GRP R24 Step-Sequencer (Teil 1)

Endlich ist er da – der GRP R24. Nach 2 Jahren Entwicklungszeit. Und? Hat sich das Warten gelohnt? In vielen (aber nicht allen) Bereichen: ja. Zunächst einmal ist er „tricky“. Der R24 kann wesentlich mehr, als wir uns jemals erwartet haben. Vielleicht aber kann er für manchen Benutzer gar zu viel, sofern das denn möglich ist.

Denn schließlich wünscht man sich als Musiker ab und zu das Einfache, das Simple. Wie etwa einen Moog 960 Sequenzer (so ziemlich das reduzierteste Modell in dieser Kategorie – stattlich und sehr schön verarbeitet, keine Frage, aber letztlich extrem limitiert in seinen Möglichkeiten: 3×8 Schritte, „eine“ Laufrichtung, aus). Erhältlich ist der Ur-Sequenzer à la Moog in moderner Bauweise von DotCom (Q960 Sequential Controller) und von COTK (C960 Sequential Controller) …

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Ähnliche, jedoch schon etwas ausgefeiltere Sequenzer bieten (nochmals) DotCom (Q119 24-Stage Sequencer) und Moon Modular (M569 Quad Sequential Voltage Source). Optisch ausgefallen, da mit kreisrundem Step-Verlauf, sind die Modelle von MFOS (16-Step Rotary Analog Sequencer) sowie von Scott Stites (KLEE Sequencer, in mehreren Varianten).

Nun, und der „primus omnium“ (der beste aller Klassenbesten) stammt wohl von SND/Sebastian Niessen (SAM-16 Sequential Analogue Memory, nicht mehr in Produktion).

Dann wird es allerdings langsam dünn im Bereich der „großen“ Step-Sequenzer im 5HE-Format.

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Der GRP R24 füllt nun einen Bereich, der – unerklärlicherweise – schon seit Jahrzehnten stark unterbesetzt geblieben ist. Jene Nische eines üppigen, flexiblen Step-Sequenzers mit großen Klinken, MIDI und (!) CV-Gate sowie mit Programmspeicher. Während auf klangtechnischer Seite dutzende (und aber dutzende) neue Analogsynthesizer das Licht der Welt erblickten (und es noch immer tun), hat sich im analogen Steuerbereich sehr wenig getan.

Schließlich aber – und das wissen die Hardliner im Studiobetrieb schon lange – sind es die direkte Step-Programmierung und die speziellen Ablaufmuster eines Hardware-Sequenzers, die jene gut konzipierten analogen Synthesizer erst wirklich zum Grooven bringen. Das Eine benötigt das Andere.

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GRP hat die Nische also belegt und einen leistungsfähigen MIDI/CVgate-Step-Sequencer für den kreativen Musiker erschaffen, und weckt zudem (wohl sehr zum Leidwesen vieler Musiker, die sich vorgenommen haben, unwiderruflich „keinen“ neuen Klangerzeuger mehr zu kaufen) auch mit dem GRP A2 neue Wünsche. R24 und A2 – das Sequenzer-Synthesizer Dream-Team? Gut möglich. Erstmals seit dem Paket “Korg SQ-10 und MS-10″ (oder MS-20) ist wieder ein analoges Klang- und Performance-Duo im Partnerlook erhältlich.

Doch um Optik geht es natürlich nur am Rande. Es geht vor allem darum, was „unter“ der Haube der einzelnen Instrumente steckt. Was der GRP A2 kann, das haben wir bereits in einem ausführlichen Testbericht gezeigt. Und was der GRP R24 zu leisten imstande ist, darum geht es in den folgenden Zeilen …

R24: Herausnehmen oder drinnen lassen?

Dem GRP R24 liegt ein duales Konzept zugrunde. Man kann ihn – so wie er ist – als Stand-Alone Gerät betreiben, oder aber aus seinem Gehäuse herausnehmen und in einem DotCom/Moon Modular System schrauben. Bleiben wir gleich dabei: Betreibt man den R24 in einem DotCom- oder Moon-Modular-System, so ist der hierfür nötige Modul-/Bus-Anschluss bereits auf der Hauptplatine des R24 vorhanden.

Sollte man nun den R24 entnehmen und das „leere“ Gehäuse als nutzlos betrachten, so irrt man sich: genormt im 5HE-Format, kann es natürlich andere Module aufnehmen. GRP hat also an alles gedacht.

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Wird der R24 als Stand-Alone Gerät verwendet (wie wohl meistens der Fall), gibt es wieder 2 Möglichkeiten: Man lässt ihn so, wie er ist (mit den eleganten, abgerundeten Holz-Seitenteilen), oder man nimmt die Holzteile ab und ersetzt sie durch die (bereits mitgelieferten) Rack-Schienen, um so den R24 in ein 19-Zoll-Rack zu schrauben.

Doch damit endlich zu den …

Features des R24

Der R24 bietet:

  • 64 Speicherplätze für Sequenzen.
  • 3 Reihen, die sowohl analog über CV/GATE ausgegeben werden, zugleich aber auch digital über MIDI, wobei jede Spur ihren eigenen MIDI-Kanal haben kann.

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Globale Performance-Features:

  • 3 Sequencer-Modi für unterschiedlich lange Sequenz-Abläufe. Je nach Sequencer Mode kann man die Reihen wie folgt nützen:
    – 3 parallele Sequenzen zu 8 Schritten, oder
    – 2 parallele Sequenzen, aufgeteilt in 16 Schritte und 8 Schritte, oder
    – 1 lange, serielle Sequenz zu 24 Schritten.
  • 6 Advance-Modi (unterschiedliche Spielrichtungen), inkl. Random und Alternierung.

