Roland Jupiter-8
– der Meister des Synthie-Pops

Roland Jupiter-8: Schon der Name ist Magie in den Ohren vieler Musiker – und das Instrument selbst ein Objekt heißer Begierde (anno 1981 ebenso wie heute). Neben dem Prophet-5 ist der Jupiter-8 wohl “der” Meilenstein in der Geschichte der polyphonen Analogsynthesizer.

Doch interessant: Wenn man den Jupiter-8 anno 2017 hört, so ist er – selbstredend – immer noch beeindruckend, zugleich aber (möglicherweise) etwas weniger spektakulär als einige seiner Zeitgenossen.

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Seien es nun Moog Memorymoog, Sequential Prophet-5, Rhodes Chroma, Yamaha CS-50/60/80 oder Oberheim OB-X/Xa/8: Jedes dieser Instrumente klingt – natürlich je nach Empfinden des Musikers – möglicherweise lebendiger und analoger als ein Jupiter-8. Ob nun aufgrund der weniger exakten Stimmstabilität, des spezielleren Filter-Designs oder der umfassenderen Modulationsmöglichkeiten oben genannter Synthesizer – die Gründe dafür sind vielfältig.

Und dennoch: Man frage irgendeinen Keyboarder rund um den Globus nach seinem geheimsten Wunsch, seinem Traum der Träume. In den meisten Fällen wird der Befragte leise, ehrfürchtig und mit flehendem Blick ins Mikrofon flüstern: “Also, das wäre ein . . .  R  o  l  a  n  d  . . .  J  u  p  i  t  e  r  . . .  8.”

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Da es rund um das 8-stimmige Synthesizer-Flaggschiff und seine Auswirkungen auf die Musikwelt ganze Bücher zu füllen gibt, bleiben wir bescheiden und konzentrieren uns auf 5 Thesen zum Jupiter-8.

These 1.
Jupiter-8: Die Konsolidierung der Firma ROLAND

Ein Blick zurück. 1972 gegründet, hat Roland jahrelang mit finanziellen Unsicherheiten zu kämpfen. Zu jung (und unbekannt) ist die Firma, als dass japanische Banken dem Unternehmen große Kredite gewähren würden. Wie also die nötigen Bauteile zur Herstellung der Instrumente bezahlen? Wie wirtschaften?

Firmengründer Ikutaro Kakehashi bekommt seine Kredite, allerdings nicht von den Banken, sondern von seinen Lieferanten. 90 Tage werden ihm zugestanden, um die Bauteile zu bezahlen. 90 Tage, in denen besagte Teile in Instrumente umgewandelt und diese wiederum am Markt verkauft werden müssen.

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“Damit Roland gesund und munter blieb, mussten wir das Kreditfenster von 90 Tagen effektiv nutzen und Produkte entwickeln, von denen wir sicher waren, dass sie sich im Ausland verkauften, und die zudem das Potenzial hatten, in Japan akzeptiert zu werden. Dies war weniger eine strategische Entscheidung, als vielmehr die Anerkennung der Realität. Wir waren uns bewusst, dass wir auch im günstigsten Fall mindestens vier bis fünf Jahre lang auf die Kredite unserer Lieferanten angewiesen sein würden. Wie sich herausstellte, dauerte es tatsächlich sogar acht Jahre, bis wir eine kontinuierliche positive Bilanz zwischen Einnahmen und Ausgaben erzielen konnten.”

(Quelle: Ikutaro Kakehashi – Mein Leben für die Musik, PPVMedien Verlag, S. 92/93)

Die dauerhafte und solide finanzielle Basis für Roland kommt schließlich und endgültig 1980/81 mit dem Jupiter-8. Der neue Synthesizer aus Japan ist zwar sagenhaft teuer (980.000 YPN, ca. 10.000 DM), aber auch sagenhaft gut. Profi-Musiker rund um den Globus wollen (und bekommen) den klanglich angesagten, modern aussehenden 8-stimmigen Polyphonen aus Japan.

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Zusammengefasst: Mit dem Jupiter-8 kann sich Roland endgültig am Weltmarkt etablieren und zu einem Global Player im Synthesizer-Bereich aufsteigen.*

[* Noch ein Jahr zuvor, 1980, stand Roland überraschenderweise kurz vor dem Bankrott. Der Wechselkurs vom Yen zu den europäischen Währungen änderte sich dramatisch und verteuerte japanische Importe nach Europa drastisch. Das für den Vertrieb von einem Drittel der weltweit verkauften Roland-Produkte zuständige Unternehmen Brodr Jorgensen (Sitz in Kopenhagen) erklärte sich sogleich geschäftsunfähig.

