COTK Model 15
– edler Klang in edlem Gewand

Zunächst ein paar Worte zum Thema Moog. Zwar ist unser Testkandidat natürlich ein COTK Model 15, doch wie wir alle wissen stellt es einen 1:1 Nachbau des gleichnamigen Modularsystems Moog Model 15 aus den frühen 70ern dar. Daher vorweg ein paar Gedanken zu Moog … und ein paar Worte aus dem Leben.

Vor vielen, vielen (vor sehr vielen) Jahren, da kam ich zufällig in den Besitz eines Moog Modularsystems. Sehr groß, sehr schön, aber natürlich „alt“. Sehr alt. Viele Schalter hatten Kontaktprobleme und das Spielen am legendären Moog Modularsystem war weniger eine Freude denn ein etwas nervenaufreibendes Hinzittern von einer Fehlersuche zur nächsten – unterbrochen von kurzen Phasen, in denen einige Töne zu spielen und im Bruchteil einiger Sekunden musikalische Freuden zu spüren waren. Ade und vielen Dank, das war’s. Das System wurde verkauft, es ging nach Berlin und landete später – renoviert und mit weiteren Moog-Modulen ergänzt – in der beachtlichen Vintage-Sammlung des Produzenten Thomas Heckmann, in dessen Studio es nun seinen würdevollen Lebensabend verbringen darf. Was vom Moog System in Erinnerung blieb ist der wunderbare Filterklang, die erstaunliche Lebendigkeit der VCOs, die an sich fantastische Haptik, die großen Knöpfe … und natürlich so manche elende Fehlersuche und in Summe deutlich mehr Frust als Lust.

Szenenwechsel. Im Dezember 2012 wird auf eBay.de ein (so gut wie) leeres Moog Model 15 Kabinett angeboten (das leere Case mit unterster Reihe – Mixer und Powermodul, um exakt zu sein). Für bescheidene 3000 Euro, gnädigerweise vor Auktionsende noch auf 2500 Euro gesenkt. Natürlich bietet niemand, doch ich komme nicht umhin dem Verkäufer, den ich zufällig kenne, ein meine Verwunderung ob seiner preislichen Vorstellungen zum Ausdruck bringendes Email zu schreiben. Ungefähr zur selben Zeit, Ende Dezember 2012, wird in den USA ein Moog Model 55 angeboten. Für schlanke 60 000 USD. Alles ein wenig “dubios”.

Es geht hierbei nicht um die Preise im Detail. Wer bereit ist die Instrumente zu den genannten Bedingungen zu bezahlen (wobei ein leeres Case nicht unbedingt als Instrument bezeichnet werden kann), der soll es gerne tun. Dies ist immer eine persönliche Entscheidungsfreiheit, die natürlich unangetastet bleibt. Doch es geht um die Relationen, die irritieren. Moog hat zweifelsohne einen besonders guten Ruf, Vintage Moog, um genau zu sein, es ist eine Marke. Und unter diesem Deckmantel scheinen manche Musiker ungeahnte geschäftstüchtige Talente zu entwickeln und den Mythos der Moog (Modular-) Synthesizer zu fördern versuchen. Zu unrecht, wie ich meine. Viele der alten Systeme müssen aufwendig restauriert werden, sie haben angeschlagene Gehäuse und sind nicht selten „sehr“ verbraucht. Doch selbst bei Instrumenten in sehr gutem Zustand gibt es Obergrenzen, für deren Überschreitung es keine logischen Erklärungen oder Rechtfertigungen gibt. Wer sich also weniger als Sammler denn als „Musiker“ bezeichnet, wem es um den Klang und vor allem um die bei Instrumenten so wichtige Zuverlässigkeit geht, der sei weise und überlege sich Alternativen zu den überteuerten Originalen.

Eine solche Alternative ist Club Of The Knobs. Der portugiesische Hersteller mit Sitz in Lisboa (Lissabon) baut seit einigen Jahren hochwertigste und edelste Modularsysteme. Ganz wie Moog anno dazumal. Und entgegen dem oben erwähnten gebrauchten (und ohne Klangmodule versehenen) Moog Model 15 Kabinett auf eBay bekommt man bei COTK das Model 15 zum gleichen Preis von 3000 Euro, gefüllt mit allen Modulen, nagelneu. Hochwertigst verarbeitet und hochwertigst im Klang. Ein sehr faires Preis-/Leistungsverhältnis … ich würde es sogar „günstig“ nennen.

