SUPERBOOTH26 – Synthmesse Berlin (Teil 1)

Synthesizer-Liebhaber überall und allerorts denken im Monat Mai an die SUPERBOOTH (SB). Denn diese Messe für Tonerzeuger und Sound-Effekte hat sich in ihrer recht kurzen Geschichte zu einem der weltweit größten Events dieser Art gemausert. Vom 7. bis 9. Mai fand jetzt die SUPERBOOTH 2026 statt – zum zehnten Mal.

10 JAHRE SUPERBOOTH

Die SB wurde ins Leben gerufen von Andreas Schneider, dem Gründer von Schneidersladen, dem legendären Berliner Musikgeschäft. Von Anfang an ein Fachgeschäft spezialisiert auf modulare Angelegenheiten. Zunächst nur ein Ausstellungsstand gleichen Namens auf der Frankfurter Musikmesse, ist die SB seit der Krise des großen Instrumentenevents am Main eine eigenständige Schau für Synthesizer, Synthesizer-Module (3HE / 5HE) und Zubehör. Auch Musiksoftware und immer mehr Outboard präsentieren sich zunehmend in Berlin. Treiber und Aufhänger des Ganzen sind aber nach wie vor die immer noch wachsende Zahl an Synthesizer- und Effektmodulen.

GROSSE NAMEN

Über 300 Ausstellende haben auf dem weitläufigen Gelände des Freizeit- und Erholungszentrums im Südosten Berlins ihre Produkte vorgestellt. Neben den vielen kleinen und mittleren Herstellern waren auch die Big Player der Branche vertreten wie YAMAHA, ROLAND, KORG, NORD, NATIVE INSTRUMENTS. IN MUSIC war mit NOVATION, SEQUENTIAL und OBERHEIM vertreten, aber MOOG und AKAI hatte man sich geschenkt – offenbar aus Mangel an Präsentablem. BEHRINGER macht schon seit längerem einen großen Bogen um Berlin.

Mit dem Wetter hatte die SB bislang Glück. Milde Temperaturen, geringe Niederschläge. Geregnet hat es diesmal zwar auch wenig, aber die ersten Tage waren wirklich frisch, weswegen es sich für viele empfahl, Zeltstädte und Bungalow-Dorf auszulassen und mit dem kuscheligen Hauptgebäude des Freizeit- und Erholungszentrums (FEZ) im riesigen Park Wuhlheide anzufangen.

DIE LOBBY

In der Lobby läuft man, wie gewohnt, direkt in KORG hinein: Außer der in halbdurchsichtige Folie verpackten Vaporware – einem Keyboard-Synthesizer, von dem allem Anschein nach nicht mehr als die groben Vorgaben existieren, sonst hätten wir sicher mehr zu sehen bekommen – gab es ein paar analoge Mischer zu entdecken. Korg MW-12XR und aus der Nu:Tekt-Bastel-Serie den kompakten NTS-4 in handlichen Einzelteilen zur Selbstmontage.

Bemerkenswert eine Licht-Sound-Installation von GINKOSYNTHESE, unter der großen Rundtreppe platziert. Alles hübsch analog mit drei sich überlagernden Projektoren realisiert. Leider war der Sound ein bisschen zu dezent fürs laut-geschäftige Treiben in der SB-Empfangshalle.

ASM war mit dem Leviasynth angereist, einem aufgebohrten Nachfolger des erfolgreichen, virtuell-analogen Hydrasynths. Daneben gab es auch den Blasmusik-Ableger Diosynth zu bestaunen. Und daneben …

… der ebenfalls digitale MODOR NF-1K, die Keyboardversion des NF-1 Desktop/Rack-Synthesizers mit Stimmverdopplung.

GEFÄLLIGES DESIGN

TELEPATHIC Orchid ist ein handlicher Akkordspieler der besonderen Art, kommt im 70er-Jahre-Gewand daher (ich musste sofort an einen Wecker aus dieser Zeit mit laut vor sich hin klappernden Ziffernblättern denken). MUSICAL BEINGS: Tembo, ein digitaler Drumcomputer, der sich in einem zu klein geratenen, fünf mal acht Felder großen, hölzernen Damebrett versteckt; die Bedienung ausgeklügelt, denn der Rhythmus wird mit den runden, hölzernen und mit Magneten präparierten Damesteinen programmiert: Einfach = Achtel, Doppelt = Sechzehntel, Umgekehrt = folgende Sechzehntel… (wenn nicht genau so, so doch wenigstens so in der Art).

