ARP Axxe
- klein und sehr fein

Nun, so sehr es den ARP Axxe Synthesizer zu loben gilt – dieses Zitat aus dem zugehörigen User Manual ist wohl etwas dick aufgetragen:

“Welcome to the ARP AXXE Electronic Music Synthesizer. Your AXXE will take you on the most important experience of your musical career. The AXXE synthesizer will broaden your creativity and expressivity and it will open to you the new world of synthesized sound. With the AXXE you can create musical textures that are new to this world, distinctly yours.”

ARP Axxe Synthesizer

Gerade mit dem Axxe sollten neue musikalische Welten zu erschließen sein? Interessant. Wozu benötigte es dann den ARP-2600? Doch lassen wir die Werbung nun einfach mal Werbung sein …

ARP Axxe – mehr als der “kleine” Odyssey

Quasi als Sparversion des erfolgreichen Odyssey kam 1975 der ARP Axxe auf den Markt. Es handelt sich tatsächlich um eine kleine Ausgabe des an sich schönen Dual-VCO-Synthesizers, wobei als wesentlichste Einschränkung nicht nur der singuläre VCO sondern vor allem auch die bescheideneren Modulationsmöglichkeiten zu nennen wären. Verglichen mit anderen Herstellern muss man feststellen, dass ARP bereits sehr früh eine “Sparversion” ihres sehr erfolgreichen Odyssey auf den Markt brachte. Moogs Micromoog erschien zwar im selben Jahr, war klanglich aber zu weit vom Minimoog entfernt. Die – aus heutiger Sicht – wirklich ernstzunehmende Alternative des Minimoog kam hingegen erst 1979 mit dem Moog Prodigy auf den Markt.

ARP Axxe Synthesizer

Vorweg sei zunächst dem Vorurteil entgegen getreten, dass der kleine ARP Axxe seinen größeren Brüdern ARP-2600, Odyssey oder Avatar klanglich völlig unterlegen sei. Klein bedeutet keineswegs „musikalisch uninteressant“. Schon gar nicht im Falle des ARP Axxe, den ich – etwas mutig, aber unter bestimmtem Blickwinkel nicht zu Unrecht – sogar in der Reihenfolge der ARP-Klassiker an vierter Stelle hinter ARP-2500, ARP-2600 und Odyssey MKI/MKII setzen würde, allerdings noch „vor“ den Odyssey MKIII …

(Peter Forrest geht die Sache etwas vorsichtiger an. Er empfiehlt “zwei” ARP Axxe, die ja in Summe meist sogar weniger kosten als “ein” ARP Odyssey. Damit hätte man 2 VCOs, 2 VCFs, 2 VCAs, etc. Eben zwei vollwertige und unabhängige Signalwege, was nebenbei auch die Stereo-Nachbearbeitung von externen Klängen erlauben würde.)

Doch bleiben wir in diesem Bericht bei einem Axxe. Schritt für Schritt lässt sich erklären, was dieses Instrument so “fein” macht …

ARP Axxe Synthesizer

ARP Axxe Synthesizer

Konzeption

Das Instrument verfügt über

  • 1 VCO mit den Schwingungsformen Sägezahn sowie Pulswelle mit PWM
  • 24 dB VCF
  • VCA
  • LFO mit den Schwingungsformen Sinus, Rechteck oder Random
  • Portamento
  • CV/Gate/Trigger In/Out, Audio High/Low Out, Audio In, Pedal Input
  • Pitchbend-Knopf, Single-PPC Pad oder 3-fach PPC Pad (je nach Serie)

Zugegeben, optisch machen weder das Instrument noch diese Auflistung sehr viel her. Doch gerade in Anbetracht der bescheidenen Möglichkeiten zählt der ARP Axxe zu den großen Rätseln der Synthesizer-Geschichte. Ein derart gut konzipiertes, übersichtliches und zugleich (überraschend) musikalisch klingendes Instrument der Kategorie „Klein-Synthesizer“ ist im Bereich der Vintage-Monophonen selten anzutreffen.

Aussehen

Es gibt zwei Versionen des ARP Axxe. Die frühe Version (MK I) ist sehr kompakt gebaut, hat goldene Beschriftungen, geschwungene Holzseitenteile (aus der Zeit Napoleons, nein Scherz) und entweder einen Pitchbend-Drehknopf oder ein einzelnes PPC Pad. Die in diesem Bericht vorgestellte zweite Version (MK II) ist der allgemeinen ARP-Produktlinie ab 1978 angepasst und verfügt über orange Beschriftungen, beklebte Leder-Seitenteile, überhängende Keyboard-Tasten sowie drei PPC Pads.

Das große Plus der zweiten Version sind die unglaublich ausdrucksstarken PPCs, die in einem der nächsten Absätze nochmals zur Sprache kommen. Auf diese sollte man nie verzichten! Das große Minus der zweiten Version ist hingegen die vorstehende Tastatur, welche auch beim Odyssey MKIII oder ARP Quadra für Unverständnis und heftiges Kopfschütteln unter den Musikern gesorgt haben dürfte. (Früher wie heute).