Model 15 – das „Werkzeug“ für den edlen Klang

Werkzeug ist ein hässliches Wort, in vielerlei Hinsicht. Doch es stimmt nun mal: Ein Instrument ist ein Werkzeug zur Realisierung von Klängen. Je besser das Werkzeug, desto einfacher ist es, gute Musik damit zu erstellen. Dies ist eine Binsenweisheit, das ist klar, aber selten wird der banale Zusammenhang vom Instrument zum klanglichen Resultat so offensichtlich wie beim COTK Model 15. Es bietet – neben EMS / Rehberg und sicher auch Synthesizers.com sowie Phil Cirocco (CMS) aus den USA – die höchste verfügbare bauliche Qualität, die es am Synthesizer-Markt gibt. Alle Potis haben dasselbe maskuline (etwas schwergängige) Drehmoment. Die Buchsen sind hochwertigst, die dicken Frontplatten der Module ebenso, schönste Beschriftungen, alles bestens. Auch „innen“ sieht es besonders gut aus. Die Module sind so sauber verarbeitet, dass es eine Freude ist ihre Wertigkeit zu „spüren“ und zu sehen.

Die Flachbandkabel von den Modulen zur Stromversorgung lassen sich nur in „eine“ Richtung korrekt einstecken (was jegliche Fehler beim Wechseln von Modulen ausschließt), sie rasten bei passender Ausrichtung ein und lassen sich durch Lösen ihres Klammergriffes auf saubere Weise wieder von den Modulen trennen. Das leidige Suchen der roten, stromführenden Kabelseite der Eurorack-Module (was leider auch nicht immer einheitlich umgesetzt wird) gibt es hier nicht.

Das Chassis ist hochwertigst, wie sollte es auch anders sein, das Tolex schön, die dicke Namensplakette mit Modellbezeichnung und Seriennummer ein kleines Kunstwerk für sich. Keine Frage, der Preis des Model 15 ist absolut angemessen, man bekommt Qualität auf sehr hohem Niveau.

Zwei winzige Kritikpunkte sind zu nennen: Die Drehschalter – und zwar alle – haben „etwas“ Spiel. Das dürfte in ihrer Konstruktion liegen, denn bekanntlich gibt es sehr wohl andere Schalter, die ohne einen Millimeter „Leerlauf“ von einer Position zur nächsten schalten.

Weiters sind die Verschlüsse des zum Model 15 zugehörigen Deckels etwas problematisch. Nicht betreffend ihrer Funktionalität, hier ist alles bestens, aber betreffend ihrer Platzierung. Wohl aus Platzgründen wurde ihre Montage so gewählt, dass der bewegliche und zu schließende Teil am Synthesizer-Case (und nicht am Deckel) zu finden ist. Das hat nun zur Folge, dass man sich bei geöffnetem Model 15 – im Betriebszustand also – zweier mit immerhin 2 Zentimeter nicht gerade unauffällig herausragender Metallteile zur rechten Seite des Synthesizers konfrontiert sieht. Die lassen sich höchstens als Ganzes abschrauben (was eine Schließung des Deckels dann nicht mehr ermöglicht und die Gefahr in sich birgt, dass man die abgenommenen Verschlussteile unwiederbringlich verlegt bzw. verliert). Also besser nichts herumschrauben und die vorstehenden Metallzungen als Bestandteil des Model 15 akzeptieren.

Doch das sind natürlich Peanuts, sehr kleine Erdnüsse, mehr nicht. Zur Sonnenseite zurückkehrend landen wir beim Klang des Model 15. Sagenhaft. Was soll man sagen, es ist nun mal so. Umgeben von sehr hochwertigen Instrumenten der gesamten Synthesizer-Geschichte möchte ich behaupten, dass es der beste analoge Klang ist, den es gibt. Natürlich: Minimoog, ARP-2600, EMS AKS, Oberheim SEM – dies sind alles fantastische Instrumente und wunderbar eigenständige und unverwechselbare Klang-Einheiten.

Nun, wozu in die Vergangenheit blicken? Auch die Gegenwart bietet ein beachtliches Arsenal an (künftigen) Synthesizer-Klassikern. Ein GRP A4 ist betreffend der Kombination von ausgezeichnetem Klang, Flexibilität und Performance unübertroffen und natürlich zählt ein Moog Voyager zu den besten Analogsynthesizern unserer Zeit. Der neue Oberheim Two Voice Pro wird ein wahrer Leckerbissen, keine Frage … und selbst kleinere Instrumente, wie ein Doepfer Dark Energy II (mit Multimode-Filter!), MFB Dominion X oder Arturias MiniBrute sind “sehr, sehr gute” Instrumente.

