Kawai K3
– der seltene Hybrid-Synthesizer

Der Kawai K3 ist eindeutig ein Synthesizer der mittleren 80er Jahre. Die typischen Folientaster jener Zeit, das etwas antiquiert wirkende (und erstaunlicherweise heute noch immer gut leserliche) LED-Display, sowie das beinahe gänzliche Fehlen von Hardware-Bedienelementen (der K3 hat einen Regler, ein Poti und ein Wheel) ermöglichen die zielsichere geschichtliche Zuordnung des Instruments.

1986 auf den Markt gebracht, passt der 6-stimmige Kawai-Synthesizer eindeutig in die Gilde jener Instrumente, die äußerlich dem Yamaha DX-7 nachempfunden wurden: Oberheim Matrix-6, Casio CZ-1/3000/5000, Sequential Prophet 2000, Roland Alpha Juno 1/2, JX-8P/10 und einige mehr.

Kawai K3

Kawai K3

Wenngleich man es seinem Äußeren nicht ansieht, hat der Kawai K3 ein sehr ungewöhnliches Konzept. Er ist einer der wenigen Hybrid-Synthesizer, die Mitte der 80er Jahre – durchwegs mit mittelmäßigem Erfolg – eine Gratwanderung von Analog zu Digital versuchten: PPG Wave 2.2 / 2.3, Sequential Prophet VS, Korg DW-6000 bzw. DW-8000/EX-8000 … „Hybrid“ bedeutet hier die Kombination von digitalen Oszillatoren und analoger Nachbearbeitung (VCF und VCA). Als Klang-Basis stehen dem Kawai K3 32 Wellenformen (Samples oder additiv erzeugte Schwingungsformen) zur Verfügung, die teils starken PPG-Charakter haben.

Kawai K3

Kawai K3

Seines grundsätzlich eher “weicheren” Charakters wegen eignet sich der K3 sehr gut als Background-Synthesizer. So versteht er sich mit digitalen wie analogen Kollegen im Mix sehr gut, er ist nicht aufdringlich und doch präsent.

Etwas weniger elegant ist der integrierte (analoge) Chorus. Er rauscht nicht unerheblich und befindet sich am besten immer in Position “0” – also auf Bypass und somit ausgeschaltet. Als Ersatz wäre ein externes Effektgerät sicher die beste und effektivste Lösung.

Ausgesprochen professionell hingegen ist die Steuerung der OSC BAL(ance) via Aftertouch. Je nach Tastendruck kann man von OSC 1 zu OSC 2 überblenden (und wieder zurück), musikalisch gesehen ist das eine wunderbare Sache. Weiters kann das Keyboard-Tracking für VCF und VCA unabhängig (positiv und negativ!) erfolgen. Vor allem gegenläufige Einstellungen (z.B. Keytrack VCF +15 und Keytrack VCA –15) erlauben interessante klangliche Resultate.

Kawai K3

Kawai K3

Ein kurzes erstes Resumée: Der Kawai K3 ist ein sehr spezieller, und (in Händen eines phantasievollen Musikers) durchaus innovativer Synthesizer.

Digital Wave Memory

Der große Stolz des Kawai K3 ist seine Wellenform Nr. 32. Sie lässt sich vom User selbst festlegen. Daher kommt auch der Beiname des K3: DIGITAL WAVE MEMORY SYNTHESIZER.

Wie in der Anleitung zu lesen, lassen sich “die ersten 32 der 128 möglichen Harmonischen” zu einer neuen, eigenen Wellenform zusammensetzen. Der Vorgang ist weniger spektakulär als es klingt. Einzig in punkto Arbeitsaufwand ist das Festlegen der einzelnen Obertöne sehr umfassend. Ach ja, man „hört“ die selbst gebastelte Wellenform so lange nicht, bis sie fertig ist. Dies bedeutet ein wenig Trial-And-Error. Beim Nachfolger Kawai K5 wurde dies verbessert, hier geschieht die additive Zusammenstellung in Echtzeit.

Kawai K3

Kawai K3

Benutzerdefinierte Wellenform – Harmonics

Zum “Einlesen” in diese Spezialität des K3 hier ein Zitat aus dem englischen User-Manual:

The sound of a musical instrument […] is complex. The amazing thing is that, at any particular instant, the waveform can be broken down and expressed as the sum of a series of sinusoidal waves whose amplitudes may differ, but whose frequencies are all whole number multiples of a single common frequency. The common frequency is called the “fundamental”; the others, the “harmonics”. In music, the second harmonic is one octave above the fundamental.

