MFB Dominion X / X SED
– der OSCar Effekt

Synthesizer-Enthusiasten und Musik-Elektroniker lebten (und leben) in einer etwas verrückten Zeit. Vielen ist dies ohnehin klar, für alle anderen: Die Erklärung folgt auf dem Fuße …

Früher, in den 70er oder beginnenden 80er Jahren, also früher da sah man beispielsweise einen Minimoog. In der Auslage eines Musikgeschäftes. Oder einen ARP-2600, wenn man Glück hatte. Vielleicht auch einen OSCar. Große Augen und eine platte Nase am Schaufenster, wer träumte nicht von solch wunderbaren elektronischen Instrumenten (und deren Klänge)? Ein Zusatzjob wurde angenommen, man fuhr etwa fünf Jahre Taxi und konnte sich dann – nach einer mühevollen Arbeitszeit und zahlreichen Entbehrungen – den Minimoog doch noch leisten (oder den ARP-2600 … nun, den OSCar auf alle Fälle, falls der noch verfügbar war). Freunde kamen vorbei, staunten und sagten Mhm!, rollten einen kleinen roten Teppich zu Ehren des Instrumentes aus, man öffnete eine Flasche Wein und das Leben war schön.

MFB Dominion X 3-VCO Synthesizer

Heute, 40 Jahre später, werden neuerlich Träume geweckt. Nicht unbedingt direkt am Schaufenster mit platter Nase denn mehr im virtuellen Laden, sprich eBay oder Ähnliches. Ein kleines System 700, also nur die Main-Konsole, das wäre doch was. Oder ein so seltenes ARP-2500 Modularsystem. Anno dazumal schlichtweg nicht leistbar, kann man heute – mit etwas Glück und nach weiteren fünf Jahren Zusatzarbeit – sich eines Instruments bemächtigen, das (mit noch mehr Glück) sogar noch funktioniert und keine „allzu großen“ Reparaturen erfordert. Freunde kommen vorbei, sagen Mhm!, der rote Teppich wird ausgerollt … die Flasche Wein … wir kennen das schon. An sich hat sich da also gar nicht viel geändert. Verrückt eben.

MFB Dominion X 3-VCO Synthesizer

Nun, alle Verrückten (der Autor hier eingeschlossen, mein Therapeut sitzt neben mir und meint, ich sollte öffentlich darüber sprechen) brauchen hin und wieder etwas Kontakt mit der Erde, sprich Tuchfühlung mit der Realität. Eine Reduktion vom Größenwahn, idealerweise in Form einer viel Freude bereitenden und zugleich kostengünstigen Therapie.

Dies gelingt – wir schreiben das Jahr 2012 – dank des Berliner Unternehmens MFB. Von großen Boliden, synthetischen Schlachtschiffen und Prestige-Objekten keine Rede, bringt MFB den Dominion X auf den Markt. Eine etwas größere Zigarrenkiste mit Knöpfen und Buchsen, mit diskreten Schaltkreisen und außergewöhnlichen musikalischen Möglichkeiten, das alles zum Preis eines gebrauchten Korg MS-10.

Der Dominion X lehrt dem Klang-Enthusiasten in der Tat das Fürchten: Das Instrument ist eine Mischung aus Minimoog (3 VCOs), ARP-2600 (CV-Eingänge und unzählige Modulationsmöglichkeiten) sowie OSCar (Multimode-Filter und Speicherplätze) … das Ganze für deutlich unter 1000 Euro und mit einem – das Wichtigste wie immer zum Schluss – sagenhaft guten Klang. Was soll man da sagen?

Mhm!

3-VCO Synthesizer mit MIDI und CV/Gate

3-VCO Synthesizer mit MIDI und CV/Gate

Der OSCar-Effekt

Lassen wir die Verrückten einfach verrückt sein und wenden uns der nicht weniger eigenwilligen gedanklichen Verbindung von Dominion X zum OSCar zu. Denn immerhin gibt es hier zumindest drei Parallelen. Zwei davon sind sehr lobenswert, die dritte ist etwas gewöhnungsbedürftig. Beginnen wir mit der guten Seite. Das Filter des Dominion X klingt fantastisch. Es erinnert eben an den OSCar, was die Flexibilität und die doch zuweilen sehr aggressive, charakterstarke Filterresonanz betrifft.

