Oberheim OB-8
– vintage Vibe & tricky Software

Oberheim OB-8 Test.
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Der OB-8 ist eine klare Empfehlung an alle, die den charakteristischen – und bis heute offensichtlich unerreichbaren – Analog-Klang der späten 70er- und frühen 80er-Jahre suchen. Und er ist Ausdruck dessen, wie sehr sich ein bedeutendes Kapitel der Synthesizer-Evolution nun langsam – und wohl endgültig – schließt.

Denn die Sache ist die: Man kann über klassische Synthesizer sprechen, ihre (meist) sehr bemerkenswerten Konzepte durchleuchten und ihren Klang loben … doch was nützt es, wenn die Objekte nicht mehr verfügbar sind? Studios und Sammler rund um den Globus wissen heute um den musikalischen und finanziellen Wert der seltenen Instrumente. So haben viele klassische Synthesizer ihre endgültigen Besitzer gefunden, verkauft wird nur noch in seltenen Fällen.

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Was übrig bleibt ist ein mehr oder weniger leer gefegter Markt, aufgegangen in einer Spielwiese von Händlern und Okkasionisten, die den Wert der Instrumente durch bemerkenswerte Preisvorstellungen weiter in die Höhe treiben. Sofern die Instrumente überhaupt zur Verfügung stehen. Memorymoog? Außerhalb der USA kaum noch erhältlich. Yamaha CS-80? Nada! Rhodes Chroma? Lange nicht mehr gesehen. Und der Roland Jupiter-8? Sehr selten und sehr teuer. (Aktuell sind zwei Exemplare bei reverb.com verfügbar – zu 18 000 Euro das Stück.)

Doch Oberheim OB-8? Nun, den gibt es noch … und das zu einem “fairen” Preis. Und fast wie zufällig ist es auch einer der besten Vintage Oberheim Synthesizer – überhaupt einer der besten polyphonen Vintage Synthesizer – die jemals gebaut wurden. Und wenngleich der neue Oberheim (DSI) OB-6 hoch geschätzt und – sicher auch zu recht – viel gelobt wird: Die Reproduktion des klassischen, so wunderbar sägenden, schwebenden, driftenden und in all seinen Facetten lebendigen Vintage-Klanges gelingt höchstens im Ansatz.

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“Der bevorzugte Oberheim” – wenn ein Meister spricht …

Meine Geschichte rund um den OB-8 beginnt bei Jürgen Haible. Als ich ihm zur Jahrtausendwende hin einen Besuch abstattete, war ein Rundgang durch seine heiligen Hallen (eher: seinen heiligen Keller) ein klares Muss.

Wann sonst hat man die Gelegenheit, professionelle und außergewöhnliche Clones bekannter Synthesizer zu sehen? Wie den JH-720 / Korg MS-20 Clone, den JH Synthi Clone, den JH Midi Mini oder das JH-3 Modularsystem. Oder schöne Effektmodule wie die JH-3100 Resonatoren, den JH HiFli / EMS Clone oder jenen nachgebauten ARP Quadra Phaser.

Abseits aller DIY-Projekte, für die Jürgen Haible weltweite Bekanntheit erlangte, gab es auch einige klassische Synthesizer der Musikgeschichte zu sehen. Wie den Yamaha CS-50. Oder den Oberheim OB-8. Und Jürgen Haible überraschte mit der Aussage, dass dies sein bevorzugter polyphoner Synthesizer sei, bevorzugt gegenüber vielen anderen Klassikern.

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“I did not intend to buy an OB-8, when I was looking for a “real” analogue polysynth some years ago. When I  was a student, I could only afford digital emulations of analogue sounds (on a Kawai K1 or Roland D50), or an analog/digital hybrid like the Ensoniq ESQ1. Then, when I got a job, I was looking for the “real thing”, and that was, by then, a Prophet-5.

