Waldorf Rocket
– der Synth, der vom Himmel fiel

Auf einmal war er da.

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Der Waldorf Rocket Synthesizer ist vom Himmel gefallen, direkt in die Musikgeschäfte und im Streuflug weiter in viele heimische Studios. Ganz anders als sonst gab es keine langen Ankündigungen. Und ganz anders als sonst ist der Rocket ein Waldorf-Synthesizer voll gespickt mit Reglern und Schaltern. Ganz ohne Presets.

Angesichts der Größe hätte dem Instrument der Name “Pocket” gut gestanden. Das würde die hohen Erwartungen an eben diesen Waldorf Synthesizer in entsprechende Bahnen lenken und noch höher hinaus wollenden Werbesprüchen seitens des Unternehmens („… it’s much louder than the legendary Saturn V engine“) Einhalt gebieten. Doch es spielt ja keine Rolle, denn die Rakete ist nun mal gelandet.

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Bei allen Überlegungen, was und wie der Rocket zu beurteilen und zu bewerten sei, ein Gedanke vorweg. Das Instrument ist zum UVP von 244 Euro in den Handel gekommen. Der gängige Straßenpreis der Rakete beträgt gar 222 Euro. Unter diesem Gesichtspunkt ist jegliche Kritik – einige Dinge sind aus musikalischer Sicht nun mal klar zu hinterfragen – von untergeordneter Bedeutung. Das Preis-/Leistungs-Verhältnis des Waldorf Rocket ist fair, wenn nicht gar ausgezeichnet. Grund genug für viele Musiker, das Instrument ohne langes Zögern ihrem Studio-Setup hinzuzufügen. Kritik am Rocket ist also als konstruktives Gedankengut zu verstehen, weniger als Bemängelung des (sehr guten) Preis-/Leistungs-Verhältnisses.

Edles Design und solide Hardware

Axel Hartmann zeichnet sich für das schöne Design des Rocket aus. Nicht ganz überraschend natürlich, prägt seine Handschrift doch das Layout vieler Synthesizer der vergangenen Jahrzehnte. Nun, es erstaunt immer wieder, wie ausgewogen Hartmanns vielfältige und unterschiedliche Designarbeiten den betreffenden Instrumenten ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter verleihen. Auch der Rocket macht hier keine Ausnahme. Die klare Einteilung der einzelnen Klangbausteine ist vorbildlich, die Farbgebung geschmackvoll.

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Von der augenfälligen Optik abgesehen ist auch die Haptik sehr gelungen. Die großen Potis liegen gut in der Hand, die silbernen Kippschalter ebenso. Das Chassis des Rocket ist großteils aus Plastik (der Unterbau), das Bedienpanel und die Rückseite sind jedoch aus Metall. Ein guter Kompromiss.

Die Stromversorgung erfolgt selbstredend nicht über einen eingebauten Trafo (was angesichts der Größe des Rocket kaum zu erwarten gewesen wäre), doch immerhin über ein USB Netzteil. Die entsprechende Schnittstelle hinterlässt einen deutlich stabileren Eindruck als die bei anderen Instrumenten üblichen kleinen (und oft wackeligen) Kontaktbuchsen für zugehörige Netzteile. Die Rocket Stromversorgung über USB ist also eine praktische wie auch ansprechende Lösung.

Das Konzept

So schnell der Rocket in den Musikhäusern und Studios landete, so schnell lässt sich sein Aufgebot an Merkmalen auflisten:

  • 1 bis 8 Oszillatoren (digital): Sägezahn (mit Sync) und Puls (PWM)
  • Analoges MultiMode Filter; LowPass – BandPass – Highpass
  • 2 Hüllkurven (jedoch mit Einschränkungen)
  • Kombinierte LFO / Arpeggiator Abteilung
  • VCA-Abteilung mit Boost Funktion
  • Glide
  • MIDI
  • USB
  • Audio IN / OUT
  • Kopfhörer Ausgang (mit eigenem Regler)
  • Launch Taster (um den Rocket manuell – ohne MIDI – anzutriggern)

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So weit die Fakten. Das Überraschende am Rocket ist die Tatsache, dass er – ungeachtet seines wirklich sehr übersichtlichen Aufgebots an Möglichkeiten – stellenweise gar nicht „so“ intuitiv zu bedienen ist. Jedenfalls nicht dann, wenn man über einen Standard Sägezahn-VCF-Raketenklang hinaus und nuancierte Details des Instruments zum Klingen bringen will.

