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GRP A2 – das italienische Sahnehäubchen

GRP A2 Synthesizer

Sommer 2016. Ennio Morricones Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ vor uns hin pfeifend, durchqueren wir den südlichsten Teil von Sizilien. Schöne Strände gibt es hier, aber kaum Schatten. Dafür viel Sand und noch mehr Hitze. Im nächsten Hotel werden wir Paolo Groppioni treffen. Er macht gerade Urlaub. Und er hat einen Freund dabei: Den neuen Synthesizer von GRP.

Der A2 ist eine echte Überraschung. Nicht, weil er analog ist oder dieses oder jenes kann (er „ist“ analog und kann sehr viel), sondern deshalb, weil er eben da ist. Einfach so. In Gedanken ganz beim GRP R24 Sequencer, sind wir hin und weg, als der A2 plötzlich auf dem Tisch liegt. Der „gudde Kollega“ vom Sequencer. Dieselbe Größe (5 HE), sogar dasselbe Gehäuse. Wunderschön!

Der GRP A2 ist unverkennbar GRP. Sehr gute Verarbeitung, „tricky“ Features, ein sämiger und vollmundiger Analogsound. Neu im Gepäck sind ein Arpeggiator, die SuperSägezahn-Welle von VCO2, die Stereo-Möglichkeit des Multimode-Filters (rechter Ausgang: Highpass, linker Ausgang: Lowpass) sowie diverse Modulationsroutings, die bisher in keinem GRP Synthesizer zum Einsatz kamen.

Das Instrument ist als Desktop- oder Rack-Synthesizer gedacht (Rack-Schienen statt der Holz-Seitenteile). Doch zudem lässt sich der GRP A2 auch in große Modularsysteme (Synthesizers.com, Moon Modular …) einbauen – mit (auf Wunsch) optionalem 5HE-MIDI/USB-Modul an der Vorderseite. Für die „eine fette Stimme“ sozusagen. Für das Extra an Klang, wenn man so will.

Optisch besticht der A2 vor allem durch die beleuchteten VU-Meter. Und durch die LED-Ketten der Arpeggiator-Abteilung.

Mit dabei ist auch ein externes Netzteil. Unvermeidlich, muss man sagen, denn die Größe des A2 bedingt ein solches Konzept. Zudem ist der Anschluss für Modularsynthesizer bereits intern vorgesehen, weshalb der A2 bei Verwendung in einem externen System besagtes Netzteil gar nicht benötigt.

Die Features im Überblick

VCOs

Das GRP-Prinzip der schaltbaren Modulationsquellen ist nach wie vor einzigartig. Wie in der VCO-Abteilung zu sehen, sind die klanglichen Möglichkeiten enorm. Als Besonderheit kann nun erstmals auch das VCF-Ausgangssignal als Modulationsquelle verwendet werden.

Ach ja … VCO2 bietet – quasi als Gegenstück zur modulierten Pulswelle von VCO1 – eine formbare Sägezahnwelle, SuperSaw. Diese besteht aus bis zu 8 Sägezahn-Wellen (à la Waldorf Rocket, wenn wir uns da richtig erinnern). Durch Drehen von SHAPE wird der Klang von der einfachen Sägezahn-Welle ausgehend immer dicker. Das gilt übrigens auch für Sägezahn-Dreieck und Dreieck (siehe Grafik).

VCF

Das doppelte VCF eines GRP A8 oder GRP A4 ist im kleinen A2 natürlich nicht zu finden. Dennoch hat Paolo Groppioni den verfügbaren Platz bestmöglich genutzt und das Filter mit einem Stereo (DIRECT) Modus versehen. In dieser Position DRCT erklingt das Highpass Filter rechts, das LowPass Filter links. Bei LFO-VCF Sweeps ergibt sich hier ein wunderschönes Panorama-Klangbild, wie in vielen Klangbeispielen zu hören ist.

Unser persönliches Highlight ist und bleibt jedoch das GRP-Notch-Filter. Sein sämiger, phaser-artiger Klang ist einmalig (Klangbeispiel „DEMO2“ – Notch-Sound pur)!

LFOs

Die LFOs kommen im Zweierpack. LFO1 lässt sich im Tempo spannungssteuern (von der Tastenhöhe, von LFO2, oder von einem externen CV-Signal). Für unseren Geschmack ist die langsamste LFO-Zeit des A2 immer noch etwas zu schnell (extrem langsame Filter-Modulationen haben ja eine enorme musikalische Kraft), doch im Audio-Bereich mutiert LFO1 zu dem, was einen guten LFO auszeichnet: Die flexible Nutzung dieses Moduls als Goldgrube für Effekt-Sounds und Klang-Experimente.

