassischen Wenige-Sekunden-Gleit-Bereich zu kommen. Ganz “normales Glide” geht ja auch, wenn man es so will …

MIDI und GLOBAL

Neben ARP sind MIDI und GLOBAL die einzigen Menüs, die der Sledge zu bieten hat. Und das ist dankbar. Kritiker werden sicher das eine oder andere Feature oder das eine oder andere Detail in der Programmierkette vermissen. Ich vermisse kaum etwas, genieße aber umso mehr die klare – vielleicht auch altmodische – Struktur des Instruments. So lassen sich bei MIDI selbstredend die wenigen wichtigen Dinge festlegen: Channel, Local, Velocity Curve, Clock, Send/Receive Control.

Letztgenannte Funktion bedeutet im Klartext, dass alle Reglerbewegungen des Sledge aufgezeichnet und auch angesteuert werden können. Die zugehörige Sledge MIDI CC Liste (PDF, Quelle von Gearsluts) fügen wir diesem Bericht bei.

Ergänzung: Im Netz berichten User von schwächelnder Software des Sledge. Der massive Einsatz von MIDI CC Daten soll den Synthesizer in die Knie zwingen. Ich habe – allerdings bei moderater MIDI-Steuerung von nur 4 oder 5 Parametern gleichzeitig – keine Schwachstellen in der Ansteuerung feststellen können.

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Doch Erfahrungen mit hakeliger Firm/Software wurden gemacht. Zu hinterfragen ist noch, welche Version des Sledge verwendet wurde. Gefundene Einträge beziehen sich vor allem auf das Jahr 2013 – somit auf Sledge Version 1.0. Danke jedenfalls an Sturmhardt für den Hinweis.

Zurück zum Sledge BLACK: Das GLOBAL Menü findet schließlich Antworten auf die typischen Grundsatzfragen nach Stimmung des Instruments (zwischen 430 und 450 Hz), nach der Art und Weise, “wie” die Drehregler reagieren sollen (Snap / Direct), der Zuweisung der Pedale (Sustain und Expression*), dem Wertebereich des Pitch-Wheels, etc.

[* Studiologic bietet sein eigenes Expression Pedal VP 27 an. Es kann z.B. auf die Filter Cutoff, aber auch auf MOD WHEEL eingestellt werden – was die Regelung aller Funktionen dieser (mächtigen) Modulationsabteilung per Fußbewegung erlaubt. Trotz mehrmaliger Versuche ist es mir bisher jedoch nicht gelungen, den EXP Pedal Eingang mit der Steuerspannung eines analogen LFOs oder dem CV-Signal eines Step-Sequenzers zu füttern.]

SPLIT und DUAL Mode

Sledge 2.0 bzw. Sledge BLACK können 2 Sounds gleichzeitig abspielen – gesplittet oder gelayert. Viele (viele) Tage war dies das groß gehütete Geheimnis, “wie” die Programmierung von 2 gleichzeitigen Sounds vonstatten geht. Wenn man dies einmal geschafft hat (ich sage nun nichts), können Sustain-Pedal und Pitchbender auf Wunsch für nur “einen” der beiden Sounds festgelegt werden. Das eröffnet spezielle musikalische Möglichkeiten und ist sehr praxisorientiert.

SLEDGE SPECTRE – Verwaltung der Samples

Zugegeben, die Notwendigkeit des Sample-Pools sehe ich etwas kritisch. Diese Funktion scheint wie ein Zugeständnis an die Popkultur. Ja gut, das ist das Klavier … und jaja, schon recht, hier sind ein paar Drum-Loops.

Natürlich ist diese Sichtweise etwas zu einfach und bequem. Immerhin kann man beliebige Samples (.wav Dateien) in den Sledge laden und als Schwingungsformen von Oszillator 1 verwenden. Studiologic bietet zur Verwaltung, Einspeisung und Sicherung der Samples ein kostenloses Programm an: SLEDGE SPECTRE. Optisch vielleicht ein wenig altbacken, aber bestimmt ausreichend gut und daher für jeden Sledge Besitzer empfehlenswert. Sofern man den Sample-Pool als wichtig erachtet …

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Der Sound, der Sound …

Vielschichtig, obertonreich, betörend. So meine Erlebnisse und Klang-Erfahrungen mit dem Sledge BLACK. Flexibel, lebendig, ausdrucksstark. So meine Erkenntnisse beim Durchstöbern der Sledge-Demos auf Youtube.