Then I saw this almost new OB-8 at a local dealer, at about the same price as a Prophet. I was offered to take it home and test it for a week or two, and that was when I fell in love with this synthesizer. I forgot the Prophet, bought the Oberheim, and did never regret it.”

(Quelle: http://jhaible.com)

Wenn ein Meister der Elektrotechnik Derartiges formuliert, so hat das Wirkung. 10 Jahre blieben die Worte in einer Archiv-Ecke meines Kopfes gespeichert, bis durch Zufall ein OB-8 in unmittelbarer Nähe zum Verkauf angeboten wurde und alsbald Einzug ins Studio hielt.

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Und heute – wiederum nach 10 Jahren – ist der OB-8 noch immer fester Bestandteil des Studios. Während nun Vergleiche zu anderen Klassikern etwas schwierig sind (“Wie” sollte man einen OB-8 mit einem Memorymoog oder Prophet-5 wirklich vergleichen?), ist der OB-8 aus heutiger Sicht möglicherweise die Krone der Oberheim OB-Serie.

Natürlich – ein OB-X klingt massiver und radikaler, das stimmt. Und ein OB-Xa hat Synthesizer-Geschichte geschrieben. Doch als ganzheitliches Musikinstrument – mit exzellentem Klang, Werks-MIDI, angenehmer Tastatur und “tricky” Software für das gewisse Extra an Sound-Design – ist der OB-8 die Spitze der Entwicklung.

Der Aufbau: Tradition trifft Fortschritt

Äußerlich ist der OB-8 nahezu identisch zum OB-Xa – und wie dieser ist er absolut klassisch aufgebaut. Der 8-stimmige Synthesizer verfügt pro Stimme über:

  • 2x VCO (Sägezahn / Puls + PWM / Triangel)
  • 2x ENV (ADSR, je für VCF und VCA)
  • 1x VCF (12dB 2-Pol / 24dB 4-Pol)
  • 1x VCA

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Weiters gibt es zwei Low Frequency Oscillators:

  • Haupt-LFO (Triangel / Rechteck / aufsteigender Sägezahn / abfallender Sägezahn / Sample & Hold)
  • Performance-LFO (Triangel / Rechteck / aufsteigender Sägezahn / abfallender Sägezahn / Rauschen / Sample & Hold)

Da der OB-8 über DOUBLE / SPLIT Modus verfügt, sind es in Summe – genau genommen – 3 Low Frequency Oscillators (2x Haupt-LFO, 1x Performance-LFO), die zur Verfügung stehen.

An Spielhilfen ist der OB-8 reichlich ausgestattet:

  • HOLD Funktion
  • CHORD Funktion
  • Portamento / Glissando
  • Oberheim Levers (Pitchbend / Modulation)
  • Arpeggiator (plus Arp Transpose Memories)
    x
  • SPLIT Keyboard (mit zahlreichen Funktionen)
  • DOUBLE Keyboard (mit zahlreichen Funktionen)

Oberheim-OB8-03Abb.: Master-Bereich, sowie Portamento / Unison und VCO2/Unison Detune.

Oberheim-OB8-04Abb.: LFO mit vielen Wellenformen und 2 getrennten Modulationspfaden …

Oberheim-OB8-05Abb.: VCO 1 / VCO 2, Sync und Filter-Envelope Control (VCO 2)

Oberheim-OB8-06Abb.: Filter und Mixer in einem Modul (Aktivierung der VCOs, Noise) …

Oberheim-OB8-07Abb.: ADSR für VCF und VCA, weiters Delay-Attack für LFO MOD 1 und MOD 2 …

So weit ist noch alles im gewöhnlichen Bereich. Ein wichtiger Teil des OB-8 liegt jedoch im Verborgenen. Wir sind wieder bei PAGE 2 und den hellblauen Beschriftungen. Hier offenbaren sich so manche Feinheiten, die den OB-8 von den früheren Modellen der OB-Serie unterscheiden. Stichwort “tricky” Software.