Doch interessant: Zwei VCOs des Model 15 lassen bei allen anderen Kandidaten das Licht ausgehen. Ist so. Das System liefert jene unglaubliche Potenz und Reichhaltigkeit im Klang, die ich vom originalen Moog Modular noch gut in Erinnerung habe. Und es ist genau jene Präsenz und Mächtigkeit, die so manchem Besitzer eines Moog Systems zur weisen Erkenntnis verhilft, dass es vernünftiger sei, das betagte und sanierungsbedürftige Original zu verkaufen (wir sind wieder beim Thema) und mit einem Teil des Erlöses ein neues COTK zu erwerben.

Umgekehrt ist es hoffentlich auch genau jene Präsenz und Mächtigkeit, die dem in Frage kommenden Käufer des betagten Moog Systems zur schlauen Erkenntnis verhilft, dass man „keine“ 60 000 USD in ein Moog 55, oder – um beim Kandidaten dieses Berichts zu bleiben – 3000 Euro in ein fast leeres Moog Model 15 Kabinett, stattdessen aber in ein neues COTK Model 15 investieren könnte. Wie immer: Es sind nur Ratschläge.

Das „Werkzeug“ Model 15 ist jedenfalls so gut, dass es natürlich unmittelbare Auswirkungen auf die Musik hat. So ist etwa das Stimmen (und Verstimmen) der VCOs eine wahre Freude, die großen Potis liegen fantastisch in der Hand und ermöglichen das professionelle Einstellen (man könnte sagen: Er-Fühlen) von Schwebungen par excellence. Auch beim Filter ist der große Reglerweg von unschätzbarem Vorteil, es geht eben um jene Nuancen, die schon in wenigen Millimetern Reglerbewegung „passieren“, die bei kleinen Plastikpotis anderer Systeme (Stichwort Eurorack-Module) für gewöhnlich schlichtweg „verloren“ gehen bzw. erst gar nicht vorhanden sind. Schließlich ist aber gerade bei den Hüllkurven-Zeiten die geniale Haptik von sehr entscheidender musikalischer Bedeutung. Feinste Einstellungen der Decay- und Release-Zeiten (meist im Bereich eines Millimeters) führen beispielsweise zu „genau dem Klang“, auf dessen Suche das innere musikalische Ohr ist.

Werkzeug und Musik: Der Zusammenhang ist so einfach und doch so wichtig.

Von Wendy Carlos und anderen Pionieren –
Gedanken rund um den Klang der “alten” Modularsysteme

Switched On Bach … wir kennen es alle: Das Meisterwerk der frühen Musikelektronik – Wendy Carlos am Höhepunkt ihres Erfolges. Auch Tomita sei zu nennen, schließlich hat er die elektronischen Klänge speziell im stark traditionellen Japan der frühen 70er Jahre erst salonfähig gemacht. Diese und andere Künstler verwendeten Moog Systeme, um damit alte Musik mit neuen Klängen zu versehen. Und das unter – aus heutiger Sicht – absolut rückständigen Bedingungen: Nur Einstimmigkeit möglich, keine MIDI-Clock, keine Sound-Speicher, nichts. Die Partituren wurden Spur für Spur (meist händisch) eingespielt, die Bereiche Sequenzer und vor allem Synchronisation waren heikel und zeitaufwendig. Arme Musiker, mit einem Wort. Jeder Klang musste mühsam verkabelt und in das Gesamtkunstwerk integriert werden, von Klang-Fülle (Mehrstimmigkeit), Klang-Auswahl (Programmspeicher) und ganzheitlicher Klang-Kontrolle (MIDI) keine Rede. Da leben wir heute natürlich in einer gesegneten Zeit, wir sind quasi an einem Höhepunkt der elektronischen Musik in all ihrer Ausdruckskraft angelangt.

Irrtum. Mit Zunahme der Möglichkeiten haben die Synthesizer das Entscheidende verloren: Den guten Klang. Das Wesentlichste, wenn man so will. Das Lebendige, das in seiner Fülle den Synthesizer als echtes Musik-Instrument auszeichnet.