Die Feinheiten des Waldorf Rocket

Oszillator

Wir sprechen vom Oszillator in der Einzahl, auch wenn es davon in Summe 8 Stück gibt. Der Oszillator bietet die Schwingungsformen Sägezahn und Pulswelle. Bereits hier beginnt die „tricky“ Ecke im Detail. Jede der Schwingungsformen bietet weiterführende klangliche Möglichkeiten …

WAVE – Sägezahn

In der – militärisch gesprochen – 7 Uhr bis 12 Uhr Stellung (in der ersten Hälfte des Reglerweges) wird die Synchronisation der Oszillatoren festgelegt. Sync-Sounds sind hier möglich, von langen Sync-Sweeps bis zu sehr kurzen Sync-Effekten.

In der Mittelposition – bei 12 Uhr – erklingt nur „ein“ Oszillator, eben mit Sägezahn.

Je weiter man nun nach rechts dreht – von 1 bis 5 Uhr – kommen weitere Sägezahn-Oszillatoren zum Grund-Oszillator dazu. In Summe bis maximal 8 in einem Stück, man könnte Unisono dazu sagen … ein moderner Begriff wäre „SuperSaw“ oder „PolySaw Cluster“. Dicker Sound, so viel steht fest.

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WAVE – Pulswelle

Auch hier hat der Wave-Regler einige Möglichkeiten zu bieten.

Von 7 bis 12 Uhr wird die Pulsweite geregelt: Von Nadelimpuls (ein für uns neuer Begriff, er steht wohl für „unendlich kleine“ Pulsbreite, de facto ist das Stille) bis hin zu 50 % Pulsweite, sprich Rechteckwelle. Das ist übrigens sehr schön … wie schon in anderen Berichten angedeutet wurde, ist vor allem der Grenzbereich von „keiner“ Pulsbreite (Stille) zum gerade erst erklingenden Sound bei “sehr schmaler” Pulsweite äußerst reizvoll.

In der Mittelposition – bei 12 Uhr – erklingt in der Einstellung PULS gar nichts. Der Oszillator wird abgeschaltet. Einfacher Grund: Da das Einspeisen eines externen Audio-Signals möglich ist, kann man auf diese Weise (Wellenform-Kippschalter auf Pulse und den zugehörigen Wave-Regler auf Mittelposition stellen) die interne Klangquelle abschalten und sich „nur“ der Bearbeitung des externen Signals widmen. Macht Sinn.

Je weiter man nun nach rechts dreht – ab 1 bis 5 Uhr – wird die Pulswelle vom internen LFO moduliert. Kurz nach „Mittag“ bedeutet dies „etwas“ PWM durch den LFO, bei maximalem Wert natürlich größtmögliche Modulation. Sehr fein.

An diesen kleinen Beispielen zeigt sich, dass man bei der Bedienung des Rocket schon ein wenig die Dinge im Kopf haben muss. PWM als Solches ist nicht angeschrieben (gut, es sind diese kleinen Symbole …), doch es ist vorhanden. Die Off-Position des Oszillators ist nicht am Panel ersichtlich, doch es gibt sie durch eine bestimmte Schalter-Regler Kombination. Und SuperSaw wird durch die Zahl „8“ (Oszillatoren) ausgedrückt …

TUNE

Armer Tropf wer meint, TUNE würde die globale Tonhöhe beeinflussen. Ein VER-Stimmen, ja, das geht. Doch immer der Reihe nach …

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Von 7 bis 12 Uhr (erster Hälfte des Reglerweges) wird die Ausgangsposition der Sync-Funktion (Wellenform: Saw!) festgelegt. Also hier bitte den silbernen Kippschalter auf Sägezahn geben und nicht vergessen: Den Wave-Regler links halten, erst dann wird Sync aktiv.

