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Arturia MiniBrute – der neue Roland SH-101?

Der Arturia MiniBrute ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme. Erstens ist er ein Franzose (eine Rarität am analogen Synthesizer-Markt), zweitens ist er ein ganz besonderes Highlight: DER analoge Synthesizer des Jahres 2012 (und wohl auch 2013). Im unteren Preissegment, um genau zu sein.

Denn immerhin ist es gerade in diesem Bereich äußerst heikel und sehr schwierig, ein wirklich gelungenes Preis- / Leistungsverhältnis zu finden und ein Produkt zu entwerfen, das nicht von allzu großen Kompromissen gekennzeichnet ist.

Arturia, bisher vornehmlich in der Entwicklung von Software-Emulationen analoger Synthesizer tätig, hat jedenfalls die Sensation geschafft. Der MiniBrute ist ein gut gebauter, hervorragend klingender, vielseitiger und bei einem Investitionsvolumen von 500 Euro absolut leistbarer Analogsynthesizer mit MIDI und CV/Gate. Nicht, dass das Instrument eben nur das Nötigste an Klanggestaltung bieten würde, ganz im Gegenteil: Der MiniBrute verfügt in fast allen Bereichen über kleine Extras, die das Instrument in Summe enorm flexibel machen und die wir im Laufe des Testberichtes kurz erläutern.

Zudem haben wir uns – in Anlehnung an die sehr ähnlich konzipierte Roland SH-101 – einen kleinen gedankliche wie auch klanglichen Vergleich von MiniBrute und 101 gegönnt. Doch mehr dazu später …

Von Lieferzeiten, Handbüchern und anderen Dingen

Es gibt einige kleine Überraschungsmomente rund um den MiniBrute. Zunächst einmal die Lieferzeit und Verfügbarkeit des Instruments. Letztere ist im Moment etwas schwierig. Arturia hat weltweit das Problem, dass zu wenige MiniBrutes ausgeliefert werden können. Im Moment benötigt man also ein wenig Geduld bei der Bestellung.

Ein weiteres Überraschungsmoment ist das Handbuch. Es ist ausgezeichnet aufbereitet, das vorweg. Gute Druckqualität, sehr informativ, ausführlich … alles bestens.

Das Handbuch beinhaltet die Anleitung in Englisch, Französisch und Japanisch

Man erhält ein Handbuch, das man gerne mal „einfach so“ durchliest um ein paar allgemeine Dinge über Arturia, Yves Usson, die unzähligen Verbindungsmöglichkeiten vom/zum MiniBrute und über die einzelnen Features des Instruments, etc. zu erfahren. Es ist ein dickes A5 Heft, wirklich eine feine Lektüre für das Nachtkästchen. Darin zu finden ist – wie gesagt – das Manual, gedruckt in drei Sprachen: Französisch, Englisch und Japanisch. Deutsch gibt es (noch) nicht.

Die deutsche Bedienungsanleitung ist nämlich Sache des zuständigen Vertriebes und in Arbeit. Sie sollte jedoch noch dieses Jahr lieferbar sein, in gedruckter Form (und nicht nur als PDF), wie wir hoffen.

Ein ganzes Paket an Soundsheets kommt in der Lieferung mit …

Wie dem auch sei: Entschädigt wird man durch ein Bündel an Soundsheets, die mit dem Instrument geliefert werden … schöne, dicke Schablonen aus Karton, die man über den MiniBrute legen und zum Eintragen eigener Sounds verwenden kann. Analog, im wahrsten Sinne des Wortes. 10 „Presets“ und 5 „Blank Sheets“ werden mit dem MiniBrute ausgeliefert.

Die Verarbeitung des Instruments – wir nähern uns einem wichtigen Thema – ist sehr, sehr gut. Klein sieht er aus, der Synthesizer, das stimmt. Doch nimmt man ihn erstmal in die Hand, so ist man ob seines Gewichts doch bass erstaunt. Absolut solide, eine dicke Chassis, sehr hochwertige Fader und Regler (von denen keiner wackelt, wunderbar) … Arturia hat an der Hardware nicht gespart (und am Klang auch nicht, um dies gleich klar zu stellen).

Optisch macht der MiniBrute viel her, kein Wunder, ist es doch ein weiterer Wurf aus Axel Hartmanns Design Box. Übrigens ist ein ganzes Arsenal an Personen an der Realisierung des MiniBrute beteiligt gewesen.

Edles Design … unter anderem von Axel Hartmann

So lässt sich die folgende Liste als französisch-japanisch-deutsches Bündnis interpretieren:

Product and Project Management
Frédéric Brun
Romain Dejoie

Electronics
Yves Usson
Bruno Pillet
Francois Best
Laurent Baret
Robert Bocquier
Antoine Back

Design
Axel Hartmann (Design Box)
Daniel Vester
Morgan Perrier

Industialization
Nicolas Dubois
Suzy Zhu (Huaxin)

Manual
Yves Usson
Craig Anderton
Antoine Back
Yasu Tanaka
Noritaka Ubukata

Von all diesen Personen sei vor allem Yves Usson hervor zu heben. Eine schillernde Person, die nicht nur in der Molekularmedizin und in Grenoble zu Hause ist, die sich jedoch auch im Bereich DIY Synthesizer seit Jahren einen guten Ruf in der Modularszene gemacht hat.

