Korg PS-3100
– ein polyphoner Tyrannosaurus

Wenngleich der Korg PS-3100 Synthesizer einem überdimensionalen MS-20 sehr ähnlich sieht, spielt er klanglich in einer völlig eigenen Liga. Das hat natürlich teils mit seiner praktisch unbegrenzten Mehrstimmigkeit zu tun, mehr noch aber mit den vielen Extras und Besonderheiten, die den Polyphonic Synthesizer 3100 zu einer der eigenständigsten Schöpfungen der elektronischen Musikgeschichte machen.

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Das Résumé gleich vorweg: Die Korg PS-Serie gehört – ebenso wie Yamahas polyphone CS-Synthesizer – zu den charaktervollsten und musikalischsten Instrumenten unter den mehrstimmigen Analogsynthesizern. Dieses Urteil ist natürlich eine subjektive Einschätzung, ein Ergebnis des persönlichen Geschmacks und der individuellen musikalischen Ausrichtung, zu der man tendiert.

Dennoch lässt sich im Vergleich feststellen, dass es viele “sehr gute” aber eben ungefähr gleichwertig ausgestattete Instrumente gibt, sowie einige wenige “andersartige” Synthesizer, die sich durch eine Anhäufung besonderer Merkmale unterscheiden, welche bei keinem anderen Instrument vorzufinden sind. Und zu einem solchen “raren” Instrument mit viel Charakter zählt der Korg PS-3100.

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Das Modell 3100 als Basis der PS-Familie

Korg konzeptionierte ein Gerät als Grundstein der PS-Serie: Den PS-3100. Selbiger ergibt in dreifacher Ausführung (mehr oder weniger, S/H ist beispielsweise nur einmal vorhanden) den wirklich beeindruckenden PS-3300. Ein Jahr nach Erscheinen dieser beiden Instrumente (1977) kam 1978 noch der PS-3200 hinzu, welcher vom Konzept her teils erheblich anders realisiert wurde als die älteren Brüder der Familie (Stichwort Programmspeicher) und daher eindeutig von der Linie “PS-3100 als Basis” abweicht. Dies ist insofern von großer Bedeutung, als einige der musikalisch so hervorragenden Features des “kleinen” PS-3100 beim PS-3200 nicht mehr zu finden sind.

Anzumerken sei noch, dass es wie immer solche und solche Meinungen bzw. solche und solche Einschätzungen zu ein und demselben Instrument gibt. Nicht wenige Musiker schätzen “ganz speziell” den Korg PS-3200. Sicher auch (aber nicht nur) wegen seiner Speicherbarkeit – ein Feature, das im Studio-Alltag natürlich durchaus angenehm ist. Zudem muss man fairerweise bekennen, dass die separate PS-3010 Tastatur des PS-3200 (bzw. PS-3300) ein wunderbares Performance-Tool ist, das vor allem durch den herrlichen Joystick eine sehr flexible Kontrolle verschiedener Stereuerspannungen am Instrument erlaubt.

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Dennoch, meiner Erfahrung nach zeigt sich bei der Korg PS-Serie ein häufig zu beobachtendes Phänomen: Das kleinere Instrument ist für den Musiker oftmals – nach Kennenlernen und Abwägen aller Vor- und Nachteile – interessanter als das größere.

So ist ein Roland Juno-60 die deutlich günstigere (und musikalisch nicht unbedingt minderwertige) Alternative zum Jupiter-8. So ist ein Yamaha CS-60 die schlaue Lösung für Leute, die den Klangcharakter des CS-80 lieben, die aber mit der technischen Urgewalt des großen Boliden (und mit all seiner Nebenwirkungen) nicht konfrontiert werden möchten. Und so ist der Korg PS-3100 in einigen wesentlichen klanglichen Aspekten dem größeren und teureren PS-3200 ganz sicher überlegen …

Was macht den PS-3100 so besonders?