USER-DEFINED WAVEFORMS

A synthesizer such as the K-3 reverses the process, mixing a series of sine waves to generate complex patterns for “natural” sounds which we recognize instantly as a piano or a saxophone. In fact, all standard oscillator waveform shapes in popular synthesizers, such as triangle, sawtooth and square waves are easy to reconstruct in this manner. Alternatively, you can choose a different set of amplitude settings and produce something totally new.

The K-3 allows you to create your own sound sources by specifiying the relative intensities (amplitudes) for any 32 of the first 128 harmonics. Each intensity may be anywhere between 1 and 31. (Harmonics assigned an intensitiy of “0” are suppressed and do not affect the sound.)

(Quelle: Kawai K3 Owner’s Manual, page 25)

Die User-Wellenform kann ein Mal im K3 abgespeichert werden (1 Speicherplatz), bzw. ein weiteres Mal auf Cartridge.

Kawai K3

Kawai K3

Nach dieser Welleform Nr. 32 kommt übrigens in der Reihung noch Nr. 33 – das obligate Rauschen. So gesehen macht die Zusammenstellung der Wellenformen wie folgt Sinn:

Wave 0 = Oszillator “aus”
Wave 1 – 31 = Preset-Wellenformen
Wave 32 = frei programmierbare Wellenform
Wave 33 = Rauschen

Das Feature der frei programmierbaren Wellenform ist sicher „ok“. Es dürfte bei geduldigem Programmieren bzw. Experimentieren auch durchaus zu dem einen oder anderen ungewöhnlichen Klangbild führen. Ich habe mich dessen noch zu wenig hingegeben, reichen die bereits vorhandenen Wellenformen für anhaltende musikalische Freude bisher völlig aus.

Charakeristikum des Klang-Materials

Wer den Sound der polyphonen PPG Synthesizer – Wave 2, 2.2 bzw 2.3 – schätzt, der dürfte auch am Kawai K3 Gefallen finden. Seine Wellenformen klingen meist sehr rund, glockig, manchmal nasal, zugleich aber druckvoll und präsent. Im angefügten Klangbeispiel “All Waveforms” läuft eine Sequenz im Loop, wobei bei jeder Wiederholung eine neue Wellenform erklingt. Es beginnt bei Welle 32 absteigend zu Welle 1 (Nr. 33 – Rauschen – wurde ausgelassen). Bitte anhören.

Es fällt auf, dass die Lautstärkeverhältnisse der einzelnen Wellenformen teils sehr unterschiedlich sind und sich manche Samples gar nicht so sehr von anderen unterscheiden. Auch das erinnert wieder an PPG. Schade ist jedoch das Fehlen der Modulationsfähigkeit des Wellenformsatzes. Ein „Durchfahren“ der Wavetable auf Envelope-, Tastatur-, Wheel- oder MIDI-Basis ist also nicht möglich – der Wellenformsatz des K3 ist statisch.

Kawai K3

Kawai K3

Über einen kleinen Mischer – OSC BAL(ance) – kann das Verhältnis von OSC 1 und OSC 2 beliebig gemischt werden (via Data-Wheel). Das ist schön, zumal es beim K3 keine Zipper-Noises oder ähnliches gibt. Klangveränderungen – in diesem Fall die Überblendung von einem Oszillator zum anderen – können ohne unerwünschte Nebengeräusche durchgeführt werden. So lässt sich das Klang-Konstrukt z.B. mit einer schönen Sinuswelle bei OSC 1 beginnen, die dann langsam in eine Orgelwelle bei OSC 2 hinüber gleitet.

Auch per Aftertouch (!) kann das Lautstärke-Verhältnis der Oszillatoren beeinflusst werden. Diese Möglichkeit schafft musikalisch viel Freiraum für morphende Sounds. Besonders effektiv ist der Eindruck natürlich dann, wenn z.B. OSC 2 tiefer bzw. höher als OSC 1 gestimmt ist. [Man kann die Oszillatoren beliebig von -24 bis +24 Halbtonschritten, also von 2 Oktaven tiefer bis 2 Oktaven höher, einstellen.] In diesem Fall erzeugt die Modulation der OSC BAL(ance) via Aftertouch ohne viel Aufwand schöne Klangschichtungen à la Vangelis, bei denen sich über ein strahlendes Riff nochmals eine höherer Klang „nachschiebt“. Einfach realisiert: OSC 2 wird auf Fingerdruck eingeblendet. Auch ein solches Klangbeispiel ist angefügt.