LFO2 hat – wie schon beim GRP A4 – eine ganz eigene Philosophie. Seine Rechteck- und Dreieckswelle mal beiseite lassend (das kennt man ja ohnehin), kann man die weiteren 9 Routings (von LFO1 bis S/H) als Modulationsquellen „durchschalten“. Diese Modulatoren (wenn man so will) sind über Aftertouch oder das Modulationswheel steuerbar. S&H über das Masterkeyboard (MIDI / Computer) langsam ein- und ausblenden? Vokale VCO-VCF-Modulationen via Aftertouch gefällig? Kein Problem …

Hüllkurven

Auch die Hüllkurven kommen – wie erwartet – zu zweit. Während ENV1 mit ADSR und der stark experimentellen Loop-Funktion das Arbeitstier ist, muss sich der VCA (genauer: müssen sich die VCAs) mit Attack-Decay oder Attack-Release begnügen. Doch in der Praxis genügt dies fast immer.

Die Anschlüsse des GRP A2 sind besonders umfassend. Neben MIDI, (MIDI-)USB, CV/Gate IN sowie den Audio-Ausgängen (L/R) und Headphones gibt es noch einen (analogen) Clock-Eingang für Arpeggiator und Sample / Hold. Über Stereo-Klinkenstecker können zudem CV-Spannungen an VCF, VCA sowie LFO1 (speed) und VCO2 gelegt werden. Molto potente!

Performance und Extras

Der Arpeggiator hat sich ein Feature vom GRP Sequencer abgeguckt. Die Noten-Wiederholungen (x2/x3) waren bereits Highlights des A8 bzw. A4. Neu ist der Clock-Divider, wo bei 4, 8 und 16 das Tempo jeweils verdoppelt wird.

Etwas lästig ist das Ein-/Ausschalten des Arpeggiators: Es erfolgt durch gleichzeitiges Drücken der beiden Mini-Taster CLK und SIZE (was etwas Übung erfordert). Dafür wird man mit dem PW GATE Regler belohnt, der die globale Notenlänge der ausgegebenen Arpeggios justiert – von staccato bis portato, mit einem Dreh!

Unscheinbar, aber künstlerisch sehr ergiebig ist die VCO1-OFF Möglichkeit von Portamento und Pitchbender. Nur einen Oszillator eine Oktave hinauf- oder hinunterschieben (Pitch Bend)? (… klingt bei Leadsounds genial!) Langsames Einschwingen (Portamento) von nur einem VCO bis zum „Gleichklang“? Auch betreffend Oszillator-Synchronisation ist das „benden“ des Slave-Oszillators klanglich natürlich besonders ergiebig.

Was bleibt noch in der Performance-Abteilung? HOLD (nicht spektakulär, aber wichtig) sowie MIDI TO CV ON/OFF. Nun, wozu sollte man die MIDI-Steuerung auf die Oszillatoren deaktivieren? Nun ja …

… nach dem GRP Prinzip ist MIDI ja keineswegs nur für die Tonhöhen verantwortlich. Das GATE Signal der eintreffenden Noten kann beispielsweise als direkte Clock genützt werden (z.B. für Sample/Hold, wobei die Zufallsspannung dann – mit einem Klick – synchron zum Rhythmus der eingehenden Noten ist).

Oder zur Aktivierung der Loop-EG, die „nur“ dann spielt (spielen kann), wenn ein Gate-Signal stattfindet. Die VCOs lassen sich davon völlig unabhängig über viele Modulationsquellen, aber auch über CV/Gate, ansteuern. Daher ist die Möglichkeit, MIDI TO CV auszuschalten, eine durchaus gelungene Idee.

Klang

Der Sound des A2 ist – schnell gesagt – edel, mächtig und dick. Interessant übrigens, dass die GRP-Instrumente nun im Laufe der Jahre aggressiver und durchschlagender klingen, je kleiner sie werden. Der A8 ist meist sanft und butterweich (wunderschön, wirklich), der A4 beißt schonmal kräftig in die Wade und der A2 verschlingt den Musiker mit Haut und Haar. Wobei er auch weich klingen kann, doch scheint ihm die harte Tour recht gut zu liegen.

Es gibt keinen – oder kaum einen – Aspekt der analogen Klangpalette, den man beim A2 vermisst. Bass- und Leadsounds haben den schneidenden analogen „Drive“, den man „nicht“ bei allen Analogsynthesizern findet. Die Bass-Sounds im Speziellen haben uns extrem überrascht – so einen tiefen Bass wie beim A2 haben wir schon lange nicht mehr gehört (Klangbeispiele – sie unten).

Die Effektsektion ist schier unendlich! Nicht nur wegen der umfassenden Modulationsroutings. Nicht nur wegen Noise, S/H und dem schönen Ring-Modulator. Auch nicht nur wegen der beiden LFOs und der extra Loop-Hüllkurve. Es ist wohl alles zusammen, was die enorme klangliche Komplexität des GRP A2 ausmacht.

Dabei ist aber – und das ist wohl das Wesentlichste – der GRP Grundklang äußerst kraftvoll und, ja, edel. Ein Meer an Schaltungsmöglichkeiten ist ja löblich, doch zu allererst muss der Grundklang stimmen. Und bei GRP trifft dies zu. Als Klangbeispiel der „guten Basis“ sei DEMO1 empfohlen: Ein simpler Sägezahn-Sound, dessen LowPass-Filter mehr und mehr von Sample/Hold moduliert wird. Man höre sich diese farbenreiche Resonanz an! Was braucht man mehr?