Die zweite Parallele ist die Speicherbarkeit. Bei einem Monophonen anno 1985 (OSCar) eine Sensation, ist es auch heute keineswegs (!) selbstverständlich, dass ein Analogsynthesizer Programmspeicher hat. (Ob diese notwendig sind oder nicht bleibt eine philosophische Frage, doch in Anbetracht des enormen Potenzials des Dominion X kann man sagen: es schadet nicht!)

Die dritte (etwas gewöhnungsbedürftige) Parallelle zwischen Oscar und Dominion X wird im nachfolgenden Bild dargestellt und betrifft die Ergonomie des Instruments. Wer einmal den OSCar vor sich hatte und Programmier-Versuche unternahm, der weiß, dass man zuweilen eher im Blindflug zu arbeiten hat, denn … man sieht nicht wirklich viel ..! Schließlich sind die Drehregler des britischen Hybrid-Synthesizers so hoch geraten, dass sie einander verdecken und ein Ablesen der nicht ganz unwichtigen Beschriftungen am Panel erschweren (oder unmöglich machen).

Der OSCar-Effekt ... hier natürlich etwas überzeichnet abgebildet

Der OSCar-Effekt … hier natürlich etwas überzeichnet abgebildet

Nun, so ist es beim Dominion X auch. Doch natürlich ist die Lösung ganz einfach. Entweder man legt das Instrument flach auf den Boden und versucht, auf einem flauschigen Fell sitzend in einer Art Klaus Schulze Meditationshaltung über den Dominion X gebeugt zu arbeiten (was speziell in kleineren Studios wohl weniger praktisch wäre), oder aber man stellt das Instrument schräg geneigt auf, jedenfalls so, dass man eine „direkte“ Aufsicht auf die vielfältigen Beschriftungen und Möglichkeiten des Dominion X hat.

Verarbeitung des Instruments

Im Großen und Ganzen ist der Dominion X sehr gut verarbeitet. Die schon zuvor erwähnten (eng zueinander positionierten) Potentiometer wackeln etwas, was ehrlich gesagt schade ist. In diesem Punkt könnte die Verarbeitung noch hochwertiger sein. Davon abgesehen gibt es jedoch nichts zu bemängeln. Die Potis arbeiten zuverlässig und die Buchsen sind von guter Qualität und direkt mit dem robusten Gehäuse verschraubt. Dicke Holzseiten geben dem Dominion X etwas Vintage Flair und unterstreichen auf alle Fälle den Vintage Klangcharakter dieses bemerkenswerten Synthesizers.

Den umfassenden Möglichkeiten des Dominion X zum Trotz ist die uns vorliegende Bedienungsanleitung eher ein Benutzer-Flugblatt (zwei A4 Blätter auf A5 gefaltet, das macht abzüglich der Vorder- und Rückseite 6 kleine Seiten zum Lesen). Doch fairerweise muss gesagt werden, dass die kurze Auflistung der Synthesizer-Funktionen ausdrücklich als „vorläufige Bedienungsanleitung“ betitelt ist.

Inzwischen wurde das richtige User Manual auch schon fertig gestellt (es ist online als PDF zum Download erhältlich) und wird wohl auch mit den neuen Instrumenten bereits ausgeliefert.

MFB Dominion X 3-VCO Synthesizer

MFB Dominion X 3-VCO Synthesizer

Das kleine Monster

Hat man erstmal die vorläufige Bedienungsanleitung überflogen (20 Sekunden) oder das richtige User Manual studiert (es hat 17 Seiten, hier rechnen wir 10 Minuten) und hat man sich eine gute Sicht auf den Dominion X eingerichtet (weitere 20 Sekunden), so ist man ob der vielfältigen Ausstattung dieses Instruments für einige Minuten sprachlos. Staunend entdeckt man, dass der Dominion X nicht das verspätete Gegenstück zum (ebenso sehr guten, wenn auch etwas anders ausgelegten) Doepfer Dark Energy ist, sondern ein völlig eigenes Konzept hat und sich unerwartet als kleines Monster entpuppt.