PAGE 2 bietet (unter anderem):

  • 2 separate Delay-Attack Hüllkurven für den LFO zur Steuerung der Modulationsintensität der MOD 1 und MOD 2 Stränge
  • Quantisierungs- und Invertierungsfunktionen des LFOs
  • Phasenverschiebung der Stimmen 1-4 zu 5-8 um 90° und 180°
    wodurch sehr schöne Stereo-Modulationen bei nur einem LFO möglich sind
  • Umkehrung der FREQU und PWM Modulation von VCO 1
  • LFO Tracking via Keyboard, die LFO Geschwindigkeit wird mit zunehmender Tonhöhe schneller
  • Spreizung der Oszillator-Verstimmung im Unisono-Modus
  • Diverse Portamento-Modi (Match, Quantize = Glissando, Legato, Equal Time, Exponential)
  • Portamento Bend (= Auto Bend, programmierbar)
  • MIDI Funktionen (Prg. enable, Bend/Mod enable, Omni on/off, Channel Select)

Übrigens gibt es noch einen weiteren Bereich des OB-8 mit Doppelbelegung alias PAGE 2. Drückt man in der Controller-Sektion auf ARPEGGIATOR (ON), erhält ein Großteil der Controller-Bedienelemente spezielle Arpeggiator-Funktionen.

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Zugegeben, es ist nicht alles Gold, was da so schimmert. Einige Funktionen des OB-8 sind hart zu knacken. Zu mystisch ist (ab und an) die Vorgehensweise, zu unverständlich sind einzelne Abschnitte des Benutzerhandbuches.

Kleine Kostprobe gefällig?

Chord and Arpeggiator Portamento: “Held Chords being transposed will not portamento if the PORTAMENTO BEND is on. Notes being Arpeggiatred operate in the opposite manner: they will portamento only if the PORTAMENTO BEND is on. So, when using portamento with Held Chords that are being transposed and Arpeggiated, you have a choice: With the PORTAMENTO BEND on, each arpeggiated note will portamento; with the PORTAMENTO BEND off, only the chord transpositions will portamento.”

(OB-8 User Manual, Seite 36)

Irgendwann, beim fünften oder sechsten Mal durchlesen, begreift man – im Ansatz – worum es geht. Dennoch wird man in der Praxis höchst selten alle Funktionen des OB-8 völlig ausreizen. Manche Doppelbelegungen und deren Zusammenhänge bleiben eben eine Herausforderung. Nichts desto Trotz: Mit PAGE 2 eröffnen sich so manche Details für spezielles, tiefer gehendes Sound-Design.

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MIDI – sehr einfach, doch: Ab Werk!

Werks-MIDI ist ein Segen. Das habe ich als kleine Faustregel in mein Tagebuch geschrieben. Natürlich sind moderne MIDI Kits eine “sehr” nützliche Sache – Kenton Electronics und Encore Electronics bieten beispielsweise hervorragende Nachrüstsätze für viele Vintage Polyphone Synthesizer an.

Dennoch: Gibt es originales Werks-MIDI, würde ich – inzwischen – immer zu dieser Lösung tendieren. Zwar ist der Leistungsumfang besagter Original-Schnittstellen meist erbärmlich gering, doch bildet “MIDI ab Werk” eine klare Einheit mit dem Instrument. Keine Eingriffe sind nötig, die Systeme bleiben in sich geschlossen und – meist – sehr stabil.

Das MIDI Interface des OB-8 ist – wie zu erwarten – bescheiden. Es versteht neben NOTE ON/OFF noch PROGRAM CHANGE und PITCH BEND / MOD WHEEL Daten. Zudem können Sounds per MIDI Dump von einem OB-8 zu einem zweiten OB-8 geschickt werden – und zwar “Sound für Sound” (was bei 120 Klängen grob geschätzt 10 Minuten dauert). Schließlich lässt sich noch der gewünschte MIDI Kanal einstellen – und das war’s.