Nun ja, alles! Doch etwas präziser formuliert:

Die Polyphonie: Neben dem Polymoog sind die Korg PS-Instrumente die einzigen wirklich vollpolyphonen und umfassenden Analog-Synthesizer. Der PS-3100 ist 48-stimmig, was aus musikalischer Sicht gewaltige Vorteile hat. Akkorde werden bei steigender Mehrstimmigkeit nie “abgeschnitten”. Sololinien können selbst bei maximaler Release-Zeit immer zur Gänze ausklingen. Obwohl er nur einen VCO pro Stimme hat, kann der PS-3100 dank seiner nahezu unbegrenzten Vielstimmigkeit sehr breit, brachial und wirklich beeindruckend voll klingen.

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Die Resonatoren: Sie liefern einen stark phaser-ähnlichen Sound und tragen ganz wesentlich zum typischen “PS-Charakter” bei. Lebendigkeit und Charakterstärke pur, sozusagen. Beim PS-3200 wurden die Resonatoren übrigens weggelassen und durch einen Equalizer ausgetauscht. Leider, muss man sagen, da dies keinen auch nur ansatzweise gleichwertigen Ersatz darstellt. Doch können sich PS-3200-Besitzer behelfen, indem sie z.B. die Resonatoren von MAM als externe Effekteinheit hinzukaufen, womit man dem originalen Charakter eines PS-3100 schon wieder deutlich näher kommt.

Die Hüllkurven: Sie sind etwas eigenwillig und dennoch genial konzipiert! Attack, Decay und Sustain werden über Potis regulierbar, Release ist hingegen nur zuschaltbar via dreier Presets. Gerade die Releasezeit ist aber vom Allerfeinsten! In ihrer DAMPED-Position ist sie so kurz und knackig, dass Soli immer sehr lebendig und – ja, es lässt sich nicht anders sagen – musikalisch klingen: Bestens, diese „frechen“, kurzen Release-Zeiten.

Der PS-3200 wurde an dieser Stelle übrigens “erweitert” und bietet den gewohnten Standard Attack, Decay, Sustain, Release – alles über Potis regelbar. Die schönen Release-Presets sind jedoch weg, was den PS-3200 wiederum um ein kleines Stückchen weniger interessant macht: Auch bei kürzester Release klingt er nicht ganz so “frech” und aggressiv wie der kleinere Bruder.

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Weiter zur Attack des PS-3100. Sie bietet die längste Attackzeit, die ich kenne und klingt (oder sagen wir: entwickelt sich) im Zusammenspiel mit dem Schalter HOLD klanglich ganz beeindruckend. Eingestellt wird die superlange Attack folgendermaßen: Zuerst Attack über “7” einstellen, dann den Hold-Schalter betätigen, dann Töne spielen – somit ist Hold aktiv. (Doch bitte Geduld haben … der Ton entwickelt sich erst, das kann schon ein wenig dauern). Um die Hold-Funktion wieder auszuschalten, muss der Attack-Regler unter den Wert von “3” eingestellt und dann der Hold-Switch abgeschaltet werden. Klingt kompliziert, ist aber nach einigen Probe-Durchläufen sogar schon wieder in sich “logisch” und in der Praxis gar kein Problem.

Eine genaue Messung der Attack-Zeit liegt nicht vor (in der Tat ist es schwierig, den “Endpunkt” der Anstiegszeit exakt zu hören), aber sie beträgt zumindest 2 Minuten! Was dies musikalisch bedeutet: Man stelle z.B. Attack auf “10”, drücke Akkordtöne von unten nach oben aufsteigend über die gesamte Tastatur (mangelnde Polyphonie ist ja kein Thema), setze sich gemütlich vor die Lautsprecher … und hört dann zunächst rein gar nichts!

