„Wir beginnen ganz groß“ müssen wohl die Worte von Groppioni Paolo (GrP) gewesen sein, als er mir im Frühjahr 2008 den Entwurf zum A8 präsentierte – dem ersten Seriengerät der noblen Instrumentenschmiede GRP aus Rom, Italien.
Der riesige Papierstreifen hatte am Wohnzimmertisch kaum Platz und musste heftig ob seines Willens, sich wieder zusammen zu rollen, gebändigt werden. Mit einer Breite von 127cm und einer Höhe von 67cm ist der A8 nun in der Tat auch einer der größten je hergestellten Synthesizer. Gebaut wurde er 22 Mal und ist seit 2010 in Studios in Deutschland, Österreich, in der Schweiz, in Frankreich, Italien, Belgien und in den USA zu finden.
Neben seiner beeindruckenden Größe ist es jedoch in erster Linie das Konzept, welches den GRP A8 zu einem Meilenstein der Synthesizer-Geschichte macht. Während sich viele moderne Analoge nach wie vor an klassischen Vorbildern orientieren, was grundsätzlich auch keineswegs verkehrt ist, geht GRP seine eigenen Wege. Ausgezeichnete Klangeigenschaften, umfassendes Sound-Design, flexible Performance und die Verknüpfung mit MIDI „und“ CV/Gate werden in GRP Synthesizern einzigartig verbunden.
Einzigartig dahingehend, als die klanglichen Möglichkeiten eines Modularsystems zu 90% erreicht werden (ohne der Notwendigkeit eines einzigen Patch-Kabels) und die Performance dank der Vorverdrahtung, des genialen GRP-Sequenzers und der vielfältigen Synchronisationsmöglichkeiten sogar weit über die Spielmöglichkeiten jedes bekannten Analogsynthesizers hinausgehen.
Aufbau des GRP A8
Das Instrument ist ein duophoner Studio-Synthesizer, der aus zwei identischen, analogen Klangeinheiten besteht.
Das Instrument verfügt über:
- 6x VCOs
- 6x Sub-Oszillatoren
- 1x Noise (Audio und Modulation)
- 2x Ring Modulator
- 2x 24dB LowPass Filter
- 2x 12dB Multimode Filter
- 2x Fixed Filter Bank
- 8x VCAs
- 4x DAHDSR Hüllkurven
- 3x ADSR Hüllkurven
- 2x VC LFO (+ MIDI Sync)
- 1x globaler LFO
- 3x Audio-Mixer
- Sample & Hold (+ MIDI Sync)
- 1x Auto-Pan Modul
- 1x 16 (2×8) Step CV- & Trigger
- Sequenzer (+ MIDI Sync)
- Referenzton (A=440 Hz)
- 2x Portamento
- CV/Gate
- MIDI
Besonderheiten
Es sind verschiedene Aspekte, die den GRP A8 „besonders“ machen. Zunächst ist es das schon angedeutete
GRP Konzept
selbst. Anstelle beliebig zusammenfügbarer Module sind Auswahl und Anzahl der Elemente von Werk aus (in großem Umfang) vorgegeben. Statt Patchkabel kommen Mehrfach-Schalter zum Einsatz, die das Zuweisen der umfangreichen Modulationsquellen erlauben.
Dadurch bleibt der GRP A8 sehr übersichtlich, bietet aber dennoch – ähnlich einem „richtigen“ Modularsystem – enorme klangliche Möglichkeiten. Der A8 lässt sich als monophones Instrument mit 6 VCOs oder als duophoner Synthesizer mit je 3 VCOs einsetzen. „Upper“ und „Lower“ können beliebig und unabhängig über MIDI (separater MIDI Kanal für beide Seiten anwählbar), CV/Gate oder dem integrierten Sequenzer gesteuert werden. Weiters ist die
Synchronisation
der „rhythmischen“ Komponenten sehr schnell (und effektiv) umsetzbar. So lassen sich z.B. die LFOs zum Sequenzer clocken, derselbige wiederum über MIDI synchronisiert wird. Auch Sample/Hold und Auto-Pan lassen sich an das Timing anpassen, nur der dritte (globale) LFO ist nicht synchronisierbar. Die
Filterabteilungen
sind in der vorliegenden Art einmalig. Es stehen – für beide Synthesizer-Einheiten – jeweils ein 24dB LowPass Filter und ein 12dB MultiMode Filter (HP, BP, LP und Notch) zur Verfügung. Dem nicht genug: Jedes Filter verfügt natürlich über eigenständige Modulationsmöglichkeiten und kann nur für sich oder aber in Kombination zum anderen Filter (seriell bzw. parallel) genützt werden. Das steigert die klanglichen Möglichkeiten um ein Vielfaches. Schließlich gibt es noch pro Sektion eine Festfilterbank, die der doppelten Filter-Abteilung nachgeschaltet ist und für weitere Feinheiten im Klangbild sorgt.
