Hypersynth Xenophone
– der analoge Sound-Spezialist

Der Hypersynth Xenophone bietet den vielleicht schönsten “analogen E-Gitarren-Synth-Sound” auf Erden. So zu hören im angefügten “Demo 1″. Nicht, dass man unbedingt danach gesucht haben mag. Und natürlich kann der Synthesizer noch viel (viel) mehr. Doch manchmal ist es eben genau jener spezielle Sound, der dem Musiker die wichtige Tür zum Instrument öffnet.

Solche Tür-Öffner sind das, worauf man als Künstler und Klangforscher nun mal dringend wartet.

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Schließlich sieht man einem modernen Analog-Synthesizer äußerlich ohnehin nicht an, was in ihm steckt. Die vielen Regler und LEDs des Xenophone deuten zwar auf eine gewisse Potenz hin, aber es sei vorweg gesagt, dass selbst die kühnsten Erwartungen mit großer Wahrscheinlichkeit nur einen Bruchteil dessen abdecken, was tatsächlich “im” Instrument schlummert.

Was andererseits aber auch “keine” voreiligen Rückschlüsse auf den Sound des Xenophone mit sich bringen soll. Immerhin bedeuten viele technische Features nicht zwangsläufig klangliche Gänsehaut-Stimmung. Das wissen wir alle.

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Hypersynth kann seine jahrelangen Erfahrungen im Software-Synth Bereich nicht leugnen. Im – klanglich übrigens voll analogen! – Xenophone verbirgt sich ein potentes und gut organisiertes Innenleben mit knapp 1000 Speicherplätzen, Sequenzer, Arpeggaitor und einer hervorragenden Effekt-Sektion. Für DAW-Freaks bietet Hypersynth zusätzlich den XEditor (Windows-Rechner ab XP), eine Freeware zur MIDI-Steuerung aller 212 Xenophone-Parameter (!) im CC bzw. NRPN Format. Und mit 128 zusätzlichen Speicherplätzen.

Wenn schon, denn schon.

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Die Namensgebung des Hypersynth Sprösslings ist – beginnen wir ganz von vorne – durchaus interessant. Xenophone beinhaltet das griechische Wort ξένος (xénos), was so viel wie “Fremder” oder “Gast” bedeutet. (Xenophobie – die Angst vor Fremden – ist ein Begriff, der weltweit wohl so manche Aktualität aufzuweisen hat.) Xenophone kann nun frei als “Stimme/Klang des Fremden”, übertragen vielleicht auch als “Stimme/Klang des Neuen” bezeichnet werden.

Nun, so ganz “fremd” oder “neu” ist im analogen Synthesizer-Bereich ganz sicher nichts. Dennoch ist der Begriff Xenophone ein deutlicher Hinweis, dass der Musiker hier keinen Allerwelts-Synthesizer vor sich hat. Und das stimmt.

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Konzept des Xenophone

Der Desktop-Synthesizer ist ein monophoner, analoger Synthesizer mit:

  • 3 Oszillatoren + 2 Sub-Oszillatoren
  • 1 MultiMode Filter (6 Filter Typen)
  • analoger Ringmodulator
  • Noise, ext. Audio-In
  • 3 Hüllkurven
  • 3 LFOs

Verfeinert wird das – voll analoge – Klangpaket durch eine(n):

  • 8×8 Modulationsmatrix
  • 4×16 Step-Sequenzer
  • umfangreichen Arpeggiator
  • ansehnliche Effekt-Sektion

Für die Kommunikation zur Außenwelt bietet der Xenophone:

  • Audio Out (R/L)
  • Audio In
  • Headphones Out
  • CV/Gate IN und OUT
  • MIDI IN / OUT
  • USB

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Nun, es liegt uns fern, den Xenophone in all seinen Details aufzulisten und zu beschreiben. Dass hier “ordentlich was unter der Haube” liegt, ist offensichtlich. Eine ausführliche Erklärung jedes einzelnen Features kann man in der sehr guten deutschen Bedienungsanleitung von Matthias Armstroff nachlesen.

Wie dem folgenden Screenshot zu entnehmen ist, zeichnet sich die Anleitung durch gute / verständliche Formulierungen und schöne Grafiken aus. Die englische Version ist leider in äußerst schlechtem Englisch gehalten, das nebenbei zur Ergänzung.