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Aber der PS-3100 produziert die Klänge schon, sie sind eben nur noch nicht hörbar (John Cage hätte mit diesem Instrument seine große Freude gehabt). Ein schneller Kaffee geht sich noch aus, wieder zurück vor dem Lautsprecher hört man noch immer nichts.

Dann, nach längerer Stille, ist das – inzwischen ja schon vor ewiger Zeit eingespielte – Harmonie-Gemisch langsam wahrnehmbar … sehr, sehr langsam, es kommt wie aus dem Nichts … so, als würde der Master-Fader des Mischpults mit unendlicher Geduld hinaufgezogen werden … und der Klang wächst, und wächst. Irgendwann hält man es nicht mehr aus und dreht die Lautstärke des PS-3100 zurück. Doch der Klang wird zum Tyrannosaurus Rex, er wächst weiter, man dreht nun das Filter zurück und reduziert nochmals die Lautstärke, um den geliebten Monitorboxen ein Überleben im Angesicht des wildgewordenen Polyphonic Synthesizer 3100 zu ermöglichen.

“Attack” klingt im Synthesizer-Jargon ja eher beiläufig, es ist ein Wort, mehr nicht. Meist wird der deutlich wichtigere Teil des Begriffes – die ZEIT – einfach weggelassen.

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In diesem Punkt wird man vom PS-3100 nachhaltig und eindrucksvoll kuriert. Das Instrument macht klar, was Anstiegszeit – AttackTIME – in seinem vollen Umfang bedeuten kann …

Während viele Musiker möglichst kurze Attack-Zeiten als Maßstab für die Qualität eines Instruments sehen, eröffnen sich mit den extrem langen Anstiegszeiten eines Korg PS-3100 unerwartete und nicht weniger spektakuläre musikalische Welten. Beim PS-3200 wurde diese Spezialität übrigens wiederum geändert: Hier sind die Attack-Zeiten auf ein “übliches” Maß von max. 20 Sekunden den damit standardisierten “Gepflogenheiten” der Synthesizer-Welt angepasst.

Nebenbei: Attack und Release lassen sich bei allen Korg PS-Instrumenten via CV-Eingang extern spannungssteuern! Das ist natürlich besonders schön … so kann man mittels Bewegen des (entsprechend verkabelten) Modulationsrades die Attack-Zeit im Solo-Spiel ständig variieren bzw. exakt dem solistischen Spiel anpassen. Nur als Beispiel …

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Das Steckfeld: Es ist – wie wir es vom MS-20 her kennen – in einem einzigen Block realisiert. Da der PS-3100 insgesamt größer ist, wirkt aber sein Steckfeld übersichtlicher und aufgeräumter als beim MS-20.

LFO 1 / LFO 2 / Sample&Hold: LFO 1 hat einen enormen Frequenzumfang und erlaubt neben seiner Standardfunktion im “Low”-Bereich auch sehr exotische, experimentelle, ringmodulator-ähnliche Effekte im “High”-Bereich. Korg hat diesen LFO unter genau dem Gesichtspunkt entworfen: Größtmögliche klangliche Flexibilität – vom feinen Vibrato hin zum schrägen vocal-ähnlichen FX-Surren …

Wiederum wurde dies beim PS-3200 ein wenig geändert. Hier kommt LFO 1 nicht ganz so hoch hinauf wie beim PS-3100. Das allerdings nur via Poti. Wenn man die Frequenz des LFOs von außen moduliert (via Joystick oder Bender, LFO 2 etc), erreicht der PS-3200 eine noch höhere Frequenz als der kleine Bruder. Beim PS-3100 “liquidiert” man bei externer Frequenzmodulation ab einem bestimmten Punkt den LFO, wenn er zu sehr in die Höhe getrieben wird. Dann gibt er einfach den Geist auf, bis man ihn wieder brav in “normalere” Gefilde (bis 1 kHz) bringt. Von außen gepatcht macht das dem PS-3200 nichts aus, so gesehen ist hier der LFO 1 teils sogar besser als beim kleineren Bruder …

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LFO 2 ist eine wichtige Beigabe, da er als Modulationsquelle für die Resonatoren dient (die natürlich auch via externer CV-Quelle alternativ oder zusätzlich moduliert werden können). Nebenbei kann LFO 2 auch zur Frequenzmodulation von LFO 1 genützt werden. Und Sample & Hold nicht zu vergessen, mit der Möglichkeit der Synchronisation zu LFO 1.