Der Dominion X verfügt über:

  • 3 VCOs mit Dreieck, Sägezahn, Puls (PWM), Ringmodulation und Waveshaping (!)
  • 1 VCF mit 6 Filterarten (LP1, LP2, LP3, BP, Notch und HP)
  • 2 ENVs (ADSR) für VCF bzw. VCA
  • 3 LFOs (2 Haupt-LFOs mit Sample & Hold sowie einen speziellen MOD-LFO)
  • Noise, Glide und Feedback
  • Umfangreiche Modulations-, Sync-, FM-, Trigger- und MIDI-Möglichkeiten
  • INSERT zum Einschleifen eines Effektgerätes in den Signalweg
  • CV/GATE IN sowie zusätzliche CV-Steuereingänge
  • MIDI IN / OUT / THRU
  • Audio In / Out
  • 128 Speicherplätze (!)
Der Dominion X hat 128 Speicherplätze (A01 - D32)

Der Dominion X hat 128 Speicherplätze (A01 – D32)

Die Oszillatoren

Sehr umfassend, die Klangquellen des Dominion X. Neben den Wellenformen Dreieck, Sägezahn und Puls verfügt jeder (!) VCO über einen nachgeschalteten Ringmodulator. Es gibt hier demnach 3 Verschaltungen bzw. 3 Möglichkeiten der Ringmodulation: VCO 1 <> 2, VCO 2 <> 3 bzw. VCO 3 <> 2. Die Weite jeder Pulswelle kann durch LFO1 moduliert werden und natürlich ist auch eine manuelle Regulierung des Pulsklanges möglich (von 50 bis 95 % Pulsweite). Oktavlagen (32, 16, 8 und 4“) sowie Intervall- bzw. Fine-Tuning gehört natürlich ebenso zum Standard der Oszillatoren.

Eine weitere, sehr wichtige Eigenheit des Dominion X ist das Waveshaping. Doch lassen wir hier MFB selbst zu Wort kommen:

“Die drei Oszillatoren […] bieten maximale Funktionalität. Jede Wellenform kann in der Symmetrie moduliert werden. Das heißt, es kann nicht nur die Pulsweite des Rechtecks, sondern auch Sägezahn zu Dreieck und Dreieck zu Sinus kontinuierlich verändert werden.” (Quelle: http://mfberlin.de)

Sehr potent: Die VCO-Abteilung ...

Sehr potent: Die VCO-Abteilung …

Dies führt uns zu folgenden 6 Bereichen, die quasi den Modulationsfundus der VCO-Sektion darstellen und die den Dominion X wohl zu Recht zum kleinen Monster machen:

1. Mod VCO – ein Multi-Modulationspfad mit folgenden Routings

  • Level: Lautstärkemodulation des betreffenden VCOs durch LFO1
  • Pitch1: Tonhöhenmodulation des betreffenden VCOs durch LFO1
  • Pitch2: Tonhöhenmodulation des betreffenden VCOs durch LFO2
  • ADSR1: Tonhöhenmodulation des betreffenden VCOs durch ADSR1
  • PWM: Modulation der Pulsweite des betreffenden VCOs durch LFO1
  • PW: Manuelle Einstellung der Pulsweite mit dem Mod VCO Regler

Schon diese Sektion birgt beachtliches klangliches Potenzial. Feinste Veränderungen im Schwebungsverhalten der VCOs (minimale Tonhöhenmodulationen durch LFO1, LFO2 bzw. ADSR), interessante gegengleiche und tempomäßig eigenständige Oktavmodulationen zweier VCOs durch die Rechteckswelle der LFOs, metallisch klingende Frequenzmodulationen mittels LFO1/2 im hochfrequenten Tempobereich, ein sich ständig verändernder Klangeindruck der VCOs durch die Lautstärkemodulation eines (oder mehrerer) Oszillatoren … das sind nur einige wenige Beispiele, welche Möglichkeiten in der Mod VCO Abteilung vorhanden sind.