Ebenso ungewöhnlich wie die umfangreichen Filter-Abteilungen sind die
VC LFOs
Die beiden voltage controlled LFOs (1/2) bieten einen weiten Frequenzumfang und gehen bis über 2 kHz! Das ist für eine flexible Klänggestaltung unerlässlich wichtig. Zudem lassen sie sich in ihrer Geschwindigkeit wie in der Intensität modulieren. Zu letzterem Zweck haben sie jeweils eine eigene Hüllkurve, mit der sich das „Shaping“ (die Intensität der Modulation) zeitlich steuern lässt. Statische Modulationen gehören somit der Vergangenheit an. Die LFOs können zum Sequenzer, zu Sample & Hold oder via MIDI getaktet werden, oder aber umgekehrt als Clock für Sequenzer oder Sample & Hold dienen. Dabei lässt sich das Clock-Verhältnis in einem weiten Bereich festlegen (z.B. kann pro LFO-Schwingung der Sequenzer exakt einmal 8 Steps abspielen, etc.). Natürlich lassen sich die LFOs für OSC FM und Filter FM bestens einsetzen, wobei der große Frequenzbereich „gewöhnliche“ bis stark experimentelle Klänge erlaubt.
Oszillatoren und Sub-Oszillatoren
Als Klangbasis stehen satte 6 VCOs und zugehörig 6 Sub-Oszillatoren (!) zur Verfügung (3 VCOs und 3 Sub-Oszillatoren pro Synthesizer-Einheit). Das sollte „genügen“! Der Tonumfang jedes Oszillators reicht von 64’ bis 2’, punkto Wellenformen sind neben den Klassikern Sinus, Dreieck, Sägezahn, Puls auch die Misch-Wellenformen Dreieck-Sägezahn und Sägezahn-Puls geboten. PWM kann durch 11 (!) Modulationsquellen erfolgen, ebenso wie FM-Bus 1. Hier lässt sich jeder VCO (unter anderem) durch die jeweils anderen 5 VCOs frequenzmodulieren (= Cross-Modulation). Der FM-Bus 2 begnügt sich mit der Wahlmöglichkeit zwischen LFO 1 bzw. LFO 2. Die VCOs lassen sich natürlich zueinander synchronisieren und werden – zusammen mit Ring-Modulation und Noise – in zwei Audio-Mixern individuell gemischt.
MIDI und Stepsequenzer
eröffnen der rein analogen Klangerzeugung völlig neue Welten. Das Instrument empfängt Note, Pitchbend, Wheel, Velocity, Aftertouch und Clock Informationen. Anschlagdynamik und Aftertouch lassen sich z.B. auf die 4 Filter völlig frei (mit individuell einstellbarem Wert) zuweisen. Eine spezielle (und definitiv elegante) Trigger-Möglichkeit von LFO 1/2 sowie S/H und dem Sequenzer ist GATE. Mit GATE werden alle via MIDI eintreffenden Noten als „Clock“ gewertet. Ob man nun live am Keyboard spielt, einen externen Software-Sequenzer als Haupt-Taktgeber verwendet oder z.B. den alten Hardware-Sequenzer des Elka Synthex (der definitiv „nicht“ MIDI Clock senden kann) abgreift: Der GRP A8 übernimmt einfach jegliche eintreffende Note bzw. GATE Information und lässt diese als Clock gelten. Dies hat nun den Vorteil, dass man auf keine „echte“ MIDI Clock angewiesen ist, was jene Musiker freuen dürfte, die im Studio zuweilen gerne den Computer ausgeschaltet lassen und lieber spontan Musik machen (mit synchronisierten Klangerzeugern, wohlgemerkt).
