SUPERBOOTH17 – Synthmesse Berlin (Teil 1)

Superbooth 2017. Was im letzten April als Experiment “Superbooth” aus dem Umfeld von Schneidersladen begonnen hatte, ist jetzt beim zweiten Mal schon eine feste Institution – und das nicht nur für die Fans der modularen Synthese und informationshungrige Musikschaffende und Medien aus der ganzen Welt.

Zwar prägt das verschraubende und verkabelnde Gewerbe auch die Superbooth17, aber es sind durchaus auch Aussteller anderer, mehr am Mainstream des Musikbusiness orientierte Firmen vertreten, wie Yamaha, Roland, Korg, Akai, etc.

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Das Auffälligste zuerst. Die Superbooth17 ist umgezogen. Ihre Premiere hatte die Superbooth im Berliner Funkhaus. Eigentlich sehr stimmig im ehemaligen Radio-Ambiente, lauschig am Spree-Ufer. Aber das Gedränge in den Hallen und Gängen hatte doch viele gestört. Und so ist man auf das FEZ (Freizeit- und Erholungszentrum) an der Wuhlheide gekommen.

Mitten in einem 1 mal 1 km großen Park gelegen und von der Berliner Parkeisenbahn umfahren, ist das geräumige Gebäude im Normalbetrieb vor allem eine Anlaufstelle für Schulklassen und Familien.

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Empfang im weitläufigen Foyer des FEZ. Das Gewühl hält sich in Grenzen, aber die für das Geschäft mit Musikinstrumenten so typische Kakophonie hat sich schon voll entfaltet. Medien und die Stände der Großen wie der Kleinen: Akai und Keyboards neben Modor und Erica Synths. Roland, Arturia, Korg und Novation schon mal vorab.

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Ich beschließe den In-Depth-Rundgang im 2. Obergeschoss zu beginnen. Das ist einmal die große gewundene Treppe hoch, vorbei an allerlei Spielgerät, dass auch irgendwie zum Legoland-Charakter mancher Stände passt.

Naturgemäß liegt der Schwerpunkt der Superbooth auf modularen Synthesizern und allem, was nicht schon von Vornherein fest verkabelt ist. Trotzdem soll im ersten Teil des Berichts von den „richtigen“ Synthesizern die Rede sein und den unumgänglichen Drummaschinen (wer, bitte schön, hat im Verlauf der letzten beiden Jahre nicht versucht, ein eigenes Modell vorzustellen?) sowie natürlich den Software-Herstellern, die auch durchaus gut auf der Schau aufgestellt waren.

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Begonnen sei mit dem kleinsten hier gezeigten Synthesizer. Pi L Squared. Einem kleinen Plastikwürfel, der eine charmante LoFi-Klangerzeugung mit 2 Oszillatoren und 32 Wellenformen enthält. Duophon und gepowert über Midi-In (oder USB).

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Um die gestackten Zwerge zu bespielen, stand da ein zwar etwas abgegriffener, aber ehrwürdiger Vertreter der Digitalzunft: ein Yamaha DX-1. Warum denn ausgerechnet der hier steht? „Polyphoner Aftertouch!“, erklärt Markus von Ploytec lakonisch grinsend.

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Im Kit ist der PI L Squared mit 44 Euro nur ein bisschen teurer als der Eintritt bei der Superbooth. Dagegen wirkte der Pocket Operator von Teenage Engineering schon fast adipös.

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Rechts um Ecke weisen die Jute-Taschen den Weg zum gleichnamigen Hersteller einer beliebten Software.

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Auch Ableton scheint nicht mehr ohne analoge Hardwaresynthesizermodule (Endorphin.es) auszukommen und natürlich ist wie (fast) überall ein Hauch von Legoland dabei.

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Die beschwörende Hand will uns sagen: Wir können Theremin auch ohne Theremin!