2. Mod LFO – wird über das Modulationsrad eines angeschlossenen Masterkeyboards ausgelöst und steuert die Tonhöhen der Oszillatoren

  • VCO: Steuerung aller 3 Oszillatoren
  • VCO2: Steuerung von Oszillator 2 (wie der Name sagt …)
  • VCO2+3: Steuerung von Oszillator 2 und 3 (…)
Der 3. LFO, der über das Modulationsrad ausgelöst wird

Der 3. LFO, der über das Modulationsrad ausgelöst wird

Dieser Mod LFO kann ebenso auf das VCF bzw. den VCA wirken, doch konzentrieren wir uns hier nun zunächst auf die Oszillatoren. Der LFO ist in seiner Geschwindigkeit (Rate) manuell einstellbar. Bei Linksanschlag wird der LFO jedoch quasi ausgeschaltet … hier ist nun ausschließlich die Bewegung des Modulationsrades selbst für Tonhöhenänderungen verantwortlich (ein schönes, kleines Extra).

3. Sync-Sektion – Synchronisation der Oszillatoren zu einander

  • VCO2 (wird zu VCO1 synchronisiert)
  • VCO3 (wird zu VCO1 synchronisiert)
  • VCO2+3 (beide VCOs werden zu VCO1 synchronisiert)

Wie man sieht, wird VCO1 grundsätzlich immer als Master verwendet. Nun, dies kann sich aber ändern, sobald man an der entsprechenden SYNC-Buchse ein CV-Signal anlegt, welches eben die Funktion des Sync-Masters übernimmt. Ein beachtliches Feature …

4. FM-Sektion – Frequenzmodulation durch VCO 3

  • VCO1 (wird von VCO3 moduliert, wie gesagt …)
  • VCO2 (…)
  • VCO1+2 (…)

Crossmodulation eben … wie anno dazumal beim Roland Jupiter-8 oder anderen Synthesizern. Übrigens kann auch hier in der FM-Sektion die Vorgabe von VCO3 (als Master) übergangen werden und jedes beliebige andere Signal an der FM VCO Buchse angeschlossen werden. Wie immer: Das ist alles sehr schlau durchdacht!

5. Velocity – eine Vielzahl von Modulationsmöglichkeiten, die auch die VCOs betreffen

  • VCO (steuert die Symmetrie – ! – der VCO Wellenformen), eben das schon erwähnte Waveshaping
  • ADSR (steuert die Länge der Hüllkurvenzeiten, somit auch die von ADSR1, welche auf die VCOs wirken kann)
  • LFO (steuert die Geschwindigkeit von LFO1/2, die beide auf die Tonhöhen der Oszillatoren wirken können)

Weitere Modulationsziele von Velocity betreffen Filterfrequenz, Filterresonanz, VCA sowie die Modulationstiefe von ADSR1 auf das Filter … doch diese Möglichkeiten kommen später noch zur Sprache.

Vorbildlich: 3 separate CV-Eingänge für die Oszillatoren

Vorbildlich: 3 separate CV-Eingänge für die Oszillatoren

6. MIDI sowie CV-IN

Nun, die Tonhöhensteuerung via MIDI ist absolut selbstverständlich, sie sei auch nur der Korrektheit halber erwähnt. Doch besonders interessant wird es mit den CV-Eingängen. Immerhin hat jeder (!) VCO seinen eigenen CV-Eingang. Das dürfte all jene besonders erfreuen, die über ein Doepfer- (oder MFB- bzw. jedes andere) Modularsystem verfügen, die mehrere CV-Spuren eines Hardwaresequenzers frei haben und die dem individuellen Steuern der einzelnen Oszillatoren viel abgewinnen können.

MFB hat die CV-Verbindungen der VCOs sehr geschickt gelöst. Wenn nur Oszillator1 verbunden ist, werden alle weiteren VCOs gleich mit gesteuert. Oder aber man geht aufs Ganze und kontrolliert jeden Oszillator individuell, wie zuvor angedeutet. So hat man also alle Freiheit, um weitere externe LFOs, ADSRs, andere VCOs, Sequenzer-Spuren … was auch immer heranzuziehen, um die ohnehin schon sehr satten FM-Möglichkeiten der Dominion X VCO-Sektion nochmals zu erweitern.