Unmittelbar nach Kauf des Instruments und nach nur wenigen Stunden der Sound-Forschung klettert der Sledge in meinem persönlichen Polyphon-Synthesizer-Ranking sehr weit nach oben. Viele Nuancen im Klang sind Neuland für mich. Grenz-Bereiche werden abgetastet, die sich zwar mit manch anderen Synthesizer ebenso erreichen lassen (in der Theorie sieht ja vieles gut aus …), die aber häufig durch eine spartanische Bedienung (Panel mit nur wenigen Reglern oder mit überfrachteten Struktur-Menüs) den unmittelbaren, gleichzeitigen und (sehr wichtig) intuitiven Zugang zu allen Aspekten der Klanggestaltung erschweren. Oder aber die nur “einen” Teil des Klangspektrums haben: Wavetables oder klassische analoge Wellenformen.

Sledge bietet alles: Den intuitiven Gesamt-Zugriff auf alle Klang-Parameter sowie die spannende Kombination von Wavetables und klassischen Analog-Sounds (wenn auch – das ist klar – virtuell analog).

Wie so oft im Leben ist für den klanglichen Erfolg dennoch ein wenig Arbeit nötig. Schließlich sind die Presets des Sledge großteils eher durchwachsen. Standard eben. Olle Bässe, Bläser, Pad- und Lead-Sounds mit quäkendem Filter und viel-zu-schnellem-Vibrato, man kennt es ja. Der Weg zum großen Glück – Anpassen der Klänge, Schrauben, Spielen, Programmieren – ist jedoch sehr entspannend und kurzweilig, dank des gewaltigen und komplett mit Knöpfen ausgestatteten Panels.

Hier entfalten nun die “großen” Hardware-Elemente ihre volle Wirkung. Alle Nuancen – das langsame Durchfahren der Wellenformsätze, das Erstellen feinster Schwebungen (riesige Detune-Regler!), die gelungene Anpassung der Hüllkurven-Zeiten, etc. – können punktgenau erreicht werden. Natürlich nur sofern es den Punkt gibt. Die etwas heikle Filter-Resonanz (von einer Sekunde zur nächsten “kippend”) oder die zuweilen hörbare digitale Rasterung (Stichwort Filter-Frequenz) wurden ja mit leicht erigiertem Zeigefinger … Achtung, Achtung … schon genannt.

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Die aus meiner Sicht größte Stärke des Sledge liegt in der Erstellung neuer, fein ziselierter Klangfarben. Mit verantwortlich in der Rezeptur nie enden wollender Oberton-Mixturen sind: 3 Oszillatoren bei gewaltigem Register-Umfang (64 bis 1 Fuß), luxuriöse Wellenform-Angebote (nicht nur die Wavetables, auch die klassischen Wellenformen, sogar die ollen PulseWidth-Modulationen klingen hervorragend), nuancierte Mixer-Möglichkeiten (eine Prise hier und eine Prise dort) sowie Oszillator-FM (besonders exzellent) und die Verfügbarkeit von 3 LFOs (mit individueller Steuerung von Oszillatoren, Wellenformen, Frequenz-Modulationen).

All das garantiert eine schier unendliche Anzahl an Klangfarben. Obwohl knallig gelb (Sledge 2.0) oder nobel dunkelgrau (Sledge BLACK), sind die Sounds – bei etwas Hingabe und Willen zum Detail – bunt wie ein Regenbogen. Natürlich oft mit einem Hauch “Digital” im Charakter (das lässt sich nicht ganz vermeiden), doch bei guter Programmierung erreicht der Klang auch einen starken, ansprechenden Analog-Charakter, der sich über das Keyboard – Velocity und Aftertouch – zudem noch nuanciert “performen” lässt.