Diese Gedanken wandern durch den Kopf, wenn man das COTK Model 15 spielt. Es klingt. Es tönt nicht nur, es kommt nicht „irgendetwas“ aus den Lautsprechern, nein, es klingt. Es hat eine Tiefe und Dynamik, die man nach jahrelanger Beschäftigung mit modernen – analogen wie digitalen – Synthesizern eigentlich schon fast vergessen hat. Ab und zu blitzt noch ein wenig dieses „reinen“ Klanges durch (beim Vermona Perfourmer MKII, beispielsweise, denn auch hier ist die Reduktion auf das Wesentliche eben dann umgekehrt klanglich das große Plus). Oder bei einem Minimoog Model D. Möglicherweise bei diesem oder jenem Synthesizer, es spielt keine Rolle: Nichts kommt an das Klingen des Model 15 heran. Es ist eine eigene Klasse.

So haben die großen Meister längst vergangener Tage – Carlos, Tomita und viele andere – nicht die rückständigste, sondern – im Gegenteil – die „beste“ Situation erlebt, denn sie hatten den besten Klang. Interessant, dass aus heutiger Sicht die frühen Modularsynthesizer – in all ihren Einschränkungen in vielerlei Hinsicht – eben sofort das Entscheidende boten … und es bis heute bieten: Den Klang. Nicht einfach ein akustisches Irgendwas, nein, DEN Klang. Und so macht das Model 15 – egal, ob es nun de facto ein Moog Nachbau ist oder nicht – mehr Sinn denn je: Es bringt das Wesentliche in der Musik wieder zurück.

Das Model 15 als Minimoog?

Nur ein kurzer Hinweis zum eben genannten Minimoog. Derselbige – Synonym für „den“ monophonen Analogsynthesizer schlechthin – ist ja immerhin sehr ähnlich zum Model 15 ausgestattet. Man könnte eventuell meinen, das hier vorgestellte System sei ein mit CV-Buchsen aufgerüsteter Minimoog. Zwei VCOs plus ein dritter VCO (für Audio- oder Modulationszwecke), ein wunderbares 24dB LowPass Filter, ein Mixer, Noise, zwei Hüllkurven … es sieht am Papier alles identisch aus. Wozu gab es nun das Moog Model 15, das 1972 mehr als das Doppelte (3500 USD) gegenüber dem so beliebten und so praktischen Minimoog (1500 USD) kostete? Der einfachen Festfilterbank wegen? Wohl kaum. Seiner beiden ADSRs (statt ADRs) und seines zweiten VCAs wegen? Vielleicht. Seines modularen Konzepts wegen? Zum Teil: Ja! Doch am Papier lassen sich solche Fragen nicht auf den Punkt bringen. Tatsache ist, dass es zwar grundsätzlich technische Parallelen gibt, dass das Model 15 jedoch gegenüber einem Minimoog deutlich die Nase vorne hat, sowohl in der Klangqualität als auch in der Klangvielfalt.

Aufbau

Das COTK Model 15 verfügt über:

  • C 921A Oszillator Treiber
  • C 921B VCO
  • C 921B VCO
  • C 921 VCO
  • C 904A 24dB VCF
  • C 907A Fixed Filter Bank
  • C 911 Envelope
  • C 911 Envelope
  • C 902 VCA
  • C 902 VCA
  • C 923 Pink/White Noise, Fixed LPF, Fixed HPF
  • C 995 3-fach Attenuators (Abschwächer)
  • CP15 4-fach Mixer, Reversible Attenuator (+/-), Fixed LPF, Fixed HPF, 2×4 Multiples, Trunk Lines, 2x Attenuators, Audio-Trigger Interface, Power Modul

Oszillatoren

Die beiden C 921B VCOs sind – neben dem Filter und den VCAs – das Herzstück des Model 15. Die Oszillatoren klingen unglaublich. Sie sind stimmstabil, haben aber „in sich“ genug Lebendigkeit, so dass sie definitiv als „ideale“ VCOs bezeichnet werden dürfen. Über das Feinstimmen, dem Einstellen von Schwebungen und der damit im Zusammenhang stehenden hochwertigen Bauweise / Haptik des Systems wurde ja bereits schon gesprochen.

Es sind ganze Klangwelten, die sich mit diesen VCOs auftun. Besonders schön ist natürlich der direkt unter den Oszillatoren platzierte Mixer, der die beliebige Mischung (und individuelle Lautstärke-Regelung) aller simultan verfügbaren Wellenformen erlaubt. Eine vollmundig-bauchige Sinuswelle mit einer Prise Sägezahn-Welle gefällig? Es ist grundsätzlich so einfach und klanglich doch so inspirierend. Wie den Hörbeispielen zu entnehmen ist, darf die Qualität der VCOs durchaus als „edel“ bezeichnet werden. Sie sind oktavrein, haben ein ausgewogenes Klangbild über den gesamten Audio-Bereich … und ja, sie klingen eben nun mal wie nichts anderes. Man kann sie mit nichts vergleichen, sie sind eine Klasse für sich.