Von 12 bis „fast“ 5 Uhr (zweite Hälfte des Reglerweges von TUNE) kann die VER-Stimmung der Super / PolySaw Oszillatoren festgelegt werden. Auch hier bitte den silbernen Kippschalter auf Sägezahn geben und nicht vergessen: Den Wave-Regler rechts halten, erst dann wird die Schichtung der Sägezahn-Oszillatoren aktiv. Mittels des TUNE Reglers werden nun geschichtete Intervalle festgelegt, die sogleich zu hören sind …

Bei exakt 5 Uhr „und“ maximal aufgedrehter Wave-Funktion (alle 8 Oszillatoren erklingen) lassen sich gar bis zu 8-stimmige Akkorde frei am Keyboard spielen. Nun, frei ist relativ. Man muss hier sehr exakt spielen. Dadurch, dass es nur einen VCF und einen VCA gibt, erklingen bei unsauber gegriffenen Akkorden einzelne Töne (die zu früh oder zu spät gedrückt werden) plötzlich Unisono-Klänge bzw. wird diese Situation eben spieltechnisch doch ziemlich heikel (es gibt verschiedenste klangliche Resultate). Wie dem auch sei: Das Ergebnis der „frei spielbaren Akkorde“ erinnert an die gute alte Chord-Funktion bei diversen Oberheim-, Korg- und anderen Vintage-Synthesizern. Parallel verschobene Akkorde, das ist es. Via Sequenzer-Programm sollte übrigens betreffend “Timing” natürlich alles passen, hier gibt es wohl keine „zu langen“ oder „zu kurzen“ Einzeltöne. Ein MIDI Sequenzer ist uns nunmal spieltechnisch deutlich überlegen.

GLIDE

… ist im Live-Spiel bei LEGATO (gebundener) Spielweise aktiv. Leider nur dann. Bei eingeschaltetem Arpeggiator (UP, UP / DOWN, RANDOM) lassen sich die zerlegten Sounds beispielsweise nicht mittels Glide zum noch stärkeren Grooven verhelfen, bei den 8 Arpeggio-Patterns allerdings wiederum schon.

Voltage Controlled Filter

Das MultiMode Filter mit LowPass, BandPass und HighPass ist klanglich wirklich sehr schön. Und es bietet keine „versteckten“ Funktionen wie in der Oszillator-Abteilung zu finden.

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Das Keyboard-Tracking ist von 0 auf 50 auf 100 % festzulegen. Die Filterresonanz ist vom Feinsten (sehr schönes Pfeifen, es macht den Klang auch etwas rau), die zugehörige Hüllkurve kann in ihrem Wirkungsgrad separat geregelt werden.

Etwas – ein wenig – enttäuschend ist die klangliche Ausbeute der Filter-Modi BandPass und HighPass. Hier ist kein „sehr großer“ Unterschied zwischen den beiden Arten zu hören. Doch grundsätzlich klingen beide gut und natürlich ist man ob des MultiModes insgesamt froh.