Der von Roland bereits auf dem Importweg befindliche Warenstand – Wert: mehr als einer Million Dollar – drohte in der Konkursmasse verloren zu gehen. Das wäre das finanzielle Aus von Roland gewesen. Doch die Schiffe konnten zurückbeordert (und die Ware gerettet) werden. Schließlich half noch der großzügige Kredit einer japanischen Bank zum raschen Neu-Aufbau des europäischen Roland-Vertriebsnetzes. Rettung in letzter Sekunde.]

These 2.
Jupiter-8: High-End-Technik, oder: Das Beste vom Besten

Als aufstrebendes Unternehmen ist es in den 70-er und 80er-Jahren das Ziel von Roland, dem Musiker nur das Beste (vom Besten) zu geben. Betreffend der Instrumente muss natürlich auch die jeweilige Zielgruppen in Betracht gezogen werden: In ihrer Entstehungszeit sind SH-1, SH-2 und SH-3 speziell für Studenten (und deren Budget) gedacht. Jupiter-4 und Jupiter-8 zielen hingegen auf den gehobeneren “Markt für Solo-Orchesterstimmen” ab, Stichwort Polyphonie. Doch sei es wie es sei: Man nehme einen x-beliebigen Roland-Synthesizer der 70er-Jahre / frühen 80er-Jahre und muss gestehen “Die bauliche Qualität, die stimmt”.

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In den Punkten technische Verarbeitung und Zuverlässigkeit lässt sich die einfache Faustregel anwenden: japanische polyphone Analog-Synthesizer “gut”*, amerikanische polyphone Analog-Synthesizer “problematisch”. Während viele der eingangs erwähnten Klassiker – vom Memorymoog bis zum Rhodes Chroma – den Jupiter-8 in ihrer Flexibilität und in ihrem musikalischen Ausdruck möglicherweise übertrumpfen, kommt keines der Instrumente an die hochwertige Bauweise des Roland-Klassikers heran.

[* Yamahas CS-80 ist die Ausnahme der Regel. Zu aufwendig und zu komplex ist sein Innenleben, als dass dieser Koloss jemals das Attribut “zuverlässig” erzielen könnte.]

Noch heute zählt der Jupiter-8 zu den technisch herausragendsten Synthesizern der Geschichte. Er ist mit Abstand der zuverlässigste polyphone Analoge der Synthie-Pop Ära. Ein technisches Meisterwerk.

These 3.
Jupiter-8: Das zeitlose Design

Kurz und schmerzlos: Der Jupiter-8 hat das schönste Synthesizer-Design aller Zeiten. Dies ist natürlich (wie immer) eine subjektive Einschätzung, doch wir bleiben dabei: Es ist der mit Abstand best-designte Synthesizer. Ein gut erhaltener Jupiter-8 sieht anno 2017 noch immer so atemberaubend aus wie anno 1981.

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Nick Rhodes: “… the best designed synthesizer I’ve ever seen. It’s so streamlined, and everything is in the right place.”

(Quelle: Peter Forrest – The A-Z of Analog Synthesisers, Part Two, S. 109)

These 4.
Jupiter-8: ANALOG mit DIGITALEN Wesenszügen

Seit Jahren rätsle ich, warum der Jupiter-8 weltweit so begehrt ist. Klingt nicht der Memorymoog deutlich aufregender? Hat nicht der Chroma viel mehr Lebendigkeit im Gepäck? Ist nicht das Stereo-Klangbild eines Oberheim OB-8 musikalisch deutlich inspirierender?

Nun, es heißt “Abstand nehmen” von heutigen (vergleichenden) Sichtweisen. Der Jupiter-8 kommt 1981 auf den Markt und merzt mit einem Schlag all jene Schwächen aus, unter denen viele Konkurrenz-Produkte zu leiden haben. Allem voran klingt er “stabil”, ja, er nimmt – wenn man so will – schon wesentliche Charakterzüge des digitalen Zeitalters vorweg.*

Charakterzüge, die sich mit den Begriffen Exaktheit, Stimmstabilität, Zuverlässigkeit und modernes Design umreißen lassen. Eigenschaften die – als Beispiel – auch einen Yamaha DX7 auszeichnen (wenngleich ein Vergleich beider Instrumente “in keinster Weise” angedacht ist). Doch damit bietet der Jupiter-8 – in all seiner so zuverlässigen und exakten Herrlichkeit – analoge Kraft und ein hohes Maß an digitaler Präzision, beides vereint in seinem speziellen Klang.