Sequenzer
Er ist ein Juwel: Der Sequenzer bietet 2×8 oder 1×16 Schritte und dient als CV- und Trigger-Sequenzer. Pausen bzw. rhythmische Strukturen lassen sich ebenso programmieren (und dem UPPER bzw. LOWER Synthesizer individuell zuweisen) wie sich jede Sequenzer-Spur (bei Bedarf) in 12 Halbtonschritte quantisieren lässt (was schnelle, harmonisch „korrekte“ Ergebnisse erlaubt). Laufrichtungen gibt es unzählige verschiedene und sogar mathematische Formeln sind anwählbar, um „automatische Rhythmen mit Wiederholungsmuster“ abzuspielen. MIDI Clock, MIDI GATE, eine ext. analoge CLOCK oder LFO 1/2 können zur Triggerung des Sequenzers dienen, ja sogar die beiden Spuren lassen sich analog abgreifen (CV/Gate) und zur Ansteuerung weiterer Synthesizer verwenden.
Klang und Performance des GRP A8
Das Klangrepertoire des Instruments lässt praktisch keine Wünsche offen. Ob weiche Lead-/Bläserriffs à la Sequential oder Oberheim, bauchig-voluminöse Bässe à la Moog, Experimentelles à la ARP-2600 … es müssten schon ein oder zwei Jahrzehnte intensiver Klangforschung verstreichen, ehe man an die Grenzen des A8 stößt. Das wirklich Besondere ist allerdings der Umstand, dass man ZWEI Synthesizer und damit zwei völlig unabhängige Systeme zur Verfügung hat. Dieses Konzept erweitert die klanglichen Möglichkeiten, die sich „live“ – sozusagen aus der spontanen, musikalischen Entwicklung heraus – ergeben, um ein Vielfaches. Während der UPPER Synthesizer vom Sequenzer getriggert wird, spielt man das Solo am LOWER Synthesizer via Keyboard dazu. Natürlich transponiert der Sequenzer seine Melodie automatisch mit, sodass Sequenzer- und Solo-Spiel immer exakt passen. Das ist „eine“ der unzähligen Möglichkeiten.
Mit zwei Synthesizern im Paket, deren Steuerung und Synchronisation individuell über Sample/Hold, Sequenzer, MIDI (live oder via Computer) bzw. CV/Gate möglich ist, ist die musikalische Performance so vielseitig bzw. ausgereift wie bei keinem anderen analogen Synthesizer.
Viel Licht, etwas Schatten
Der GRP A8 ist in vielerlei Hinsicht sehr beeindruckend, doch vier Punkte gibt es zur Kritik.
Erstens kann Velocity / Aftertouch nicht als Modulationsquelle für die VCOs genützt werden. Stattdessen sind ganze 5 der 11 verfügbaren FM-Modulationsquellen den jeweils anderen VCOs zugeteilt, was ich – aller Crossmodulation in Ehren – doch etwas „zu“ luxuriös finde. Eine Auswahl von 3 VCOs als quasi „hochfrequente LFOs“ hätte genügt, dafür wäre der Zusatz von Velocity und Aftertouch musikalisch wichtiger gewesen.
Zweitens sind die (meisten) Regler für Modulationsquellen nicht bi-polar. Zwar erlaubt der vorhandene, weite Regelbereich von 0-10 sehr nuancierte Einstellungen (so dass Argument von GRP), doch mit -5 bis +5 könnte man z.B. mit nur einem einzigen LFO elegante gegengleiche (Stereo-) Modulationen für „Upper“ und „Lower“ erzielen.
Drittens lassen sich die Eingangslautstärken der jeweiligen 24dB- bzw. 12dB-Filter nicht regeln. Das kann nun speziell im parallelen VCF-Betrieb heikel werden, da die Filter naturgemäß sehr unterschiedlichen Charakter haben und die Eingangslautstärken vom Mixer kommend nicht selten individuell geregelt werden müssten.