BOOST wäre noch zu nennen. Eine Übersteuerung des Klanges, der vor allem bei höheren Resonanzwerten (des Filters) gut zum Tragen kommt. Dann wird die Rakete wild, außer Rand und Band sozusagen. Vorsicht ist geboten (o:)

VCA / Hüllkurve(n)

Nun, mit den „zwei“ Hüllkurven des Rocket ist es so eine Sache. Ok, theoretisch sind sie vorhanden. Doch praktisch gibt es hier sehr starke Einschränkungen. Zu starke, wie wir meinen. Musikalisch geht hierbei nämlich ein weites Feld an Möglichkeiten verloren. Doch Schritt für Schritt …

De facto regelbar ist nur die Decay-Zeit. Natürlich, sie ist sehr wichtig, keine Frage. Weiters kann man die Sustain (für den VCA, so anzunehmen) an bzw. ausschalten und ebenso die Release (für VCF und VCA, so anzunehmen). Was fehlt – und doch sehr verwundert – ist der Attack-Parameter. Gibt es nicht. Alle Klänge beginnen mit fest eingestellter Attack-Zeit, die natürlich kurz ist, ganz „ok“, um es gleich mal musikalisch zu sagen. Doch andere Attack-Zeiten lassen sich nicht festlegen. Und damit sind einige klangliche Betätigungsfelder rund um den Rocket definitiv ausgeschlossen.

Low Frequency Oscillator, Arpeggiator und Vibrato-LFO

Der LFO schwingt von 0,05 bis 50 Hertz und bietet die Schwingungsformen Rechteck (für schöne Oktav-Sprünge bei entsprechend eingestellter Modulation der Oszillatoren), Dreieck und Sägezahn. Die langsamen Schwingungen (beispielsweise für Filter-Sweeps, etc.) kommen sehr gut. Doch die schnellen Frequenzbereiche sind irgendwie „weder Fisch noch Fleisch“. Sie sind für besonders interessante (und gut klingende) Filter FM Sounds zu wenig (da müsste der Frequenzbereich bis 100 Hertz oder idealerweise noch deutlich darüber gehen). Daher machen die 50 Hertz Höchstgeschwindigkeit nur bedingt Sinn.

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Schaltet man den TARGET Schalter des LFOs von OSC über VCF weiter zu ARP, so landet man eben bei besagtem Arpeggiator. Eine sehr nette (und klanglich inspirierende) Zugabe. Als Abspielrichtungen stehen UP, UP/DOWN bzw. RANDOM (exzellent!) zur Verfügung. Auch 8 (fest programmierte) Patterns gibt es zum Arpeggiator. Wie etwa beim Quasimidi The Raven oder beim Roland JP-8000, in dieser Art …

Nun, nicht weiter ersichtlich, aber lobenswerter Weise vorhanden: Der Rocket bietet – zum regulären LFO – noch einen parallelen Vibrato-LFO, der mittels ModWheels ausgelöst wird. Seine Frequenz ist an sich fest vorgegeben (wie bei vielen Herstellern auch hier: zu schnell und daher unnatürlich wirkend. Ein Vibrato – von der Praxis der Blasinstrumente kommend – ist nie so schnell), kann aber mittels MIDI CC #80 problemlos verändert werden. Eine feine und gute Ergänzung für Lead-Sounds, in denen man also Vibrato hinzufügen „und“ den Haupt-LFO noch für schöne Filter-Sweeps, etc. zum Einsatz kommen lassen kann.

Phones oder Line – die Frage der Lautstärke

Der letzte bisher noch nicht genannte Regler ist Phones – die Lautstärke-Regelung für den Kopfhörer. Schön. Und zugleich (etwas) unverständlich. Ist es technisch ausgeschlossen, dass sich der Phones-Regler “VOLUME” nennen und grundsätzlich die Gesamtlautstärke des Rocket regeln könnte? Offenbar schon. Und das ist schade. So gibt es für die Rakete keine Lautstärkeregelung, man kann das Instrument nur direkt am Mischpult lauter / leiser machen (oder in einem Anfall von Verzweiflung die Filter-Frequenz auf „0“ drehen, bitte die Resonanz ebenso).