Zielgruppen?

Mögliche Zielgruppen des GRP A2 sind …

… kleine, überschaubare Studios mit Anspruch auf hochwertigen Sound. Wenige Analogsynthesizer dieser Größe haben einen vergleichbaren „Biss“ und auch nur eine annähernd große Klangvielfalt.

… große, weniger-überschaubare Studios mit Monster-Modularsystemen (5HE). Immerhin lässt sich der A2 dem Gehäuse entnehmen und als komplette Synthesizer-Stimme im Modularsystem einschrauben: Die Edel-Stimme von GRP im modularen Verbund! Ansteuerung erfolgt in diesem Fall über CV/Gate. Optional erhältlich: separates 5HE-MIDI-Interface für den A2.

… live-Musiker mit guter Bühnen-Präsenz. Zusammen mit dem – bereits lieferbaren – GRP R24 Sequencer stellt der A2 ein autarkes, stimmiges und komplettes Analog-System dar. Enorme Klangvielfalt auf kleinem Raum! Nebenbei sehen die beiden GRPs im Rack – Synthesizer und Sequencer beispielsweise übereinander – extrem gut aus. Es erinnert an das Vintage Duo RSF Kobol I und RSF Sequencer (Programmer).

Fazit

Der A2 ist – wie bei GRP üblich – ein hochwertiges Musikinstrument. Edle Hardware, vielschichte, flexible Möglichkeiten, sonorer Klang. Die Oszillatoren „sägen“ brachial, das Filter sorgt für Gänsehautstimmung. Artige und abartige Modulationsmöglichkeiten, Ring-Modulator, Loop-Hüllkurve, VCF-Overdrive: Der kreative Musiker dürfte nicht viel vermissen.

Schließlich aber ist der GRP A2 ein Instrument „Made in Europe“, was sich – so die Erfahrungen der letzten Jahre – betreffend baulicher Qualität inzwischen als Sahnehäubchen am Weltmarkt erweist.

Update August/September 2017: Die erste Serie des GRP A2 ist fertig und wird ausgeliefert.

Update Juni 2021: Der GRP A2 wird bereits in der fünften Serie gebaut.

Update September 2022: Der aktuelle Preis liegt bei 1.725 Euro + MwSt. (ca. 2.050 Euro Gesamtpreis).

Update November 2023: Der GRP A2 wird wieder etwas günstiger angeboten. Der neue Preis soll 1.500 Euro + MwSt. (ca. 1.850 Euro Gesamtpreis) betragen.


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50 Minuten Audio-Files sind angefügt. Neben dem GRP A2 kommen vor allem die Korg Monotribe und – in den MIX Soundfiles gut zu hören – der Klassiker Roland D-70 zum Einsatz. Das Hören mit guten (!) Boxen bzw. Kopfhörern wird empfohlen. Nur so kann man den besonders tiefen Bass des GRP A2 erleben

GRP A2 - DEMO 1
GRP A2 - DEMO 2
GRP A2 - DEMO 3
GRP A2 - Crazy 1
GRP A2 - Crazy 2
GRP A2 - Crazy 3
GRP A2 - MIX 1 (Roland D70 )
GRP A2 - MIX 2 (Roland D70)
GRP A2 - MIX 3 (Roland D70)
GRP A2 - Filter Sweeps 1
GRP A2 - Filter Sweeps 2
GRP A2 - Sawtooth 2 VCOs Lead
GRP A2 - Sawtooth 2 VCOs BASS 1
GRP A2 - Sawtooth 2 VCOs BASS 2
GRP A2 - Rhythm 1
GRP A2 - Rhythm 2
GRP A2 - Rhythm 3
GRP A2 - Simple Mind
GRP A8 - GRP Family - A2 / A4 / A8 - 1
GRP A8 - GRP Family - A2 / A4 / A8 - 2

GRP A2

Monophoner Analoger Synthesizer
mit 2 VCOs, 2 LFOs, MultiMode VCF, RingMod, S/H,
Loop-ADSR, AR, sowie Arpeggiator, MIDI und CV/Gate

Preis:
1.500 Euro + MwSt. = ca. 1.850 Euro
(06/2024)

Der GRP A2 kommt mit eleganten Holz-Seitenteilen.
Rack-Ohren für den 19“-Einbau werden ebenso mitgeliefert.

Website Hersteller:
www.grpsynthesizer.it

Open / Download:
GRP A2 User Manual (Englisch)
GRP A2 Foto vorne (4000 x 3000px)
GRP A2 Foto hinten (4000 x 3000px)
GRP A2 Grafik (4000 x 2000px)

Vergleiche / Links:
Testbericht GRP R24 Sequencer (Teil 1)
Testbericht GRP R24 Sequencer (Teil 2)
Testbericht GRP V22 Vocoder
Testbericht GRP A1
Testbericht GRP A4
Testbericht GRP A8

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