Es gäbe noch sehr viel zu diesen oder jenen musikalischen Besonderheiten des PS-3100 zu sagen. Zur Möglichkeit, eigene Tonskalen zu erstellen, etwa. Oder zum Rauschgenerator als Bestandteil des LFO. Oder zur Spezialität, das Keyboardtracking betreffend VCF und VCA sowohl positiv als auch negativ (für Filter und Ausgangslautstärke separat regelbar) einzustellen, stufenlos natürlich. Die zusätzliche “General Envelope” wurde nicht genannt, sie kann abhängig von der Anzahl der gleichzeitig gespielten Töne erklingen (!), was bei gezielter Spielweise enorme klangliche Möglichkeiten bietet. Pulsweitenmodulation beim VCO wäre noch zu nennen, oder das massive Aluminium-Wheel, das speziell im Zusammenhang mit den vorhandenen 4-fach Multiple-Buchsen (> maximal 3 Modulationsziele auf einmal) doch ein Genuss zu bedienen ist … doch lassen wir nun alles Technische beiseite und widmen uns endlich konkreten musikalischen Erfahrungen.

Der Klang

ist letztlich das stärkste (und wohl einzige) Argument, wenn es um Musik geht. Kaum ein Synthesizer hat so enorm viel Leben, eigenständigen Klangcharakter und breites musikalisches Spektrum in sich vereint wie der Korg PS-3100. Feinste FX-Sounds, überzeugende Bässe (die nie Moog-Bässe sein werden, die aber sehr schön trocken und mit der schnellen Hüllkurve auch richtig bissig sind), breite Pad-Klänge (der Resonator macht hier den Sound noch deutlich lebendiger), subtile Solo-Klänge etc. Wer neue Sounds sucht, gerne experimentiert und musikalische Features wie gute Hüllkurven-Werte und Vollpolyphonie künstlerisch zu verwerten weiß, der wird sich an diesem Instrument  sofort sehr wohl fühlen.

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Zugegeben, der PS-3100 kann auch dünn klingen. Mikrig sogar, doch (!) — und das ist entscheidend, “nie” ohne seinen besonderen Klangcharakter zu verlieren. Wer mehr Fülle im Klang benötigt, der hat den eingebauten Chorus zu Verfügung, doch viel eleganter ist es natürlich, den PS-3100 durch gezielten Einsatz seiner LFOs, der PWM, der Resonatoren und anderer Feinheiten die nötige klangliche Stärke und Ausdruckskraft zu verleihen.

Nachteile des PS-3100?

Es gibt rund um den PS-3100 zumindest fünf Nachteile zu nennen. Zwei klangliche, zwei technische und einen optischen.

Erstens der nur eine VCO pro Stimme. Ich finde ihn zwar in 95% aller musikalischen Notwendigkeiten ausreichend, zudem es ja auch PWM für “dichtere” Sounds gibt, doch ab und zu wären schöne Schwebungen noch das gewisse “Extra”…

Zweitens die Filterresonanz. Sie ist etwas zu harmlos, wenn man so will. Selbst bei maximalem Wert bringt sie das Filter nicht annähernd in Eigenresonanz. Ganz anders als beim einstimmigen Bruder MS-20, wie wir alle wissen.

Drittens die mangelnde Kontrollmöglichkeit des PS-3100 im Studio-Setup. Natürlich wäre es einzigartig, den Bonus der analogen Vollpolyphonie über CV/Gate zu kontrollieren, was aber selbstredend nicht vorgesehen ist.