Die 1000 verfügbaren Sounds (000 bis 999) lassen sich in Genres einteilen – z.B. PAD, LEAD, BASS, SEQ – und dann innerhalb der Kategorien suchen. Das ist natürlich eine erhebliche Vereinfachung der Bedienung.

40+ Minuten Audio-Material sind angefügt. Wie immer haben die Demos eine spezielle Färbung / musikalische Ausrichtung. Und wie immer sind sie nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich mit dem Sledge 2.0 / Sledge BLACK klanglich zum Ausdruck bringen lässt. Die verwendeten Delay- und Chorus-Effekte stammen übrigens alle direkt vom Sledge.

Als wichtige Ergänzung des Gesamt-Eindrucks sei das Durchhören der Sledge Youtube-Videos empfohlen. Die Demos von Adam Borseti finde ich besonders umfassend und zuweilen recht witzig. Hier sind neben unzähligen “Hits” der Synthesizer-Geschichte auch sehr überzeugende E-Piano- / Rhodes- / Rockorgel-Klänge, feinfühlige Lead-Sounds und schmerzhaft gute Vangelis-Imitationen zu hören.

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In unseren Klangbeispielen (40+ Minuten Audio) kommt fast ausschließlich der Sledge BLACK zum Einsatz. Einzig in zwei Files steuert noch der Arturia MatrixBrute Sounds bei: Er liefert mit Preset A07 die Mundharmonike zu “DEMO 1″ und spielt das einfache Pattern in “Simple Sequence 3″. Eine Italo-Französische Kooperation … wie schön.

Kurz-Info zu den 3 Haupt-Demos:

DEMO 1: Once Upon A Time (mit Lead-Stimme des Arturia MatrixBrute)
DEMO 2: BandPass Sweeps (Pad-Sounds mit mittel-langen Release-Zeiten)
DEMO 3: Magnétique (diverse Effekt-Tracks, Anspielung auf JM Jarre’s Album)

Fazit

Sledge 2.0 / Sledge BLACK Edition sind bemerkenswerte Instrumente. Für 890 Euro (Sledge 2.0) bzw. 990 Euro (Sledge BLACK) erhält man jeweils einen 24-stimmigen SYNTHESIZER, der diesen Begriff wie kaum ein anderes Instrument zu recht trägt.

Sledge bietet musikalisch hochwertige Klänge aus vielen Bereichen und erlaubt – in guter Tradition der Analog-Synthesizer – sekundenschnelles Anpassen der Sounds an die eigenen Bedürfnisse. Wer in die Tiefe gehen möchte, kann mittels OSC FM, OSC Sync, MultiMode Filter (BandPass!), den 3 LFOs, den starken ModWheel- / Aftertouch-Performances sowie der kompletten Steuerung aller Parameter via MIDI CC bis ins kleinste Detail der Soundstruktur vordringen.

Grundsätzlich sei Sledge 2.0 / Sledge BLACK natürlich all jenen empfohlen, die Gefallen an Klang und Philosophie von Wavetables haben. Die schon öfters hervorgehobene Kombination der integrierten PPG-Wellenformsätze “mit” klassischer, analoger Sound-Architektur ist die ganz besondere Würze rund um den Sledge.

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Schließlich aber richtet sich das Konzept dieses Instruments auch an jene, die einen Synthesizer weniger als Vorzeige-Objekt, denn als ein Werkzeug zum Musikmachen sehen. In diesem Punkt ist Sledge ein wahrer Muster-Synthesizer, dessen kreativer / musikalischer Output in einem exzellenten Verhältnis zum doch eher bescheidenen Investitionsvolumen steht.

Der Studiologic Sledge wird oft mit dem Waldorf Blofeld verglichen. Immerhin steckt beiderseits dieselbe (Waldorf) Engine unter der Haube – wenn auch die Instrumente selbst minimal unterschiedlich realisiert wurden. Sledge und Blofeld Synthesizer haben eine nahezu identische Klang-Struktur und sind in etwa gleich leistungsfähig: PPG-Wavetables, 60MB Sample-Pool, virtuell-analoge Synthese, 3 Oszillatoren, 24- bzw. 25-stimmige Polyphonie, Arpeggiator, etc.

