Roland System-8
– Wendepunkt in der Geschichte?

Dieser Bericht hat eine, so scheint es, unendlich lange Entstehungsgeschichte. Monatelang stand der Roland System-8 in Reichweite, doch seltsamerweise lähmte seine Anwesenheit und ließ die Motivation, dem Instrument die rechte Aufmerksamkeit zu schenken, häufig gegen Null sinken. Hier ein paar Fotos, dort ein paar Klangbeispiele. Dann wieder Ernüchterung: Genug der oberflächlichen, “schnellen” Klangerlebnisse, genug der aufgeblasenen, nervigen Beleuchtungsorgien. Weg damit. Ja oder nein?

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Aus heutiger Sicht geht es hier um mehr als um den System-8. Denn der innere Kern der Lähmung liegt tiefer: Es ist der so deutlich spürbare Wendepunkt der Firma Roland. Ein Wendepunkt, der im Bereich der polyphonen Synthesizer bereits beim JD-XA deutlich zu spüren war und den man als Roland-Enthusiast nicht unbedingt locker wegsteckt. Doch die Welt verändert sich nun mal – und das gilt es zu akzeptieren.

Neue Produkte – neue Ausrichtung – neue Werte

Schon seit geraumer Zeit sorgen so manche Roland-Produkte für Stirnrunzeln. Ob der kürzlich verstorbene Firmengründer Ikutaro Kakehashi der gegenwärtigen Firmen-Philosophie zugestimmt hätte, ist zu bezweifeln. Überstrapazierte SH- und Jupiter-Clones im digitalen Gewand, bunte TB-303-Imitate, kleine Boutique-Plastik-Synthesizer, leichtgewichtiger Plattenspieler mit 909-Logo. Roland scheint den professionellen Markt verlassen zu haben und nun im MID-Priced Bereich zu fischen. Doch wohin mit den neuen Instrumenten? Ins professionelle Studio? Nun, das ist eben die Frage …

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Ein Teil des Problems liegt natürlich keineswegs bei Roland, denn – in diesem Fall – in der persönlichen Erwartungshaltung des Beobachters. So manche Roland-Synthesizer haben das Leben vieler Musiker (und den Sound ganzer Bands, ganzer Dekaden) geprägt. Einzigartige Klangerzeuger, die Rolands (vormalige) Devise zum Ausdruck brachten, dem Künstler in jeder Hinsicht nur das Beste zu geben.

Juno-60, Juno-106, Jupiter-4, Jupiter-6, Jupiter-8, weiters SH-5, SH-7, VP-330 Vocoder und die Modular-Synthesizer System 100, 100M und System 700: alles pickefeine Instrumente, alles erste Sahne. Doch selbst die kleineren Roland-Analog-Synthesizer – wie etwa SH-2 oder der niedliche SH-09 – sind von herausragender musikalischer wie baulicher Qualität (und kommen noch heute vielfach zum Einsatz). Legenden wie die TB-303, der schnittige SH-101 oder Rack-Instrumente à la MKS-80 erweiterten das Portfolio der Firma. Die der Analog-Ära nachfolgenden digitalen Klassiker (Roland D-50, D-70, JD-800, JP-8000, V-Synth und schließlich noch Jupiter-80) runden bis heute das großteils positiv-stimmungsvolle Bild um die edle Synthesizer-Schmiede aus Japan ab.

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Wie kann man also angesichts dieser glorreichen Vergangenheit mit Rolands neuer Generation an leichtgewichtigen Plastik-Instrumenten made in China umgehen? Wie beim Roland JD-XA, so zeigt sich auch beim System-8: Da rauscht es (wo es nichts zu rauschen gibt), da zirpt und zappt es (wo es nichts zu zirpen und zappen gibt), da ist der KLANG – wenngleich oberflächlich ganz und gar nicht schlecht – letztlich doch einfach nicht das, was er für den Puristen mit feinen Ohren sein soll. Eher MID-FI denn HI-FI. Und wenngleich man bauliche Kompromisse (externes Netzteil, Plastik-Chassis, …) heute – dem Schicksal still ergeben – in Kauf nimmt, sollte es in der Klangqualität dennoch keine Kompromisse geben. Sollte.