Kawai K3

Kawai K3

Wie in “Vangelis” zu hören ist, wird über Aftertouch nicht nur der zweite Oszillator eingeblendet, sondern noch eine weitere Modulation ausgelöst: PRES(sure) LFO OSC, also LFO Modulation der Tonhöhe (in diesem Fall Standard-Vibrato). Darüber hinaus können noch VCF und VCA über Aftertouch moduliert werden. Das macht den Kawai K3 in Summe zu einem sehr ansprechenden, weil ausdrucksstarken und lebendigen, Synthesizer.

Voltage Controlled Filter – der ANALOGE K3

Synthesizer-Enthusiasten dürfen aufhorchen, wenn sie erfahren, dass der K3 das berühmte SSM 2044 Filter verwendet. 6 Stück davon sind im Instrument zu finden. Dieses VCF kann bei hoher Resonanz schön pfeifen, wie in einem der angefügten Klangbeispiele gezeigt … es ist eben ein analoges Filter. Wenngleich die virtuell-analoge Technik tatsächlich immer besser wird: Viele der digitalen Filter-Module klingen im Vergleich zum SSM 2044 immr noch schlapp, “aufgesetzt” oder überzeichnet.

Kawai K3

Kawai K3

Genau genommen gibt es im K3 pro Stimme zwei Filter – ein Low Pass Filter und ein High Pass Filter (LOW CUT). Wie bei vielen Roland Synthesizern lässt sich jedoch auch hier dem statischen HPF nicht wirklich viel abgewinnen. Es dünnt den Klang lediglich aus und verursacht auch bei hoher Resonanz keine sehr ansprechende Klangveränderung.

Das Filter verfügt – wie der VCA – über eine eigene ADSR Envelope. Musikalisch sind die Hüllkurven den mittleren 80er Jahren „entsprechend“: Schön langsam und durchaus ein bisschen wabbelig. Hier hat der schon öfters zitierte PPG Wave eindeutig die Nase vorne – die Hüllkurven von Wave 2 / 2.2 / 2.3 sind „sehr“ schnell, sie entwickeln bei kleinster Attack jenes böse Knacksen, das perkussiven Klängen die nötige Aggressivität verleiht und Lautsprechermembrane zum Zucken bringt.

Low Frequency Oscillator

Der LFO ist etwas umfassender als man es von manch anderen Polyphonen gewöhnt ist. Er bietet immerhin sieben Wellenformen, siehe die folgende Abbildung.

Kawai K3

Kawai K3

Zusätzlich gibt es noch eine Delay-Funktion mit folgender Besonderheit: Sie wirkt auf den LFO und auch auf die Auto-Bend Funktion der Oszillatoren (sofern diese aktiviert ist). Die Auto-Bend Möglichkeit mit zeitlicher Verzögerung lässt sich musikalisch hervorragend einsetzen. So spielt man z.B. ein schönes Solo (auf der guten Tastatur des K3 macht es ja auch Freude) und bleibt dann – wenn ein “Zielton” erreicht wurde – kurz stehen. Nun kommt (nach Ablauf der eingestellten Delay Zeit) der Auto-Bend Effekt zum Tragen: Die Tonhöhe „biegt“ sich automatisch in einem bestimmten Intervall hinauf oder hinunter. Natürlich „könnte“ man dies auch mit dem Pitchbender realisieren, doch so ist es viel angenehmer, schließlich passiert es von selbst … und letztlich hat man damit immer noch beide Hände „frei“ zum Spielen. Die Auto-Bend Funktion wirkt nicht auf legato gespielte Töne, daher lassen sich mit dem gezieltem Wechsel von Staccato- und Legato-Spiel interessante Soli kreieren. Dies ist ein weiteres Detail für die lobenswerte Performance-Tauglichkeit des Kawai K3.