Viertens gibt der Sequenzer zwar seine Spuren nach außen ab (CV/Gate Output für beide Reihen), doch ignoriert er eingehende MIDI-Tonhöhen. Im Klartext: Eine Transponierung der Sequenzen (via MIDI) wird nicht nach außen weitergeleitet, der A8 gibt stattdessen „nur“ die CV-Werte des Sequenzers aus. Intern funktioniert das Transponieren – die Mischung von MIDI-Noten und Sequenzer-Daten – automatisch, sie „passiert“ ja genau genommen nicht im Sequenzer, sondern bei den Oszillatoren. Darin liegt auch die Ursache, warum Transpose-Daten nicht via (Sequenzer) CV ausgegeben werden: Sie liegt in der konzeptionellen Trennung von Sequenzer-Einheit und MIDI-Interface. Eine „Mischung“ der Daten ist – für den Sequenzer alleine – nicht möglich, er kommt – außer bei Synchronisation zur MIDI-Clock – mit MIDI gar nicht in Berührung. Im neuen GRP A4 wird diese nicht ganz ideale Situation der „CV-Ausgabe ohne Transpose“ durch Zugabe eine „Transpose“ Buchse für den Sequenzer gelöst (samt CV-Out vom MIDI-Interface kommend). Mit einem Patchkabel ist bei A4 also auch die Ausgabe von transponierten Sequenzen möglich.
Der Einzig Wahre. Erfahrungen zum GRP A8
Man kann über Synthesizer viel reden, über ihre VCOs, über das Verhalten der Filter, wie die Hüllkurven so sind … doch ich bevorzuge statt dessen eine kleine Geschichte. Sie ist ganz aktuell und sie ist wahr.
August 2011. Ein Wohnungswechsel ist im Gange, ich ziehe um. Im Zimmer des künftigen Studios wird der GRP A8 – inmitten aller noch herumstehenden Kisten und Cases – als erster (und vorerst einziger) analoger Synthesizer angeschlossen, provisorisch sozusagen. Musikalische Unterstützung erhält das Instrument vom Roland JD-800, der polyphone Klangfülle beisteuern darf und nebenbei als Masterkeyboard dient. Damit ist das kleine Studio – bestehend aus zwei Instrumenten – vorerst komplett.
Nach einigen Stunden Klangforschung und kreativer Glückseligkeit am GRP halte ich inne, betrachte zunächst den A8 und dann die anderen, mich umgebenden (noch verpackten und am Boden stehenden) Synthesizer. Minimoog, ARP Odyssey, Sequential Pro-One, Synton Syrinx, Roland System-100, Korg MS-20 und 800 DV, Roland SH-5 und SH-7, Yamaha CS-30 und CS-40M, PPG 1002, Oberheim OB-1, ARP-2600 und einiges mehr: Alles hervorragende Synthesizer, jedes Instrument auf seine besondere Weise einzigartig. Doch „brauche“ ich sie? An sich genügt der GRP A8, ich spüre es. Musikalisch bietet er mit Präzision alles, was ich mir wünsche, der Klang ist satt, schön, aggressiv wie romantisch, bombastisch wie experimentell, übermächtig wie zurückhaltend – je nach Wunsch. Hier Moog-Bässe, dort Oberheim-Leadsounds und nach einigen weiteren Handgriffen experimentelle ARP-Klänge, schneidende Bläserriffs à la Yamaha oder Sequential, dann sogar FM-Sounds (mit 6 „Operatoren“ > Oszillatoren) – ich vermisse nichts.
Natürlich bleiben „alle“ Synthesizer ihre eigenen Unikate. Nur ein Minimoog ist ein Minimoog, nur ein Yamaha CS-Filter ist ein Yamaha CS-Filter, nur ein Korg MS-20 klingt so, wie er klingt. Doch ich spreche vom „Gesamtpaket“ der gebotenen Möglichkeiten. Der GRP A8 bietet ein Meer an exzellenten Oszillatoren, eine Vielzahl analoger Filter höchster Qualität … ein Menschenleben wird kaum ausreichen, die Möglichkeiten und die Funktionsvielfalt des A8 wirklich „auszuschöpfen“. Kein analoger Synthesizer hat jemals diese flexible Performance geboten, kein analoger Synthesizer hat jemals diese ganzheitliche Aura eines „Musik-Instruments“ vermittelt.
Nachdenklich über Wert und Notwendigkeit meiner insgesamt doch „sehr“ umfangreichen Instrumentensammlung sinnierend, formuliere ich ein weit reichendes Lob an Paolo Groppioni, der den A8 ins Leben gerufen hat. Das Instrument kann viele (wenn nicht alle) monophonen Synthesizer ersetzen, es steckt sogar den Großteil der modernen Analogen „mit links“ in die Tasche. Ich will es zwar noch nicht wahrhaben (Leugnung ist der erste Schritt zur Realität), aber die Musik hat das „Urteil“ zugunsten des A8 gefällt: Er alleine genügt.