Eigener CV-Eingang für das VCF

Eigener CV-Eingang für das VCF

Das Filter

Nach einem derart umfassenden Grundstock an Oszillatoren samt zugehörigen Modulationsmöglichkeiten darf ein ebenso potentes Filter nicht fehlen. Oder anders gesagt: Ein handelsübliches 24dB LPF wäre jetzt einem Verrat an der VCO-Sektion gleichzusetzen, es wäre die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Dem ist natürlich nicht so. Das klanglich exzellente Filter bietet folgende Modi:

  • LP1 (24dB Tiefpass, hier ist es …!)
  • LP2 (18dB Tiefpass, Resonanz erhöht sich zusammenhängend mit der Feedback-Einstellung)
  • LP3 (12dB Tiefpass)
  • BP (12dB Bandpass)
  • Notch (6dB Bandsperre)
  • HP (12dB Highpass)
Die umfassende Filter-Abteilung

Die umfassende Filter-Abteilung

Wie schon erwähnt, ist das Filter von höchster Güte. Klanglich extrem ausdrucksstark, rau, derb, wild analog. Doch all die Herrlichkeit wäre ziemlich nutzlos ohne passende Modulations- und Steuermöglichkeiten.

Das VCF kann wie folgt moduliert werden:

  • Key Tracking (0%, 50%, 100%)
  • ADSR (+/-)
  • LFO1/2 bzw. VCO2/3
  • Via Mod LFO (und damit in Linksstellung auch nur über das ModWheel selbst)
  • CV VCF IN
  • Velocity (+/-)

Zusätzlich – und das ist wirklich eine feine Zugabe – gibt es die Möglichkeit des Feedbacks. Hier wird der Ausgang des Filters erneut in den Mixer geleitet … wie anno dazumal der Minimoog dies mit einer simplen Kabelverbindung ermöglichte.

Feedback ... eine willkommene Erweiterung des klanglichen Potenzials

Feedback … eine willkommene Erweiterung des klanglichen Potenzials

2 Haupt-LFOs

Ja, sie haben eine eigene Überschrift (sogar mit zugehörigem Text) verdient. Die 2 Haupt-LFOs verfügen über 6 (!) Wellenformen inklusive Sample & Hold (was demnach zweifach vertreten ist). Sie können normal schwingen (wie es LFOs nun mal so tun) oder im One-Shot Modus als partieller Schwingungsverlauf (quasi als Mini-Hüllkurve, wie man so sagt) zu Modulationszwecken dienen.

Die den Haupt-LFOs jeweils beigefügte kleine Leuchtdiode ist mehrfärbig und gibt Auskunft darüber, „wie“ der jeweilige LFO tatsächlich schwingt.

  • LED aus (LFO schwingt frei)
  • LED grün (Neustart des Schwingungsverlaufs mit jeder neuen Note)
  • LED rot (LFO läuft zwar frei, die Geschwindigkeit hängt aber von der Tonhöhe ab)
  • LED rot/grün (Neustart des Schwingungsverlaufs mit jeder neuen Note, die Geschwindigkeit hängt aber von der Tonhöhe ab)
Die beiden Haupt-LFOs des Dominion X

Die beiden Haupt-LFOs des Dominion X

Zudem ist die Steuerung der LFO-Geschwindigkeit via Velocity (!) möglich, von -63 bis + 63 und damit eben negativ bzw. positiv. Ein schönes Feature, die Spannungsteuerung der LFOs mittels Velocity. Yamaha’s CS-80 kann dies … und ebenso der neue GRP A4.

Klang

Der Dominion X hat enormes Potenzial. Nun, diese wenig innovative und quasi wie ein Werbespruch erscheinende Phrase stimmt in Tat. Und sie stimmt ebenso nachdenklich (dazu später mehr). 3 VCOs, 3 LFOs, ein 6-fach MultiMode Filter … die Basis ist schon – rein verbal formuliert – beachtlich. Überrascht sind wir von der rau-analogen Atmosphäre des Dominion X und von der Flexibilität des Klanges.