Einmal Standpunkt ändern – vielen Dank

Nun, zurückblicken und Vergleiche von Vergangenheit zu Gegenwart ziehen ist die eine Sache. Aktuelle Dinge im Kopf neu einordnen die andere. Denn schließlich muss man fair bleiben: Der Roland System-8 ist ein verhältnismäßig günstiges Instrument, und: Er kann viel. Was, zugegeben, im digitalen Zeitalter nicht so sehr die große Herausforderung darstellt. Doch das Gesamtpaket des System-8 ist eine runde Sache: Arpeggiator, Sequenzer, Plug-Out für klangliche Erweiterungen, viele Details für Sound-Designer, eine augenfällige Optik und solide Bedienelemente. Auf ganz besondere “Pluspunkte” und auf mögliche “Fragezeichen” kommen wir später zu sprechen …

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Der Roland System-8

verfügt über:

  • den klassischen Signalweg
    – OSC 1 / 2 / 3 / Noise
    – Mixer
    – Filter (MultiMode)
    – Amplifier
    – LFOs

    – Filter-Hüllkurve
    – Amplifier-Hüllkurve
    – Pitch-Hüllkurve
  • maximal 8 Stimmen
  • Plug-Out 1 / 2 / 3
  • 64 Patches und 64 Performances
  • eine umfassende Effekt-Sektion (3 Effektwege)
  • Arpeggiator, Step-Sequenzer und Vocoder
  • 4-Oktaven Keyboard

Das kann sich schon mal sehen lassen. Zudem ist bei den Anschlüssen so manches Bonbon zu finden, speziell für Freunde der analogen Synthesizer-Ecke:

  • Audio Out R/L
  • Audio In R/L (zum Anschluss von Mikrofon, Rhythmusgerät oder eines Synthesizers)
  • Trigger IN (zur Steuerung des Step-Sequenzer über ein analoges Trigger-Signal)
  • CV/Gate OUT (zur Steuerung eines externen OCT/V Analogsynthesizers)
  • PEDAL und CONTROL Buchse
  • MIDI (IN/OUT) sowie USB

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Ein SD-Karten-Einschub erlaubt noch das einfache Erstellen von Backups. Das ist natürlich sehr praktisch und scheint angesichts des großen (vielfältigen) Klangpotenzials des System-8 eine schnelle (und auch sichere) Lösung zum Archivieren der Daten.

Sound-Design im Detail

Was den System-8 musikalisch auszeichnet, sind die Feinheiten der Klang-Architektur. So ist die Filter-Resonanz (wenngleich natürlich die bloße Emulation eines Voltage Controlled Filters) sehr obertonreich und in diesem Sinne farbenreich und “gelungen” ob des analogen Charakters. “Variationen” erlauben die klangliche bzw. technische Erweiterung rund um Oszillatoren, Filter und den LFO. Wobei man in jeder Sektion noch extra Feinheiten findet, wie etwa den “Resonanced Pulse LFO” oder die Modulation der Klangfarbe – COLOR.

Als unerlässliche Basis-Werkzeuge zur Klanggestaltung dienen weiters:

  • Cross-Modulation
  • Ring Modulator
  • (Oszillator) Synchronisation
  • Pitch Hüllkurve

Doch darüber hinaus ist der umfassende Performance-Bereich das zweite große Standbein des System-8. Als wichtige Ausdrucks- und Spielhilfen dienen:

  • Spiel-Modi MONO / UNISONO / POLY
  • Portamento
  • Chord Memory
  • Velocity sowie der eigens vorgesehene Velocity OFF Schalter (um z.B. dem Charakter eines Jupiter-8 noch näher zu kommen)
  • Octave Up / Down (was – zugegeben – äußerst notwendig ist angesichts der verkürzten Tastatur)
  • eine umfassende Bender-Sektion
  • Arpeggiator und Sequenzer
  • Vocoder

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Ein wenig erstaunlich ist die Bender-Sektion. Der kombinierte Pitchbend-Modulations-Lever ist typisch Roland – so weit allseits bekannt. Lobende Erwähnung: Der Bender ist großzügig dimensioniert, äußerst stabil und griffig, er liegt exzellent in der Hand. Erstaunlich hingegen die Wirkungsweise, speziell bei maximalen Werte-Einstellungen. Konkret: Selbst die höchste Filter-Steuerung (zugehöriger Filter-Regler auf Anschlag: Wert 255) bewirkt eher “zahmes” Öffnen bzw. Schließen der Filter-Eckfrequenz. Man würde sich die (zumindest) doppelte oder dreifache Wirkungsweise wünschen. Denn dafür wäre der Bender ja da: für subtile UND für dramatische Klangveränderungen.

