Waldorf Rocket – Akte X für unter 250 Euro

Selten genug passiert es, dass ein neuer Synthesizer bereits zu haben ist und niemand weiß Bescheid. Nun, ganz so ist bzw. war es in der Tat ja doch nicht, aber der Waldorf Rocket schien fast wie vom Himmel gefallen. Die kleine, quadratische Rakete darf durchaus als Überraschungskandidat des Frühjahres 2013 gesehen werden.

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Bei schlanken 18,5 x 18,5 cm ist der Rocket ein weiteres Mitglied der nunmehr schon ansehnlichen Armee an Mini-Synthesizern, die es am aktuellen Markt gibt. Das Instrument ist monophon bzw. homophon, 8-stimmig homophon – um genau zu sein. Homophonie ist quasi eine musikalische Kreuzung von Mono- und Polyphonie. Zwar können mehrere Stimmen erklingen (eben 8 in diesem Falle), doch sind sie auf “eine” Klangformung (ein VCF, einen Verstärker, zwei Hüllkurven) beschränkt, was eine einheitliche Klangwiedergabe – vereinfacht gesagt eine einheitliche rhythmische / zeitliche / klangformende und damit eben monophone Struktur – bedeutet.

Noch einfacher gesagt können bis zu 8-stimmige Akkorde gespielt werden, aber keine eigenständigen bzw. individuellen / unabhängigen 8 Stimmen. Doch die große Anzahl an Oszillatoren ermöglicht nunmal besagte dicke Akkorde ebenso wie mächtige Unisono-Klänge (deren Stimmung / Spreizung am Instrument eingestellt werden kann).

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Die Beschränkung der “Polyphonie” auf akkordisches Spiel tut der Sensation rund um den Waldorf Rocket damit keinen Abbruch. Bei schlanken 244 Euro Verkaufpreis gibt es neben den (digitalen) 8 Oszillatoren noch ein MultiMode VCF, zwei Hüllkurven, einen Verstärker sowie eine Einheit rund um LFO und Arpeggiator. Während der LFO bei einem Frequenzumfang zwischen 0.05 Hz und 50 Hz eher im Normalbereich liegt, ist die Geschwindigkeit des Arpeggiators zwischen 24 bpm und 600 (!) bpm doch wieder sensationell. MIDI und USB sind an Bord, ebenso wie ein Audio-Eingang, um so externe Signale mit dem Waldorf MultiMode Filter nachzubearbeiten. Das Aufgebot des Rocket scheint also – angesichts des Preises – absolut erstaunlich.

Vielleicht ist sie ja doch vom Himmel gefallen, die kleine Rakete von Waldorf.

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Unser umfassender Rocket Testbericht ist hier zu finden:
http://greatsynthesizers.com/test/waldorf-rocket-der-synth-der-vom-himmel-fiel

Weitere Informationen des Herstellers unter:
http://www.waldorf-music.info/de/uebersicht-rocket-synthesizer.html

Alle Grafiken (c) Waldorf.

2 Gedanken zu “Waldorf Rocket – Akte X für unter 250 Euro

  1. Also, fassen wir mal zusammen: Für unter 250 Euro bekommt man einen vielstimmig-analogen Synthesizer, der seine Vielstimmigkeit digital erkauft (also keine 8 DCO, sondern eher 1 VA-Oszillator). Das Filter aber ist schon analog, während alles andere dann wieder klassisch digital abgearbeitet wird? (Das ein Filter reicht versuchte mir der Poly800 auch schon zu erklären. Oder ist die 8-fach-Polyphony anders gemeint?).

    Als unbelehrbarer Freund analoger Syntheseizer, der mit seinem digital kontollierten Mopho durchaus Frieden geschlossen hat, werde ich da mit dem Rocket glücklich?

    • So weit es den Informationen seitens Waldorf zu entnehmen ist, hat der Rocket einen VCF und einen VCA. Das Thema der Beschaffenheit der Oszillatoren (analog, digital) wird grundsätzlich in der Literatur ausgespart, doch würde es als “Unique Selling Point” sofort angepriesen, handelte es tatsächlich 8 analoge Oszillatoren.

      Der Vergleich mit dem Poly-800 (“ein” Filter) stimmt. Wobei der Poly 800 keinen Unisono-Modus bietet, man dort die Fülle an DCOs also nicht entsprechend für massive Mono-Klänge nützen kann.

      Nun, ob man mit dem Waldorf Rocket glücklich wird? Braucht man ihn überhaupt? Für Musiker mit kleinem Budget ist das Instrument sicherlich eine Bereicherung des aktuellen Angebots am Markt. Bei realen 220 Euro Einkaufspreis würden mich hohe Ansprüche auch etwas verlegen machen. Ich sehe es positiv. Der Rocket ist ein Instrument mit “richtigen” Schaltern, einem sicherlich guten Sound (anderes würde Waldorf nicht zulassen) und wohl einfach wie auch intuitiv zu bedienen. Man stelle sich 2 Stück davon Seite an Seite ins Studio und arbeite mit stereophonen Filtersweeps und gegengleichen Arpeggio-Mustern. Das ist zwar nicht neu, aber es klingt verlockend …

      Ein Testbericht wird natürlich folgen – wenn der erste Hype einmal vorbei ist und sich die Musikwelt etwas beruhigt hat …