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Dennoch gibt es eine Lösung: Ein MIDI-Kit von Kenton Electronics. Nicht wirklich günstig (inkl. Einbau durch einen Techniker mag man hierfür bis zu 700 Euro rechnen), doch es ist jeden Cent wert! Mehr noch, die Koppelung zweier midifizierter PS-3100 erlaubt die Realisierung eines “echten” PS-3200 (mit Resonatoren und allen, später verloren gegangenen, Hüllkurven-Feinheiten) bzw. eines leicht reduzierten PS-3300, steuerbar über ein MIDI Masterkeyboard und mit schönen Extras wie Velocity-Kontrolle und Aftertouch. Diese “Controller” Werte lassen sich am Kenton Kit über 7 Miniklinken-Buchsen abgreifen und beliebig auf das Patchfeld routen. So kann man mittels Velocity beispielsweise das Filter, die Resonatoren, die Attack- oder Release-Zeit oder die Geschwindigkeit von LFO 1 modulieren.

Ein vierter – möglicher – Nachteil darf nicht verheimlicht werden. Er betrifft alle polyphonen Analogsynthesizer und macht sich auch bei der Korg PS-Serie bemerkbar: Technische (Un)Zuverlässigkeit. Das Innenleben des “kleinen” PS-3100 ist beängstigend vollgefüllt mit Platinen (Voiceboards, Modulations- und Kontrollkarten), diversen anderen Bauteilen und Kabeln. Nicht ganz so extrem wie bei einem Yamaha CS-80 etwa, aber ähnlich aufwendig. Ein Service-Check (alle 3 oder 4 Jahre beispielsweise) ist dringend anzuraten, da speziell die Kondensatoren nach vielen Jahrzehnten ihres Lebens Gefahr laufen auszurinnen. Und das hat ähnliche Folgen wie bei einer leckgewordenen Batterie. Der Schaden wird zumeist erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkt, daher ist ein regelmäßiger Service-Check definitiv ratsam!

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Weiters sei auf die Octave-Divider hingewiesen: Sie machen die Vollpolyphonie (von den Master-Oszillatoren ausgehend) ja erst möglich und zählen zu den wichtigsten Ersatzteilen jedes Korg PS-Besitzers. Obwohl hier in keinem meiner zwei PS-3100 bisher ein Problem auftrat, waren bereits 20 (!) der 24 Divider meines (inzwischen verkauften) PS-3200 ausgewechselt worden. Nicht, dass die Octave-Divider teuer wären (15 Euro das Stück?), aber: Man sei eben gewarnt.

Punkt fünf betrifft ein äußeres Merkmal. Im Gegensatz zu den größeren Brüdern PS-3200 bzw. PS-3300 wurde das Holzgehäuse des PS-3100 nicht aus Vollholz hergestellt, sondern aus Schichtholz, das mit einer Furnier überzogen ist. Im Laufe der Jahre (und Jahrzehnte) blättert diese Furnier teils erheblich ab, wie wir es z.B. auch von den Seitenteilen des Roland Juno-60 her kennen. Und da der PS-3100 extrem unhandlich zu tragen ist (seine Tiefe ist so groß, dass man kaum durch einen Türrahmen kommt, “ohne” eine Ecke anzustoßen), sind viele PS-3100 heute nur noch in einem angeschlagenen und somit optisch mittelmäßigen Zustand erhalten. Hinweis für Liebhaber: Die Furnier kann ersetzt oder ausgebessert werden. Und wer es ganz edel haben möchte, lässt sich das Holzgehäuse seines PS-3100 neu von einem Tischler bauen. Alles ist möglich …

Der aktuelle Wert des Instruments?

Anno 1978 kostete der PS-3100 ca. 6500 DM. Eine Menge Geld in jener Zeit, noch dazu für einen Synthesizer mit “einem” VCO pro Stimme und ohne Programmspeicher!