Neben dem Erstaunen kommt noch etwas zum Gewöhnen: Wechselt man den Sound, so gehen die vorhandenen Regler-Stellungen in der Bender-Sektion natürlich “verloren”. Das kann man nun als Vorteil und als Nachteil sehen.

Hier erlauben wir uns einen kurzen Rückblick auf den Jupiter-8. Die vorgenommenen Regler-Einstellungen im Bender-Bereich (VCO auf “exakt” eine Oktave, VCF auf Maximum, wie auch immer) stehen beim Jupiter-8 natürlich solange zur Verfügung, bis man die Regler (oder zugehörigen Schalter) dieser links neben der Tastatur befindlichen Sektion verändert. Der Vorteil liegt darin, dass man sich ungeachtet aller Sound-Wechsel ständig und sofort der (eingestellten) Bender-Performance bedienen kann. Einmal eingestellt, bleibt es auch so. Nachteil: Besagte Performance ist global und damit “nicht” Bestandteil des abgespeicherten Klanges (was eine individuelle Performance pro Klang selbstredend wiederum ausschließt).

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Nun, beim System-8 ist es natürlich genau verkehrt herum: Die eingestellten Reglerstellungen (einfach gesagt: Das, was man vor sich SIEHT), entspricht keineswegs (oder höchstes per Zufall) der tatsächlichen Bender-Performance, die mit dem Klang abgespeichert wurde. Also die Frage, was ist besser? Globale Einstellungen (die immer und sofort wirksam, jedoch nicht speicherbar sind) … oder individuelle Einstellungen pro Sound (die möglicherweise ein häufiges Nachkorrigieren der Fader bedingen, da eben nicht global).

Das moderne System kann mehr Flexibilität bedeuten, da die Bender/Modulations-Lever-Einstellungen mit jedem Sound unterschiedlich sein dürfen. Was jedoch verloren geht ist die Spontaneität. Will man beispielsweise den Bender bevorzugt für Filter-Bewegungen verwenden und dabei schwungvoll quer durch die Sound-Programme zappen, so muss man bei jedem Soundwechsel die Regler im Bender-Bereich “korrekt” einstellen (oder bei allen Sounds die identische Performance vorweg abspeichern, was aber viel Arbeit ist und nicht bei allen Klängen gleichermaßen Sinn macht).

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Analog Circuit Behaviour, oder: Von der Qualität der Sounds

“Inspiriert von über vier Jahrzehnten legendärer Roland Synthesizer bietet der SYSTEM-8 PLUG-OUT Synthesizer eine riesige Palette mächtiger Sounds. Seine Analog Circuit Behavior-Engine (ACB) der nächsten Generation, befeuert ein achtstimmiges polyphones Monster mit 3 Oszillatoren, das über beeindruckende Filter und Effekte, extrem vielseitige LFOs und fein auflösende Regler und Slider verfügt. Dank der Unterstützung von drei PLUG-OUT-Synthesizern gleichzeitig, kann der SYSTEM-8 unsterbliche Roland-Klassiker beherbergen.”

(Quelle: Roland.com)

So weit ein bisschen PR. Ob sich die Engine nun ACB oder anders nennt, dürfte den Musiker wenig berühren, doch hier wird im Kern deutlich, worum es beim System-8 geht: Um eine gut klingende Emulation der analogen Synthese. Ein Narr wer glaubt, dass mit dem System-8 ein Jupiter-8 ersetzt werden kann. Oder ein Juno-106. So einfach geht es ja doch nicht.

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Viele der Sounds (wir können bei unserem Testkandidaten nur vom Jupiter-8 Plug-Out berichten) sind sehr gut und dem Original mehr oder weniger getreu (z.B. manche String-Sounds des Jupiters), andere Presets dürften hingegen “unter Garantie” nie im Original-Instrument zu finden gewesen sein (Kennzeichen: geänderter bzw. sogar unpassender Klangcharakter). Was aber schließlich und endlich auch gar nicht der Punkt ist, denn: Viele der System-8 Sounds klingen – egal, ob “System-8″ Sounds, “Jupiter-8″ Sounds, etc. – äußerst brauchbar. Ja, sie animieren – ganz auf ihre eigene Art und Weise – zum Musikmachen. Wie in den angefügten Audiobeispielen zu hören, lassen sich mit dem System-8 sehr ausdrucksstarke Klangwelten schaffen. Und dies ist – man lasse Fairness walten – noch immer eines der wichtigsten Argumente für ein modernes Instrument.