Großer Spielumfang trotz des bescheidenen 2-Oktaven Keyboards

Doch zurück zum MiniBrute. Ein externes Netzteil ist bei solch kompakten Instrumenten zu erwarten (eine erste Parallele zur Roland SH-101), es ist nun mal ein Zeichen unserer Zeit.

Die Tastatur scheint mit 2 Oktaven sehr minimalistisch, doch erstens sind es „große“ Tasten (keine Mini-Tasten à la MicroKorg), was sehr positiv ist, zweitens kommt man über die direkt zugänglichen Octave Ranges von -2 bis +2 doch auf ganze 6 Oktaven Spielumfang. Damit ist das minimalistische Konzept also gut durchdacht.

Mögliche Schwachstelle Tastatur: Die Metallplättchen unter den Tasten können sich lösen

Dennoch dürfte die Tastatur im Moment die kleine Schwachstelle des MiniBrute sein. Es geht dabei um jene Metallplättchen, die unterhalb der weißen Tasten zur Erhöhung des Spielgewichts angebracht sind. Die scheinen sich bei einigen Modellen schon während des Transports zu lösen, wobei manche der kleinen Metallplatten dabei auch mal ins Innere des Minibrute rutschen … ein Situation, in der man das Instrument besser „nicht“ einschalten und mit Strom versorgen sollte.

Aufbau

Der MiniBrute verfügt über …

Der MiniBrute verfügt über:

Klang

Keine Frage, der MiniBrute ist eine Wucht. Klein und sehr fein. Man führe sich nochmals den Preis vor Augen … 500 Euro … dafür einen neuen analogen Monophonen mit all den vielen Extras und den überzeugenden Sound zu bekommen grenzt an ein Wunder. Immerhin spiegelt der Gebrauchtmarkt rund um Vintage Monophone eine ganz andere Situation wider. So ist es sehr zu begrüßen, dass man sich nun auch bei Neukauf wieder in angenehmen Preisregionen bewegen darf, ohne dabei auf exzellenten Klang verzichten zu müssen. (Ein Faktum, das sowohl Doepfer Dark Energy, Vermona MonoLancet und aktuell Moog MiniTaur sowie der MFB Dominion X schon etwas vorweggenommen haben).

Umfangreiche Anschlüsse … sehr vorbildlich

Jedenfalls, der Klang des MiniBrute ist exzellent. Farbenreiche Oszillatoren, vielseitige Filter-Modi, schnelle Hüllkurven … alles da. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass der Charakter des MiniBrute in die freche, sagen wir aggressive Ecke tendiert. Die Filter-Resonanz übersteuert relativ schnell mit dem Ergebnis, dass bei hohen Resonanzwerten viele der Sounds ein sehr ähnliches, eben wildes, derbes Klangbild entwickeln. Das ist keine Wertung in irgendeiner Form, hat sich aber speziell im …

Vergleich zur Roland SH-101

gut gezeigt. (Wir erlauben uns, „zur“ 101 und nicht „zum“ 101″ zu sagen). Während die 101 rund, bauchig und in ihrer gar nicht so aufdringlichen – zugleich aber interessanterweise immer präsenten – Art und Weise durchaus „edel“ tönt, stellt sich der MiniBrute unweigerlich klanglich sofort in den Vordergrund. Er kann sich nicht verstecken, das erlaubt ihm sein Filter nicht, jedenfalls nicht bei aufgedrehter Resonanz, noch weniger natürlich mit erhöhtem Brute Faktor. Nun, vielleicht ist es genau das, was viele Musiker heute ja suchen … den angesagten, modernen analogen Sound. Schnippisch, experimentell, aggressiv, aufdringlich … mit all den schönen Klangeigenschaften, die analoge Schaltkreise immer noch mit sich bringen.

Arturia MiniBrute und Roland SH-101

Vergleiche sind jedenfalls immer heikel und so war es mehr aus purem Interesse der Wunsch, MiniBrute und SH-101 gegenüber zu stellen. Und wenig überraschend ist es auch unser Fazit, dass man die Instrumente eben nicht vergleichen kann. Theoretisch haben sie viele Gemeinsamkeiten: Einen VCO mit mischbaren Wellenformen und Sub-Oszillator, LowPass Filter, Arpeggiator …

Doch in der Realität übertrifft der MiniBrute die legendäre 101 natürlich um Längen, zumal er schlichtweg einfach mehr Features zu bieten hat.