An dieser Stelle der Hinweis, dass alle angefügten Klangbeispiele mit zwei (!) VCOs erstellt wurden. Meist im Overdub / Mehrspurverfahren betreffend unterschiedlicher Sounds, das ist klar, aber eben grundsätzlich nur mit zwei VCOs (der große C 921 VCO kam ausschließlich für Steuerzwecke zum Einsatz). Und so ist dies der ideale Zeitpunkt, eine Lanze für das COTK Model 15 zu brechen, das in seiner Größe, Kompaktheit und seinem dennoch so fantastischen Klangaufgebot wirklich „ideal“ erscheint.

Es braucht gar kein Model 55 (auch wenn es schön wäre, das schöne Holz, die mächtige Chassis …), es braucht nämlich vor allem keine 6 VCOs. Wozu auch? Die Schwebungen von 2 VCOs erklingen nicht anders als die von 6 VCOs. Es gibt natürlich im Detail bei mehr Oszillatoren noch mehr Klangvielfalt (alle VCOs auf unterschiedlichen Oktav-Einstellungen etwa), doch betreffend Klang-Fülle reichen die beiden C 921B VCOs völlig aus.

Erweiterungen wären dann – sofern angedacht – in anderer Hinsicht lohnenswerter, etwa die wunderbare LowPass – Filter Coupler – HighPass Filter-Kombination. Oder der legendäre (Bode) Frequency Shifter. Doch zurück zu den VCOs …

Über den C 921A Oszillator-Treiber lässt sich die Pulsweite der VCOs einstellen bzw. modulieren und natürlich können die beiden Oszillatoren mit einander synchronisiert werden (… was nun auch auf dem Papier „einen“ bedeutenden Unterschied zum Minimoog darstellt).

Der kurz erwähnte große C 921 VCO ist ein wunderbares Werkzeug, sowohl im Audio- als auch im Controller-Bereich. Die Wellenformen lassen sich über zwei parallele Signalwege abgreifen, wobei im zweiten Fall ein eigener Attenuator gleich mit an Bord ist, man also – im Klartext – die Ausgabe der Modulationstiefe gleich hier an Ort und Stelle regeln kann, was enorm nützlich ist.

Filter

Keine Frage, die beiden Einheiten VCO und VCF bilden ein perfektes Team. Wieder darauf zurückkommend: Es braucht nicht viel für einen guten Klang. Außer gute Module …

Das 24dB LowPass Filter bietet an sich kein besonders spektakuläres Erscheinungsbild. Drei Potis und fünf Buchsen, fertig. Aber es macht den Klang eben „perfekt“. Egal, in welcher Reglerposition: Der Sound ist immer „präsent“, rund, interessant, lebendig. Die Filterresonanz klingt hervorragend und erlaubt eine Fülle an feinen Klangfarben, feinsten Nuancen. Dreht man am großen Frequency-Rad, so ergeben sich im Zusammenspiel mit variierenden Resonanzwerten eigene musikalische Welten … mit jedem Millimeter ein neuer Klang, wenn man so will.

Zur Erweiterung des hier vorgestellten Model 15 wurde ein Extension-Case samt zweitem VCF erworben. Das Filter ist eben zu schön, um in monophoner Weise sein Dasein fristen zu müssen. Und so ist in einigen der angefügten Klangbeispiele eine Stereo-Filtereinheit (2 x C 904A) zu hören.

Verstärker

Die Verstärkung ist häufig der entscheidende Schlüssel zum „in sich geschlossenen“ (hochwertigen) Klang. So auch beim Model 15. Erst die beiden guten VCAs geben dem Klang die entsprechende Dynamik, sie lassen das Model 15 immer „ganz vorne“ am Rand des Lautsprechers, ganz präsent und „im Raum stehend“ erscheinen.

Zwei VCAs – ein weiterer wichtiger Unterschied zum Minimoog – erlauben natürlich auch eine echte stereophone Verstärkung. Zusammen mit dem C 921 „LFO“ (und dem Reversible Attenuator) sind so schöne Ping-Pong- und andere Stereo-Effekte möglich. Zudem lässt jeder Analog-Sequenzer das Model 15 sofort zum Leben erwachen, wenn beide VCAs unterschiedliche CV-Spuren zur Lautstärkekontrolle zugewiesen bekommen.