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Oszillatoren / Sub-Oszillatoren / Ring-Modulation / Noise und Audio-In

Neben den klassischen Wellenformen (Dreieck, Sägezahn, Rechteck) bietet der Xenophone kombinierte Wellenformen (Sägezahn/Rechteck, Dreieck/Rechteck sowie Rechteck/Rechteck). Mittels Waveshaper kann zwischen den beiden Wellenformen gemorpht werden, was ebenso zur Klangänderung beiträgt wie das Drehen am Pulse Width Regler.

Die Sub-Oszillatoren können 1 oder 2 Oktaven unter dem Grundton erklingen (-2S / -1S). Bis hierher sind Oszillator 1 und Oszillator 2 identisch aufgebaut. Osz 1 verfügt zudem über ein fest vorverdrahtetes Ringmodulator-Signal (-8R / -4R), während der dritte Oszillator “nur” über eine Rechteckwelle verfügt (und sich zudem den Ausgang mit NOISE teilt). Last but not least gibt es die Möglichkeit, ein externes Audio-Signal im Xenophone zu bearbeiten.

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Mixer

Nun, bei so vielen Zutaten sind die klanglichen Kombinationsmöglichkeiten natürlich besonders umfassend. Im Mixer lassen sich 7 Signale stufenlos mischen:

  • Osz 1
  • Sub-Osz 1
  • Osz 2
  • Sub-Osz 2
  • Osz 3 / Noise
  • Ring-Modulator
  • Extern / Feedback Effekt

Filter, Filter, Filter …

Ein Filter ist so gut wie immer das Herzstück eines Synthesizers, doch trifft dies beim Xenophone ganz besonders zu.

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Die Filter-Modi sind umfassend (gut, bei einem 1000 Euro-Synthesizer ist dies wohl auch zu erwarten), die Flankensteilheit lässt sich (bei LP und HP) zwischen -12/-18 und -24dB festlegen. Schließlich gibt es – klarerweise – eine eigene Filterhüllkurve und Osz 1 kann zur Modulation der Filterfrequenz genutzt werden.

Darüber hinaus ermöglichen die LFOs und die Modulationsmatrix Filter- und Sonstwie-Modulationen in allen Schattierungen. Das Panel wirkt in diesem Punkt sehr übersichtlich und klar strukturiert. Doch einen wichtigen Hasenfuß gibt es (leider) auch – mehr dazu im Absatz “Arbeitsweise” …

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Ein ganz wesentlicher – und im absolut positiven Sinne maßgeblich gestaltender – Beitrag zum Xenophone Klang bietet die Effekt-Sektion des Instruments. Sie dürfte einen wichtigen Anteil des (von uns sehr geschätzten) analogen E-Gitarren-Synth-Sounds ausmachen – Stichwort Distortion.

Doch die Welt der Effekte ist natürlich mehr als bloße Verzerrungen. Speziell bei Sequenzer-Patterns, Arpeggios und kräftigen Lead-Sounds (alles Markenzeichen eines Xenophone) sind Ping-Pong Delays und andere, schnell eingebundene (und gut klingende) Effekte ein wesentlicher Bestandteil des musikalischen Ausrucks. Hier punktet die Hypersynth-Engine sehr stark …

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Nun, lassen wir die Technik einmal beiseite. Wichtiger als die Frage nach jedem kleinsten Detail des Xenophone erscheint uns die Überlegung, wie die ARBEITSWEISE am Instrument ist und wie es sich mit dem KLANG des Synthesizers verhält. Schließlich kostet der Xenophone stolze 1000 Euro – ein Preissegment, in dem die Konkurrenz sehr groß und das Angebot durchaus umfassend ist.

Arbeitsweise

Dieser Punkt ist wohl in fast allen Synth-Bereichen der heikelste. Bietet der Hersteller wenige Klang-Möglichkeiten und dadurch eine simple Bedienung, werden ihm die fehlenden Features schnell zur Last gelegt. Bietet er ein ganzes Meer and klanglichen Möglichkeiten, so wird entweder das Instrument sagenhaft groß (Stichwort Schmidt Synthesizer), oder erfordert eine vielschichtigere (und mit großer Wahrscheinlichkeit komplexere) Bedienung.