Ja, dicke Bässe dürfen bei 3 Oszillatoren erwartet werden … aber die sanften Lead-Sounds (vorzugsweise mit nur einem VCO), die dance-typischen hart verstimmten VCOs (im Quint- oder Quartabstand plus aufgesetzter Oktave), die ebenso stilechten Vince-Clarke Electronic-Sounds (dank OSC-FM, Filter-FM, RingMod, S/H und zahlreichen CV-Eingängen), das eben beinahe schier uferlose Klangrepertoire dieses kleinen Synthesizers beeindruckt wohl jeden, der gewillt ist, den Fokus von überladenen Prestige-Synthesizern und überteuerten Sammler-Objekten neu auszurichten und dem „kleinen Monster“ Dominion X seine wahre Größe zuzugestehen.

Äußerst saubere Verarbeitung ... der Dominion X ist ein hochwertiges Instrument

Äußerst saubere Verarbeitung … der Dominion X ist ein hochwertiges Instrument

Mit einem externen Effektgerät, einem simplen Aufnahme-Tool (z.B. Audacity, ein kostenloses Freeware-Programm, alternativ natürlich jedes andere Audio-Recording- bzw. MIDI-Sequencing-Programm) und idealerweise mit einem analogen Stepsequenzer, einem kleinen Rack an zusätzlichen Modulen (LFOs, einige Filter, VC Pan …) und einem Masterkeyboard (ein polyphoner Synthesizer wie etwa der neue Studiologic Sledge) versehen, ist der Dominion X im Bundle ein komplexes und ohne Kompromisse hochwertiges elektronisches Studio. Klanglich gibt es nichts, dass man aus der analogen Ecke vermissen würde, der Dominion X übernimmt alles. Ohne große Mühe, denn immerhin geht das Programmieren (dank seiner definitiv „überschaubaren“ Größe) sehr schnell von statten. Und immerhin lassen sich die wunderbaren Klangkreationen mittels der 128 Speicherplätze bequem abspeichern und natürlich ebenso schnell wieder ins Leben rufen.

Langer Rede kurzer Sinn, als analoge Klangeinheit stellt der Dominion X gewissermaßen eine Offenbarung dar. Ein solche kompakter (und erstaunlich umfangreich ausgestatteter) 3-VCO Synthesizer ist ein Unikat, eine fantastische Arbeitsmaschine für jene, denen der Klang, die Ausdrucksweise und die Flexibilität – also der Kern dessen, worum es in der Musik geht – wichtiger sind als der Vorzeige-Effekt großer Synthesizer, ausufernder Modularsysteme und ehrfurchteinflößender Boliden. Dies könnte so manchen Synthesizer-Sammler in der Tat etwas nachdenklich stimmen.

Die 6 Filter-Modi, links daneben die Quellen für Filter FM

Die 6 Filter-Modi, links daneben die Quellen für Filter FM

Kleine Wunschliste

Drei Dinge gibt es (sie sind natürlich eine persönliche Einschätzung), die den Dominion X „noch“ perfekter machen würden.

  • Ein Stereo-Ausgang und die Möglichkeit der Panorama-Modulation
  • Hüllkurven „mit“ und „ohne“ Knacksen. Vorweg, das „mit“, das funktioniert. Knarzige Hüllkurven sind nunmal herrlich, keine Frage, und die des Dominion X sind absolut schnell und schön knackig. Das ist eben die eine Seite, die der Dominion auch sehr gut kann. Doch für sanfte Lead-Klänge ist weiches Attack-Verhalten („ohne Knacksen“) schlichtweg notwendig. Hier verhält sich der Dominion X etwas ambivalent. Zwar sind die Attack-Zeiten bei maximal 10 Sekunden ganz ok (es könnte immer noch langsamer sein), doch bei gewöhnlichem Legato-Spiel ist jedem Ton ein Knacksen vorangestellt (eben jene Eigenschaft, die man sich bei perkussiven Sounds ja über alles wünscht, nur hier eben nicht). Einzig bei sehr diszipliniertem Absetzen jeder Taste am Keyboard, also bei striktem Portato-Spiel, sind die sanften Attack-Zeiten „ohne“ Knacksen zu erreichen. Mit dieser Einschränkung ist der Dominion X nur bedingt für langsam einschwebende Klänge geeignet
    Anmerkung:
    Dieser Punkt ist für den Dominion X bis Software Version 1.4 gültig. Ab der neuen Software Version 1.5 ist das Knacksen eliminiert (es war tatsächlich ein kleiner Fehler) und sowohl für LFOs als auch ADSRs gibt es die Möglichkeit, auf einen langsamen Modus zu schalten (wodurch man die hier gewünschten “noch langsameren” Attack-Zeiten erhält)
  • Die Potis könnten um ein Drittel kürzer sein (sie wären dennoch gut „greifbar“), was die Übersichtlichkeit beim Arbeiten am Instrument sehr vereinfachen würde. Auch sollte es wohl technisch machbar sein, das Wackeln der Potis wegzubringen, wobei nach Aussage von MFB dieser Punkt inzwischen bereits deutlich verbessert wurde