Oberheim-OB8-10Abb.: Anschlüsse – Audio (Left / Mono / Right)

Oberheim-OB8-09Abb.: Anschlüsse – Kassetten Interface und Computer Interface (Oberheim System)

Oberheim-OB8-08Abb.: Anschlüsse – Fußschalter sowie Fußpedale (CV-Eingänge) und ARP Clock IN

Der SOUND – exzellent. Mit Modifikationen – noch besser …

Klar, die technischen Details, die langweilen. Natürlich hat ein Oberheim-Synthesizer anno frühe 80er-Jahre 2 VCOs pro Stimme und diese und jene Anschlüsse. Also auf zur Musik. Wie klingt er denn, der OB-8?

Sahnig und absolut brillant. Konkreter: Fantastische 8 Stimmen mit lebendigen Schwebungen, die im Stereo-Panorama-Bild ständig die Richtung wechseln (so die PAN-Potis entsprechend eingestellt sind). Breiteste Klangteppiche, Poly-Portamento-Verschiebungen und Filter-Sweeps – permanentes Kinosound-Feeling im Studio. Mörderische 16-VCO-Unisono-Leads mit dynamischen Oberheim-Lever-Performances.

So weit ein paar schnelle Eindrücke …

Was den OB-8 von einem Teil seiner (damaligen) Konkurrenz unterscheidet: Er hat 8 Stimmen (Sequential Prophet-5: 5 Stimmen, Moog Memorymoog: 6 Stimmen) und er klingt – speziell im Gegensatz zum Roland Jupiter-8 – lebendig und breit, “ohne” dass der DOUBLE Modus aktiviert werden muss. Im Gegenteil: Bei DOUBLE heben sich die herrlichen Stereo-Verteilungen der 8 Stimmen zuweilen wieder auf. Doch während beim Jupiter-8 erst Verdoppelungen (LAYER-Mode) für schöne Stereo-Eindrücke sorgen (bei nur noch 4 Stimmen Rest-Polyphonie), bietet der OB-8 dies bereits im Single Modus – bei vollen 8 Stimmen. Mit Bravour.

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Im Klartext: Für Flächensounds aller Art ist der OB-8 einer der schönsten Vintage Polyphonen Synthesizern (eventuell neben dem Rhodes Chroma). Sogar gegenüber dem neuen Oberheim (DSI) OB-6 hat er hier die Nase vorne.

Wo der OB-8 jedoch etwas schwächelt sind die Hüllkurven. Besonders perkussive Klangwelten werden mit ihm nicht realisiert. Hier sind Prophet-5, Memorymoog und Jupiter-8 um Längen besser. Wer also auf harte, rockige, perkussive Musik setzt, der wird in eben genannten Instrumenten die besseren Partner finden.

Doch dann gibt es wieder spezielles Sound-Design, das nur der OB-8 ermöglicht. Phasenverdrehte LFO-Modulationen für nochmalige Verstärkung der Panorama-Eindrücke? Kein Problem. Um ein Viertel (90°) oder wirklich zur Hälfte (180°) – man hat die Wahl. Langsame Spreizung der Unisono-Verstimmung, von bereits-massiv zu unerhört-massiv? Einmal Drehen – erledigt. Zunehmende LFO-Geschwindigkeit bei höher gespielten Noten? Einfach LFO TRACK aktivieren – und fertig. All das ist Fischen im PAGE 2 Teich. Die Software, die macht eben den Unterschied!