Puristen werden das leichte Rauschen im Audio-Pfad wahrnehmen, ebenso wie den einen oder anderen unerklärlichen “Drop-Out” (z.B. im Klangbeispiel E-Piano zu hören).

Besondere Pluspunkte und mögliche Fragezeichen

Einen großen Schritt von allen klanglichen Details und konzeptionellen Dingen Abstand nehmend, lässt sich EIN grundsätzlich positiver Aspekt vom System-8 ableiten: Der Synthesizer hält die gute Tradition der analogen Klangsynthese (hier: virtuell-analog) am Leben.

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Die junge Generation der Musiker darf wieder an Instrumenten schrauben, die mit OSC-MIXER-FILTER und AMP einer klassischen, vielgedienten Struktur folgt. Man darf per Drehregler und im Wechselspiel der Oszillatoren einen Ring-Modulator entdecken und die Wirkungsweise der Crossmodulation erforschen. Das ist per se eine gute Sache. Und sollte das Geld eines Tages wirklich für einen großen Traum – einen Jupiter-8 beispielsweise – reichen, dann weiß man (als System-8 Benützer) schon in etwa, wie der Hase läuft. Fein.

Weiters ist dem System-8 zugute zu halten, dass das Instrument einen sehr brauchbaren, musikalisch effektiven Grundklang hat. Viele der Presets sind sofort einsetzbar, die Plug-Outs erweitern den Horizont in Folge natürlich nochmals. So ist der System-8 ein durchaus vernünftiger Performance-Synthesizer, dessen Stärken – es ist nur eine Meinung von sicher sehr, sehr vielen – im experimentellen Feld sowie im Bereich der Klangflächen und speziell-gefärbten Solo-Sounds liegt.

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Schließlich zeichnet die Gesamtheit der Möglichkeiten (umfangreiche Effekt-Sektion, Audio-Eingänge inkl. dem Anschluss eines Mikrofons – Vocoder!, analoges Triggern des internen Sequenzers, Ansteuerung eines externen CV/Gate Synthesizers, etc.) den System-8 als flexibles, weiträumig gut einsetzbares Performance-Tool aus. Und das bei einem äußerst humanen Preis. Man darf also nicht klagen.

Auf der Seite mit (kleinen oder großen) Fragezeichen steht die – leider inzwischen bei fast allen Roland Geräten zu findende – Leichtgewicht-Hardware à la Plastik-Synthesizer. Weiters die (wie beim Roland JD-XA) schmerzlich verkürzte 4-Oktaven Tastatur, die lümmelige Extern-Netzteil-Mini-Buchse-Amateur-Stromanschluss-Lösung sowie die (auf Dauer) nicht unbedingt “nur” vorteilhafte Psychodelic-Grün-Beleuchtung sämtlicher Bedienelemente. Bei Dunkelheit leuchtet das Grün so stark, dass die Beschriftung rund um die Regler nicht mehr lesbar ist. Nun lässt sich die Stärke der Beleuchtung zwar reduzieren, aber wie so oft ist es eben fraglich, oder der ganze optische Gimmick wirklich dafürsteht.

Wer es übrigens neben den Potis und Fadern noch mehr “Retro-Look” haben möchte, kann seinem System-8 Aluminium-Seitenteile à la Jupiter-8 spendieren (siehe eBay Auktion von richTONE music/UK). Sehr schön, keine Frage!

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Klangliche Fragezeichen liegen z.B. im Stimm-Bereich der Oszillatoren. COARSE TUNE endet bei – man halte sich fest – 11 Halbtonschritten. Über FINE Tune kann man den letzten Halbton zur vollen Oktave noch erreichen, aber dennoch: Es braucht dafür zwei Arbeitsschritte, und: Warum nicht gleich Coarse Tune mit 12 Stufen? So wäre das (klanglich sehr interessante) durchgängige manuelle Gliden zur jeweils nächsten (Ober- oder Unter-) Oktave möglich.

Nebenbei wäre eine eigene MIDI THRU Buchse eine durchaus gute Sache gewesen.

Als abschließendes Fragezeichen kommt noch das Konzept der neuen Roland-Bedienungsanleitungen ins Spiel. Das Unternehmen sollte jenes Heft des System-8 in Anlehnung an Paul Watzlawicks berühmtes Buch ehrlicherweise “Anleitung zum Unglücklichsein” betiteln. Dünnes Papier, kontrastlose Schwarz-Weiß-Abbildungen, öde Listen und Tabellen. Kein freundliches Wort und keine musikalischen Anregungen rund um den so freundlich leuchtenden System-8. Keine näheren Erklärungen, Zusatz-Infos allenfalls in einem PDF zum Selber-Herunterladen. “Geringer Kundenservice” dürfte in diesem Zusammenhang keinesfalls als Schmähung der Tatsachen gelten.