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So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich das Interesse in Musikerkreisen eher in Grenzen hielt und die Anzahl der hergestellten Instrumente gering war: 600 Korg PS-3100 erblickten das Licht der Welt.

Ab den späten 90er Jahren hat sich das allgemeine Interesse an der Korg PS-Serie (bzw. an so gut wie allen analogen Synthesizern) eindeutig gesteigert. Und damit auch die Preisentwicklung. Wenngleich im Oktober 2003 auf ebay.de ein PS-3100 für bescheidene 400 Euro den Besitzer wechselte (Glückwunsch dem Sofortkäufer), stellte dies eine klare Ausnahme dar. Zwischen 1500 und 2000 Euro waren Mitte der 00er-Jahre zu kalkulieren. So wurde im Februar 2004 in Italien ein PS-3100 für 1600 Euro angeboten, im September 2005 in Frankreich ein PS-3100 mit Kenton Midi (!) für 1800 Euro.

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Inzwischen sind die Preise der Korg PS-Serie jedoch weiter geklettert und für so manche Interessierte sicher ins ferne Weltall abgerückt. Im Jahre 2014 darf man mit 4000 bis 5000 Euro für einen PS-3100 rechnen, alles darunter wäre in der Tat (aus heutiger Sicht) schon fast günstig!

Ein gut erhaltenes und technisch überholtes Instrument mit Kenton-MIDI dürfte ohne weiteres bis zu 6000 Euro Marktwert erreichen. Wobei solche „Werte“ natürlich relativ sind, man kann über derartige Preisvorschläge nun den Kopf schütteln oder nicht. Während sich für viele Musiker das Thema der Vollpolyphonie ganz einfach über Software gut und günstig “erledigen” lässt (wozu einen PS-3100 kaufen?), bleiben für Puristen und Kenner die musikalischen Besonderheiten und typischen Merkmale des Instruments – unabhängig von seinem aktuellen Gebrauchtwert – immer ein Unikat, damit also unersetzlich und ohne einen exakten preislichen Rahmen.

Fazit

Nun, vom Standpunkt der Einzigartigkeit aus betrachtet wird es nie eine echte Alternative für die Korg PS-Serie geben, jedenfalls nicht ohne den Einsatz der entsprechenden Hardware. Und es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass ein Hersteller jemals wieder ein so wunderbar aufwendiges und intuitiv-musikalisches Instrument wie den PS-3100 (oder PS-3200 oder PS-3300) produzieren wird. Einen diskret aufgebauten 48-stimmigen Analogsynthesizer mit mächtigem Resonanzfilter, umfassender Patchbay und mit viel musikalischem Charme.

 

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Noch ein Wort zu den Soundbeispielen. Da der Korg PS-3100 einen so starken Klangcharakter hat, bietet sich dieser Synthesizer – idealerweise, wenn er MIDIfiziert wurde (aber ohne MIDI natürlich ebenso) – perfekt im Mix mit anderen Instrumenten an. Dann kann ein Yamaha CS-60 seine Stärken gleichermaßen einbringen wie ein PPG Wave 2.2 wie ein Elka Synthex wie ein Korg polyphonic synthesizer und wie viele andere Instrumente. So ist es zu erklären, dass zumindest die Hälfte der Klangbeispiele MIX-Soundfiles sind, in denen der PS-3100 “seinen” (meist unverkennbaren) Teil zum gesamten Klangbild beiträgt. Genauere Infos zu den einzelnen Soundbeispielen finden sich im Listening Room.

3 Gedanken zu “Korg PS-3100
– ein polyphoner Tyrannosaurus

  1. den hatte ich 1979 von einem Freund geliehen und damit einige Basics für mein Album “Synthesist” aufgenommen. Inzwischen weltweit ein Kultalbum der elektronischen Musik.

    Sehr schöner Kommentar und Klangbeispiele !

    Harald Grosskopf

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