Und so gibt es Befürworter hier wie dort. Auf der einen Seite stehen die Anhänger des Blofeld mit seiner “noch” trickreicheren Klanggestaltung (z.B. zwei MultiMode Filter pro Stimme) und einem “noch” günstigeren Preis. Das alles mit edlem Metall-Chassis / Elementen, allerdings im Bedienkomfort sehr reduziert: Nur eine Handvoll Knöpfe, Keyboard-Version mit lediglich 4 Oktaven Umfang. Auf der anderen Seite stehen die Anhänger des Sledge mit seinen üppigen Bedienelementen (39 Potis, 41 Schalter, 5 Oktaven-Keyboard) und dem direktem Zugriff auf alle Parameter des Klanges.

Und ja, bei genauer Betrachtung stellt man zudem fest, dass die Oberfläche des Hartmann ’20 “exakt” dem Studiologic Sledge entspricht. Auch hier steckt ein Waldorf Blofeld unter der Haube. Bei Hartmann natürlich in edelstem Aluminium-Design – quasi die hochwertige deutsche Anti-These zur preisgünstigen italienischen Plastik-Ausführung.

Studiologic Sledge BLACK

Doch solche Vergleiche und Gedanken spielen sich nur am Rande ab. Entscheidend ist: Studiologic Sledge – einer der potentesten Synthesizer am Markt – bietet ein großzügiges Layout, fantastische Sounds und ein ausgezeichnetes bzw. äußerst “stimmiges” Preis/Leistungsverhältnis.

Sehr zu empfehlen.

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Öffnen / Download:

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Youtube Video – exzellente Demo-Sounds von Adam Borseti:

Youtube Video – ein bisschen Studiologic-PR mit Rick Wakeman:

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Studiologic Sledge 2.0 / Sledge BLACK Edition

Design: Axel Hartmann
Engine: Waldorf

UVP: 890 Euro (Sledge 2.0)
UVP: 990 Euro (Sledge BLACK)

Website Hersteller:
www.studiologic-music.com

5 Gedanken zu “Studiologic Sledge BLACK Edition
– ein Panther zum Verwöhnen

  1. Wow, ich bin echt beeindruckt. Demo 2 ist genau mein Ding. Vielen Dank für den tollen Artikel. Ich glaube, ich werde mir den Sledge mal genauer anschauen. Woher bekommt man diese Klappversion???

    • … diese schöne Klappversion hat sich Turgay selbst gemacht, oder machen lassen. Das wäre die absolute Edel-Version …

  2. “Sehr zu empfehlen”: Leider wurde die etwas hakelige Firm- bzw. Software nicht weiter erwähnt. Ich persönlich bin ein sehr zufriedener Sledge-Besitzer, aber in den einschlägigen Foren wird leider doch oft über das Gerät geschimpft. Trotzdem : Preis / Leistung ist unschlagbar.

    • … danke für den Hinweis. Ja, man liest so einiges über Software-Probleme. Beispielsweise soll die intensive Ansteuerung mit MIDI CC – so in den Foren zu lesen – den Sledge in die Knie zwingen. Da viele Beiträge jedoch älter sind – hier Beiträge aus dem Jahr 2013 rund um diverse Bugfixes – dürften sie sich großteils auf Sledge Version 1.0 beziehen. Die erste Version hatte grundsätzlich mit teils massiven Problemen zu kämpfen (Soft- und Hardware, v.a. aber auch mit der Qualitätskontrolle bei Studiologic).

      Die Info betreffend aufgetretener Steuerungs- / Software-Probleme wird im Bericht noch eingefügt (Kapitel MIDI).

      Betreffend Firmware kann ich beim Studiologic Sledge Black – genauer: bei 2 Stück – keine Irritationen feststellen. Die Instrumente laufen im Betrieb absolut zuverlässig.

      Viele Grüße, Theo

  3. Demo “Analog Lead Line” findet meinen Beifall!
    Über 2,5 Min mit nur 2 Osc und “nur” mit dem Detune Leben in die Bude zu bringen ist gut gelungen.
    Für einen VA klingt der Sledge gar nicht übel.
    Der Artikel macht jedenfalls Appetit zum eigenen Probieren.

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