Kawai K3

Kawai K3

Zurück zum LFO. Sein Frequenzumfang ist (typisch für die etwas biederen 80er Jahre) sehr moderat und kommt über den Sub-Audio Bereich nicht hinaus. Die Modulationsziele des LFO sind ebenso ganz klassisch: OSC (Tonhöhe), VCF (Eckfrequenz) und VCA (Amplitude).

Touch Sensitivity / KCV

Velocity und Aftertouch stellen – neben den umfangreichen Wellenformen der Oszillatoren sowie die analoge Nachbearbeitung durch VCF und VCA – das Herz des K3 dar. Es gibt folgende Möglichkeiten:

VELOCITY auf …

  • VCF
  • VCA

AFTERTOUCH (Pressure) auf …

  • VCF
  • VCA
  • OSC BAL
  • OSC LFO MOD

Das ist in Summe doch sehr anständig. Hinzu kommt die bereits erwähnte Möglichkeit des individuellen Keyboard Trackings:

KCV auf …

    • VCF (pos und neg)
    • VCA (pos und neg)

Performance

Gute Performance via Tastatur ist eine der sehr positiven Eigenschaften des Kawai K3, das wurde schon aufgezeigt. Ein anderer Aspekt der Instrumentensteuerung – das Wheel – ist hingegen ein kleines Trauerspiel, etwas übertrieben formuliert.

Kawai K3

Kawai K3

Kurz gesagt: Es gibt nur EIN Wheel. Und es kann auch nur genau eine Sache: Tonhöhenverschiebung. Immerhin, diese Funktion macht der Pitch-Bender zumindest sehr gut. Das Schöne ist, dass man das gewünschte Intervall exakt in Halbtönen festlegen bzw. programmieren kann. Sehr angenehm, wenn bei der Live-Performance auch die „gebogenen“ Intervalle garantiert „stimmen“. Portamento gibt es ebenso wie Mono Mode. Dieser letzt genannte macht aus dem K3 einen einstimmigen Synthesizer mit 12 Oszillatoren. Geläufiger ist hierfür die Bezeichnung „Unisono“. Sehr schön, wenngleich das klangliche Ergebnis eines Dutzend Oszillatoren nicht selten auch “erschlagend” sein kann.

Noch ein Wort zum „Drehrad“, dem Increment Knob. Dieses Data-Rad ist erstklassig. Punkto Größe erinnert es – ebenso wie das Display – an den Kawai SX-210 aus dem Jahre 1983 bzw. an den SX-240 von 1984. Luxuriös, mit einem Wort. Das Rad liegt wunderbar in der Hand, die Dateneingabe erfolgt absolut zuverlässig und „punktgenau“. Der Increment Knob verfügt über kleine Rasterungen, ähnlich den Encodern von Oberheim Xpander bzw. Matrix-12, so dass man wirklich step by step gezielte Veränderungen durchführen kann. Wenn man die Arbeitsweise “Paramater anwählen und mittels Increment Knob den jeweiligen Wert ändern” akzeptieren kann, fühlt man sich am Kawai K3 durchaus wohl. Meiner Meinung nach ist die exakte Eingabe mittels Endlos-Rad leichter als etwa mit einem Data-Slider. Hier kommt der Korg DW-8000 ins Spiel, der oftmals als Vergleichskandidat zum K3 herangezogen wird. Punkto Programmier-Komfort muss ich dem K3 eine zuverlässigere und exaktere Arbeitsweise zugestehen. Doch zum Vergleich der beiden Kandidaten kommen wir noch später zu sprechen …

Kleiner Bonus – das Data Wheel mit Erinnerungsfunktion “pro” Speicherplatz

Ob des gänzlichen Fehlens von „direktem“ Zugriff auf die einzelnen Klangparameter hat das Data-Rad des K3 doch eine Besonderheit aufzuweisen. Es „merkt“ sich den zuletzt verwendeten Parameter, der bei jedem Sound (individuell) eingestellt und so „mit abgespeichert“ wurde. Beim neuerlichen Aufrufen des Klanges genügt es nun, direkt am Data-Rad zu drehen und besagten „einen“ Wert ohne Umwege sofort zu verändern.