Hüllkurven

Die beiden Envelopes sind vollwertige ADSR Hüllkurven, genau genommen sollte man sie ADRS nennen, denn die zeitlichen Komponenten ADR bilden die obersten Regler, während S(ustain) als einziger Level-Parameter zu unterst steht. Das ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, macht aber aus musikalischer Sicht absolut Sinn. Das zu jeder Hüllkurve gehörige Trigger-Lämpchen leuchtet sehr ansprechend – Vintage-Optik in reinster Kultur. Die bei den originale Moog Systemen verwendeten S-Trigger (Doppel-Stecker, die anno dazumal unseres Wissens nach „nur“ bei Moog und Polyfusion zum Einsatz kamen und Konvertierungen von Gate/Trigger-Signalen im Verbund erforderten) wurden bei COTK natürlich gegen reguläre 6,3 mm Klinkenstecker getauscht. Während also einerseits der hochwertige Klang 1:1 zum originalen Moog erhalten bleibt, werden gleichzeitig entscheidende Schwächen der alten Systeme beseitigt. Ein gelungenes Konzept.

Damit sind – mit VCO, VCF, VCA und ENV – die vier wichtigen Bausteine des Model 15 erläutert. Mehr braucht es nicht für DEN Klang. Mehr braucht es nicht für hochwertigste Musik. Das Noise-Modul und die Fixed Filterbank wären noch zu erwähnen, doch damit ist alles Wesentliche genannt.

Fazit

Wer auf der Suche nach einem Absatz mit der Überschrift „Klang“ ist, nach jenen Zeilen also, die kurz und bündig ein “gut – ja, schlecht – nein, wir vergeben 5 Punkte” Resumée präsentieren, der muss an dieser Stelle enttäuscht werden … den Absatz gibt es nicht. Der gute, nein, der sagenhaft gute Klang des Model 15 lässt sich nicht in wenigen Zeilen formulieren. Er wird jedoch eingangs erläutert, er wird im historischen Kontext betrachtet, er wird gedanklich dem Minimoog gegenüber gestellt und schließlich bei den einzelnen Klang-Modulen angesprochen.

Fest steht, dass das COTK Model 15 ein Instrument für Puristen ist. Für jene, die möglicherweise schon mit einem VCO und einem VCF, jedenfalls mit einem sehr überschaubaren Arbeitsbereich, ihr kreatives Auslangen finden. Und das wohl zu recht, denn die Qualität der Module ist – ein (vor)letztes Mal formuliert – über alles erhaben.

Wer also den bestmöglichen Klang im Zentrum seines Schaffens sieht, wer es klar und traditionell strukturiert mag (hier ein Kabel vom VCO, dort ein Kabel zum VCF, …), wer sein Instrument am liebsten direkt via CV/Gate ansteuert, ganz ohne Dynamik, ohne MIDI (mit all seinen Feinheiten und auch Problemen), wer – kurz gesagt – sich auf den Kern und das Wesentliche konzentrieren möchte (dem Bemühen um jede gut klingende Note, um wunderbare Lebendigkeit im Ausdruck und eine unerreicht imposante Klangpräsenz), dem sei das COTK Model 15 wärmstens empfohlen.

“Ein” wirkliches Problem ist natürlich schon zu sehen: Das COTK Model 15 lässt sich nirgendwo antesten. Es gibt kein Musikhaus, wo man eben mal hingehen und sich selbst von der Qualität der Module (und des Klanges) überzeugen könnte. So ist es natürlich eine Frage des Vertrauens, ob man so einfach 3000 Euro (und etwas mehr mit Versand) in ein anderes Land überweist um dann ein Instrument zu erhalten, das wirklich den Erwartungen (und den Klangvorstellungen) entspricht. Was man ja, zugegeben, vorher nie so richtig weiß. Als gewisse “Versicherung” sei die Rückmeldung all derer zu sehen, die ein COTK System bereits erworben haben. Insider nehmen sich für gewöhnlich kein Blatt vor dem Munde und sind mit Kritik sehr offen. Doch über die Instrumente von COTK hört man so weit nur Gutes. Natürlich, bei großen Systemen ist der Versand ein echtes Risiko … (und Lissabon liegt definitiv nicht um die Ecke zwecks Abholung am Wochenende), weshalb das COTK Model 15 nochmals um eine Spur attraktiver wird: Der Versand dieses (relativ handlichen) Synthesizers ist deutlich einfacher und “sicherer” als bei großen Systemen.