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Zugegeben, der OB-8 ist nicht das große Modulationswunder (das waren zu jener Zeit Memorymoog, Prophet-5 und Rhodes Chroma). Doch wenngleich direkt nach dem OB-8 die sagenumwobene Oberheim Matrix-Serie beginnt (1984: Xpander, 1985: Matrix-12) – mit noch viel mächtigerer Software unter der Haube – so bietet der OB-8 als letzter Veteran den “klassischen” Oberheim Sound. Eben genau jene Lebendigkeit und Klangfülle, die mit den späteren Modellen nicht mehr erreicht wurde. Und schließlich: Als einziger der Serie hat der OB-8 eine (relativ) hohe technische Zuverlässigkeit sowie Werks-MIDI. Daher: Eine klare Empfehlung.

Gute Ohren stellen natürlich fest, dass ein OB-Xa noch mehr Klangfülle besitzt. Und ein OB-X wiederum mehr Potenz. Alles richtig. Doch zumindest auf OB-Xa Niveau lässt sich der OB-8 bringen. Denn hier kommen die Modifikationen des Jürgen Haible ins Spiel …

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Haible hat in den 90er Jahren mehrere Upgrades für den OB-8 entwickelt. Eines davon betrifft die Kondensatoren im VCF-VCA Bereich. Und eines die Anhebung der Audio-Qualität im finalen VCA-Bereich (hier noch ein weiterer Link dazu). Zusätzliche Upgrades: MultiMode VCF Modifikation sowie PolyModulation (Audio Rate Filter Modulation durch VCO2).

Die ersten beiden Modifikationen rund um VCF und VCA ließ ich an meinem OB-8 durchführen*. Ergebnis: Brachialerer Filter-Klang (deutlich mehr Filter-Resonanz), mehr Bass im Sound und ein grundsätzlich lauteres Audio-Signal. Wobei der originale, unverbastelte OB-8 Sound nicht minder attraktiv ist. Solche Modifikationen sind also durchaus nützlich, aber keineswegs ein Muss.

[* Auch wenn es selbstverständlich ist: Modifikationen sollten “nur” von geschulten Technikern umgesetzt werden. Der Aufwand ist relativ gering, die Kosten halten sich sehr in Grenzen.]

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Zum Schluss: Das Äußere (mit diversen Überraschungen)

Der OB-8 hält nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich so manche Überraschung parat. Eine davon ist sein Gewicht. Ungeachtet der massiven Ausmaße von 103 x 52 x 16 cm (B/T/H), wiegt das Instrument schlanke 17 kg. Selbst im Flightcase ist der Transport des OB-8 eine bequeme und nicht (allzu) belastende Angelegenheit. Sehr fein.

Nächste Kuriosität: Zwei Öffnungen in den Holzseitenteilen. Einmal rechts, einmal links. Beide wurden schon erwähnt – einmal dienen sie zur Panorama-Justierung der 8 einzelnen Stimmen, einmal für MIDI.

Zugegeben, Panorama konnten bereits die Vorgänger – sowohl OB-X als auch OB-Xa verfügen über diese Funktion. Doch liegen die betreffenden Potis bei jenen Instrumenten im Inneren verborgen. Erst beim OB-8 wurde die Panorama-Regelung nach außen verlegt.

MIDI scheint beim OB-8 eine 3-stufige Entwicklung durchgemacht zu haben, ähnlich der beim Elka Synthex. Zunächst gab es einige hundert OB-8 Modelle “ohne” MIDI. Hier konnte man anno dazumal mit Aufkommen von MIDI Nachrüstsätze von Oberheim erwerben. Heute gibt es Retrofit-Kits von Kenton Electronics / Encore Electronics, um so den Oberheim-Klassiker salonfähig machen.

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Dann gab es MIDI ab Werk, zunächst in der linken Holzwange verborgen – quasi das optische Gegenstück zu den Panorama-Potis auf der rechten Seite. Und schließlich fand MIDI Einzug auf der Rückseite des OB-8. Eben dort, wo man heute die 3 Buchsen der so wichtigen digitalen Kommunikation an (fast) jedem Synthesizer zu finden gewohnt ist.