Noch einmal kurzes Nachdenken, wie es dazu kommt. Heute ist der Anspruch an ein Top-Instrument ein anderer als vor 40 Jahren. Er sollte zumindest ein anderer sein. Schade, dass das Filter eines Minimoog nicht über die Anschlagstärke der Tastatur dynamisch gesteuert werden kann, wie viel „Ausdrucksstärke“ geht hier verloren! Schade, dass die LFOs des wunderbaren Roland System 100 nicht synchronisierbar sind, welch experimentelles Potenzial bleibt hier unerschöpft! Schade, dass der MacBeth M5 (Baujahr 2004!) kein MIDI hat, zur Einbindung ins Studio benötigt man eben doch wieder ein kleines „Zusatzgerät“, ich nehme das sehr ungern zur Kenntnis. Schade, dass die beiden LFOs des großartigen, neuen Moog Voyager XL bei 50 Hz bzw. 20 Hz „enden“. Sind Klang und Performance nicht gleichermaßen wichtig? Doch vielleicht ist das Vorhandensein von VCOs und des Begriffs Analog für viele Musiker schon „ausreichend“. Wem der Klang analoger Oszillatoren und Filter alleine genügt, dem stehen seit vielen Jahrzehnten exzellente Synthesizer zur Auswahl, keine Frage. In diesem Fall haben wir allerdings die 70er Jahre nie wirklich verlassen – wir verharren in der Urgeschichte der Synthesizer-Entwicklung. Und dafür braucht es den A8 nicht.
Ein Top-Analogsynthesizer muss heute einen (oder besser: mehrere) Schritte weiter konzipiert sein und den hervorragenden Analog-Klang mit modernen Performance-Möglichkeiten kombinieren. Die dynamische Kontrolle möglichst vieler Klangparameter über MIDI bzw. über eine MIDI-Tastatur muss selbstverständlich sein, die Synchronisation von beispielsweise Sequenzer zu Sample & Hold sollte mit „einem“ Handgriff, die Modulation der LFO-Geschwindigkeit durch Velocity mit „einem weiteren“ Handgriff möglich sein. Nur so geht es. Flexibilität und ein zeitgemäßes Konzept dieser Art weisen (klarerweise) keine Vintage Synthesizer und auch – etwas überraschend – nur wenige „moderne“ Analogsynthesizer auf. Der Moog Voyager wäre (mehr oder weniger) als doch bemerkenswertes positives Beispiel zu nennen … und der A8.
Nun, die Musik hat entschieden, ich spiele weiter. Ende der kleinen Geschichte.
GRP A8 MKII
Da die erste Auflage des A8 bereits vor Produktionsbeginn ausverkauft war, plant GRP in wenigen Jahren eine zweite Serie zu bauen und den A8 MKII auf den Markt zu bringen. Im Zuge dieser zweiten Auflage wird der A8 in einigen Punkten optimiert (separate Eingangsregelung der Filter, etc.), sein Preis steht noch nicht fest, ich „schätze“ ihn jedoch auf 8800 Euro (inkl. Mwst, zuzügl. Versand). Dies ist kein (!) offizieller Preis, doch es wäre das Doppelte des
GRP A4
Wer nicht auf den A8 MKII warten möchte (oder ein „handlicheres“ Instrument bevorzugt), der sollte den GRP A4 in Betracht ziehen. Dieser „kleine Bruder“ des A8 geht Anfang 2012 in Produktion, die Auslieferung ist für Mitte 2012 vorgesehen. Der A4 verfügt über EINE Synthesizer-Einheit des GRP A8 (3 VCO, 2 VCF, 2 LFO, 2 ENV), hat jedoch auch die interessanten kreativen Module integriert – RingMod, S/H, Auto-Pan und der geniale Sequenzer. NEU ist die Loop-Funktion der Hüllkurven (à la EMS VCS3 bzw. EDP Wasp), alle Modulationseingänge können zwischen + und – geschaltet werden, der Sequenzer bekommt noch „einige“ Extras.
Weiters gibt es einen EXT. AUDIO Eingang: Das zugeführte Audio-Signal lässt sich beim A4 nicht nur zur Nachbearbeitung (durch die Filter, etc) verwenden, sondern kann als Bestandteil der Ringmodulation eingesetzt und zum Auslösen der Hüllkurven verwendet werden. Zudem lässt sich vom externen Audio-Signal eine Modulationsspannung (CV) ableiten, mit deren Hilfe VCO 3, beide Filter-Eckfrequenzen und die Geschwindigkeit (!) von LFO 1 moduliert werden können. Exzellent.