[* Zugegeben, anfänglich hatte auch der Jupiter-8 Probleme mit der Stimmstabilität. Doch durch Tausch des Wandlers von 12-Bit auf 14-Bit wurde dies behoben.]

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Der Jupiter-8 bietet einen Klang, der – nun die Sichtweise Anfang der 80er-Jahre – großteils ohne lästige “driftende Stimmen” auskommt, ein Klang, auf den immer Verlass ist, der zudem mit 8 Stimmen umfassendes Akkordspiel – noch dazu exakt und harmonisch präzise – ermöglicht, ein Klang schließlich, der sich im Bruchteil von Sekunden stimmen lässt (14-Bit Modelle des Jupiter-8), in Summe eben ein Klang, den ein durch und durch professionelles Instrument charakterisiert.

Neben dem professionellen, in Ansätzen “digitalen” Analog-Klangcharakter, hat der Jupiter-8 auch erstmals konkrete digitale Elemente in der Technik zu bieten.

“Roland hatte 1981 bereits seine eigene serielle Schnittstelle für Instrumente entwickelt, den “DCB Bus” (Digital Communication Bus […]). 1982 stellten wir die Synthesizer Jupiter-8 und Juno-60 zusammen mit dem Sequencer JSQ-60 vor, die alle mit dem 14-poligen DCB-Bus ausgestattet waren.”

(Quelle: Ikutaro Kakehashi – Mein Leben für die Musik, PPVMedien Verlag, S. 199)

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Die ab Ser. No. 282880 mit DCB ausgestatteten Jupiter-8 Synthesizer können mit dem zusätzlichen Interface OP-8 an die Welt der des MC-4 Sequenzers bzw. mit dem MD-8 Interface an die MIDI-Welt angeschlossen werden.

These 5.
Jupiter-8: Meister des Synthie-Pop

Zugegeben, der Begriff ist etwas zu eingeschränkt. Der Jupiter-8 wird Anfang der 80er-Jahre keineswegs nur von Synthie-Pop-Bands erfolgreich zum Einsatz gebracht, auch in der Filmmusik, ja, in der gesamten Musikwelt bleibt das Flaggschiff der Roland-Synthesizer-Familie noch bis in die späten 80er-Jahre ein hoch geschätztes und regelmäßig verwendetes Studio-Instrument. Die Renaissance des Jupiter-8 tritt dann – wie bei fast allen Analogsynthesizern – ab der Mitte der 90er-Jahre ein und dauert bis heute an.

Das Erscheinungsjahr des Jupiter-8 liegt in der hohen Zeit des Synthie-Pop, mit unzähligen “Synthesizer-Bands, die ihre Musik zunächst auf den ebenfalls in großer Zahl entstehenden Independent-Labels veröffentlichten. Viele dieser Bands beriefen sich eindeutig auf Kraftwerk, wobei aber ein Trend zu kompakteren, eingängigen und tanzbaren Songs erkennbar wurde. Als Vertreter dieser ersten großen Welle von Synthie-Interpreten (ca. 1978–82) wären Depeche Mode, Pet Shop Boys, OMD, The Buggles, New Order, Eurythmics, Soft Cell, Gary Numan, Blancmange, Yazoo, Ultravox und Visage zu nennen.”

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Synthie_Pop)

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Kaum ein professioneller Studio-Keyboarder, der “nicht” den Jupiter-8 sein eigen nannte bzw. noch heute sein eigen nennt. Dabei ist es anno 1981, als das neue Wunder-Instrument nach und nach die Studios erobert, gar nicht so einfach, einen Jupiter-8 überhaupt zu bekommen.

“When the Roland Jupiter-8 first came out, it was the most desired instrument on earth – so, needless to say, you couldn’t get it. There was a waiting list for it. We had a very good relationship with Roland, though, due to the fact that I worked with Jeff Baxter from the Doobie Brothers. He was under contract with them, so he had access to the instruments. He put in a word, you know, so I definitely got a deal.

The Jupiter-8’s particular sound comes from the structure of the two oscillators of each bank – of each voice – so you can actually layer them. This makes for a very fat, good sound. The Jupiter-8 was my main instrument for melodies – all the “Axel F” melodies were made on it.”