Dominion X SED

Eine ganz aktuell erhältliche zweite Version des Dominion verfügt über eine etwas unterschiedliche Zusammensetzung des 6-fach Filters. Das 24dB und 18dB LPF des originalen Multimode Filters wichen einem SED Filter, welches etwas rauschärmer ist und über 24dB bzw. 12dB Flankensteilheit verfügt. Somit bietet der Dominion X SED eine Mischung aus MFB Multimode Filter (12dB LP, 12dB HP, BP sowie Notch) und SED Filter (24dB LP, 12dB LP) – dessen Klang dem von Vintage Roland Synthesizern nahe kommen soll. Keine “sehr” große Veränderung gegenüber dem Dominion X also, aber für Klangpuristen eben vielleicht doch das gewisse Extra.

Fazit

Das kleine Monster aus dem Hause MFB ist ein völlig ausgereifter, vielseitiger und letztlich vor allem sagenhaft „gut“ klingender Analogsynthesizer. Wie immer sei dies durch die angefügten Klangbeispiele (40 Minuten Audiofiles) untermauert. Es kommt dabei (mit zwei Ausnahmen) ausschließlich der Dominion X zum Einsatz, der – wie schon angedeutet – alle Register der (monophonen) analogen Klangkunst zu ziehen vermag. Lediglich in den Mix-Files CP70 sowie OB-8 tragen genannte Instrumente noch etwas zum Geschehen rund um den Dominion X bei. Für den einen oder anderen Beat dient zudem bei einigen Hörbeispielen – nicht ganz überraschend – die Korg Monotribe als Rhythmusknecht.

Das kleine Monster: Der MFB Dominion X

Das kleine Monster: Der MFB Dominion X

Der Dominion X ist in der Tat ein Instrument für jene, die sich vernünftigerweise auf das Wesentliche konzentrieren. Die eben wissen, worauf es ankommt. Die Musik machen, die kreativ arbeiten, die ihren Ideen musikalischen Ausdruck verleihen und dabei mit nur einem Instrument alle erforderlichen Klänge abdecken möchten. Für jene, die platz- und kostensparend denken und dennoch nicht auf nur ein kleinstes Prozentpünktchen des qualitativ höchstmöglichen analogen Klanges verzichten möchten. MFB hat es eben geschafft, auf kompaktesten Raum einen edlen Analogsynthesizer ins Leben zu rufen.

Respekt vor dem Dominion X, der so manchen Vintage Boliden die rote Karte zeigt und einen weiteren, sicherlich äußerst bedeutenden Schritt hin zur gegenwärtig „neuen“ Analog-Ära in der Synthesizer-Geschichte darstellt.

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2014 hat MFB mit dem Dominion 1 nachgelegt und quasi die Keyboard-Version des Dominion X auf den Markt gebracht. Dabei wurde der Pult-Synthesizer nochmals um eine beachtliche Anzahl an Features – allem voran ein sehr großes CV-Patchfeld – erweitert. In Anbetracht seiner Größe bleibt der Dominion X immer noch sehr attraktiv, doch dürfte es Klangtüftlern und Sound-Designern schwer fallen, dem neuen Dominion 1 zu wiederstehen.

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MFB Dominion X
Preis: 780 Euro inklusive Versandkosten

MFB Dominion X SED
Preis: 840 Euro inklusive Versandkosten

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Update 2015:
Der Dominion X wurde inzwischen zur Gänze von der Keyboard-Version Dominion 1 abgelöst (und ist damit nur noch am Gebrauchtmarkt erhältlich).