Kawai K3

Kawai K3

Man muss also nicht in den Edit-Mode, dort die Nummer des Parameters anwählen und dann erst den Wert anpassen. Für diesen „einen“ Parameter geht es immer direkt. Diesen Umstand kann man sich beim Programmieren des K3 geschickt zunutze machen. Je nach Sound ist es einmal die Filter Frequenz, einmal die Attack-Zeit und wieder einmal die Wavetable eines Oszillators, die man (natürlich “nicht” zufällig) zuletzt verändert und somit beim Aufrufen des Klanges sofort und direkt zugänglich hat. Einzig unsere Merkfähigkeit wird hier an ihre Grenzen stoßen. (“Welcher Parameter war hier nochmals der letzte …?”). Gut, die Trial-And-Error Methode geht natürlich immer. Einmal am Data-Wheel drehen und man wird schon merken, welcher Parameter sind ändert. Eine “musikalisch-logische” Vorgehensweise in der Programmierung wäre dennoch sinnvoll … z.B. bei Bass-Sounds immer die Filter-Frequenz (oder Resonanz) als letzten Parameter zu editieren, bei Streicher-Klängen immer die Attack-Zeit zuletzt einzustellen, etc. Kleine Notizen zum jeweils individuellen Parameter aller 50 internen Sounds sind wahrscheinlich dennoch unumgänglich. Wie schon in der Schule: Ein kleiner Spick-Zettel hat noch nie geschadet.

Besondere Vorsicht ist beim erneuten Programmieren (sprich: Überarbeiten) von Sounds am K3 angebracht. Sehr oft möchte man ja später noch hie und da kleine Korrekturen machen, wie etwas die Schwebung zwischen den Oszillatoren verfeinern oder eine andere der 32 Wellenformen ausprobieren. Auch hier gilt: Der zuletzt veränderte Wert bleibt im Gedächtnis des Data-Wheels gespeichert. Wenngleich man also beim erstmaligen Erstellen des (sagen wir nun mal) Bass-Sounds daran gedacht hat, die Filter Frequenz als allerletzten Wert zu editieren, hat man beim späteren Überarbeiten des Klanges schon wieder darauf vergessen und nun einen (zum Beispiel) völlig sinnlosen Chorus-Amount Parameter im Data-Wheel Speicher, weil dies eben der zuletzt geänderte Wert war. Die Lösung ist wie immer ganz einfach: Nochmals kurz PARAMETER (Edit) drücken, die Filter Frequenz betätigen (“einen” Werteschritt rauf und “einen” wieder zurück – der Klang bleibt also unverändert), auf WRITE tippen … und schon hat das Data-Wheel wieder die Filter-Frequenz in seinem Speicher. Kurz gesagt: Einmal pro-forma den gewünschten Wert verändern und speichern, damit ist also wieder alles im Lot.

Kawai K3

Kawai K3

Chorus und weitere Effekte

Die Effekt-Sektion des K3 ist eigentlich viel mehr als nur Chorus selbst. Es gibt 7 Stufen zur Auswahl:

0 = kein Effekt
1 = Chorus I
2 = Chorus II
3 = Chorus III
4 = Tremolo
5 = Chorus IV
6 = Chorus V
7 = Delay

Die Qualität der Effekte ist nicht wirklich die beste, vor allem die des Chorus. Lediglich in Position “0” ist das Rauschen wirklich weg, dann ist die Sektion komplett ausgeschaltet, Stille sozusagen. Bei einigen Klangbeispielen kommt Chorus allerdings dennoch zum Einsatz. Damit kann sich jeder Hörer selbst ein Bild von der Rauschqualität machen.

K3 versus DW-8000 – die Hardware macht den Unterschied

Vergleiche sind immer eine heikle Sache. Es fällt jedoch auf, dass der Korg DW-8000 häufig als Gegenstück zum K3 genannt wird. Da der DW-8000 auch immerhin 16 Wellenformen und die Nachbearbeitung durch VCF / VCA bietet, sind sich beide Instrumente in ihren Möglichkeiten nicht unähnlich. Der Arpeggiator des Korg ist natürlich ein Bonus, ebenso der flexible Joystick (für dynamische Soli und Modulationsverläufe erster Güte). Das kann der Kawai obgleich seiner hervorragenden Aftertouch Funktionen, des “einen” Pitchwheels und selbst der “einen” frei programmierbaren Wellenform nicht wettmachen. Soundmäßig sind ohne Frage beide Instrumente hochwertig und inspirierend zugleich, wobei dem K3 mehr PPG-Charakter zuteil wird, was mir persönlich gut gefällt. Andererseits hat der DW-8000 einen etwas stärkeren “analogen” Charakter und ist sicherlich universeller (und leichter) einsetzbar als der – klanglich doch “spezielle” – K3. Nebenbei ist der Kawai nur 6-stimmig, während der DW-8000 (nomen est omen) 8-stimmig ist.