Arturia MiniBrute und Roland SH-101

Dennoch – und das ist eben das Erstaunliche – würden wir die 101 nun nicht von der Bettkante schieben. Keineswegs, denn der so unaufdringliche, zugleich aber eben doch durchdringende und auf wunderbare Weise sympathisch präsente Klang der SH-101 ist musikalisch nicht weniger interessant … und vielleicht sogar etwas attraktiver. Sicher jedenfalls weniger ermüdend und leichter im Mix unterzubringen. Doch dies ist wie immer ein subjektiver Eindruck und wie gesagt: Dem gegenüber steht ein fantastisch vielseitiger MiniBrute, der ein Vielfaches des Klangspektrums einer 101 abdecken kann. So lässt sich also keineswegs ein Urteil in irgendeiner Richtung bilden … denn eher ein gewisser Charakter auf beiden Seiten herausstreichen.

Doch so viel sei gesagt: Rolands SH-101 gehört keineswegs zum Alten Eisen …

Arturia MiniBrute und Roland SH-101

Der MiniBrute …

… ist ein bemerkenswerter Analogsynthesizer. Vielseitig, performance- und klangorientiert, erstaunlich flexibel, in jeder Studio-Umgebung mit analoger wie digitaler Peripherie einsetzbar, gut klingend, gut verarbeitet. Die kompakte Größe des MiniBrute verleitet zum innigsten Wunsch, zwei dieser Synthesizer neben einander zu stellen. Damit wäre man der Breite eines 4-Oktaven Keyboards ebenbürtig und hätte – trotz der bescheidenen Maße – zwei vollwertige und unabhängige Analogsynthesizer mit allen MIDI- und CV/Gate-Möglichkeiten im Paket. Das alles für knapp unter 1000 Euro … unvorstellbar, wie man meinen sollte.

Somit sei Arturia – und allen, die an der Entwicklung des MiniBrute beteiligt waren – sehr zur Realisierung dieses respektablen Analogsynthesizers gratuliert. Ein überraschender Schritt für einen Software-Hersteller, ein überraschender Schritt mit großer Wirkung, so viel steht fest.

Bleibt zu hoffen, dass die gute Richtung beibehalten wird und dem MiniBrute eines Tages noch der Brute folgt … wir würden uns freuen und sind sehr gespannt.

PS: Die Konkurrenz schläft nicht. Klanglich sehr vielseitig, mit Sequenzer und Arpeggiator ausgestattet und preislich in einer vergleichbaren Liga ist der Dave Smith Instruments Mopho. Wie immer: Ein Vergleich lohnt sich …!

Nachtrag Dezember 2013: Der neue Arturia MicroBrute versetzt die analoge Synthesizerwelt in neuerliches Staunen. Der kleine Bruder des MiniBrute klingt fantastisch und hat neben einem Step-Sequenzer auch ein CV-Panel an Bord. Zwar gibt es klare Abstriche gegenüber dem MiniBrute, doch zugleich auch ebenso klare Vorteile und Neuerungen. Ein intensiver Vergleich der beiden Instrumente ist also sicher lohnend …

An dieser Stelle noch spezieller Hinweis zu den angefügten Hörbeispielen. Klanglich sehr interessant ist der Vergleich von Arturia MiniBrute zu Roland SH-101. Man wird sich schwer für „einen“ Kandidaten entscheiden können, doch dürfte man feststellen, dass beide Instrumente – obwohl für diese einfachen Klangbeispiele (Puls und Sägezahn Bass, mit und ohne Sub-Oszillator) exakt gleich ausgestattet – sehr unterschiedlich im Charakter sind. Bei allen Vergleichen beginnt zuerst der MiniBrute …

Update 01/2018: MiniBrute 2 und MiniBrute 2S erblicken das Licht der Welt. Eine Mischung aus MiniBrute, MatrixBrute und DrumBrute. Die Preise liegen bei jeweils 649 Euro etwas höher als der originale MiniBrute, doch immerhin ist das Angebot an Features auch deutlich gestiegen.

Arturia MiniBrute - DEMO 1
Arturia MiniBrute - DEMO 2
Arturia MiniBrute - DEMO 3
Arturia MiniBrute - DEMO 4
Arturia MiniBrute - Lead
Arturia MiniBrute - Resonance
Arturia MiniBrute - Bass HPF
Arturia MiniBrute - Super Saw
Arturia MiniBrute - Super Saw Bass
Arturia MiniBrute - Arpeggio 1
Arturia MiniBrute - Arpeggio 2
Arturia MiniBrute - VCF Modulation 1
GRP-R24-Arturia-MiniBrute
Arturia MiniBrute - MiniBrute versus Roland SH-101 Arpeggio
Arturia MiniBrute - MiniBrute versus Roland SH-101 Bass Saw
Arturia MiniBrute - MiniBrute versus Roland SH-101 Bass Pulse

Arturia MiniBrute

Monophoner Analoger Synthesizer

Preis: 399 Euro

Website Hersteller:
www.arturia.com

Links:
Testbericht Arturia MicroBrute
Testbericht Arturia MatrixBrute

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