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Fazit

Der Roland System-8 wird alteingesessene Roland-Enthusiasten in eher bescheidenem Ausmaß zu Freudentänzen verführen. Gut möglich, dass sein – durchaus sehr brauchbarer! – Grundsound und seine vielseitige Performance die eine oder andere schnelle Bekanntschaft (und einen zeitweiligen Verbleib des Instruments im heimischen Studio) ermöglichen. Aber was dann? Hat der Synthesizer langfristiges Potenzial?

Ein echter “Klassiker” würde jedenfalls mit besserer Hardware (schwereres und stabileres Chassis, internes Netzteil, 5- oder 6-Oktaven-Tastatur) und auch mit mehr Polyphonie aufwarten (16 oder gar 20 virtuelle Stimmen sollten im digitalen Zeitalter durchaus zu schaffen sein). Andererseits ließe sich nun argumentieren, dass alteingesessene Roland-Enthusiasten meist ohnehin über einen Juno-60, Juno-106 oder gar einen Jupiter-8 verfügen, betreffend analoger Roland-Flächen und ebensolcher Lead- und Sequenzer-Sounds also gar nicht auf den System-8 angewiesen sind.

Womit als Haupt-Zielgruppe wohl eher die moderne Smartphone-Generation, jene mit durchschnittlichem Budget und einem Faible für bunte Lichter, ins Visier des Instruments rückt. Hier kann der System-8 mit bereits erwähntem sehr (sehr) anständigen Sound, mit einem zuweilen durchaus “eigenen” Klangcharakter, mit betörenden Grün-Licht-Orgien und vor allem mit einem sehr fairen Preis punkten. Die mehrmals zitierte umfassende Performance-Abteilung macht ihn schließlich zu einem sehr brauchbaren, modernen VA-Synthesizer, der zwar grundsätzlich von (fast) jedem Hersteller sein könnte, in diesem Fall aber das ruhmreiche Roland-Logo trägt.

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Schließlich und endlich setzt der System-8 jedoch vor allem die gute Tradition der analogen Bedienoberfläche – und der analogen (Bedien) Performance – aktueller Synthesizer fort. Ein Pluspunkt, der auch die Hoffnung in sich birgt, dass Roland eines Tages, aufbauend auf diese klassische, gut bewährte Struktur, in Zukunft wieder einen “echten” polyphonen Analogsynthesizer ins Leben ruft. Einen Synthesizer mit jenen Stärken, die einen Klassiker eben zu dem machen, was er nun mal ist.

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Mögliche Alternativen?

In der Preisklasse um 1500 Euro gibt es mehrere Alternativen zum System-8, wie zum Beispiel:

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Die angefügten Klangbeispiele (35 Minuten Audio) wurden zu 90% ausschließlich mit dem System-8 realisiert. Ausnahmen:

  • DEMO 1: Die erste Audio-Datei ist insofern besonders, als es einen historischen Bogen spannt und 40 Jahre Roland-Geschichte verbindet. Zu hören sind System-700 (Bass-Sound mit Phaser), Jupiter-8 (Flächen- und Leadsound) sowie System-8 (Main-Solo-Sound). Das Übersteuern des etwas harten System-8 Klanges ist Bestandteil des Presets und beabsichtigt.
  • DEMO 2: Die ostinative, hochtönige Sequenz (jene “From Outer Space”) stammt von der Novation Bass Station II. Der Rest ist alles System-8.
  • In einigen Soundfiles sind noch die Drumcomputer TR-33, CR-78 sowie der polyphone Synthesizer Oberheim OB-8 zu hören.

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Viele der System-8 Audio-Files zeigen jedenfalls das durchaus beeindruckende “Kapital” und den zuweilen auch besonderen Klangcharakter des Instruments – z.B. “Sparkling Delay” – speziell in Verbindung mit den internen Effekten (Hall, Delay, Chorus, etc.). Auf externe Steuerungen via PC/Software wurde zur Gänze verzichtet.