Als besonderes Highlight des OB-8 gilt seine exzellente Tastatur. Keineswegs anschlagdynamisch (oder auch nur entfernt ähnliches), nein … es ist einfach eine hervorragend zu spielende, gut gewichtete Keyboard-Tastatur. Alle OB-X und OB-Xa Besitzer werden erstaunt die Augenbraue heben: Wie – ein Oberheim mit “nicht klobiger” Tastatur? Aber ja – der OB-8, der hat’s …

Keine Überraschung und doch eine Sensation: Das enorme Platzangebot beim OB-8. Ein solch übersichtliches Panel mit großen – weit auseinander liegenden – Potis ist definitiv sensationell – Luxus pur. Heute übrigens mehr denn je (wie der Vergleich mit modernen Analog-Synthesizer zeigt) …

Oberheim-OB6-01Abb.: Oberheim / DSI OB-6 – die aktuelle Retro-Variante der OB-Serie …

Fazit

Wer den sägenden, breiten und schwebenden Vintage-Klang der späten 70er / frühen 80er Jahre sucht, wird beim Oberheim OB-8 fündig. Moderne polyphone Analogsynthesizer bieten diesen Klang in der Regel nicht – sie haben andere Klangqualitäten (und sind natürlich – in ihrer Art – dennoch sehr gut und musikalisch von hoher Qualität). Doch der OB-8, als letzter seiner Gattung, hat noch jene Lebendigkeit im Sound zu bieten, die Oberheim-Synthesizer den weltweit legendären Ruf als organisch und massiv klingende Instrumente eingebracht hat.

Zudem verfügt der OB-8 über grandiose Vorzüge: 120 Speicherplätze, geringes Gewicht, eine gute Tastatur, relativ hohe technische Zuverlässigkeit, MIDI, erweiterte (PAGE 2) Funktionen. Eine ganze Menge Positives, kurz gesagt.

Schließlich aber ist der OB-8 – im Gegensatz zu vielen anderen Vintage Klassikern – aktuell noch regelmäßig am Gebrauchtmarkt erhältlich. Bei Preisen zwischen 4000 und 6000 Euro scheint er mir eine der letzten Gelegenheiten, um bei einem “realistischen” Investitionsvolumen die Aura der mächtigen Vintage-Sounds heute noch ins Studio zu holen …

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Links:

Vergleiche mit:

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30 Minuten Audiofiles sind angefügt. Alles OB-8, mit Ausnahme der Drums (Korg Minipops 120 und Roland TR-808) sowie diverser Synthesizer im “Mix” File (u.a. die Korg M1 mit ihrem unverkennbaren “Lore” Sample). In “DEMO 2″ sowie in den FM-Soundfiles wurde die Filter CV Buchse des OB-8 mit einem hochfrequenten LFO verbunden. Die starke Selbstresonanz – VCF-Sinus-Ton in “Filter FM 2″, zur Gänze ohne VCOs realisiert, dürfte das klangliche Ergebnis der Haible-Modifikation sein. Originale OB-8 erreichen – meines Wissens nach – keine Selbstoszillation des Filters.

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2 Gedanken zu “Oberheim OB-8
– vintage Vibe & tricky Software

  1. Grandioser Test und phantastische Soundbeispiele. Vielen Dank dafür. Das hier dargestellte Klangspektrum geht weit über das hinaus, was ich bisher vom OB8 gehört habe. Bisher dachte ich, er sei vor allem ein toller Teppichleger, kann schöne Bläser, viel mehr experimentelles aber auch nicht. Nun bin ich eines Besseren belehrt.

    • … der Eindruck des eher “braven” Klangteppich/Bläser-Synthesizers ist im Allgemeinen schon richtig. Was eben zur Hilfe kommt und das Klangspektrum erweitert sind erstens externe Modulationen über die Filter CV (IN) Buchse sowie zweitens das (relativ einfach zu realisierende) VCF-Upgrade von Jürgen Haible.

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