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Doch genug von dem Kleinkram und Software – gehen wir zu Waldorf. Neben dem Modularkeyboard KB-37 steht ganz edel anthrazit der für den Herbst avisierte Quantum. Bewährtes Prinzip: Digitale Klangzeugung und Steuerung mit analogen VCAs und Filtern. Ein Synthesizer mit Flaggschiffpotenzial!

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Akai präsentierte die in Kürze erhältlichen Workstations MPC-Live und MPC-X.

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Eine Ebene drüber die Weltpremiere der neuen Jomox-Maschine: Die Alpha-Base. Ein Drum Computer mit gewissen Extras: Zwei vollanaloge Drum-Synthesizer für Kick und Snare, wie wir sie schon aus M-Base und M-Brane kennen, dazu Samples, die durch analoge VCAs und Filter geschickt werden und als Sahnehäubchen eine vollwertige und voll programmierbare 4-Operatoren-FM-Stimme.

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Ken MacBeth und Mr. Superbooth, Andreas Schneider …

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… zu Besuch bei Jürgen Michaelis am Jomox-Stand.

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Zwischendrin immer wieder auch alte Bekannte, wie etwa der Roland JX-3P und der Juno 6 am Doepfer-Stand (darüber mehr im zweiten Teil).

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Nichts wirklich Neues unter der Sonne bei Korg. Hier gilt das olympische Motto: Dabei sein ist alles!

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Wer heutzutage analoge Synths baut, kommt wohl kaum daran vorbei, auch etwas für das inzwischen zum Standard gewordene Eurorack von Doepfer zu entwerfen. Dass dieses Etwas auch schon mal ein bisschen größer ausfallen kann, zeigt das im edlen Grau glänzende modulare Komplettsystem von GRP, neben den altgedienten schwarzen Modellen der römischen Synthesizerschmiede von Paolo Groppioni.

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Paolo Groppioni vor dem GRP A4 uns GRP A2

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Auf die Behringer-Box war ich sehr gespannt. Ich habe ein bisschen gebraucht, um mich an die dunklen Lichtverhältnisse zu gewöhnen, aber dann konnte ich die Neuheiten ausmachen. DeepMind12 Desktop und DeepMind6, wie der Name schon sagt, ein halber DeepMind12 – also: 6 Stimmen, 3-Oktaven-Keyboard.

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Der bereits bekannte DeepMind12 …

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.. und ein Ausschnitt der neuen Desktop-Variante.

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Die Fader des kleinen Bruders DeepMind6 sehen auch etwas geschrumpft aus: „Nein, nein”, sagt Entwickler Robert Belcham, „es sind die gleichen Fader, wir haben nur kleinere Kappen genommen, damit wir mit dem Platz hinkommen!“ Ende Mai sei mit dem 6er zu rechnen und Korg, bislang ziemlich unbehelligt bei seinen analogen Produkten zum Dumpingpreis, wird sich dann wohl warm anziehen müssen: Der Minilogue bekommt Konkurrenz. Behringers DeepMind6 hat 2 Stimmen mehr, hat das bessere Keyboard, die besseren FX und wird nur 699 Euro kosten.

Enttäuscht war ich allerdings davon, dass das heiß ersehnte Model D (der Behringer Minimoog-Clone) nicht zu sehen war. Er sei leider noch nicht durch den Zoll gekommen, da hänge der Synth fest, man hoffe, er werde anderntags zu sehen sein!

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Solides, alt Bekanntes. Digitana mit seinen AKS/VCS3-Interfaces und der neuen Rekreation SX-1, …

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… die sich gut mit schwarzer Spitze verträgt.

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Zweimal dunkelgrau-schwarzer Synthesizer-Prunk: Einerseits der Vitrinen-Andromeda von Amazona

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… und andererseits der Hartmann 20.

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Schwarz und dunkel das Elektron-Kabinett mit bekanntem Maschinenpark: Octatrack, Rytm, Analog Four, Analog Heat und dem Neuling Digitakt.