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Letzterer Fall trifft beim Xenophone zu. Die Arbeitsweise am Instrument ist – nun, ehrlich – etwas gewöhnungsbedürftig. Aus verständlichen Gründen hat Hypersynth diesen Synthesizer natürlich klein und handlich gehalten, doch als Benutzer ist man – bei tiefergehender Programmierung – schnell in einer etwas ermüdenden Arbeitsweise gefangen. Dies hat mit der Anordnung der Regler, der Größe des Displays und der generellen Aufteilung zwischen Hardware-Elementen und Software-Funktionen zu tun.

Beispiel: Die Hüllkurven – im Dreierpack – sind vorbildlich mit Attack- / Decay- / Sustain- / Release-Reglern ausgestattet. Durch Antippen von AMP / FILTER / MOD zur Linken wählt man jene Hüllkurve aus, die man zu programmieren wünscht. [Kleiner Neben-Effekt an dieser Stelle: Man sieht bei kurzen Sounds beispielsweise leider nicht, ob es nun an der AMP oder FILTER Hüllkurve liegt, dass der Sound eben kurz ist. So ist ein Durchsteppen der Hüllkurven und einem Abklären des “Ziels” nötig, bevor man mit der Sound-Veränderung an den Reglern beginnt.]

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Doch zurück zur Darstellung der Hüllkurvenwerte. Deren Auflistung im Display entspricht “nicht” den darunter liegenden Reglern. Das ist keine Kritik in dem Sinne, es ist eben so. Die Hüllkurvenzeiten werden im Display in 2 Reihen dargestellt: Attack und Decay (untereinander, links) sowie Sustain und Release (untereinander, rechts). [Nebeneinander wäre die Paarbildung eventuell logischer gewesen: Attack – Decay und darunter Sustain – Release.]

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Nun liegt es in der Natur des Menschen, dass er optisch zugehörige Elemente als zugehörig anerkennt. Doch weit gefehlt: Während man am Sustain-Regler dreht, gehört der darüber liegende Wert zu “Release” (Sustain wäre oben rechts in der Ecke).

Und so ist man oft beim Suchen, “wo” denn nun gerade der Wert des unter den Fingern sich drehenden Knopfes tatsächlich ist. Zugegeben, das Display ist nicht groß und die Gefahr des Verlorengehens im Arbeitsprozess tendiert gegen Null. Dennoch passiert es ständig, dass man am Regler dreht, dabei aber den falschen Wert im Auge hat (so lange, bis das langsame Gehirn den Aha-Effekt geschnallt hat und sich auf die Suche nach der richtigen Stelle im Display macht).

Kurz und gut: Intuitives Arbeiten ist nicht des Instruments ganz große Stärke.

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Als weiteres Beispiel ein Sprung in die LFO-Abteilung. Während die Zuteilung von LFO zum jeweiligen Ziel (Target) durch Antippen recht einfach vonstatten geht, sind die wichtigsten LFO-Parameter (nun, fast alle) über das Display bzw. ein Untermenü zugänglich. Dieser Wechsel von Hardware-Bedienschritten zu Software-Menüebenen ist jener Workflow, der sich – zumindest unserer Einschätzung und Erfahrung nach – etwas mühsam auf den Benutzer auswirkt.

Wie bei jedem leistungsfähigen und kompakt gebauten Instrument, so muss man sich natürlich auch beim Xenophone “gut” in das Instrument einarbeiten, das ist klar. So dienen die Ausführungen zum Workflow auch lediglich als Hinweis, was den Musiker beim Arbeiten am Instrument möglicherweise erwarten kann. Mehr ist es nicht.

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Etwas mehr Licht kommt in die Sache, sobald die (kostenlose) Zusatz-Software im Spiel ist. Auf dem Bildschirm sind “alle” Elemente auf einen Blick verfügbar (wie beispielsweise die Darstellung aller 3 Hüllkurven gleichzeitig), womit sich der Kreis schließt und Hypersynth einmal mehr unter Beweis stellt, dass es im Software-Bereich auf jahrelange Erfahrung zurückblicken kann. Die Kombination des Editors mit dem analogen Hardware-Synthesizer Xenophone macht in dieser Hinsicht das Konzept schlüssig.