Schluss mit Bio dagegen bei SOMA INSTRUMENTS nebenan: Der schon ein bisschen in die Jahre gekommene Pulsar kommt neuerdings im Rostgehäuse daher und im Stand gleich nebenan schieben die Spieler Metallgegenstände (Münzen, Schlüssel und dergleichen) übers Panel des Enigma Desktopsynthesizers, um der neuen Maschine Klänge und Rhythmen von langsam und chillig bis nervig quietschend atonal zu entlocken. Vollkommen berührungsfrei durch Luftdirigat bringt dagegen der Musiker den QURAY Controller dazu, MIDI-Events zu erzeugen, die ihrerseits wieder Klänge seiner Wahl aktivieren. Das gute Stück sieht aus wie ein kleiner Meteorit, den eine Schul-Theatergruppe aus Pappmaché gebastelt hat, kosmosgrau lackiert.

KOMFORTABEL EIN PLUGIN

Die Outboard-Abteilung wird immer größer. Analoge Goodies diskret und/oder auf Röhrenbasis , Replikationen alter Mikrofone (AEA) und der Legendären Kompressoren und EQs (AUDIOSCAPE), die für den Sound von Beatles bis Michael Jackson verantwortlich waren. In einem Seitenraum die Stände der namhaften Hersteller von Studiopulten, Outboard, Wandlern, Interfaces (SSL, API, RME, SPL). Interessant, dass auch hier vollständig analoge Geräte in all ihren Parametern digital kontrolliert (und damit selbstverständlich auch abgespeichert) werden können. Das gilt für den Brick Lane MC4, einen analogen vierfach Kompressor/Limiter von CRANBORNE AUDIO ebenso wie für ELYSIAs neues Modell, den Stereo-Kanalzug Channex Studio, dessen Vierband-EQ sogar dynamisch arbeiten kann – ein Feature, das bislang nur der digitalen Konkurrenz vorbehalten war.

Der spanische Retrohersteller HERITAGE AUDIO warten mit einem neuen preiswerten, kompakten 8-Kanal-Stereo-Mischer mit dem sinnigen Namen Mix Buddy auf und daneben widmet sich HLABS aus dem Nachbarland Frankreich dem Bewahren des Erbes der legendären STUDER-Schaltkreise. Edelschmiede ZÄHL wartet mit 2 Class-A-Kopfhörerverstärkern auf. Und auf vielfachen Wunsch wird es jetzt auch den 12-kanaligen Performancemixer PM-12 geben.

HARMONIZER VON KRAFTWERK UND GEORGE LUCAS

Ein Bonbon der ganz besonderen Art stellt der Audios II von KF INSTRUMENTS dar: Eine getreue Rekonstruktion von Klaus Fischer, dem Entwickler des extrem raren Harmonizers des Stuttgarter Musikgeschäft s BARTH aus dem Jahr 1978, von dem damals nur 50 Exemplare hergestellt wurden, die dafür aber in umso mehr namhaften Produktionen zu hören sind u.a. bei Stockhausen, Ultravox, Kraftwerk, Modern Talking und George Lucas.

ENTSPANNTE VERSORGUNGSLAGE

Abseits der lauten Präsentationen in den Ausstellungshallen gibt’s da natürlich noch die zahlreichen Lecture Concerts, eine kommentierte, konzertante Form von Produktpräsentation, die vielen Freiluft-Konzerte auf den drei Bühnen. Und natürlich auch das Catering, genossen auf den zahlreichen Bierbänken und Treppenstufen am See oder vor Ort, an den diversen Messe-Standorten. Diesmal gab es mehr Stände, was zu einer allgemein entspannteren Versorgungslage führte.