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Vorbei an der Ahnenausstellung, die mit dem neo-analogen Klassiker Novation Bass Station (und Bass Station II) beginnt, der dunkel gehaltene, mit Spannung erwartete 8-stimmig polyphone Analoge von Novation: Peak – ca. 1400 Euro.

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Als Überraschung Novations Antwort auf den Acid-Boom: Cicuit Mono Station. Eine duophon-paraphonisch spielbare Groovebox mit Bass-Station-II-Klangerzeugung und bunt beleuchtetem, modernem Pad-Controller. Preis: 559 Euro.

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Krasser Gegensatz in der Modal-Electronics-Familie: Das kleine und günstige Do-it-yourself-Modell Craft Synth …

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… und seine große Modal-Verwandtschaft.

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Nicht unbedingt was für die Haptik, aber nett anzuschauen: Die Plugins aus dem Hause u-he.

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Wer wollte, konnte auch die Yamaha-Keyboard-Schulbank drücken. Nebenan die klassische Unterhaltungs-Abteilung, mit allem was dazu gehört, aber auch wiederum, und das ist die bekannte Yamaha-Widersprüchlichkeit zwischen Althergebrachtem und überraschenden Innovationen: Eine elektronisch steuerbare mechanische Apparatur zum Realisieren von Faderbewegungen am Hardware-Instrument, in diesem Fall bei einem Reface CS. Unter dem ist Synth die Kontrolleinheit zu sehen. Keine Frage, dass die Bewegungen natürlich auch aufgezeichnet und wiedergegeben werden können.

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Nicht ganz so lange wie Yamaha existiert der Berliner Synthesizer-Hersteller MFB. Hatte man noch unlängst mit den Dominion-X/X SED und Dominion 1 sowie dem Tanzbär eine Art MFB-Deluxe-Serie aufgelegt, scheint man sich seit Tanzbär Lite und Tanzmaus wieder mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Dosen werden kleiner, die Holzbacken überlässt man der Zubehörindustrie und kann dafür mit einem attraktiven Preis punkten.

Neuester Spross dieser Linie “Light” ist der MFB Club: Ein Synthesizer untergebracht in einer ungewöhnlich mintfarbenen Tanzmaus-Metall-Box. Er hat 2 VCOs und 1 Oszillator mit digitalen Wellenformen. 24dB Multimode Filter, alles morph- und MIDI-kontrollierbar. Sequencer und Arpeggiator vom Dominion 1 sind auch implementiert. Klingt knarzig und frisch.

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Gleich daneben ein Original aus Indien. Animal Factory Amplification, AFA, ist in Mumbai beheimatet und war bislang eher auf Tretminen spezialisiert. Jetzt wagt man den Sprung ins Tonerzeuger-Fach: Der Primordial Synth Theory ist ein konventioneller, festverdrahteter 2-VCO-Synthesizer mit eingebautem 4-Schritte-Sequencer, der aber mit Patchpunkten aufgebohrt ist. Als Kabel fungieren die kleinen Dünnen aus der Elektronikbastelkiste, die man schon vom Moog Werkstatt her kennt. Hier das Plexiglas-Demo-Modell des Synthesizers …

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Last not least: Paul Barker und seine ansonsten Module produzierende Firma Din Sync. Nomen est omen – er versucht der steigenden Nachfrage nach Original Roland TB-303 Bass Stations mit nachwachsenden Rohstoffe zu begegnen. Barker hat die Platine des Originals 1 zu 1 nachgebaut und auch den Prozessor, der den silbernen Engel zum Grooven bringt. Zum Selbstbestücken. Das Rezept: Je besser und originaler die Bauteile umso ähnlicher der Klang und am Ende, davon konnte man sich hier überzeugen, ist er identisch!

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Superbooth-Report Teil 2 folgt in Kürze …

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