Klang – Gedanken zum SOUND

30 Minuten Audio-Files sind angefügt. Sie demonstrieren einen rundum flexiblen, vielseitigen und kräftig klingenden Analog-Synthesizer. Für Sequenzer / Arpeggios ist der Xenophone bestens geeignet, für Lead-Sounds – bei entsprechender Programmierung – ebenso. Damit sind (zugegeben) einige der wesentlichsten Arbeitsbereiche eines monophonen Analog-Synthesizers genannt, womit man bei genauer Betrachtung allerdings nicht viel schlauer ist als zuvor.

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So ist es wohl an der Zeit, der persönlichen Einschätzung des Xenophone etwas Raum zu geben. Die Affinität zum eingangs erwähnten analogen E-Gitarren-Synth-Sound kommt nicht von ungefähr. Besagter Klang war in unserem Fall jenes wichtige Aha-Erlebnis. Exakter fomuliert: Die nuancierte Steuerbarkeit dieses Sounds über die Tastatur (Masterkeyboard) hat eine neue Welt eröffnet. Denn von den zahlreichen Sequenzer / Arpeggio / Leadsound / Basssound Klängen blieb ein “ja, sehr nett” in Erinnerung, aber wenig, das den Xenophone als einzigartiges Instrument oder “must have” Objekt ins helle Licht rückte.

Das Instrument klingt sehr gut, lässt aber – eine persönliche Meinung – etwas an jener “analogen Urgewalt” vermissen, die man bei analogen Synthesizern eben sucht. Liegt es an den DCOs, dem vielleicht zu exakten Tuning? Etwas im analogen Klangsystem klingt eben nicht analog genug, vereinfacht gesagt. Womit sich die Frage stellt, ob sich die Investition in einen monophonen Synthesizer ohne Garantie auf echte Gänsehaut-Stimmung lohnt.

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Die Antwort muss wohl jeder Synthesizer-Enthusiast selbst herausfinden. Wir haben sie gefunden, in Form eines ganz bestimmten Sounds bzw. einer bestimmten Klangrichtung, deren Steuerung via Tastatur und deren “distorted” Klangverhalten uns – in Verbindung mit schönen Arpeggios samt passenden Delay-Effekten – zutiefst beeindruckt hat. Denn um genau solche Spezialitäten geht es auf der Suche nach Klängen. Klänge, die sich – nachdem die Türe einmal geöffnet wurde – vielfältig anpassen und in neue Bereiche erweitern lassen. Klänge, die jenem besagten Synthesizer seinen eigenen – und festen – Platz im Studio-Setup verleihen.

So geben wir die Verantwortung einer klaren Empfehlung an den Interessierten selbst weiter. Da dieser Synthesizer ein Arbeitstier par excellence ist, seine 212 Parameter komplett steuerbar sind und von RingModulation über MultiMode Filter und 3 LFOs hin zu Portamento und ausgefuchsten Modulations-Matrixen alles (was das Herz begehrt) vorhanden ist, darf sich der interessierte Musiker in einem hiermit erteilten Arbeitsauftrag auf die Suche nach “seinen persönlichen und individuellen” Sounds machen.Hypersynth Xenophone Synthesizer

Persönliche und individuelle Sounds, die der Xenophone garantiert zu bieten hat!

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Ergänzung 2017: Der Xenophone ist neben Schwarz nun auch in Weiß lieferbar …

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Die angefügten Klangbeispiele sind zu 90% mit dem Xenophone entstanden. Als Masterkeyboard und zwecks Beisteuerung von bescheidenen 10% Soundmaterial diente die Novation Bass Station II, die zuweilen auch den eigenen Sequenzer bzw. Arpeggiator ins Spiel brachte und so manchen Xenophone-Groove weiter veredelte …

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Hypersynth Xenophone
Monophoner, analoger Desktop Synthesizer

Preis: 1049 Euro / 899 USD

Website Hersteller:
http://www.hypersynth.com/xenophone.html

3 Gedanken zu “Hypersynth Xenophone
– der analoge Sound-Spezialist

  1. Vielen Dank für diesen sehr gelungenen Testbericht lieber Theo. Die Klangbeispiele sind obendrein sehr ausdrucksstark und lassen erahnen, was der Kleine in den richtigen Händen zu leisten vermag. *like* :-)=

  2. Es gibt nun ein Update für den Xenophone. Und die Soundbeispiele sind gut, aber zeigen nur einen kleinen Ausschnitt. Er kann soviel mehr: percussion loops, modular klingendes.

    Sehr eigen, sehr gut.

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