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Da der Rocket über keine internen Effekte verfügt – und ein zwar durchaus bombastisches, doch eben monophones / homophones Klangbild bietet – wird er mit großer Wahrscheinlich von vielen Usern im Verbund mit externen Effekten, mit anderen Synthesizern und / oder Drumcomputern etc. in einem größeren MIDI-Setup zum Einsatz kommen. Da ist es „nicht“ anzunehmen, dass man den Rocket alleine über Kopfhörer spielen möchte. Um den – aus praktischer Sicht – „verlorenen“ (da umsonst vorhandenen) Phones-Regler ist es wirklich schade. „Volume“ zur Steuerung der Gesamtlautstärke wäre in der Tat ein deutlich wichtigerer Ersatz gewesen.

Der Rocket in der Praxis

Er klingt sehr beeindruckend. Vielleicht „nicht ganz so laut“ wie die legendäre Saturn V Rakete, doch ja, sehr durchschlagend, kräftig, inspirierend elektronisch. Angesichts seiner kleinen Größe ist der Rocket wirklich beeindruckend flexibel und stellenweise sehr innovativ durchdacht. Der Arpeggiator verleiht dem Fluggeschoss noch weitere Flügel und die Anzahl der zu erzielenden Oszillator-Wellenformen / Oszillator-Klangeindrücke ist beachtlich. Schließlich ist vor allem auch die Bedienung sehr gelungen, die großen Potis und das ausgewogene Design seien nochmals als äußerst positive Merkmale hervorgehoben.

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Dem gegenüber stehen ein paar Fragezeichen. Die vielfältigen Möglichkeiten innerhalb der Oszillator-Abteilung erfordern doch ein wenig mehr als die übliche Denkleistung. Da muss man eben genau hinschauen, in welcher Position dieser und jener Regler nun mal stehen soll um den Sync-Sound bei starkem Sync-Anteil (hoher Ausgangston) zu erzielen. Rauschen / Noise wird als Klangquelle übrigens auch sehr vermisst. Und echtes TUNE in dem Sinn, den Rocket in seiner Tonhöhe (zumindest +/- einiger Halbtöne) im direkten Zugriff anderen Instrumenten anpassen zu können. Die Einschränkung der Hüllkurve auf Decay / Sustain / Release ist auch noch schade, hier bleibt klarerweise viel musikalisches Potenzial außen vor. Schließlich aber wäre ein Lautstärke-Regler schön gewesen.

Betreffend Klang noch ein Nachtrag. Wie im Leben so auch hier: Der erste Eindruck entscheidet sehr oft (und er stellt sich nicht selten als „richtig“ heraus). Unser erster Eindruck war „Hm, die Oszillatoren klingen ok, aber mit einem halbwegs brauchbaren Software-Synthesizer ist das wohl ebenso zu schaffen.“ Das De-Tuning (Verstimmen) erlaubt weder die direkte Beeinflussung der gesamten Tonhöhe (bei zwei Rockets Seite an Seite wäre es somit einfach gewesen, feine Verstimmungen zwischen den beiden Klangerzeugern zu erhalten) noch überhaupt „sehr“ feine Schwebungen. Zuweilen etwas steril, die ganze Sache.

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Zwar gibt es die Möglichkeit der Verstimmung (TUNE Regler rechts halten, es kommen zum Grund-Oszillator noch weitere Oszillatoren hinzu), doch die 12 Uhr Stellung hat einen extrem klaren Nullpunkt, da wird der “eine” Oszillator gerade, digital, flach, leblos. An sich ja auch korrekt, doch feine Nuancen beim Hinzufügen weiterer Oszillatoren sind nicht vorgesehen. Und mit den Klang-Gestaltung rund um beispielsweise zwei Oszillatoren – für feine Schwebungen – geht es im elektronischen Sound-Design nun mal ganz entscheidend los. So ist man beim Rocket eher auf sehr geradlinige Sounds (dann mit Sync- und Boost-Funktionen zu kaschieren) oder große Oszillator-Schichtungen und damit sehr Bombastisches beschränkt. Letzteres positiver formuliert: Auf Elektro-Pop Klänge, die immer Dicke und Präsenz haben, die eben stets „gut“ (wenn auch beim zwanzigsten Song dann wohl etwas eintönig) klingen. Einzig die hervorragende Regelungsmöglichkeit der Pulsweite (von Nadelimpuls bis 50%) erlaubt etwas feinere, filigrane Sounds, die immer noch sehr interessant klingen.