Zu erwähnen sei noch, dass Club Of The Knobs rund um Kazike (und seine Frau) ein sehr kleines Unternehmen darstellt, das „keinen“ Vertrieb hat und dessen Produkte folglich – wie eben schon angesprochen – nur direkt in Lissabon bestellt werden können. Längere Wartezeiten und eine manchmal verbesserungswürdige Kommunikation sind in Einzelfällen denkbar und – meine Empfehlung – in Kauf zu nehmen, falls es dazu kommt. Kunden- und Lieferservice der großen Konzerne (Roland, Yamaha, Korg, …) dürfen nicht als Maßstab herangezogen werden, hieße es doch dem Kleinunternehmer Personalkapazitäten und organisatorische Ressourcen zu unterstellen, über die er eventuell gar nicht verfügt.

Hierzu ein interessanter Vergleich: Während die eben genannten großen Konzerne die Produktion von Synthesizern im Wesentlichen sehr stark reduziert haben und die Musikwelt nur noch in seltenen Augenblicken mit wirklich lohnenswerten Instrumenten beglücken, sind den Klein- und Mittelbetrieben à la Vermona, Synthesizers.com, GRP, Analogue Systems, Doepfer, MFB, Cwejman, MacBeth, Anyware Instruments, Waldorf, Access, Dave Smith Instruments, Arturia, Tom Oberheim.com, John Bowen, Livewire, Moog oder COTK jene hochwertigen Produkte zu verdanken, die den aktuellen Synthesizer-Markt attraktiv und lebendig machen.

 

Jene Produkte also, zu denen ein hochwertiges Modularsystem der Klasse eines Model 15 zweifelsfrei zählt. Und darauf kommt es an.

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Die angefügten Klangbeispiele umfassen wieder 40 Minuten Audio-Files. Sie sind hier in einer kompletten Songliste oder einzeln (mit Kommentaren) im Listening Room zu finden.

Das COTK Model 15 ist dabei entweder in originaler Form oder in erweiterter Form mit doppeltem Filter und zweitem LFO (dabei kommt der kleinere C 946 LFO zum Einsatz, wie in einem der letzten Fotos abgebildet) zu hören. Als Drum-Einheit stellt wieder einmal die Korg Monotribe ihre Dienste bereit und die Mix-Soundfiles lassen zudem noch den Sequential Pro-One erklingen, der nicht nur als Masterkeyboard für das Model 15 dient (CV/Gate, Sequenzer, Glide!), sondern der sich auch klanglich als wunderbare Ergänzung zum COTK System präsentiert. Als analoger Step-Sequenzer ist schließlich der RS-200 Sequenzer von Analogue Systems im Einsatz, der dank seines soliden Timings für die zeitliche Kontrolle aller Patterns und Sequenzen, auch die des Pro-One und der Monotribe, verantwortlich ist.

Besonders empfehlenswert erscheint mir “Demo 1″. Dabei ist es vor allem jener wie eine Pauke klingende Sound im linken Kanal, der ab der Mitte des Demosongs wunderschön zur Geltung kommt. Die “Pauke” sind beide 921 B VCOs bei minimaler Filteröffnung und mittlerem Resonanzwert. Hörenswert …

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Club Of The Knobs Model 15
Preis: 3000 Euro + Versand

Link Hersteller: www.cluboftheknobs.com
Link zu unserem COTK Interview

11 Gedanken zu “COTK Model 15
– edler Klang in edlem Gewand

  1. Habe mir nach diesem Bericht ein solches Model 15 bei COTM bestellt. Nach änfänglicher Skepsis ist alles prima gelaufen.

    Die Power der beiden OSC ist wirklich superfett. Allerdings nur bei geschlossener Resonance, dreht man diese auf geht doch mehr Druck verloren als beim Tinysizer, dieser macht dann gewaltig mehr Druck als das 15er(Einstellungssache), drehe ich die Reso beim Tiny zu ist das Model 15 ungleich fetter. Praxisgerecht ausgedrückt: Drums mit hoher Resonanz kommen beim Tiny druckvoller, ist mir nur aufgefallen. Ansonsten ist die Gegenüberstellung zum Tinysizer beeindruckend, der Tiny klingt genauso edel, ich freue mich schon darauf beide Systeme zu patchen. David und Goliath ;-)

    • … ein guter Freund hat ebenso gerade ein COTK Model 15 erworben. Es hat alles geklappt. Freut mich sehr zu hören, dass das System auch klanglich gut gefällt. Model 15 und Tinysizer … was für ein seltenes Paar! Viele Grüße …!