Dies ist die Klang-/Performance-Seite. Den Vorsprung hat hier der Korg DW-8000.

Kawai K3

Kawai K3

Doch ein ganz anderer Aspekt ist erwähnenswert: Die Hardware. Der DW-8000 ist und bleibt letztlich eine etwas klapprige Kiste. Es ist eben so. Die Kiste kann gut funktionieren und sie klingt sehr respektabel, keine Frage. Doch die Tastatur ist mittlerer Standard, die Knöpfe sind wabbelig und das Display fällt nicht selten mal aus. Man stelle einen DW-8000 für zwei Monate schräg an die Wand und schon wölbt er sich wie eine chinesische Zither. Nun gut, das ist etwas übertrieben. Wie dem auch sei, „hochwertige“ Qualität ist eine andere Liga. Der DW-8000 weist eine „günstige“ Verarbeitung des Gehäuses auf, dünnes Plastik dominiert das Chassis, auch das Gewicht des Instruments verrät die leichte Bauweise. Beim K3 sieht es hingegen anders aus. Dieser Synthesizer wiegt stolze 15 kg, er ist voluminös und sehr solide verarbeitet. Das Front-Panel ist unter anderem aus bearbeitetem Holz, das LED Display hat beinahe monströse Ausmaße, der Increment Knob (unser Data-Wheel mit Gedächtnisfunktion) ist ein Rollce Royce unter den Drehreglern, der singuläre Pitch Bender ist griffig und hat ordentlichen Zug. Kurz: Alles am K3 ist um eine – wenn nicht um zwei oder drei – Stufen hochwertiger ausgeführt als beim DW-8000.

Das ist die Hardware-Seite. Hier gewinnt der Kawai K3.

Kawai K3

Kawai K3

Doch lassen wir alle Vergleiche ruhen. Letztlich bleiben sie nur Konstrukte, die einige wenige (wenn überhaupt) allgemeine Rückschlüsse zulassen. Wenden wir uns stattdessen der Rack-Version des K3 zu …

K3M – mit „Spill-Over“ zu 12 Stimmen

Der Expander des K3 ist technisch an sich identisch zur Tastatur-Version. An sich. Einen wichtigen Unterschied gibt es. Er nennt sich Spill-Over. An einen K3 angeschlossen, werden die Noten jenseits der verfügbaren 6-stimmigen Polyphonie an diesen weiter gegeben. Einfach gesagt: Wenn dem K3M die Luft ausgeht, kann der K3 (oder ein zweiter K3M) das Ruder übernehmen. Durch den Zusammenschluss von Expander und Tastaturversion erhält man so einen quasi 12-stimmigen K3. Die Koppelung der Stimmen ist definitiv äußerst elegant, sie wertet den K3M als gute Ergänzung deutlich auf.

Kawai K3M

Kawai K3M

Haptisch macht der K3M hingegen weniger her als die Tastaturversion. Um das ganze Instrument auf 3 HE zu reduzieren wurden relativ kleine Knöpfe (immerhin aber „richtige“ Druckknöpfe im Gegensatz zu den Membran-Tastern des K3) verwendet. Das sehr angenehme Data-Wheel des K3 musste zwei umständlichen UP / DOWN Werte-Tastern weichen. Ein Tribut an das schlanke Design des K3M.

Der Kawai K3 heute

K3 und K3M sind rare Instrumente. Zu speziell (und wohl nicht dem Trend der Zeit entsprechend) war das Konzept dieser Synthesizer im Jahre 1986, die verkauften Exemplare dürften sehr wenige gewesen sein. Auch die Nachfolger K5 bzw. K5M von 1987 brachten – wenngleich sie noch deutlich leistungsfähiger als K3/K3M waren – nicht den gewünschten Erfolg. Erst 1988 gelang Kawai mit dem K1 der wirklich große Durchbruch, gefolgt vom K4 im Jahre 1989.