9 Gedanken zu “MFB Dominion X / X SED
– der OSCar Effekt

  1. Guter Test, sehr gute Klangbeispiele! MFB hatte ich nie so im Visier, aber in den letzten Jahren werden die Sachen immer besser. Der Dominion ist für mich kein Ersatz für die alten Museumsstücke, aber für sich allein schon toll. Damit allein wäre man schon gut vorbereitet.
    Kann ich evtl. noch Klangbeispiele des SED Filters anregen? Klingt hoffentlich nicht nach Erich Honecker.

    • … ja, der Dominion X ist als Stand-Alone Gerät ein sehr respektables Instrument. Die alten Museumsstücke bleiben ohnehin was sie sind, eben Klassiker und vielfach einzigartige Instrumente. Wenngleich … die Tage mancher Museumsstücke sind hie und da doch “gezählt”, 40 Jahre gehen eben nicht ganz spurlos vorbei. Andererseits ist es erstaunlich, wie gut manche Klassiker noch in Form sind …

      Dominion X SED Filter-Beispiele werden etwas Zeit benötigen, unser Gerät muss erst aufgerüstet werden (das Filter-Board wird dann getauscht).

      Viele Grüße …

  2. Erstmal: Schöner Artikel.

    Ich überlege auch, mir so ein Gerät zuzulegen. Hab allerdings Angst, ein Gerät mit fehlerhafter Firmware zu bekommen, das die erwähnten Knackser am Notenanschlag hat. Wie läuft das Firmwareupdate ab? Tauschen von ROMs? Und sind überhaupt Updates verfügbar?

    Schöne Grüße
    dbra

    • Hallo dbra,

      … es kommt darauf an, “wie” dein Erwerb stattfinden wird. Alle Neugeräte haben – schon seit mehreren Monaten – die neue Firmware implementiert (und auch einige andere, kleine Verbesserungen wurden durchgeführt). Bei gebrauchtem Kauf kann man im Bedarfsfall sicher ohne Probleme mit MFB in Kontakt treten. Der Kontakt ist sehr gut und Emails werden an sich rasch beantwortet. Angesichts des “sehr guten” bzw. “sehr fairen” Preises würde ich natürlich bei diesem Instrument auf jeden Fall zum Neukauf raten … Musikalisch wird man beim Dominion X nicht enttäuscht sein, es ist ein unglaubliches Instrument … enorme Vielseitigkeit und eine beeindruckende Klangvielfalt … alles auf klein(st)em Raum.

      Viele Grüße …

      • Hallo,

        erstmal Danke für die schnelle Antwort. Ich hätte noch ein paar Fragen zu dem Gerät:

        – Lassen sich die Klangparameter auch per MIDI-Controllern ändern?
        – Werden (wie in einem Interview angekündigt) die Poti-Bewegungen als MIDI-Controller-Messages gesendet?

        Außerdem bin ich noch unentschlossen, ob ich mir die SED-Version oder die normale Variante holen soll. Ein paar Klangbeispiele wären dazu schön.

        Vielen Dank schonmal und schöne Grüße
        dbra

  3. Ich habe mir den Dominion X vor einiger Zeit nicht zuletzt wegen dieses tollen Tests gekauft. Er ist grandios! Ich habe das SED-Filter nie vermisst, im Gegenteil, das Standard-Filter trägt viel zum schmutzigen, rotzigen Sound bei, für den ich den Dominion so liebe. Eine Anmerkung zum Test: der Insert-Einschleifpunkt liegt VOR dem VCA, was viele Effekte auf Basis von Zeitverzögerung oder Dynamikbearbeitung nun ja, eher sinnlos macht. Delays werden durch die folgende Hüllkurve abgeschnitten, ein Kompressor macht auf dem rohen VCO-Mix keinen Sinn. ABER: ich nutze den Insert-Punkt, um den Synth quasi aufzusplitten: 3 gut kalibrierte VCOs plus Noise zur weiteren Bearbeitung ins Modularsystem (Akkorde!), und ich kann gleichzeitig irgendwelche Modulargeschichten in die tolle VCF/VCA/ADSR-Sektion leiten, ohne gross herumzupatchen. So hat sich der musikalische Wert des Dominion für mich mit der Zeit vervielfacht.

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