ARP Axxe Synthesizer

Upgrade: Geschützte Tastatur und zudem ein schönes Gehäuse

30 Jahre später gibt es clevere Fachleute, die sich dieser Problematik annehmen. Synthwood.com beispielsweise hat sich Chassis-Lösungen für viele Synthesizer einfallen lassen. So auch für den ARP Axxe MKII, den ich vor einigen Jahren mit besagtem Holz-Um- bzw. Vorbau erweitert habe. Seither liegt die Tastatur des ARP Axxe geschützt innerhalb der Chassis, die zudem – wie kann es auch anders sein – noch sehr gut aussieht. Empfehlenswert.

Auch die Potiköpfe sind eine altbekannte Problematik der späten ARP-Serien. Beim hier abgebildeten Axxe wurden alle Plastik-Köpfe durch Gummi-Aufsätze getauscht. Hier ist zwar Eigen-Initiative gefragt, doch lassen sich solche Dinge im Normalfall sehr einfach lösen.

ARP Axxe Synthesizer

Upgrade: Neue Fader-Köpfe

Spielhilfen – von kleinen, aber feinen Konzepten

ARP ging immer eigene Wege. Wenn Moog Knöpfe verwendete, verwendete ARP Fader. Wenn Moog Räder (Wheels) als Spielhilfen einsetzte, machte es ARP selbstredend anders. So ist es zu erklären, wie die Proportional Pitch Controls (PPCs) – jene enorm leistungsfähigen und ausdrucksstarken Modulations-Gummipads – ab 1978 bei diversen ARP-Instrumenten zu finden sind. Selbige PPCs erkennen nicht nur Fingerdruck (Modulationsintensität) sondern auch die Position der Finger (globale Modulationstiefe). Musikalisch lassen sie sich ganz exzellent einsetzen und bieten gegenüber “gewöhnlichen” Pitchbends/Wheels doch wesentlich ausdrucksstärkere Möglichkeiten.

ARP Axxe Synthesizer

Geniale Performance-Künstler: Die PPC-Pads

Als weitere Spielhilfen stehen Portamento und der – bei ARP typische – Transpose-Schalter (2 Octaves up/down) zur Verfügung. So gesehen muss man gegenüber einem Odyssey beim Axxe gar keine Abstriche machen. Die späte orange Version wurde übrigens deutlich breiter gebaut, um so den PPCs genügend Platz zu verschaffen und um die Nähe zum Odyssey III zu unterstreichen.

VCO

Der singuläre Oszillator bietet die Wellenformen Sägezahn und Puls. Beide lassen sich gleichzeitig aktivieren bzw. in einem beliebigen Verhältnis mischen, womit – speziell bei gut justierter Pulsweitenmodulation – zumindest annähernd der Klang eines 2-VCO-Synthesizers aufkommt. Die Modulationsmöglichkeiten des Oszillators sind gut, da neben dem LFO (Sinus, Pulswelle) auch S/H und die ENV als Quelle herangezogen werden können. Pulsbreitenmodulation kann wiederum via LFO und/oder ENV erfolgen …

ARP Axxe Synthesizer

Voltage Controlled Oscillator

VCF

Das Filter ist nunmal ein ARP-Filter. Sehr gut, mit viel Kraft, sehr flexibel einsetzbar. Im Gegensatz zum ARP-2600 oder Odyssey sind zwar nur drei Modulationspfade vorhanden (wahlweise KBD CV – S/H – Pedal, weiters LFO und ADSR), jedoch ist eben über PEDAL auch eine externe Steuerung der Filter-Frequenz möglich! Und hierin liegt eines der Geheimnisse, warum ein ARP Axxe dem Odyssey nicht unbedingt unterlegen sein muss, denn durch das Einschleifen eines hochfrequenten LFOs oder eines VCOs (als Modulationsquelle) erhält man auch am Axxe jene besonderen typischen analogen Vocal- bzw. Experimentier-Sounds, die so enorm viel Druck machen und so wunderbar bissig klingen.

ARP Axxe Synthesizer

Voltage Controlled Filter

Mixer und Hüllkurve

Neben den beiden Wellenformen Saw und Pulse lässt sich als dritte Signalquelle Noise beimengen. Nicht ungewöhnlich, aber für den einen oder anderen Snaredrum- oder HiHat-Effekt durchaus nützlich. Das Einschleifen eines externen Audiosignals ist übrigens ebenso möglich. Auch hier wurde beim ARP Axxe nicht gespart.

Die Hüllkurve ist als vollwertige ADSR vorhanden. Sie reicht für die meisten musikalischen Einsätze dieses Synthesizers völlig aus. Manchmal ist es sogar von Vorteil mit nur einer Hüllkurve Klänge schnell verändern zu können. Als weniger gelungenes Gegenbeispiel wäre etwa Yamahas CS-30 zu nennen, dessen 3 Hüllkurven samt fragwürdiger Buchstabenlogik (A – ENV1 pos, B – ENV1 neg, C – ENV2 pos, D – …, E – …) für ständige Irritation beim Klangforschen sorgen. Gut gemeint und theoretisch sehr flexibel einsetzbar … doch manchmal ist weniger eben mehr. Wie beim ARP Axxe.