(Quelle: Harold Faltermeyer’s Favorite Synths, RedBull Music Academy)

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SOUND

Nun, zum Kern des Instruments. Es stimmt natürlich, dass der Jupiter-8 einen hoch professionellen Analog-Sound hat. Seine Stärken liegen beispielsweise in den Bereichen:

  • Kräftige Lead-Sounds (Unisono!)
  • Mächtige VCF-Sweeps (das Jupiter-8 Filter klingt sahnigst!)
  • Schräge Cross-Modulation-Klänge (etwas unkalkulierbar, aber interessant)
  • “Screamy” Sync-Sounds (v.a. in Verbindung mit Pitch-Bending von VCO2)
  • Massive Double-Sounds (z.B. mit daraus resultierenden Stereo-Modulationen)
  • Weiche Pad-Sounds (verstärkt durch Performances des LFO-Trigger-Schalters)
  • Arpeggio-Performances (Leckerbissen: ARP Random Mode)
  • Ausdrucksstarke und experimentelle CV-IN Performances (mittels VCF/VCA EXT CV-IN), auch interessant in Verbindung mit der externen Trigger-Möglichkeit des Arpeggiators

Hervorzuheben ist der durch und durch edle Filter-Klang des Jupiter-8. Bei angehobener Resonanz entwickelt das Instrument ein sehr feines, anmutiges Klangverhalten. Gut möglich, dass man dies nicht “sofort” als solches wahrnimmt, doch gerade die Kombination aus weichem Grundsound und kraftvollen Filter-Sweeps ist sicherlich ein wichtiger Teil der “Jupiter-8-Magie”.

In der Literatur wird gar ein Vergleich mit dem legendären Yamaha CS-80 nicht gescheut: “[…] the JP-8’s range of unbeatable synth/brass patches quickly established it as the only real rival to Yamaha’s CS-80, the previous undisputed world champion in the heavyweight division.”

(Quelle: Julian Colbeck – Keyfax Omnibus Edition, MixBooks, S. 105)

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Während das Instrument im Modulationsbereich eher mittelmäßig ausgestattet ist (nur ein LFO, weiters Crossmodulation, Sync und Noise, das war es), lässt sich der Jupiter-8 dank seiner vorbildlichen CV- und Trigger-Möglichkeiten auch für extreme experimentelle Einsätze verwenden. In zwei der angefügten Klangbeispiele kommt beispielsweise ein externer (weitreichender) LFO für die VCF-Steuerung zum Einsatz. Das entlockt dem Instrument – speziell bei maximaler Filterresonanz – auch durchaus ungeahnte Klänge.

Grundsätzlich ist dem Jupiter-8 absolute Mix-Tauglichkeit zu bescheinigen. Ein sehr wichtiger Punkt, bei dem so mancher Konkurrenz-Synthesizer das bittere Nachsehen hat.*

[* Moog Memorymoog als starkes Gegenbeispiel. Ein Synthesizer, der solistisch hervorragend klingt, im Mix jedoch alles dichtmacht – ein in diesem Bereich zu dominantes Instrument, wie nicht wenige Memorymoog-Besitzer bestätigen.]

Der Sound des Jupiter-8 ist jedenfalls durch und durch hochwertig. Sein sehr “cleaner” Analog-Sound bringt ihn jedoch heute auch ein wenig in Bedrängnis. So kommt ein Access Virus Synthesizer – oder manch anderer virtuell-analoger – in bestimmten Klang-Bereichen durchaus an die Mächtigkeit der Jupiter-8 heran. Wo keine “driftenden” Stimmen, wo kein starkes “Out-Of-Tune” (alles Dinge, die der Jupiter-8 nur in kleinem Maße vorzuweisen hat), da lässt sich das Original von guten Virtuellen eben nicht leicht unterscheiden.

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Natürlich sprechen wir hier von Brot-und-Butter-Sounds, weichen Sägezahn-Pads beispielsweise. Geht es um schreiende (röchelnde?) Sync-Lead-Lines, wird dennoch kein Virtueller dem Jupiter-8 das Wasser reichen können. Und im experimentellen Bereich (Cross-Modulation, EXT CV-IN Spielereien) bleibt das Virtuelle/Digitale ohnehin meist weit (weit) zurück.

Noch ein Wort zum Roland MKS-80. Der SUPER JUPITER ist ein exzellenter Rack-Synthesizer, wobei es Unterschiede zwischen Rev. 4 und Rev. 5 gibt. Unser klanglicher Favorit ist der MKS-80 Rev. 5, wenngleich hier spezielle (und am Gebrauchtmarkt sehr selten erhältliche) Roland-Custom-Chips zum Einsatz kommen, was die Anschaffung der späten Revision zu einem gewissen Risiko macht.

Durch das eigenständige Konzept (eine Mischung aus Jupiter-6 und Jupiter-8), MIDI und den schönen dynamischen Möglichkeiten (VEL, AT), vor allem aber auch durch die „minimalistischere“ Haptik des zugehörigen MPG-80 Programmers, ist das MKS-80-Bundle dennoch kein „Jupiter-8 im Rack“, als vielmehr ein durchwegs eigenständiges Instrument.