      • Ja danke, mittlerweile habe ich die Beiden verkoppelt und was soll ich sagen läuft in jeder Hinsicht einwandfrei in beiden Richtungen ohne Probleme .
        Noch seltener ist wahrscheinlich, das noch ein Elektron A4 im System ist der steuert das Model 15 hervoragend an und das mit 64 Steps;-)

  2. Nachdem etwas Zeit vergangen ist, seit dieser Test erschienen ist, würde ich gerne wissen inwieweit das Model 15 den Minimoog aus der musikschaffenden Arbeit verdrängt hat. Wenn man das COTK System als Model D-Struktur verkabelt, müsste ja eigentlich ähnliches dabei herauskommen. Gibt es Minimoog-Klänge, die das Model 15 nicht kann? Oder anders, gibt es klangliche Gründe, trotzdem ein Model D zu besitzen, wenn man schon ein Model 15 hat? Wenn ich mich nach dem Genuss der Audiobeispiele in extrapolierender Vorstellungskraft übe, dann klingt das System von Kazike mehr nach Future Chaos (von Bomb the Bass – das Album soll zu 90% aus Minimoog Sounds bestehen) als mein eigener Minimoog. Wäre schön eine Meinung von jemandem zu hören, der beide Modelle hat. Herzlichen Dank im Voraus.

    • … also, ich habe beide Instrumente (Minimoog und COTK Model 15), möchte aber auch vorausschicken, dass ich mich keineswegs als Minimoog-Experte sehe. Doch meine Einschätzung: Das Model 15 ist unübertroffen (meiner Meinung nach noch immer der schönste Analogsound, den man bekommen kann). Die VCAs sind stärker als beim Minimoog (und man hat zwei davon), die VCOs, vor allem der “große” VCO, ermöglichen ein ansehnliches Arbeitsfeld für Klangexperimente. Die Hardware ist aller-allerfeinst (schön schwergängige Potis, im Gegensatz zu den Minimoog Potis, die relativ leichtgängig sind), es gibt vollwertige Hüllkurven, kurzum: Müsste ich zwischen Minimoog und COTK Model 15 wählen, ich würde ohne zu zögern das Model 15 nehmen … So weit “eine” Meinung :o)

  3. Nachtrag: Nach einem Dreivierteljahr mit dem Model 15 kann ich sagen, es klingt mit Abstand besser als mein Minimoog D. Trotzdem habe ich meinen Minimoog noch, denn er hat hat einen anderen Klang bei den Rechteckwellen, der mehr nach Pop klingt statt nach zermalmender Urgewalt und die Hüllkurven geben einen irgendwie knalligen Verlauf, der beim Model 15 anders ausfällt, obwohl auch hier sehr fixe Envelopes arbeiten. Hätte ich keinen von beiden würde ich zuerst das Model 15 kaufen. Zur Kommunikation mit dem Hersteller – die ist wirklich nicht immer die beste und ist in meinem Fall komplett abgebrochen. Aber immerhin, die Maschine wurde gut verpackt geliefert, alle mechanischen Teile werden wohl auch in 50 Jahren noch funktionieren und der Klang ist unfassbar gut (Auch im Vergleich mit Spitzenmodellen anderer Hersteller. Damals wie heute. Die stehen hier zum Teil auch noch rum.) Also ich bereue nichts. Danke noch für die eindringliche Beweihräuchrung dieses Systems! In dem Fall war die überschwängliche Begeisterung mehr als berechtigt.

  4. Tolles Gerät – toller Bericht (wie immer). Gespannt warte ich auf einen Vergleich des Model 15 mit der eben von Moog publizierten Model 15 App. Grüsse

  5. Das wäre wirklich interessant. Mein IPad ist zu alt für diese App. Nach den Klangbeispielen im Netz scheint die App wirklich gut zu sein. Ich hab das Model 15 sofort erkannt. Das Original bzw. der Klon von COTK scheint noch etwas kantiger zu klingen. Aber trotzdem Hut ab für die Programmierer der App!

    • So sehr ich mein Model 15 liebe , bei den Sync Sounds enttäuscht es sehr, mein Voyager kann das viel besser und der GrP A4 auch,
      zu dem Trio spielt momentan ein Modal 002 und macht eine immer bessere Figur, die 4 sind mein analoges Dreamteam, der hybride Modal 002 passt hervorragend.

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