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Open / Download:

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Roland System-8
PLUG-OUT Synthesizer

Preis: 1500 Euro

Website Hersteller:
www.roland.com/de/products/system-8

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Vergleich / Testbericht:
Roland JD-XA

7 Gedanken zu “Roland System-8
– Wendepunkt in der Geschichte?

  1. Neu entdeckte Seite für mich, und hier sofort einen Artikel zu finden zu dem merkwürdigen Wandel, den Roland gemacht zu haben scheint, freut mich. Ich bin als alter Fan der Marke (alles aus Analog, Keys und auch V-Drums) etwas irritiert, habe aber generell seit Jahren keine Zeitschriften/Artikel mehr aus dem Synthbereich gelesen.

    Da wird es mal wieder Zeit, freue mich auf diese Seiten. Gruß! *thumbs up!!!!*

  2. Ein ganz toller Artikel – vielen Dank! Er beschreibt exakt mein Schwanken zwischen der Hoffnung auf Erfüllung einer hohen Erwartungshaltung und der darauf folgenden großen Ernüchterung.
    Den Synthesizerhersteller Roland – so wie wir ihn einmal kannten – gibt es wohl nicht mehr.

  3. Schöner Artikel, aber kein Mensch braucht heute die alten Schlachtschiffe, insbes. den Jupiter 8, ich hatte den vor ein paar Jahren, auch den Xpander, Chroma, fand die schon “gut” aber nicht mehr, zu schwer, zu viel Platz, großes Risiko bei Defekten und letztlich hohe Kapitalbindung. Hab dann alles mit “Gewinn” verkauft, und nun seit einem Jahr spaßeshalber den Boutique Clone JU 8 und JX erworben. Ich muss ehrlich sagen, die machen mehr Spaß als die “Originale” und fügen sich super in das andere “hochwertigere” Equipment – OB6, Prophet 6 und Voyager etc., ein. ROLAND ist ne Klasse Firma auch in 2017 und die wissen genau, was sie tun. Freu mich schon auf den SE2, der “Neu”-Möchte Gern-Synth Bauer Behringer kann dann mit seinem Billigkram endgültig einpacken…

    • … das ist viel Wahres dran. Die Vintage Klassiker erfordern einen hohen Aufwand, finanziell wie zeitlich. “Ein” Unterschied – vom Sound und der immer sehr persönlichen Einschätzung der Klangqualität mal abgesehen – ist die Haptik, die auch im Jahr 2017 noch in vielen Fällen für die Vintage Geräte spricht. DSI macht hier jedoch einen guten “modernen” Job, Moog (zuweilen) auch. Betreffend Komfort der Bedienung scheint mir die Boutique Serie zu nahe am Spielzeug-Charakter geraten, eher respektlos, dass man sich im Studio mit “sooo” kleinen Fadern abmühen soll. Aber in Anbetracht des geringen Preises darf man natürlich keinen weitreichenden Anforderungen stellen, das ist klar. Und ja, Roland wird seine Marktanalysen gemacht haben – die wissen schon, wohin sie wollen …

  4. Ich persönlich finde jetzt analog nicht besser als digital, will sagen, wenn ich meinen Virus programmieren und sounds mache, gefallen mir die besser als wenn ich einen MKS50 nehme und da auch noch schöne Effekte hintersetze, ein großer Unterschied ist für mich da nicht zu hören, war aber schon fast immer so. Ich bin auch einer von denen die sagen, ich möchte so viel in einem Gerät haben wie möglich und da sind viele Kiste aus den 80er/90er raus, sie haben eine strikte subtractive Synthese und das war’s, hier und da ein paar Effekte und gut ist, das ist mir zu wenig…

    Deswegen finde ich den System-8 schon interessant, die Simulationen der Jupiter-8 Geräte ist schon ok, wie ich finde aber… In der heutigen Zeit mit einem doch teuren Gerät von 1500 Euro und dann nur 8 Stimmen, ich finde, da läuft was falsch… Und das gilt z.B. für die ganze Boutique Reihe… 4 Stimmen, super.. Astrein… In der heutigen Zeit 4 Stimmen, da muss man sich echt nicht wundern, wenn viele den TAL Uno nehmen und für 59 Euro das Plugin kaufen, denn da haben sie definitiv mehr Stimmen zum Musik machen…

    • … ja, ein sehr merkwürdiges Konzept (nur 4 Stimmen oder – System-8 – nur 8 Stimmen). Access Virus ist nebenbei ja schon einer der besten VA-Synthesizer, zeitlos, er wird neben so manchem Roland MKS-Rack / JX-Gerät noch lange bestehen …

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