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Ob der neue JP-08 im Desktop-Boutique-Format einen Ersatz für den Jupiter-8 darstellt: Wir wissen es nicht. Die Fader in Zahnstocher-Größe sind jedenfalls ein deutliches Zeichen der gegenwärtigen Toys’R’Us-Synthesizer-Kultur. Im Studio ist ein solches Instrument (sofern es diesen Namen überhaupt verdient) aus unserer Sicht daher – seiner spielzeughaften Bauweise wegen – ein No-Go.

Wem es übrigens um “leistbare” Vintage-Roland-Klänge geht, der sei auf den Juno-60 verwiesen. Dank seines integrierten Stereo-Chorus klingt der Juno – natürlich nur in einem bestimmten, eingeschränkten klanglichen Bereich – möglicherweise sogar noch charaktervoller als der Jupiter-8. Rund um Arpeggio/Sequenzer-Pattern-Sounds, Standard-Lead-Lines und warm-analoge Orgel- wie Streicherklänge erfüllt der Juno-60 alles, was man mit dem Schlagwort “klassischer Roland-Sound” verbindet.

Fazit

Der Jupiter-8 – der Meister des Synthie-Pop – zählt noch immer zu den hellsten Sternen am Synthesizer-Himmel. Mehrere Aspekte zeichnen das Instrument nach wie vor als Muster-Synthesizer aus: Die extrem hochwertige Verarbeitung (und die damit verbundene Zuverlässigkeit des Instruments), das ausgewogene, zeitlos-moderne Design, sein mächtiger – wenn auch eher “cleaner” – Analog-Klang.

Ob man im Jahr 2017 mit dem zwar kraftvollen, aber – im Vergleich zu anderen Vintage-Polyphon-Synthesizern – recht stimmstabilen Jupiter-8-Sound Vorlieb nimmt (oder sich für ein anderes Instrument am Gebrauchtmarkt entscheidet), diese Frage bleibt ohne klare Empfehlung im Raum stehen.

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Fest steht: Was anno 1981 als großer Fortschritt betrachtet wurde (die enorme Zuverlässigkeit des Klanges), muss heute nicht mehr unbedingt als erstrebenswertes Merkmal gelten. Ganz im Gegenteil: Gerade jene Synthesizer mit konzeptionellen Besonderheiten (ausgefallene Modulations-Routings), starken Klang-Eigenheiten (spezielle Filter-Designs, temperamentvolle Oszillatoren, …) sind jene Synthesizer, die mehr und mehr ihre Stellung als “einzigartige” Klang-Künstler erringen.

Ungeachtet dessen zählt der Jupiter-8 nach wie vor zur Riege der ganz großen klassischen Synthesizer. Er klingt massiv, brachial, warm und sieht auch mehr als 35 Jahre nach seinem Erscheinen unwiderstehlich modern aus.

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25 Minuten Audio-Material sind angefügt. Zu hören ist ausschließlich der Roland Jupiter-8 Synthesizer. Einzig das Klangbeispiel “The Roland Family” (von Luis Debon) ist ein Mix-Soundfile, das Roland Jupiter-4, Jupiter-6, Jupiter-8, JD-800, VP-330, SH-101 und CR-78 zum Einsatz bringt.

2 Gedanken zu “Roland Jupiter-8
– der Meister des Synthie-Pops

  1. Oh ja, der Jupiter-8… ich hatte ihn und das ist auch ganz gut so :)
    Der sound ist ohne Zweifel erhaben, ganz klar kein Prophet oder Oberheim – sprich, er klingt neutraler als die damalige amerikanische Konkurrenz und wurde wegen der Stabilität und des dual-Modus (Arpeggiator!) statt den US-Kollegen gerne live (vermehrt von Pop-Bands) eingesetzt (The Cars, Duran Duran, Talk Talk, Queen…).

    Genial fand ich ihn für perkussive sequencer-sounds, unisono-Bässe und… layer-sounds – aber gespielt mit einem expression-Pedal am VCF-Eingang. Den Filter per Fuß zu spielen beschert wahrhaft analoge Gänsehaut-Momente. Sehr mächtig und elegant machen diese klanggewaltigen Filterverläufe dem Mythos “Jupiter-8″ alle Ehre. Im non-velocity-Spektrum empfand ich ihn manchmal eher ‘normal’ – der Klang ist reichhaltig, aber wenig charaktervoll – daher lassen sich viele Klänge heutzutage mit Alternativen abdecken, natürlich ohne dem optischen und haptischen Erlebnis eines Jupiter-8.

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