HIER BRUMMT DER DINO

ERICA SYNTHS erweitert zur Abwechslung einmal nicht schwarze, sondern die hell und bunt gestaltete Bullfrog-Serie um einen analogen Mixer und den Drumcomputer Drums. Neu im Programm auch der programmierbare und speicherbare Resonant Equalizer im Desktop-Format. Aber es geht auch ganz simpel: HAPPY DINOSAUR aus Schweden platziert einen großen Gitarrenpickup in einen ausgefrästen Holzklotz, Klinkenbuchse dran — und fertig ist der Tabletop Humbucker! Der reagiert natürlich auf alle möglichen Metallteile mit urtümlichem (Dino-)Gebrumm.

SOUNDROULETTE

Drone und Ambient-Synthesizer waren selbstverständlich zahlreich vertreten. Nach ihrem Erstling Alt überraschten CYMA FORMA diesmal nun mit dem ca. 10 x 10 cm großen RND Synth. Hiermit kann man Musik machen, ohne jede Art von Vorwissen oder Training. Denn zum Spielen des Instruments reicht ein einfaches Betätigen des großen Knopfs, der sich an der Oberseite des Kompaktinstruments befindet, und los geht’s. Das Drücken veranlasst den Prozessor sofort mit der Generierung einer „musikalisch sinnvollen“ Zufallskomposition, die auch sogleich auf vier internen Instrumenten ertönt. Gefällt einem die als Stereosumme über eine Miniklinke ausgegebene Miniatur nicht, kein Problem, einfach nochmal drücken und gespannt sein, was das Sound-Roulette als Nächstes auswirft.

TRAUERSPIELER AUS DEN NIEDERLANDEN

Sehr speziell ebenfalls das bereits im letzten Jahr vorgestellte Melancholytron von FRAKNOISE, ein Instrument auf dem sich garantiert nichts Fröhliches spielen lassen soll, ein dediziertes Trauerspielzeug sozusagen.

Anders und geradezu konventionell präsentiert sich Ziggy, jüngster Spross der Luxusmarke BUCHLA, ein einstimmiger Desktop-Synth. Dieser günstige Volks-BUCHLA ist wohl gedacht, den Einstieg in die Welt des Westcoast-Synthese-Pioniers zu erleichtern. Die Sounderzeuger des kompakten Desktop-Synths sind komplett analog, er verfügt über zwei VCOs, Lopassgate, die üblichen digital erzeugten Modulatoren und einen digitalen Multieffekt. Der Ziggy ist komplett speicherbar und verfügt über ein kleines Display.

Weiter geht es zu Teil 2 des Berichts …

Kategorie 2026, Allgemein, Stories

“Es genügt, einen Ton schön zu spielen” sagte der Komponist Arvo Pärt im Jahre 2005. Diese Aussage ist ebenso einfach wie ich auch exzellent: Es braucht kein Meer an Tönen, denn entscheidend ist der Klang. Dass so mancher Vintage-Synthesizer der 70er und 80er Jahre teils unerreicht hochwertige Klänge liefert, steht außer Frage. Doch tatsächlich leben wir “heute” in einer nahezu perfekten Zeit. Einerseits hat man – mehr oder weniger – noch Zugriff auf die Vintage Analogen, andererseits wird auch bei Neugeräten die wichtige Komponente des hochwertigen Klanges wieder zunehmend berücksichtigt. Doepfer, Cwejman, Synthesizers.com, MacBeth, Moog, GRP, Studio Electronics, COTK, John Bowen und andere Hersteller bauen hervorragende Synthesizer, die den “Klassikern” in nichts nachstehen. All diesen (alten wie neuen) “großartigen” Instrumenten ist Great Synthesizers gewidmet. _________________________________________________________ In 2005 composer Arvo Pärt said: “Playing one tone really well is enough”. In other words, it is sufficient to play one tone 'beautifully'. I agree with that. All musical efforts are focused on the sound itself. Although I studied classical music (piano and drums), it’s the electronic sound that inspires me. Synthesizers are the epitome of new sounds and exciting tonal spheres. Today, many companies produce high-quality - excellent! - synthesizers: Doepfer, Cwejman, MacBeth, Moog, GRP, Synthesizers.com, COTK, Studio Electronics, John Bowen and others. It's their products I'm really interested in ... apart from Vintage Synthesizers, which I have been collecting for 20 years. Subsequent to our former websites Bluesynths and Blogasys, Peter Mahr and I have now created GreatSynthesizers. We hope you like it.

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