ARP Axxe Synthesizer

ADSR Hüllkurve

Anschlüsse

Auch hier wurde nicht gespart. Man findet CV/Gate/Trig IN und OUT. Weiters Low und High Audio-Out. Letztlich noch Audio-IN und Pedal. Alles da.

Sound

Der Axxe ist klanglich ein hochwertiger ARP, keine Frage. Vollmundige Bass-Sounds, gute und natürlich klingende Leadklänge (teils dank der PPCs), vereinzelte Effekt-Highlights (Random-Voltage, Filter in Selbstoszillation) und mit Hilfe externer Modulationsquellen auch sehr beachtliche Filter-FX-Klänge: Das alles ist im Repertoire des ARP Axxe vorhanden. Eine ganz besondere Stärke des Axxe ist die Pulsweitenmodulation, die äußerst edel klingt. So wie ein Moog Prodigy die mitunter „schönsten“ Sync-Sounds produzieren kann, so liegt der ARP Axxe in punkto seidiger PWM-Klänge sehr weit vorne.

ARP Axxe Synthesizer

Anschlüsse des ARP Axxe Synthesizers

Doch natürlich sind Grenzen gesetzt. Crossmodulation ist bei nur einem VCO nicht machbar und auch andere besondere Verknüpfungen oder bestimmte Module sind schlichtweg unmöglich oder eben nicht vorhanden. Das wäre jedoch auch zuviel verlangt, denn der Axxe wurde – so wie er ist – als handliches, kleines Instrument konzipiert. Und in Anbetracht dessen macht er seine Sache exzellent.

Praxis

Warum der Axxe eines der schönsten ARP-Instrumente ist, zeigt sich erst in der Musizierpraxis. Zum einen hat er den eben genannten „guten“ Klang. ARP in Reinkultur, analoger Sound von höchster Qualität. Zum anderen jedoch ist er perfekt konzipiert, ideal geformt und ebenso gebaut (mit Upgrade der Chassis sowie der Fader-Köpfe, beispielsweise wie hier gezeigt). Sehr klein, handlich, sehr übersichtlich. Jede Regler-Bewegung bewirkt die gewünschte Veränderung und der Klang ist sofort dort, wo man ihn haben möchte. Während ich vom ARP Odyssey MKIII doch etwas enttäuscht bin (er klingt „nicht“ sehr inspirierend, ist zwar klangtechnisch flexibler, zugleich aber auch unübersichtlicher), ist der ARP Axxe der „ideale“ ARP-Synthesizer für wunderbare Soli, für schöne Bässe, für eben genau die Einsätze, die ein kleiner Analogsynthesizer idealerweise übernehmen sollte. Es ist eindeutig ein Player’s Instrument …!

ARP Axxe Synthesizer

LFO des ARP Axxe Synthesizers

Fazit

Wer in seinem Studio-Setup auf den echten ARP-Sound nicht verzichten möchte, wer den edlen Analogklang liebt und zugleich überladenen Instrumenten und zu komplexen Klangstrukturen lieber fern bleibt, der sollte einen ARP Axxe ins Auge fassen. Trotz seiner geringen Abmessungen liefert der Synthesizer hervorragende (und teils sogar überraschend vielseitige) Analogsounds. Der Aufbau dieses handlichen Instruments ist gut durchdacht und dementsprechend solide ist sein klangliches Fundament.

Ein vollwertiger ARP Synthesizer.
Klein und sehr fein.

3 Gedanken zu “ARP Axxe
- klein und sehr fein

  1. Danke für die Klangbeispiele! Der Axxe klingt viel offener als die gesamte orange Fraktion. Man könnte meinen, an ihm wäre das Patentproblem (ARP hatte eigene Filterschaltungen entwickelt, nachdem sie die Moog Kaskade nicht mehr verwenden konnten/durften. Nur gehen die nur bis ca.12 kHz auf. Klingt also dumpfer) spurlos vorübergegangen.

  2. Vielen Dank für den tollen Testbericht und die netten Klangbeispiele!

    Ich hätte zwei Fragen:
    1. Wie erzeugt/sequenct man solche Melodien, wie in den Pulse Width Modulation 1 & 2 Beispielen? Diese Art von Melodie und Transponierung hör’ ich immer gern. :)
    2. Was für ein Delay & Reverb wurde benutzt?

    Allgemein würde ich mich freuen, wenn Ihr mal einen Bericht in Richtung Synth Musikproduktion machen könntet. Dazu findet man im Internet recht wenig und eure Klangbeispiele sind immer großartig. Besonders der Aspekt (Live) Sequencing würde mich interessieren.

    • … diese Melodien sind frei eingespielt. “Ein” Grund, warum sie angenehm zu hören sein dürften sind – neben der schönen PulsWeitenModulation des ARP Axxe – die feinen, kleinen Unregelmäßigkeiten einer Live-Sequenz, die nicht störend, aber umso lebendiger klingen. Als Delay kommt das Lexicon MPX100 zum Einsatz. Ja, Sequenzing und Live-Sequenzing wären schöne (wenn auch umfangreiche) Themen. Danke für die Anregung …! Viele Grüße …

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