Da der Preis des Rocket so günstig ist, hatten wir für diesen Test gleich zwei Rockets im Einsatz. Für schöne Stereo-Filtersweeps und anderes. Ja, damit erweitert sich der klangliche Eindruck des Instruments nochmals enorm, sobald eben der so wichtige Stereo-Eindruck hinzukommt. Wobei: Im Mehrspur-Aufnahmeverfahren geht das mit einem Rocket natürlich ebenso, keine Frage.

Fazit

Der Waldorf Rocket ist ein äußerst respektables Instrument. Man beachte den Preis. Und man höre die folgenden Klangbeispiele. Zugegeben, ein Großteil der Musik ist mit „zwei“ Rockets entstanden. Doch das tut dem guten Gesamtklangbild des Waldorf Synthesizers keinen Abbruch: Der Rocket ist inspirierend, sein Klang frech und sein Konzept in bestimmten Bereichen bemerkenswert „frisch“.

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Auf der Wunschliste stehen – neben oben genannten Punkten – noch CV/Gate (in Zeiten des analogen Booms wohl fast ein „Muss“) plus Filter-CV IN. Zugegeben, alle Parameter des Rocket lassen sich mittels MIDI CC steuern, das ist korrekt. Und es funktioniert auch tadellos und dürfte für sehr viele User eine annähernd perfekte (MIDI) Lösung sein. Auch hier ist das Preis-/Leistungsverhältnis wirklich exzellent. Andererseits: Angesichts der analogen Oberfläche und des analogen (analog/digitalen) Klanges ist das Verlangen nach intuitiver CV-Steuerung mittels Step-Sequenzer oder mittels der simplen Einbindung anderer CV-Module in einer analogen Studio-Umgebung durchaus verständlich.

Schließlich bleibt noch die offene Frage, warum Waldorf nicht einen Rocket mit Wavetable-Oszillator kreierte. Auch wenn eine Schichtung von SuperSaw Oszillatoren gut und beeindruckend klingen mag: Neu ist der Sound nicht. Wavetables bieten jedoch immer noch ein deutlich höheres Potenzial an klanglichen Facetten. Und sie würden den Rocket zu einem „echten“ Waldorf machen.

Wie dem auch sei: Die Rakete ist gelandet. Und sie bietet erstaunliche Klänge und ein beachtliches Potential. Zu einem sagenhaften Preis.

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Waldorf Rocket Synthesizer
UVP: 244 Euro

www.waldorf-music.info/de/uebersicht-rocket-synthesizer.html

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2 Gedanken zu “Waldorf Rocket
– der Synth, der vom Himmel fiel

  1. Ich war ja am Anfang sehr skeptisch, aber der Rocket macht wirklich Musik. Toll ist der Mix2 der das sehr schön verdeutlicht. Ich persönlich finde das Filter auch sehr gut: die Resonanz dünnt nicht aus sondern macht Druck. Damit werden alle 3 Filtertypen musikalisch sehr brauchbar und gut einsetzbar. Das Oszillatorkonzept geht voll auf: Ich persönlich könnte auf den Pulse 2 gut verzichten zugunsten eines z.B. 8 stimmigen “Poly Rocket” mit Verbesserungen (vernünftige Hüllkurven, Suboszillator, Filter/Env pro Stimme).

  2. Ja, der Ansatz des Rocket ist gut. Wenn es wie bei Korg (Monotron – Monotribe – MS20) auch bei Waldorf weiter bergauf geht, dann könnte eines Tages noch ein vollwertiger Rocket, vielleicht sogar ein Rocket Keyboard, in den Musikshops landen …

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