Kawai K3

Kawai K3

So rar der K3 ist, so besonders ist er auch. Sicher nicht jedermanns Instrument und sicher kein „Allrounder“. Der K3 ist ein Hybrid-Synthesizer mit gutem Konzept und starkem, warmem Klangcharakter, bestens geeignet für bestimmte Sounds. Diese Klänge sind „in Richtung“ PPG Wave und zuweilen Prophet VS zu charakterisieren. Doch Klang (und Klang-Empfinden) ist natürlich reine Geschmackssache, eine Empfehlung fällt daher schwer. Ich persönlich bin vom butterweichen, oft glockigen, fast immer jedoch voluminösen Sound des K3 sehr angetan. Unterstützt wird der gute Gesamtklang durch exzellente Performance-Features wie OSC BALance, durch den MONO Mode (Unisono), den „einen“ Parameter-Speicher des Data-Rades pro Sound oder schließlich auch durch die gute Tastatur.

Inspirierender Klang, durchdachte Bedienung und exzellente Hardware machen den Kawai K3 zu einem äußerst feinen und definitiv „freundlichen“ Instrument. Ein hybrider Synthesizer von hochwertiger Qualität.

Kawai-K3-WaveForms

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Die folgenden Klangbeispiele sind auch im Listening Room zu finden, wobei eines der K3 Samples ein Mitschnitt von Robert Witteks exzellentem K3 Audio Workshop ist. Vielen Dank für die Erlaubnis, das Klangbeispiel mit einzubeziehen. Den gesamten K3 Audio Workshop gibt es unter www.synthesizer.at.

2 Gedanken zu “Kawai K3
– der seltene Hybrid-Synthesizer

  1. Hallo,

    danke für den Test. Ich finde die immer sehr inspirierend und habe mich schon manches mal dazu verleiten lassen ein Instruent zu kaufen. Was mich irritiert sind die überragend guten Bilder mit den überragend gut erhaltenen Instrumenten. Ich habe letzens einen Roland W-30 gekauft, und den musste ich erst mal mehrere Stunden putzen um ihn überhaupt ausprobieren zu können. Tastaturen sind oft braun (trotz „Nichtraucherhaushalt“), die Oberflächen mit irgend einenm klebrigen Belag überzogen, verkratzt, verstaubt und was nicht alles. Die Instrumente hier sehen aus wie frisch aus der Produktion.

    Vielleicht geht das ja nur mir so, aber ein Artikel „Wie man einen Ebay-Fang entschuppt, ausnimmt und schmackhaft zubereitet“ würde mir sehr helfen. Auch traue ich mich nicht an prellende Taster, stumme Tasten und knarzende Regler heran. Würde mich wirklich freuen …

    • … ja, eine Rezeptur nach dem Motto „Wie man einen Ebay-Fang entschuppt, ausnimmt und schmackhaft zubereitet“ würde auch uns gut helfen. Es ist wohl schlichtweg Glücksache, in welchem Zustand die Instrumente ankommen. Ich habe zwei K3 (und einen K3M), der zweite K3 kam mit Brandflecken, durchgedrückten Membrantasten … und eben arg verschmutzt. (Wo, bitte, “lagern” die Leute ihre Instrumente?). Und doch, “eine” Regel gibt es: Nur Instrumente kaufen, die man persönlich abholen kann. Da hält man sich leider, meine eigene (dumme) Erfahrung, viel zu selten daran. Muss man eben ein halbes Jahr länger warten, doch irgendwann kommt schon das richtige Instrument “in Reichweite”. Dann lässt sich vor Ort der Zustand genau klären und gegebenfalls der Preis anpassen. eBay lockt natürlich mit einem europaweiten (für die Mutigen: weltweiten) Gebrauchtmarkt, aber der Schuss geht heute öfters denn je nach hinten los. Für den Käufer, natürlich.

      Dennoch, das Entschuppen eines eBay Fangs wäre ein schönes Diskussionsthema, ich wäre auch an weiteren Erfahrungen im Gebrauchtmarktbereich sehr interessiert. Vielleicht planen wir das Thema auf GreatSynthesizers ein.

      Und ja, wenn der Korg DW-8000 noch nicht im Studio steht, würde ich (trotz aller interessanter Details des Kawai) in erster Linie zum Korg raten. Der DW-8000 ist musikalisch extrem (!) ergiebig …

      Viele Grüße …

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