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Individuelle Performance-Features pro Reihe:

  • Quantisierung (on/off), Portamento und Sample & Hold.
  • 6 Step-Order Abläufe (Schritte wiederholen sich bzw. springen vor/zurück in bestimmten Mustern). Zudem können eigene Step Order-Muster erstellt und abgespeichert werden.
  • 3 Step-Repeat Modi (Schritt-Wiederholung: x2 – x3 – x4).
  • 4 Sequenz-Repeat Modi (Sequenz-Wiederholung: x2 – x3 – x4 bzw. ständige Wiederholung).
  • 6 Advance-Divider Modi (/2 – /3 – /4 – /8 – /16 bzw. unverändert), eigentlich “Clock” Divider Modi, womit die 3 Spuren in bestimmten Teilungsverhältnissen zueinander laufen können.

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Individuelle Performance-Features pro Schritt:

  • Jeder Schritt erzeugt neben dem CV-Wert auch bis zu zwei (!) Gate-Signale. So erhält man zu den insgesamt 3 CV-Spuren noch bis zu 6 Gate-Spuren, derer individuelle Rhythmen sich über die Kippschalter GATE1/2 einstellen lassen.Die GATE-Spuren 1/2 pro Reihe sind “entweder-oder” Spuren. Jeder Schritt hat entweder GATE 1 oder GATE 2.
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    Wenn man ein durchgehendes GATE-Signal benötigt (zum konstanten Triggern eines externen analogen Synthesizers beispielsweise), so müssen alle GATE-Kippschalter auf GATE 1 (oder auf GATE 2) gestellt werden. Eine zweite GATE-Spur gibt es in der betreffenden Reihe dann nicht (da hier alle GATE-Signale “einem” GATE-Bus zugeordnet sind). Da der -R24- aber über zwei weitere Reihen verfügt, bleiben immer noch genug GATE-Spuren übrig für zusätzliche, individuelle GATE-Abläufe bzw. -Rhythmen.

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Neben GATE 1 und GATE 2 gibt es noch die Mittelposition OFF, die vor allem zur Erzeugung von Pausen dient. Wenn kein GATE erzeugt wird, bleibt das zugehörige Step-LED dunkel.

  • Funktion 1 (FNC 1) bzw. Funktion 2 (FNC 2) erlauben werkseitig das doppelte (FNC1) bzw.  dreifache (FNC2) Abfeuern jedes einzelnen Steps, wobei sich die Geschwindigkeit der Sequenz natürlich nicht ändert. So lassen sich auf einfache Weise rhythmische Variationen erzeugen. Es stehen insgesamt 4
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    Wahlmöglichkeiten zur Belegung von Funktion 1 bzw. Funktion 2 zur Verfügung:
    – Portamento on/off (Portamento dann nur für einzelne Steps)
    – Doppelschlag (werksmäßig auf FNC 1 programmiert)
    – Triole (werksmäßig auf FNC 2 programmiert)
    – Vierfachschlag

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  • SKIP und END STEP sind weitere Feinheiten, die zur kreativen Entfaltung in rhythmischer Hinsicht anregen. Während SKIP den betreffenden Schritt einfach auslässt (es entsteht “keine” Pause, die Sequenz geht direkt zur nächsten Note über), erzeugt END STEP – wie der Name sagt – den Schlusspunkt der Sequenz und definiert somit auch den Loop-Punkt.
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    Mit END STEP lassen sich ganz simpel Klangverschiebungen im Stile der Minimal Music erzeugen. Unterschiedliche Längen der einzelnen Sequenzer-Spuren führen zu sich ständig ändernden klanglichen Eindrücken, da die Überlagerungen mit jeder Wiederholung anders und damit “neu” sind. Voilà: Leicht gemacht und klingt gut!

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GRP R24
MIDI / CV-Gate Step-Sequencer

Preis:
1434 € + MwSt. + Versand

Website: www.grpsynthesizer.it
Kontakt:

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Weiter zu Teil 2 des Berichts

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Um die Flexibilität des R24 etwas aufzuzeigen, wurden die Klangbeispiele mit unterschiedlichen MIDI- und/oder CV-Synthesizern realisiert:

  • R24 und Vermona 14 Analog Synthesizer (und John Bowen Solaris): Die Sequenz wird während der Aufnahme ständig leicht verändert, FNC1 (Doppelnoten), GATE OFF (Pause) und END STEP kommen häufiger zum Einsatz.
  • R24 und Arturia MiniBrute: Kontrolle via MIDI (Noten) und CV (VCF IN).
  • R24 und Novation KS5 (1): Der Novation Synth überrascht mit PPG-ähnlichen Sounds, MIDI Kontrolle natürlich.
  • R24 und Novation KS5 (2): Die organischen Klänge des KS5 ergänzen sich perfekt mit lebendigen Step-Sequencer-Performances.
  • R24 und Octave The Kitten II: Das kleine Kätzchen ist ein MONSTER!
  • R24 und Roland Jupiter-8 (1): Der R24 steuert Arpeggiator, VCF und VCA des Jupiter (alles analog).
  • R24 und Roland Jupiter-8 (2): Obwohl er natürlich ohnehin schön klingt, wird der Sound des Roland-Klassikers nochmals mit einem Boss CE-1 Chorus aufgefettet.
  • R24 und Yamaha TX-802: Auch FM kann lebendig klingen :o)

2 Gedanken zu “GRP R24 Step-Sequencer (Teil 1)

    • … ja, da hast du mich gleich überzeugt :o) (Danke nochmals).