Schließlich aber ist der GRP A4 mit „nur“ 80 cm Breite und 45 cm Höhe ein deutlich praktischeres Instrument als der A8 (für Besitzer eines Heimstudios und für Musiker mit Live-Ambitionen - sprich: Auftritten – wichtig), sein Preis beträgt moderate 4400 Euro (inkl. MwSt., zuzügl. Versand). „Moderat“ ist natürlich relativ, doch ein hervorragendes Konzept, gute bauliche Qualität und echte Handarbeit hatten schon seit jeher ihren Preis. Der GRP A4 wird in einer Auflage von 35 Stück hergestellt.
Zur genauen Ansicht hier die GRP A4 PDFs (Layout):
____________________________________________________________________
Nachtrag 1. Januar 2012: Wie erwartet war die Serie von 35 Stück bereits zu Weihnachten 2011 ausgebucht. Paolo Groppioni wird noch bis Ende Februar Reservierungen entgegen nehmen und somit auf Wunsch einige zusätzliche GRP A4 bauen. Der Preis bleibt unverändert.
____________________________________________________________________
Fazit
Nun, was soll man sagen? Ich würde einen Großteil meiner Vintage-Synthesizer Sammlung gegen einen GRP A8 (oder zwei GRP A4) tauschen. Aus musikalischer Sicht erfüllen die Instrumente alle Wünsche, mehr noch, sie sind Performance-Künstler, sie bieten genau jene Klangeigenschaften, jenes moderne Konzept und jene Flexibilität, die man sich schon seit vielen Jahren – und vielleicht heute mehr denn je – von einem hochwertigen Analogsynthesizer gewünscht hat.
____________________________________________________________________
Für Fragen und weitere Informationen zum GRP A8 bzw. GRP A4 stehe ich gerne zur Verfügung. GRP ist – man kann es so sagen – zum musikalischen Höhepunkt in meinem Erforschen analoger Synthesizer geworden. Zu sehr bin ich vom Potenzial, von der enormen Ausdrucksstärke und von der edlen Bauweise dieser Instrumente angetan. Meine Bewunderung gilt auch Paolo Groppioni, den ich seiner handwerklichen Fähigkeiten ebenso wie seines symphatischen Charakters wegen großen Respekt zolle.
Kontakt:
Theo Bloderer:
(Deutsch)
GRP (Paolo Groppioni):
(Englisch, Italienisch)
Website GRP: www.grpsynthesizer.it
____________________________________________________________________
Anbei noch die Listenpreise für GRP A8 und A4:
- GRP A8 € 7,900.– (2010, 22 Stück gebaut, ausverkauft)
- GRP A4 € 4,400.– (2012, 35 Stück, ausgebucht, einzelne, zusätzliche Reservierungen sind bis Mitte Februar möglich)


















Theo,
klasse Bericht und tolle Soundbeispiele.
Der GRP A8 ist sowohl optisch als auch akustisch eine einmalige Erscheinung.
“Hut ab” und Respekt für den Entwickler Paolo Groppioni!!!
… vielen Dank für das Feedback. “Einmalige Erscheinung” finde ich eine erstklassige Beschreibung, es trifft den A8 sehr gut.
hallo theo
wie gewohnt schöne audiobeispiele. bisschen unhandlich von der größe her, aber ein tolles instrument der a8. schade das es deine bluesynthstreffen in kufstein nicht mehr gibt.
ps: gib es workshops bei oder von dir bzgl. synthesizer/programmierung, ich denke von dir kann man einiges lernen.
… das stimmt, der GRP A8 ist sehr unhandlich. Und er ist eindeutig ein Studio-Instrument mit festem Platz, einmal hinstellen und nie wieder weg bewegen! Zum A8 habe ich zwei Workshops in München (Musikhaus Hieber Lindberg) gemacht. Der nächste ist zum GRP A4 geplant, im Frühjahr 2012. Da lohnt es sich übrigens auch, die Synthesizer Ausstellung bei Hieber zu besuchen, die bis Herbst 2012 läuft.
Viele Grüße …
Wirklich ein sehr schöner Synth!!!!
In jeder Hinsicht. ;-)